📖 Rezension zu: „Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen“ von Ulla Scheler

Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen

Dying is fine, but Death – wenn sich die Angst ihren Weg in einen unbeschwerten Sommer bahnt.

Ben ist anders als alle Menschen, denen Hanna je begegnet ist. Er sprüht Graffitis – an das Rathaus, an das Haus seiner Familie oder als Geburtstagsgeschenk für Hanna an die Schule – sein Einfallsreichtum was Lebensweisheiten, die er kinderlicht aus der Luft zu fischen scheint, wirkt unermesslich; er zeichnet – ohne aufblicken zu müssen, weil die Motive in ihm schlummern, lässt er den Bleistift über Papier huschen, er ist der beste Märchenerzähler, den Hanna kennt. Außerdem ist er ihr bester Freund, und das obwohl sie so unterschiedlich sind…

So viele Erinnerungen teilt sie mit Ben: Wie er bei einem Gewitter einen Baum hinaufklettert, mit den Worten, Blitze schlügen in Bäume, nicht in Kinder, ein. Und plötzlich ist er fort. Erst nach einem Monat, in dem Hanna merkt, wie sehr sie ihren besten Freund braucht, kehrt er wieder zurück und ist verändert. Auf Hannas Fragen reagiert er ausweichend, sodass Hanna Angst bekommt, ihn zu verlieren.
Dann, das Abi in der Tasche, bekommt sie die Möglichkeit, sich gänzlich gegen ihn zu entscheiden, oder mit ihm ein Abenteuer zu wagen. Angst hatte sie schon genug in ihrem Leben, wie Ben ihr oft genug gezeigt hat, und so wagt sie sich auf eine Reise, deren Ziel sie nicht kennt. Ben hat bereits alles vorbereitet, sodass sie sich, als sie das Meer erreichen, so frei und unbeschwert wie nie fühlen. Sie überwinden Ängste und verstehen, was ihnen im Leben wichtig ist, was sie erreichen möchten.
Diese traumhafte Zeit bekommt jedoch erste Risse, als Chloé, ein blondes Mädchen in Ben und Hannas Alter, an dem von den beiden Freunden eroberten Strandabschnitt auftaucht und ihnen eine düstere Geschichte erzählt. So traurig und unrealistisch sie auch ist – Chloé beharrt darauf, dass sie die Wahrheit erzählt. Sollen die beiden Unbeschwerten die Warnung ernst nehmen? Sich den Spaß, die Freiheit nehmen lassen? Sofort? Oder erst wenn Dinge, Wahrnungen gleich, auftauchen und Unwahrscheinliches passiert?
Oder in dem Moment, in dem einer der beiden in einer stürmischen Nacht alles zu verlieren droht? Einfach aufzugeben und die Angst gewinnen zu lassen könnte nach diesem Sommer doch eigentlich nicht mehr in Frage kommen… Oder?

„Zu meinem Geburtstag schenkte Ben mir eine Sachbeschädigung. Natürlich hätte Ben nie daran gedacht, mir ein normales Geschenk zu machen, aber damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet.“ Von der ersten Seite an, packte mich das Buch. Sehr schnell ging der Schreibstil von ironiebeladenen Beschreibungen zu unglaublich bildhaften, poetischen und sehr klanghaften Beschreibungen über, wobei die zahlreichen Ausdrücke keine schon x-mal in unzähligen Büchern oder Gedichten verwendete Flosken von dem Charme der wie Sterne funkelnden Augen darstellen, sondern neue Ideen und Kreationen sind. So konnte ich mich in dem Buch verlieren, denn aus einer so zauberhaft erzählten Geschichte aufzutauchen fällt sehr schwer. Die sprachliche Leistung, die Ulla Scheler, gerade als sehr junge Debüt-Autorin, erbringt, ist wirklich bemerkenswert! Das Meer scheint stets greifbar nah zu sein, still schwingt es immerzu mit und taucht so in der Wortwahl häufiger auf.
Dabei versteht es die Autorin mit ihrer ruhigen, aber energiegeladenen Schreibweise den Figuren nicht nur Form zu geben, sondern ihnen auch schon auf den ersten Seiten Leben einzuhauchen. Dadurch, dass Hanna, aus deren das Buch geschrieben ist, häufiger an die Vergangenheit erinnert wird oder beschreibt, was einzelne Personen in ihren Augen ausmacht, lernt man die Charaktere auf eine ganz besondere Art kennen. Sehr schnell konnte ich mir vorstellen, wie sich Ben und Hanna, am Strand sitzend, Gedichte oder Geschichten vorlesen und wie Hanna in die Bücher kritzelt, was Ben eigentlich nicht ausstehen kann, bei ihr aber gut findet, weil sie ihm so vertraut ist und nur so echt ist.
Wie sich die beiden anstacheln und sich ihre Freundschaft ändert, ist in meinen Augen zwar klischeehaft – dass sie sich näher kommen ist ja wohl recht absehbar – aber auf so einfühlsame Weise geschildert, dass es einen nicht annervt. Nur zwischendurch vielleicht mal.
Sehr habe ich auch die Gespräche genossen, da sie oftmals ein Hin- und Herwerfen sarkastischer Bemerkungen sind, welches durchscheinen lässt, wie sehr sich die Charaktere letztendlich – trotz möglicher Differenzen – mögen.
Die Handlung an sich ist meines Erachten leider sehr vorhersehbar, was für mich ein weiterer Kritikpunkt ist. Allerdings ist die Idee als solche gelungen… An dieser Stelle lässt mich das Buch zwiegespalten zurück, die Legende – ob wahr oder nicht – gewissermaßen auf ein Ereignis zurückzuführen ist. Und eben dieses erscheint mir arg unrealistisch… Zweifelt man dieses jedoch an, fällt die halbe Handlung wie das berühmte Kartenhäuschen/ das on einer Gebäude-Sprengung betroffene Hochhaus zusammen.

Letztendlich bin ich mit dem Buch aber mehr als zufrieden, das Ende ist rund und vielversprechend und der Schreibstil verdient ein „phantastisch“. Mir hat es sehr gefallen, Ben und Hanna zu begleiten und zu beobachten, wie sie Stück für Stück erwachsener werden. Besonders schön waren für mich auch die Passagen, in welchen beispielsweise aus Gedichten von E.E. Cummings zitiert wird und diese Zeilen einfach perfekt zum Erzählten passen. Gerade wegen des Schreibstiles sehe ich auch über meine Kritikpunkte hinweg und vergebe – nach längerem Kampf – dennoch 4,5 euphorisch ihr Funkeln auf das Meer zaubernde Sterne. Wenn man ein Buch hauptsächlich aufgrund der Erzählweise lesen kann und mag, wird einem „Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen“ zusagen können.

4_5_sterne

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📖 Rezension zu: „Mord in der Mangle Street“ von M.R.C. Kasasian

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Gin, Tee, schwarzer Humor und ein kniffliger Fall!

Nachdem ihr Vater gestorben ist, macht sich die junge March Middleton im Jahre 1882 auf den Weg nach London, um dort bei ihrem Patenonkel unterzukommen. Da es um ihre finanziellen Mittel nicht ganz so rosig bestellt ist, bleibt ihr auch keine andere Wahl, als sich in die Obhut des ihr bisher gänzlich unbekannten Mannes zu begeben. Sie weiß lediglich aus einem Brief, den sie vor kurzem erhielt, dass Sidney Grice, ihr Vormund, so eine alte Schuld begleichen möchte.
Wie sie im Gespräch mit Harriet, einer Dame von March’s Alter, mit welcher sie sich ein Zugabteil teilt, erfährt, ist Sidney Grice keineswegs irgendein Mann in England. Tatsächlich ist der Persönliche Ermittler, wie er die Bezeichnung „Privatdetektiv“ stets zu verbessern pflegt, aufgrund seiner unglaublichen Kombinationsgabe und seinem Geschick im Umgang mit den haarsträubensten und kniffligsten Fällen zu großer Berühmheit gelangt.
So wundert es nicht, dass March, sobald sie das Haus Nummer 125 in der Gower Street erreicht hat, mit ihrem ersten Kriminalfall konfrontiert wird. Ein Mann soll seine Ehefrau umgebracht haben und nun dafür gehängt werden; seine Schwiegermutter ist jedoch felsenfest von seiner Unschuld überzeugt, da dieser herzensgute Mensch niemals eine derart brutale Tat verübt haben könnte. Da für Mr. Grice primär Geld über das Annehmen oder Ablehnen eines Auftrags entscheidet, zeigt er für das Angebot der eher ärmlichen Dame kein Interesse. March aber, von der Geschichte zutiefst gerührt, verspricht, für alle Kosten aufzukommen, sofern sie den Ermittler bei seinen Recherchen begleiten darf.
Und so lässt sich der von sich so überzeugte Sidney Grice dazu herab, seine wertvolle Zeit mit dem Lösen des Falles zu vergeuden. Denn eines steht fest: Mr. Grice glaubt längst in dem Ehemann seinen Täter gefunden zu haben – March jedoch spürt, dass er es nicht gewesen ist.
Deswegen lässt die durchaus unkonventionelle March erst recht nicht locker und verblüfft so nicht nur ihren Patenonkel…

Sehr schnell konnte ich in das Buch abtauchen, da es einen dank der atmosphärischen Erzählweise gekonnt nach London im Jahre 1882 entführt, wo auf der Straße jeder eine Bedrohung darstellen kann, man besser mit einem parfümierten Taschentuch ausgestattet sein sollte, um ekelerregenden Gerüchen Herr zu werden oder Menschen von der Bildfläche verschwinden, ohne dass es jemand merken oder irgendwen kümmern würde. Sehr humorvoll sind dabei die Beschreibungen von March, aus deren Sicht das Buch geschrieben ist. So verspürt sie beispielsweise bei dem Gedanken daran, dass sich in Mr. Grice’s Haus ein Badezimmer mit Toilette befindet, größten Ekel – kein Wunder, dass London so verseucht ist, wenn von Hygiene derart wenig gehalten wird.
Auch ist sie der Zeit kaum angepasst: Sie genehmigt sich gerne einen Gin, sagt zu einer Zigarette nicht nein, kann dem Anblick verwester und angefressener Leichen ohne Ohnmachtsanfälle standhalten und weiß sich durch zynische Bemerkungen in der Männerwelt durchaus zu behaupten. Ihre Wortgefechte mit zahlreichen anderen Charakteren brachten mich immer wieder zum Schmunzeln oder Auflachen, da sie mit ihrem Scharfsinn zielsicher ins Schwarze trifft.
Aber auch Sidney Grice ist eine sehr interessante Figur, die bei mir Seite um Seite gewann. Denn auch wenn er zunächst als absoluter Unsympath auftritt, der sich um seine Mitmenschen keineswegs, für Geld dafür umsomehr, sorgt, bröckelt diese Fassade doch zeitweise. Darüber hinaus konnte ich mir ausgesprochen gut vorstellen, wie er zwischendurch ein Lächeln zu unterdrücken versucht, sich dann mit der Hand vor das Auge fasst, um das nicht ganz passende Glasauge, welches nur zu gerne aus seiner Höle springt, auffangen zu können. Auch zaubert einem seine eher weniger positive Einstellung gegenüber Menschen in zahlreichen Situationen ein Lächeln ins Gesicht – an anderen Stellen möchte man ihm am liebsten gehörig die Meinung sagen. Zum Glück nimmt einem dies March punktgenau ab.
Aber auch die übrigen Charaktere sind sehr schön gezeichnet, sodass man sich ein lebensnahes Bild von ihnen machen kann und sich das Kopfkino nie ausstellt.
Der Fall ist äußerst spannend und hält viele Wendungen bereit, sodass es viel Spaß macht, Mr. Grice und March bei den Ermittlungen zu begleiten.
Darüber hinaus lässt sich das Buch der packenden Schreibweise und des schwarzen Humors wegen, sehr angenehm lesen.

Dieser Band hat wirklich meine Neugierde geweckt, sodass ich hoffe, möglichst bald einen weiteren bis zur letzten Seite spannenden sowie humorvollen Fall, der bravourös von dem so gegensätzlichen Ermittler-Duo gelöst wird, lesen und so auch noch mehr über die Charaktere erfahren zu können.

Ich vergebe 5/5 Sternen

5-Sterne

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📖 Rezension zu: „Harry Potter und der Feuerkelch“ von Joanne K. Rowling – – Lese-Challenge Woche 4

Düster und packend!

Ein Lichtblick in den Ferien, die bei den Dursleys verbracht reinste Qualen sind, ist Harry die Quidditch-Weltmeisterschaft, welche er mit den Weasleys und Hermine besuchen darf. Von den Flugkünsten der Spieler gefesselt und begeistert, beeindruckt dieses spektakuläre Ereignis Ron, Harry und Hermine mächtig. Doch dann werfen dunkle Zeiten ihren Schatten voraus: Todesser, die einstigen Anhänger und Verbündeten des dunklen Lords, nehmen auf dem nahegelegenen Zeltplatz eine Muggelfamilie gefangen und verbreiten in der großen Menschenmasse Angst und Schrecken. Als dann auch noch das dunkle Mal, welches mit seinem Totenkopf, aus dessen Mund sich eine Schlange windet, das unvergessene Zeichen Voldemorts darstellt, am Himmel erscheint, ist die Panik komplett, sodass alle Zauberer und Hexen zu fliehen versuchen. Wiedereinmal wird zunächst bei Harry Potter und seinen beiden Freunden der Schuldige gesucht – und der ein oder andere lässt sich von ihrer Unschuld nicht gänzlich überzeugen…
Doch ist es damit noch längst nicht zu Ende: In Hogwarts wird das erste Mal seit etlichen Jahren das trimagische Tunier stattfinden, wie zum Schuljahresbeginn unter Jubelrufen verkündet wird. Sogar Schüler aus anderen Ländern, von anderen Zauberschulen werden anreisen, um antreten zu können: Von Beauxbatons und Durmstrang. Dem Gewinner winken sowohl Ruhm und Ehre als auch eine nicht unbeträchtliche Summe Zauberergeldes, weswegen schon alle Pläne schmieden, wie sie, obwohl sie zu jung sind, teilnehmen können. Doch sowohl der Pokal als auch die ihn umgebenden Bannkreise sind unbestechlich. Allerdings werden, anstatt jeweils einen Schüler von jeder Schule als Champion auszuwählen, vier Namen von dem Pokal ausgewählt – der vierte Champion ist niemand geringerer als Harry Potter.
Da er gewählt worden ist, muss er antreten obgleich er zu jung ist und er seinen Namen nicht selbst in den Kelch geworfen haben kann… Nur ein mächtiger Zauberer besäße die Macht dazu…
Allmählich beginnen Hermine, Ron und Harry zu glauben, dass es erneut jemand auf den Waisenjungen abgesehen hat. Nicht nur, dass bereits zahlreiche Teilnehmer des Trimagischen Turniers bei den vergangenen Austragungen den Tod fanden, auch Harrys Narbe bereitet Grund zur Sorge… Denn auch wenn viele behaupten, der Unaussprechliche sei endgültig besiegt, sammelt er in den Tiefen der Finsternis seine Kräfte, um wieder aufsteigen und die Welt unter seine Tyrannei stellen zu können und um seinem Rivalen Harry Potter nach all den Jahren einen qualvollen Tod zu bringen…

Dieses Buch der Reihe ist spürbar düsterer als seine Vorgänger, was man bereits auf den ersten Seiten bemerkt. Gleichzeitig werden die Handlungsstränge immer verwobener, Fragen aus den letzten Bänden werden geklärt – oder ausgebaut – und neue kommen auf. Rowling gelingt es in diesem Werk von 768 Seiten nie Langeweile aufkommen zu lassen. Stets fiebert man mit, wittert Verschwörungen, schließt neue Charaktere ins Herz und wird gezwungen, sich von anderen zu verabschieden. Die vielen so unterschiedlich und realistisch gezeichneten Figuren verleihen dieser Reihe ihren ganz besonderen Charme – auch die kurzweiligen Unterhaltungen konnten mich für sich gewinnen.
Auch wird es immer deutlicher, dass Harry, Ron und Hermine erwachsen werden. Voller Ideenreichtum gelingt es der Autorin den Leser tiefer in die Welt der Magier und Zauberer eintauchen zu lassen, wobei nun auch andere Schulen für Zauberei von Bedeutung sind.
Ich vermochte das Buch des stimmungsvollen und packenden Schreibstils wegen in der dreitägigen Lesezeit kaum aus der Hand zu legen und bin gespannt, wie sich im nächsten Band die Lage zuspitzen, die Bedrohung ausweiten und die Gefahr zunehmen wird.

So vergebe ich 5 am düsteren Himmel funkelnde Sterne

5-Sterne

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📖 Rezension zu: „Die sedierte Gesellschaft: Wie Ritalin, Antidepressiva und Aufputschmittel uns zu Sklaven der Leistungsgesellschaft machen“ von Lena Kornyeyeva

Die sedierte Gesellschaft

Schöne neue Welt? Wohl eher nicht…

Schon längst ist es üblich geworden, jegliches von unserer Leistungsgesellschaft als unerwünscht aufgefasstes Verhalten unter Einsatz legaler Drogen einzudämmen, die Menschen zu „optimieren“. So sind inzwischen mehr als achtmal so viele Menschen von verschreibungspflichtigen Medikamenten abhängig wie von illegalen Drogen. Lena Kornyeyeva beschreibt in ihrem Buch erschreckende Zustände, die bereits bedrohlich viele Gemeinsamkeiten mit Huxleys „schöner neuer Welt“ aufweisen. Einziger Trost hierbei scheint, dass die bewusstseinsverändernden Substanzen noch nicht mit dem Trinkwasser verabreicht werden.
Dabei wird an hinterlistigen Methoden, Aufputschmitteln gegenüber kritisch stehende Menschen auch auf den Geschmack zu bringen, nicht gespart. Zu den Medikamenten werden passende Krankheiten gefunden, diese werden mit einem guten Image versehen und schon klingelt die Kasse – und davon profitiert nicht nur die Industrie…
Doch sind die kleinen Helferchen keineswegs so harmlos wie sie erscheinen: Nicht nur, dass häufig, russischem Roulette ähnelnd, Nebenwirkungen einfach in Kauf genommen werden, allmählich beginnen die „Normalen“ die „Kranken“ zu sein, jeder fällt in das Raster irgendeiner Erkrankung, unter dem Zwang der ewig fordenden, nie gebenden, Leistungsgesellschaft brechen die Menschen reihenweise zusammen. Die Ursachen zu behandeln nimmt zu viel Zeit in Anspruch, Arbeitsausfall wäre die Folge, also wird lieber die Symptombekämpfung – oder in diesem Fall -unterdrückung – vorgezogen. Die Wirtschaft freut es.
Aber wenn Menschen ihren Verstand betäuben und somit entmachten, hat die Entwicklung fort von souveränen Individuen bereits begonnen und das Gefühl, zu einer fremden Welt zu gehören breitet sich aus.
Dabei ist die Geschichte der Psychopharmaka keine der letzten Jahre: Beispielsweise im Zeiten Weltkrieg wurde Pervitin an Soldaten als „Panzerschokolade“ verabreicht, um sie länger leistungsfähig und angstbefreiter zu machen, um somit ihre Bereitschaft zu töten zu erhöhen. Dass zu dieser Zeit auch Politiker ihren Psychopharmaka-Cocktail einnahmen, verwundert da nicht…
Zunehmend leiden aber auch Kinder unter der übereilten Vergabe von Medikamenten. Ritalin, in der Drogenszene wohl auch unter dem Namen „Kinder-Kokain“ bekannt, ist ein solches Beispiel: Schwammige Symptome werden zu einer Krankheit gefasst, obwohl sie keineswegs als krankhaft zu bescheiben wären: „Ausgeprägter Gerechtigkeitssinn, auffallend gutes Aufnahmevermögen und Gedächtnis für subjektiv Interessantes, bei Interesse extreme Konzentrationsfähigkeit (Hyperfokussierung), spontane Hilfsbereitschaft, Empathiefähigkeit, Fürsorglichkeit, Hypersensibilität, Kreativität, Phantasie, Experimentierfreudigkeit (…)“ (S. 156) – da mag man sich doch den „gesunden“ Menschen gar nicht vorstellen.
„Etwas läuft falsch mit dieser Welt.“ (S. 217) Ein Satz der meine Gedanken während und auch nach der Lektüre auf den Punkt bringt… Gerade einmal fünf Jahre alte Kinder, die glauben, ohne Medikamente nicht mehr unter die Leute gehen zu können, sind mehr als alamierend…
Das ständige Pathologisieren und Verschreiben bewusstseinsverändernder Medikamtente nur um des Funktionierens wegen, sind definitiv der falsche Weg. Allerdings scheinen wir uns bereits in einer sedierten Gesellschaft zu befinden, in der legale Drogen dem Menschen helfen, so zu denken wie gewünscht – nämlich unkritisch und nicht reflektiert -, nur das zu tun, was gewünscht ist, nicht quer zu denken, kein Individuum zu werden. Arbeit vor Selbstfindung. Wie selbstverständlich es ist, Mittel einzuwerfen, um „besser“ zu sein, ist erschreckend: Kinderbücher, in denen kleine Känguru-Kinder, noch bevor es zu irgendeinem tröstenden Gespräch kommt, gegen ihre durch den Umzug eines Freundes verursachte Trauer vom Spezialisten, dem starken Bären, ein Medikament gegeben bekommen, sodass es ihnen durch die tägliche Einnahme schon bald wieder blendend geht, sind leider genauso leicht zu finden wie Fernsehsendungen, in denen ein Obdachloser, nachdem er Aufputschmittel im Abfall gefunden hat, schon nach kurzer Zeit im Anzug auf sein Vorstellungsgespräch wartet. Wie frei sind wir da noch?

„Die sedierte Gesellschaft: Wie Ritalin, Antidepressiva und Aufputschmittel uns zu Sklaven der Leistungsgesellschaft machen“ ist ein erschreckendes und erschütterndes Buch, das ungeschönt zeigt, was wir uns mit dem ständigen Leistungsdruck und dem Wunsch nach „Optimierung“ eigentlich antun. Ich bin von diesem Werk schwer beeindruckt und denke, dass es zu diesen Büchern gehört, die – am besten von jedem – gelesen gehören, damit sich doch noch etwas ändern kann. Kornyeyeva behandelt das Thema in einer derart umfassenden Art, dass man sich der Dringlichkeit und Fatalität unseres Verhaltens nur zu bewusst wird.
Dadurch dass die Psychologin regelmäßig Fallbeispiele einstreut, geht das Gelesene erschreckend nah und man möchte sich am liebsten die Hände vor den Kopf schlagen… Sehr berrührend wird es darüber hinaus, wenn das Schicksal von Kindern, die einfach ruhig gestellt werden damit sie nicht so viel Arbeit machen, beschrieben wird, oder wenn gezeigt wird, wie schnell man an die legalen Drogen gelangt: In der Regel reicht ein Arztbesuch. So verwundert es auch nicht dass diese Mittel dreistellige Zuwachsraten im Jahr erzielen und Menschen jeden Alters und Hintergrundes betreffen.
Das Buch hinterlässt bei mir ein Gefühl der Wut – darüber dass wir – die wir doch offensichtlich betroffen sind – so wenig über das Thema informiert werden. Es bleibt zu hoffen, dass sich bald etwas ändert, denn so geht es sicherlich nicht (gut) weiter.

So möchte ich keine Leseempfehlung aussprechen, sondern vielmehr dazu aufrufen, dieses Buch zu lesen und vergebe 5/5 Sternen.

5-Sterne

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📖 Rezension zu: „Fräulein Klein feiert mit Kindern“ von Yvonne Bauer

Callwey Buch Fräulein Klein feiert mit Kindern - Mottoparty Kindergeburtstag Ideen

Süße Ideen

In diesem Buch stellt Fräulein Klein zahlreiche Ideen für eine gelungene Geburtstagsfeier – sowohl für Jungen, als auch für Mädchen – vor. So befasst sich der erste Teil mit Mädchen-Geburtstagen, also „Paris“, „Fairy Party“, „Alice im Wunderland“, „Schwanensee“ und „Sleeping Beauty“, der zweite Teil mit Themenfeiern für Jungen, nämlich „Up in the air“, „Indianerparty“, „Schiff Ahoi“, „Fly with me to the moon“ und „Fußball“, ein dritter Teil mit Ideen für Mädchen und Jungen. Hier finden sich „Zirkus“, „Wilde Tiere“, „Freche Früchte“, „Fiesta Mexicana“, „Bayern-Party“ sowie „Winterwunderland“.
Außerdem findet man im Anschluss daran noch Ideen zu verschiedenen Anlässen wie Ostern oder Halloween, sodass man wirklich für jede Gelegenheit das Richtige findet.
Die Tipps sollen helfen, beispielsweise die Prärie oder das Weltall für einen Tag ganz spielerisch leicht in die eigenen vier Wände zu holen.
Auf der ersten Seite eines jeden Kapitels kann man auf einem Foto sehen, wie sich eine Feier zum entsprechenden Thema gestalten lässt, sodass man schon auf einen Blick alle Dekorationen und Leckerbissen erkennen und über schöne Anregungen staunen kann.

Viele der vorgestellten Ideen für einen Themen-Kindergeburtstag gefallen mir sehr gut: Die Waldbodentöpfe (S. 22), die Tier-Cupcakes (S. 95) oder die Schaumkuss-Pinguine (S. 125) beispielsweise sprechen mich total an. Einige der Rezepte oder Deko-Tipps kennt man bereits, so waren unter anderem die „Karussel-Pünktchen-Torte“ (S. 11) oder die eben erwähnten Pinguine nichts neues für mich – was vielleicht auch daran liegen mag, dass meine Mutter immer sehr kreative Themenkindergeburtstage oder -feste für mich ausgerichtet hat…
Die Rezepte sind teils sehr leicht zuzubereiten, andere sind da schon etwas zeitaufwändiger. Das gleichen dann aber in der Regel die „kleinen Rezepte daneben“ aus, denn schließlich findet sich zu einer Geburtstags-Idee nicht bloß ein Rezept. Sicherlich entdeckt hier jeder eine im wahrsten Sinne des Wortes süße Möglichkeit, um Kindern eine ganz zauberhafte Feier zu ermöglichen.
Eine tolle Idee sind die Vorlagen für Einladungen, Deko und Verzierungen im hinteren Teil des Buches, denn so kann man zum Beispiel Alice im Wunderland-Cupcakes hübsch mit „Drink me“- oder „Eat me“-Schildern versehen.

Ich vergebe 4 festlich geschmückt schillernde Sterne

4-Sterne

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📖 Rezension zu: „Pici: Erinnerungen an die Ghettos Carei und Satu Mare und die Konzentrationslager Auschwitz, Walldorf und Ravensbrück“ von Robert Scheer

So beeindruckend, dass mir die Worte fehlen!

2014 besucht Robert Scheer seine neunzigjährige Großmutter Elisabeth, genannt Pici, „die Kleine“, in Israel, um seine wohlmöglich letzte Chance, etwas über ihre Vergangenheit zu erfahren, wahrzunehmen. So erfährt er von der Lage der Juden, die sich in der 1940er Jahren in Ungarn zunehmend verschlechterte.
Sehr detailreich erzählt sie von ihrer Kindheit und Jugend, davon, wie schwierig es für das intelligente Mädchen war, Bildung zu erhalten, von ihren Verwandten, wie Juden immer mehr ausgegrenzt und diskriminiert wurden, Erfahrungen in Ghettos und Konzentrationslagern, Judengesetzen und vielem mehr.
So erhält der Leser einen sehr tiefen Einblick in die Erlebnisse einer Holocaust-Überlebenden, die im Holocaust ihre ganze Familie verloren hat.
Dadurch, dass der Leser direkt an dem Gespräch zwischen Pici und ihrem Enkel teilhaben kann, ist man dem Erzählten sehr nahe. Darüber hinaus spürt man beim Lesen die tiefe Verbindung der beiden, was sehr beeindruckt. Man merkt außerdem immer wieder, wie schwer es Pici, besonders im zweiten Teil des Buches, fällt, über ihre Erlebnisse zu sprechen, manchmal kommt sie ins Stocken oder hat Erinnerungen verdrängt. Besonders solche Passagen haben mich erschüttert…
Manchmal springen ihre Gedanken auch, was zunächst verwirrend, dann aber auch wieder sehr eindrucksvoll ist. Ich bin beeindruckt von ihrem guten Gedächtnis und der Offenheit, mit der sie ihre Geschichte erzählt. Robert Scheer stellt ihr dabei immer an geeigneter Stelle ein Frage, hakt nach oder motiviert seine Großmutter zum Fortfahren, sodass man sich immer gut durch das Gespräch geführt fühlt.
Gerade diese emotionale Komponente ist etwas, das vielen Büchern zu dem hier behandelten Thema fehlt; oft werden Fakten genannt, Schicksale angerissen, aber kaum Zeitzeugen über ihre Gefühle gefragt.
Sehr gelungen sind auch die vielen Fotos, die eingestreut werden, sodass man zu den Schicksalen auch Gesichter im Kopf hat oder sich unmenschliche Gräueltaten besser vor Augen führen kann. Bildunterschriften wie „Nicht arbeitsfähiges „Menschenmaterial“, wie alte Menschen, Kinder, Schwangere, Behinderte wurden an der Rampe selektiert und auf den Weg in das Todeslager Auschwitz-Birkenau geschickt.“ (S.129), Deportationslisten oder Ähnliches bedrücken zutiefst und vermitteln ein Gefühl des Grauens. Im Anhang finden sich viele zusätzliche Informationen, die Picis Erzählungen stützen und Glaubwürdigkeit verstärken sollen.

Ich bin von diesem Werk schwer beeindruckt. Lange wusste ich nicht, was ich zu diesem Buch schreiben sollte, denn wie soll man angesichts solcher Erlebnisse die richtigen Worte finden? Auch nun werde ich das Gefühl nicht los, dem Buch nicht gerecht geworden zu sein, weswegen es mir nur übrig bleibt, jedem, der sich über den Holocaust informieren möchte, dieses Buch zu empfehlen. Sehr nahegehend, eindrucksvoll und informativ wird man durch das Leben einer durch die Jahre sehr weisen und gebildeten Frau geführt.

Von mir gibt es daher 5 Sterne und große Anerkennung.

5-Sterne

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Schaut doch mal vorbei!

📖 Rezension zu: „Meistererzählungen“ von Edgar Allan Poe

Meistererzählungen

Gelungene Auswahl!

In diesem Sammelband finden sich Poes Detektiv-, Schauer- und Abenteuergeschichten „Die Maske des Roten Todes“, „Hopp-Frosch“, „Der stibitzte Brief“, „Ligeia“, „Der Fall des Hauses Ascher“, „Die Morde in der Rue Morgue“, „Der Goldkäfer“, „Das Gebinde Amontillado“, „Die Tatsachen im Falle Valdemar“, „William Wilson“, „Ein Sturz in den Malstrom“, „Grube und Pendel“, „Das verräterische Herz“ sowie „Der schwarze Kater“. So lernt man berühmtere wie auch weniger bekannte Werke kennen.
Die Ausdrucksweise sprach mich – mit ein paar Ausnahmen – sehr an.
„Ich wußte, was der alte Mann empfand, und eigentlich tat er mir leid, wiewohl in meinem Herzen ein Kichern saß.“ (S.345)
Allerdings stutze ich hin und wieder über einige Wörter, so beispielsweise bei „Kattun“ (S.346), welches anstelle von Baumwolle verwendet wurde. Dies schreibe ich jedoch dem Jahr der Veröffentlichung, 1979, zu, auch wenn es mich durchaus manchmal verwirrte.
Während einige Erzählungen verstörend wirken, erscheinen andere im Vergleich eher harmlos. Zuvor hatte ich noch nichts von Poe gelesen, muss aber gestehen, dass mir nach ein paar Geschichten die Abwechslung fehlte. Auch wenn sie an sich recht vielfältige Schauplätze, Figuren und Themen beinhalten, ist der Tod in jeder von ihnen so präsent, dass man um den Verlauf der Handlung schon recht schnell weiß.
So wurde mir auch ein gutes Stück der Spannung genommen, auch wenn dieser Aspekt Poe-eigen ist.
Am besten hat mir die Erzählung „Das verräterische Herz“ gefallen.
Im Anhang finden sich noch einige erklärende Anmerkungen zu der Übersetzung, eine kurze Biografie Poes, sowie eine Beschreibung seines Stils und seiner sprachlichen Wirkungsmittel, sodass man sich noch auf eine andere Art und Weise mit den hier vereinten Werken auseinandersetzen kann.

Ich bin froh, diese Meistererzählungen gelesen und Poes Stil kennengelernt zu haben. Auch wenn man diesen Band kaum an einem Stück lesen kann, empfehle ich ihn jedem weiter, der sich einen Eindruck von Edgar Allen Poes Erzählweise verschaffen möchte. Dafür sind die „Meistererzählungen“ bestens geeignet, sicherlich aber auch, wenn man bereits Werke von ihm kennen gelernt hat. Allerdings muss ich gestehen, dass ich bei der Lektüre feststellen konnte, dass er meinen Geschmack nicht gänzlich trifft; hat man mehrere Erzählungen gelesen, sind die folgenden Geschichten zu vorhersehbar. Darüber hinaus muss man sich immer wieder eine Auszeit gönnen, da das Gelesene sonst zu bedrückend wird.

Ich vergebe 4 am düsteren Nachthimmel funkelnde Sterne

4-Sterne

📖 Rezension zu: „Kokosöl“ von Franziska von Au

Kokosöl

Recht einseitig…

Dieses Buch widmet sich sehr umfassend dem Kokosöl, welches gut für Gesund- und Schönheit sein soll.
In der Einleitung wird die Geschichte der Kokosnuss nachvollzogen, von sich um sie rankenden Mythen wird berichtet und ihre Bedeutung als Handelsgut seit mehr als 2000 Jahren herausgestellt. Selbst der Sonnenorden der Kokosesser, welcher mir zuvor gänzlich unbekannt war – wird angeführt.
Im Kapitel „Bausteine der Ernährung“ wird beschrieben, welche Fette unser Organismus braucht und welche Bestandteile sie haben. Dieses Kapitel konnte mich nicht so ganz packen, da mir die Mengenangaben verschiedener Säuren, Spurenelemente oder Vitamine gegeben ehrlich gesagt nicht wirklich weiter geholfen hat… Jedenfalls stellt sich bei diesen Betrachtungen heraus, dass, auch wenn andere wertvolle Inhaltsstoffe in anderen Fetten in höherer Dosis zu finden sind, der Anteil an Laurinsäure bei Kokosöl vergleichsweise hoch ist.
Diese Erkenntnis bildet gewissermaßen das Grundgerüst für das sich nun anschließende Kapitel „Gesundheit und Wohlbefinden“, in dem die schier unglaublichen Anwendungsbereiche von Kokosöl beleuchtet werden. Ob beim Abnehmen, Hauterkrankungen und -verletzungen, Infektionen, Schwangerschaft, Stillzeit, Mundhygiene oder Tierwohl vermag Kokosöl zu helfen, so die Autorin. Allerdings stehe ich diesen Ausführung kritisch gegenüber, besonders nachdem ich zu der Stelle gekommen bin, in der behauptet wird, dass Kokosöl bereits Demenz vollkommen geheilt hat und Krebspatienten beinahe vollständig genesen ließ. Wenn 2 EL Kokosöl am Tag eine derart gute Therapie wären, würde man wohl kaum noch auf teure Medikamente mit starken Nebenwirkungen zurückgreifen… Werden Produkte derart hochgelobt, erscheint mir das bedenklich… Zumalen Kokosöl – in geringster Dosis beispielsweise lediglich zum Braten verwendet – hier als wahrer Alleskönner dargestellt wird.
Im nächsten Kapitel geht es darum, wie man „Kosmetik für Haut und Haar“ aus Kokosöl herstellen kann. Die Rezepte und Anleitungen reichen hier von Hautlotionen über Sonnenschutz bis hin zu Deos und Zahnpasta.
Anschließend findet man im Kapitel „In der Küche“ zahlreiche Rezepte, wobei meist ein bis zwei Esslöffel Kokosöl zum Braten genommen werden, sodass selbstverständlich die Bandbreite enorm ist – was man nicht alles in Kokosöl anbraten kann! Dennoch ist es sicherlich lobenswert, dass für jede Mahlzeit mehrere leicht zuzubereitende Gerichte, verständlich erklärt, angeführt werden. In verschiedene Unterthemen gegliedert finden sich so vegane, Paleo-, asiatische, Geflügel-, Backrezpte und vieles mehr. Sehr übersichtlich, jedoch nicht bebildert, findet man Speisen ganz unterschiedlichen Geschmacks.

So bin ich mir nicht ganz sicher, was ich von diesem Buch halten soll. Sicherlich hat die Autorin viel Recherche betrieben, um an die ganzen Informationen zu kommen, allerdings wirkt das Ganze auf mich nicht so richtig authentisch. Beim Lesen hatte ich immer wieder den Eindruck, Franziska von Au müsse schlank, faltenfrei, absolut gesund und umwerfend sein – so wie sie die Wirkungen des Kokosöls hochlobt. Nach kurzer Suche und dem Betrachten eines Fotos beschleicht mich das Gefühl, dass sie ihre 2 EL am Tag nicht so wirklich konsumiert… Andere ihrer Titel wie „Rote Bete: Die heilsamen Kräfte der Wunderknolle“ lassen mich vermuten, dass man die großen Wirkungen einer einzelnen Pflanze nicht so ganz wörtlich nehmen und stattdessen das wertvolle in einem jeden Naturprodukt suchen sollte.
Des Weiteren finde ich einige der angeführten stichhaltigen Beweise von höchst zuverlässigen Erhebungen nicht ganz so überzeugend: Zum Beispiel bezweifle ich, dass Insulaner in abgelegenen Gebieten deswegen seltener Herzinfarkte erleiden, weil sie vermehrt Kokosöl zu sich nehmen. Sind nicht vielmehr die anderen Lebensumstände (weniger Stress als in einer Leistungsgesellschaft) die Ursache? Diese Frage monokausal zu beantworten, finde ich nicht hinreichend…
Außerdem werden immer wieder die gleichen Passagen wiederholt – zum Beispiel ist der gleiche Text sowohl auf Seite 104 als auch auf Seite 92,f. zu finden oder über Zecken auf den Seiten 97 und 106.

Sicherlich ist Kokosöl ein tolles Naturprodukt, welches der Gesundheit nicht unzuträglich ist und Haut und Haare zu pflegen vermag. Die in den Inhaltstoffen liegenden Gründe hierfür werden ausführlich in diesem Werk behandelt und der große Rezeptteil ist sehr vielfältig, jedoch auch nicht gänzlich überzeugend. Das Fazit, welches ich aus dem Buch ziehe, ist, dass es sicherlich nicht schaden kann, mehr Kokosöl zu verwenden.

Ich vergebe 2/5 Sterne

2-Sterne

📖 Rezension zu: „Cooper“ von Eberhard Rathgeb

Wenigstens hatte es nicht viele Seiten…

Ein weißes Haus – hell, warm und übersichtlich – wartet, an einer Landstraße gelegen und von Obstbäumen umzingelt, auf seine neuen Bewohner. Diese zelten nachts im Garten, da das Haus noch so leer ist.
Schon bald haben die Kinder das Land in Besitz genommen, wie sie sich ausdrücken, und bereits erste Verstecke hinter Farn ausfindig gemacht.
Am nächsten Morgen beschließen Jakob und die Kinder, zum nahe gelegenen See zu gehen, Linda jedoch besteht darauf, beim Haus zu bleiben, um in den leeren Zimmern aufzuräumen… Während sich Carlotta und Nora darüber unterhalten, wer von beiden nun Recht hat, ob ihre Mutter letzte Nacht geweint hat, ist Linda gerade mit dem Putzen der Fenster fertig geworden. Was dann folgt breitet Dunkelheit über den zuvor so sommerlich-freundlichen Tag aus: Brutal wird sie ermordet, auf blutrünstige Art und Weise. Sie vermutet, dass der Täter muskulös und groß sein muss, kann jedoch keinen Blick mehr auf ihn erhaschen. Aber irgendwie auch nicht, denn als ihre Familie, einem unguten Gefühl folgend, zum Haus, welches nun tot wirkt, zurückkehrt, liegt Lisa tränenüberströmt am Boden und wimmert. Etwas Schlimmes muss passiert sein, meint Jakob, Lisa ist allerdings noch am Leben.
Aber anstatt das Haus, welches sie unter Inkaufnahme hoher Schulden erworben haben, zu verkaufen, kommt für die Familie trotz der Ereignisse nicht infrage, sodass sie bald beginnen, es wohnlich einzurichten.
„Der Wille ist eine Notlüge des Lebens , weil wir das Unrechte zu tun in der Lage sind, aber die Vorstellung vom alleserschaffenden Willen wird dem Leben nicht gerecht.“ (S. 125) Wenn wir alle dann, als Handwerker beschrieben, Gestirnen gleich unsere Bahnen ziehen, während die Gegenwart den Wendepunkt darstellt, breitet sich bei mir die ohnehin schon herrschende Verwirrung endgültig aus. Mit den vielen Parabeln (?) konnte ich ebenso wenig anfangen: „Schau dir die Bauern an, wenn sie auf ihren Maschinen über die Felder fahren, ohne Sinn für das reiche Leben in der Erde unter ihnen. Sie sitzen wie Könige auf ihren Kolossen und sehen stur geradeaus, dorthin, wo der Feind steht, die Zeit, deren Übermacht sie fürchten.“ – und so weiter… Auch „der liebe Gott“ (S.137) wird über viele Seiten behandelt, denn Lisa redet auf ihn ein und erhält erneut bahnbrechende Erkenntnisse, die ich nicht nachvollziehen kann…

Die ganze Zeit über habe ich das Buch als sehr verwirrend wahrgenommen und hatte das Gefühl, jeder Charakter lebe in einer vollkommen anderen Welt. Zu Beginn habe ich mich noch gefragt, was denn nun wirklich vorgefallen ist, wenn beispielsweise ein Junge mit einer Wassermelone nach Jakob wirft, als wäre es ein Basketball, obwohl sonst niemand den Jungen hat sehen können… Oder wenn eine einäugige Katze an einem Ort auftaucht, an dem sie sich keinesfalls aufhalten kann, da sie nicht so viel Weg wie nötig wäre in so kurzer Zeit hinter sich bringen könnte – sie müsste schneller als ein Auto sein… Doch irgendwann war es mir dann einfach zu viel, denn Menschen die ermordet werden oder tödliche Unfälle haben und kurz darauf mit Kühlschränken im Garten reden, sind mir schlicht weg suspekt…
Darüber hinaus empfand ich den Schreibstil als sehr anstrengend und ermüdend, denn, auch wenn überaus viel wörtliche Rede verwendet wird, ist diese nie als solche gekennzeichnet. Bei langen Dialogen erfährt man als Leser deswegen nur in den seltensten Fällen, wer gerade welche Äußerung macht oder ob etwas gedacht oder gesagt worden ist.
Außerdem ist das Gesagte auch nicht wirklich mein Fall, da die Unterhaltungen der Kinder bei mir erneut Verwunderung auslösen. Ich bin mir noch immer nicht sicher, wie alt sie sein sollen. Zwar gehen sie zur Schule, allerdings sind ihre Aussagen meines Erachtens nicht stimmig: Mal wirken sie wie Kleinkinder, dann als seien sie bereits sehr alt und erfahren.
Aufgrund der schwierigen Erzählweise, mit ellenlangen Sätzen, die jedoch nichts ausdrücken, habe ich am Anfang des Buches auch nicht so wirklich verstehen können, von wem die Geschichte nun handelt. Personen werden ja nicht genannt – weder bei Unterhaltungen noch sonstigen Beschreibungen. Da war es schon ein kleines Erfolgserlebnis, als ich die Namen der Protagonisten entdecken konnte. Wer Cooper jetzt so genau ist, habe ich allerdings nicht verstanden… Eine Erscheinung? Der Nachbar? Der Vorbesitzer des Hauses?
Mir bleiben nach der Lektüre des Buches noch immer zu viele Fragen offen, wobei ich mich nicht wirklich mit ihnen auseinandersetzen mag. Ehrlich gesagt bin ich mir nicht sicher, ob Eberhard Rathgeb sie selber beantworten könnte… Ich habe mich wirklich durch das Buch gequält und bin froh, dass es lediglich 139 Seiten umfasst… Für mich ein sehr unbefriedigendes Leseerlebnis, das einen merkwürdigen Eindruck hinterlässt…

Und so vergebe ich einen einsamen Stern

📖 Rezension zu: „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ von Joanne K. Rowling – – Lese-Challenge Woche 3

Magisch!

Für Harry Potter sind diese Ferien sogar noch furchtbarer als er es sonst gewohnt ist: Nicht nur, dass er mehrere Wochen bei den Dursleys verbringen muss, stattdessen geht bei einem Familienbesuch einfach alles schief, was nur schiefgehen kann. Denn als die Schwester seines Onkels abfällig über Harrys verstorbene Eltern spricht, kann er sich nicht mehr zurückhalten. Ohne dass er es wirklich bewusst gewünscht hätte, belegt er seine Tante Magda mit einem Schwebezauber und prompt findet sie sich auf Höhe der Zimmerdecke wieder. Ein solcher Verstoß gegen die in der Zauberwelt geltenden Regeln bedeutet ganz klar einen Schulverweis, weswegen Harry reflexartig die Flucht ergreift. In dunklen Büschen am Straßenrand meint Harry ein großes angsteinflößendes Wesen wahrgenommen zu haben… Gerade rechtzeitig erscheint der rettende „Fahrende Ritter“, ein Bus, der Hexen und Zauberer aufsammelt und in ungeahnter Geschwindigkeit zu ihrem Ziel bringt.
Als Harry dann in London, nahe der Winkelgasse, aussteigt, erblickt er den Zauberminister Cornelius Fudge und ahnt das Schlimmste, doch anstatt Strafarbeiten und einen Schulverweis zu kassieren, soll Harry bis zum Ferienende im Tropfenden Kessel wohnen, um dann wie gewohnt nach Hogwarts zu reisen. Auch seine Freunde Hermine und Ron, die er bereits in London trifft, verstehen nicht so ganz, weswegen Harry unbestraft mit einem solchen Vergehen davon gekommen ist.
Doch als Harry ein Gespräch von Rons Eltern belauscht, hat er einen Verdacht, weswegen er so nachsichtig behandelt wird: Ein brutaler Mörder namens Sirius Black ist aus Askaban entkommen. Das ist bisher noch keinem Gefangenen gelungen, da Askaban das am besten bewachte Zaubergefängnis überhaupt ist: Dementoren wachen über die Inhaftieren, entziehen ihnen jegliches Glück um nur Angst und Verzweiflung übrig zu lassen. Nicht wenige sind dadurch verrückt geworden…
Wie Black ausbrechen konnte, kann niemand begreifen. Doch wer weiß schon, was für Kräfte in dem Anhänger des dunklen Lords stecken?
Aber das Erschreckenste ist, dass er es auf Harry, von dem er schon eine ganze Zeit lang im Schlaf gemurmelt hat, er sei in Hogwarts, abgesehen haben soll… Weswegen Black dem jungen Zauberer nach dem Leben trachtet, erfahren die drei Freunde nur nach und nach.
Dennoch ist schon zu Beginn des Schuljahres bemerkbar, dass großer Grund zur Unruhe besteht; schließlich bewachen die bedrohlichen Dementoren Hogwarts…
Und so müssen sich Hermine, Ron und Harry auch dieses Jahr einigen Gefahren stellen und es mit besonders großen Bedrohungen aufnehmen. Dabei haben sie alle im Hinterkopf, was die Lehrerin in ihrem neuen Fach, „Wahrsagen“, Harry prophezeit hat: Er würde bald sterben…

Dieser Band zeichnet sich, wie schon seine Vorgänger, durch den großen Einfallsreichtum J.K. Rowlings aus, denn selbst im dritten Teil erfährt man allerlei Neues über die Zauberwelt, wobei die phantasievollen Beschreibungen stets realistisch wirken. Zudem steht zur Abwechslung nicht Voldemort als Gegenspieler im Vordergrund, sondern Sirius Black, der zudem in die Umstände des Todes von Harrys Eltern verstrickt ist, sodass man neue Einblicke in die Vergangenheit erhält. Außerdem ist dieser Teil meines Erachtens etwas düsterer als Teil eins und zwei, die Charaktere wirken wesentlich erwachsener, Hermine, Harry und Rons Freundschaft immer tiefer gehend und der Schreibstil wird ebenso erwachsener. So packend geschrieben, vermochte ich das Buch kaum aus der Hand zu legen und bin schon sehr gespannt, wie bestimmte Handlungsstränge in den nächsten Büchern aufgegriffen werden…

Froh, endlich mit der Reihe begonnen zu haben, vergebe ich 5 von fahlem Mondlicht beschienene Sterne!

5-Sterne

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📖 Rezension zu: „The Girls“ von Emma Cline

Cover für The Girls

Schwierig, schwierig!

Nachdem die enge und langjährige Freundschaft zu ihrer besten Freundin Connie in die Brüche gegangen ist, fehlt der vierzehnjährigen Evie Boyd zunehmend der Halt. Das sich so nach Liebe verzehrende Mädchen hat nun niemanden mehr, mit dem es verzweifelte Versuche, Haut und Haare in eine möglichst ansprechende Form zu bringen, somit beispielsweise durch kaltes Wasser ihre Poren zu verkleinern, unternehmen kann oder salzige Cracker essen kann, um dann schnell 10 Hampelmänner aus schlechtem Gewissen machen zu müssen. Da ihre Eltern seit einer Weile getrennt leben, stößt sie auch Zuhause nicht auf Zustände, die sie glücklich machen würden – denn was sie am meisten braucht wäre Beachtung.
Doch wer soll ihr die geben? Etwa ihr Vater, der mit seiner neuen Freundin weit fort in eine Wohnung gezogen ist, die durch die Dekoration alleine – wächsern glänzendes Obst in einer Schale auf dem Küchentisch – von einer ausschließlich für Erwachsene gedachten Zone zeugt? Oder Evies Mutter die, auf einem niemals enden wollenden Selbstfindungstrip, mit über Flammen erwärmten Kajalstiften Balken in das geschminkte Gesicht zaubert, bei denen Kleopatra vor Neid erblasst wäre? Kurz bevor sie sich ein Horoskop erstellen lässt und sich auf die Suche nach einem neuen Lebensgefährten macht? Wohl kaum.
Und so streift Evie durch den Ort – irgendwo in Kalifornien – bis sie eines Tages eine alles verändernde Begegnung hat. Vielleicht wäre „Begegnung“ das falsche Wort, aber immerhin sieht sie jemanden, der etwas in Evie bewegt: Im Müll nach Essbarem suchend, die schwarzen Haare lang und an den Rändern ganz ausgefranzt, trägt sie schmuddelig wirkende Kleidung und sieht selber auch nicht gerade wie frisch gewaschen auf. Diese Frau, wahrscheinlich nur ein paar Jahre älter als Evie, vielleicht 19 Jahre alt, stolziert mit so einer Freizügigkeit in Begleitung anderer, ebenso sonderbar wirkenden Mädchen, durch die Welt, dass Evie direkt in ihren Bann gezogen wird. Aber auch lange nach diesem Ereignis lässt die Erinnerung Evie nicht los.
Als sie dann ein paar Tage später wieder auf die Schwarzhaarige trifft, fühlt sie sich wie magisch angezogen und spricht das erste Mal mit ihr, Suzanne.
Um ihr noch näher sein zu können, folgt Evie Suzanne und den anderen Mädchen auf eine Ranch, die der behüteten Welt ihres Heims so fern scheint: Inmitten von Müll, in armen Verhältnissen, wohnen eine Reihe Hippies und fröhnen dem unbeschwerten Leben: Freie Liebe und eine Gemeinschaft, die zusammenhält – das sind die Gegebenheiten, die Evie ausschließlich wahrnimmt. Für sie ist die Ranch ein wunderbarer Ort.
Da sie zuvor immer wieder sexuelle Kontakte gesucht, jedoch nie das bekommen hatte, was sie wollte, beginnt sie sich von den Konventionen zu lösen, die sie von ihren Eltern kennt.
Beim Klang einer verstimmten Gitarre am lodernden Lagerfeuer, umgeben von Ausreißern bekommt sie das, was sie sich so sehr wünscht: Beachtung – und Liebe. Mit dem exessiven Konsum von Drogen scheint jedem alles möglich, die Welt steht ihnen offen.
Bald verfällt Evie nicht nur Suzanne und der Idee von Freiheit, sondern auch dem Anführer, Russell, dem seine Anhänger schier grenzenlose Kräfte nachsagen.
Aber hinter der Fassade nicht enden wollender Freiheit verbirgt sich etwas Dunkles, eine brutale Tat, die die ohnehin schon von den „normalen“ Bürgen verachtete Gruppe in ein noch schlechteres Licht rückt. Etwas, dass Evies Leben nachhaltig verändern und die Menschen in Angst versetzen wird…
Auch heute noch, als erwachsene Frau, ist Evie von der Vergangenheit gefangen. Gerade jetzt, als sie in dem leeren Haus eines Freundes Unterschlupf finden konnte und sein Sohn zusammen mit seiner Freundin auftaucht. Schließlich stellen Julian und Sasha unangenehme Fragen zur Vergangenheit, zu der Sekte – und den Morden…

Schon auf den ersten Seiten des Buches erfährt man beinahe den gesamten Inhalt, welcher dann aber, in vier Teile gegliedert, ausführlicher behandelt wird. Zu Beginn kam mir Evie wirklich armselig vor, wie sie hinter der Aufmerksamkeit von Männern her war und sich unter Einfluss zu vieler Teenie-Magazin genährten Phantasien (und Drogen) unglaublich viele Hoffnungen machte und den Druck auf sich verstärkte. Auch die Beschreibungen an solchen Stellen, wenn beispielsweise ein Raum beschrieben wird, der nach Masturbation riecht (S.50), oder das große Verlangen Evies nach körperlicher Nähe thematisiert wird, konnten mich wenig reizen.
Dazu kommt noch, dass ich von dem Anfang sehr verwirrt war: Irgendeine Person lebt in einem geliehenen Haus und hat etwas mit einer Sekte zu tun, wenn man zwei völlig zugedröhnten Jugendlichen, welche plötzlich auftauchen, Glauben schenken darf. Dabei springt die Erzählungen alle paar Zeilen, weil ein neuer Abschnitt beginnt. Aus den paar so erhaltenen Fetzten, konnte ich mir kein stimmiges Bild machen… Und fragte mich, wovon das Buch eigentlich handeln soll…
Nach und nach werden dann die Verhältnisse beschrieben, in denen Evie als Kind lebte. Manchmal war sie mir dabei so fremd, dann tat sie mir ein wenig Leid und als nächstes hätte ich sie am liebsten durchgeschüttelt… Immer wieder haben ihre Taten bei mir Entsetzten ausgelöst oder ich habe mich gefragt, wie man nur so verblendet sein kann… Eine Sympathieträgerin ist die Protagonistin in meinen Augen nicht…
Dem Buch diente die Manson-Family rund um Charles Manson als Vorlage. Vor dem Buch hatte ich noch nichts über Manson gehört oder gelesen, weswegen ich mich nach den ersten (äußerst verwirrenden) Seiten etwas über das Thema informierte. Das half mir beim Zusammenfügen der Fragmente ungemein, denn zuvor hatte ich den Zusammenhang der Hippie-Gruppe und kaltblütigen Morden nicht so ganz nachvollziehen können.
Allerdings muss ich sagen, dass ich mir mehr Inhalt erhofft hatte, denn im Prinzip bleiben noch viele Fragen offen: Wie konnte Russell – Charles Manson gleich – so viele Leute in seinen Bann ziehen, ihre Brieftasche öffnen oder was war die Lehre, auf die immer wieder angespielt wurde? Aus dem Buch jedenfalls geht das nicht hervor…
So bleibt es beim Lesen dieses Werkes wohl nicht aus, etwas über Manson zu lesen, um überhaupt nachvollziehen zu können, womit man es genau zu tun hat.
Auch wunderte ich mich beim Lesen darüber, wie schnell sich ein Mensch wandeln, wie schnell er seine Gewohnheiten und seine Manieren ablegen kann, um seinen neuen „Freunden“ besser zu gefallen…

Alles in allem lässt mich „The Girls“ zwiegespalten zurück: Zu Beginn war ich verwirrt und ärgerte mich beinahe durchgehend über Evie. Dann verbesserte sich allmählich die Sprache, denn der Schreibstil wurde bildhafter, kraftvoller und verlor etwas von der ständig mitschwingenden sexuellen Komponente. Diese tauchte später allerdings immer wieder auf, drängte sich in den Vordergrund und löste bei mir Genervtheit aus. Irgendwann ist ein Thema für mich auch zu genüge behandelt und muss nicht noch einmal aufgegriffen werden. Außerdem finde ich das Ganze, bedenkt man Evies junges Alter, extrem bedenklich, beachtet man auch, dass sie sich innerhalb von drei Monaten so „radikalisiert“. Auch stößt mir Übel auf, wie verbreitet Drogenkonsum in den beiden Erzählsträngen (1969 und Gegenwart) ist: Ob nun bei der 14 Jahre alten Evie und ihrer Freundin, dem gerade volljährigen Brunder Connies, auf der Ranch sowieso, bei dem zwölfjährigen Teddy (von Evie runtergemacht, weil sein Gras ja so minderwertig sei), bei der neuen Freundin von Evies Vater oder bei Julian und Sasha, die eigentlich nonstop unter dem Einfluss irgendwelcher Substanzen stehen.
Mir erscheinen die Charaktere nicht wirklich glaubhaft, viele Stellen wurden für meinen Geschmack zu sehr ausgearbeitet, andere hingegen nicht ausreichend behandelt. Dennoch ist das Buch wegen des (meist) sehr ansprechenden Schreibstiles sehr packend…

Und nun weiß ich, obwohl ich das Buch ganz gelesen habe, nicht so recht, was ich von ihm halten soll…

2/5 Sterne

2-Sterne

📖 Rezension zu: „350 Tipps, Tricks & Techniken Schmuckherstellung“ von Xuella Arnold & Sara Withers

Wow – beeindruckend umfassend!

In diesem Buch widmen sich Xuella Arnold, welche einen Abschluss als Gold- und Silberschmiedin hat, sowie als Schmuckdesignerin und -herstellerin arbeitet, und Sara Withers, die sich mit der Schmuckherstellung, den Goldschmiedearbeiten wie auch dem Schmuckdesign befasst, den Fragen, die bei Anfängern und Fortgeschrittenen bei den Themen der Schmuckherstellung, der Goldschmiedearbeiten und des Schmuckdesigns aufkommen.

Gegliedert in die Kapitel „Fädeln und Knüpfen“, „Arbeiten mit Draht“, „Grundlagen der Metallverarbeitung“, „Techniken der Metallverarbeitung“, „Schmuckdesign leicht gemacht“ und „Unkonventionelles Material verarbeiten“ wird auf so ziemlich alles, was man zu wissen braucht, eingegangen.
Anhand von übersichtlichen Tabellen, hilfreichen Darstellungen und ganz leicht verständlichen Schritt-für-Schritt-Anleitungen mit Fotografien werden unter anderem verschiedene Techniken sehr verständlich erklärt, sodass es einem mit diesem umfassenden Werk nicht schwer fällt, selber kreativ zu werden und sich an eigenem Schmuck zu versuchen. Ganze 350 Expertentipps machen dieses Buch zu einem wunderbaren Nachschlagewerk. Ob man Metall verbinden oder mit Textur versehen, es umformen oder seine Oberfläche polieren möchte – oder ob man zu keinen neuen Ideen kommt, nicht weiß, wie man beispielsweise Ohrringe, Armreife, Halsketten oder Ringe entwirft – oder man sich bezüglich der Verarbeitung von Fimo, Kunstharz, Kunststoff oder verschiedenster Fundstücke unsicher ist – so wird man durch dieses Buch bestens angeleitet!

Ich bin von diesem Werk sehr angetan, da es so umfassend das Thema der Schmuckherstellung aufgreift und einem so für jedes Projekt Hilfestellungen und Antworten auf die verschiedensten Fragen gegeben werden. Durch die vielen Darstellungen sind die Erklärungen leicht zu verfolgen und Tipps problemlos umzusetzten. So kann ich dieses Buch von 150 Seiten wärmstens an alle empfehlen, die ihr eigenes Geschmeide herstellen und dabei bestens beraten werden wollen.

5/5 Sterne

5-Sterne

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📖 Rezension zu: „Schwäbisch vegetarisch“ von Joanna Karon

Schwäbisch vegetarisch

Schwäbisch schlemmen.

Dieses wunderschöne Buch von Joanna Karon behandelt die schwäbisch-vegetarischen Küche in all ihrer Vielfalt. Die Autorin, welche sich selbst als „Back- und Kochbuch auf zwei Beinen“ bezeichnet, betreibt den Blog http://www.kuechenzuckerschnecke.de.
Zu Beginn des Buches wird die schwäbische Küche vorgestellt und die Autorin beschreibt, wie viel Herzblut in dem Buch steckt, dabei erscheint sie sehr sympathisch. Und tatsächlich bemerkt man die Mühe, welche in das Buch geflossen ist, von Anfang an: So finden sich bespielsweise bereits im Buchdeckel hilfreiche Informationen zu Werkzeug und Technik für selbstgemachte Spätzle.
Es folgt das besonders schöne Inhaltsverzeichnis, bei dem sich zu jedem Kapitel eine Art Zusammenfassung finden lässt, sodass man schon große Freude auf das weitere Durchblättern bekommt.
Die Kapitel, „Vesper und pikant Gebackenes für den großen und kleinen Hunger zwischendurch“, „Salate und Leckeres aus der Suppenschüssel“, „Alles zum Sattessen“, „Für Süßmäuler und Kuchenliebhaber“ und „Süßes Happy End – das Dessert“, lassen schon erahnen, dass sich in diesem Werk für jede Mahlzeit und jeden Geschmack das Richtige finden lässt.
Dann folgt noch ein Info-Böxchen mit Tipps und Anmerkungen zu den Rezepten, sodass eigentlich nichts mehr schiefgehen kann.
Jedes Kapitel wird durch eine sehr schön gestaltete Doppelseite eingeleitet, auf der beschrieben wird, was einen nun erwartet. Dann folgen schon die super leckeren und abwechslungsreichen Rezepte.
Diese sind auch jeweils sehr ansprechend aufgebaut, denn verschiedene Symbole am Seitenanfang zeigen bereits auf einen Blick bestimmte Eigenschaften des Gerichts, also: „gelingt leicht“, „braucht etwas Zeit“, „mögen Kinder gerne“, „vegan“, „aus eins mach zwei“ (verbunden mit einer Seitenzahl, damit man das Rezept, welches man auf dem Gericht aufbauen könnte, finden kann), „super für to go“ und „prima Fingerfood“. Daneben ist immer die Zubereitungsdauer zu finden, wobei hier auffällt, dass viele Rezepte mehr Zeit in Aspruch nehmen, einige gehen aber auch überraschend schnell von der Hand.
Außerdem werden die Rezepte durch eine genauere Vorstellung des Gerichtes von der Autorin eingeleitet, was den persönlichen Charme des Buches unterstützt. Darüber hinaus erhält man immer wieder wertvolle Hilfestellungen durch „Mein Tipp“-Boxen.

Ich bin von diesem Buch sehr angetan! Mir fiel es – auch der appetitanregenden Farbfotos wegen – zunächst schwer, ein Rezept auszusuchen – schließlich ist dieses Buch sehr abwechslungsreich und vielseitig, sodass von herzhaft bis süß jeder Geschmack vertreten ist, wobei glücklicherweise auf Schicki-Micki-Kram verzichtet wird. Dennoch – oder gerade deswegen – werden die mehr als 50 schwäbisch-vegetarischen Rezepte nicht langweilig; außerdem sind viele beispielsweise vegane Variantionsmöglichkeiten erklärt, sodass man ein Gericht immer noch abwandeln und anpassen kann. Besonders gut gefallen mir auch die Tipps, wie man aus einem Rezept zwei Gerichte zaubern kann, da dies besonders praktisch für die Planung der Mahlzeiten der nächsten Tage ist.
Außerdem sind die Rezepte so verständlich geschrieben, dass eigentlich nichts schief gehen kann – selbst bei anspruchsvolleren Rezepten. Was mich sehr beeindruckt ist, dass mich tatsächlich jedes Rezept anspricht, denn sonst findet man meist eine Reihe von Rezepten, welche man gar nicht erst ausprobieren möchte – hier habe ich mir jedoch vorgenommen, alles nachzukochen und -zubacken.
Meine beiden besonderen Highlights sind die „Laubfrösche mit Kartoffel-Chamignion-Füllung“ (S. 76) sowie der „Nuss-Hefekranz“ (S. 108)!
Bemerkenswert ist auch die wunderbar ansprechende Gestaltung: Der Hintergrund der Seiten ist ganz süß gepunktet und wobei die Farbe der Punkte bei jedem Kapitel sehr stimmig wechselt, sodass man auch schnell erkennt, wo welches Kapitel beginnt und endet.

Es macht sehr viel Spaß in diesem Buch zu stöbern und Rezepte nachzumachen, da man von der ersten Seite an merkt, wie viel Liebe in das Buch geflossen ist. Darüber hinaus gelingen die Gerichte dank der verständlichen Anleitungen problemlos, manchmal dauert die Zubereitung zwar länger, diesen Aufwand ist es aber stets wert. So zufrieden, kann ich das Buch auf jeden Fall weiterempfehlen!

Ich vergebe 5/5 Sterne

5-Sterne

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📖 Rezension zu: „Was sagt mir meine Kindheit?“ von Dr. Julia Umek

Äußerst interessant!

Die Bedeutung der Kindheit in Bezug auf die eigene Entwicklung – auch im Erwachsenenalter – wird oftmals unterschätzt. Wie wir beispielsweise durch unsere ersten Lebensjahre bereits geprägt werden, ist eine spannende Frage, der die Gesundheits- und Arbeitspsychologin Dr. Julia Umek in ihrem Buch „Was sagt mir meine Kindheit“ auf den Grund geht.
Dazu wird erst betrachtet, welche Einflüsse bereits während der Schwangerschaft auf das Kind einwirken und wodurch der Säugling nach der Geburt gestärkt werden kann. Dabei werden mehrere Faktoren, welche Resilienz begünstigen, erläutert. Auch auf Bindungen wird ausführlich eingegangen, wobei ebenfalls erklärt wird, was gute Bindungen auszeichnet. Wie an vielen Stellen im Buch, wird der Leser dazu angehalten, ein paar Fragen zu beantworten, um sich bewusst zu machen, wie er mit Bindungen umgeht, usw..
Im Folgenden wird darauf eingegangen, wie Kinder Selbstsicherheit, Verantwortungsbewusstsein, Anpassungsfähigkeit und Kreativität ausbilden – Fähigkeiten, die, bereits so früh erworben, einen meist das ganze Leben lang begleiten – und wie Eltern, traumatische Ereignisse oder die Umstände, in die ein Mensch hineingeboren wird, nicht nur das Verhalten und damit auch die Persönlichkeit, sondern auch das Erbgut beeinflussen können.
Sehr interessant geht es dann mit der Frage weiter, in wie weit man noch das Kind von damals ist, bedenkt man doch, dass sich alle sieben Jahre „die Zellen des Körpers vollkommen erneuert“ (S.50) haben.
Danach wird die Bedeutung von Gefühlen für die Entwicklung heraus gearbeitet und sehr verständlich erklärt, aber auch der „rote Faden im Leben“ kommt nicht zu kurz. Spannend waren meines Erachtens auch die Ausführungen zum Familienmotto, welches meist ein ganzes Leben lang unbemerkt in einem schlummert und die Handlungen beeinflusst.
Aber auch Erkenntnisse der modernen Hirnforschung werden aufgezeigt und miteinander verknüpft.
Der zweite Teil des Buches befasst sich damit, wie man sein Verhalten ändern kann. Um diese Frage beantworten zu können, wird zunächst erklärt, was Verhalten ist und welche Tendenzen sich irgendwie zu verhalten bestehen, sodass man sein Handeln etwas einordnen und auf Grundlage dessen auch hinterfragen kann. Von Unselbstständigkeit über Schuldgefühle und Rastlosigkeit bis hin zu Misstrauen ist hier alles vertreten. Auch Verbesserungsvorschläge und Hilfestellungen, wenn man sein Verhalten verändern möchte, werden gegeben. Dabei spielt ein gutes Selbstwertgefühl eine zentrale Rolle und wird deswegen ausführlich behandelt.
Im Anschluss daran wird darauf eingegangen, wie man sich der Vergangenheit stellt, sein Verhalten – falls gewünscht – dauerhaft ändert und letztendlich entspannter und glücklicher mit sich selber umgeht.

Was mir an diesem Werk sehr gut gefällt ist zum einen, dass immer wieder bereits Beschriebenes aufgegriffen und neu verknüpft wird, sodass man sich ein viel umfassenderes Bild von bestimmten Zusammenhängen machen kann, als es ohne erneutes Zurateziehen wäre, und zum anderen, dass Dr. Julia Umek unglaublich viele Fallbeispiele anführt, die ihre Erklärungen viel lebensnaher und verständlicher machen. Außerdem ist sowohl durch die kurzen Abschnitte als auch die abwechslungsreichen Fallbeispiele gewährleistet, dass beim Lesen nie Langeweile aufkommt. Ebenso ist das Verhältnis von Informationen und Erklärungen sehr schön ausbalanciert, sodass dieses Buch angenehm zu lesen, aber dennoch mit viel Inhalt gefüllt ist.
Viele der Betrachtungsweisen waren für mich sehr interessant und ich war beeindruckt, wie viele Einflüsse auf ein Kind wirken und welche Reichweiten sie haben können. Gleichzeitig schenkt dieses Werk aber auch Zuversicht, dass man ungewünschtes Verhalten immer ändern und immer glücklicher werden kann. Sehr schön passen dazu auch die zahlreichen Zitate, mit denen die Autorin die Texte auflockert, da so oftmals auch Ausführungen als Resümee noch einmal genau auf den Punkt gebracht werden.
Sehr hilfreich sind darüber hinaus auch die „Fragebögen“, dank derer man sich eingehend mit der eigenen Kindheit befasst, um die Antworten dann, stets gut angeleitet, in ein anderes Licht rücken kann, um sie auch besser zu verstehen.

Mir hat „Was sagt mir meine Kindheit – Die eigene Entwicklungsgeschichte erkennen und beeinflussen“ sehr gefallen, da hier viele Aspekte behandelt und gekonnnt verknüpft werden. Das Buch liest sich sehr angenehm und flüssig, sodass es sich nie in die Länge zieht. Alles in allem kann ich es daher sehr weiterempfehlen!

So vergebe ich also 5/5 Sterne

5-Sterne

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📖 Rezension zu: „Lügenmauer“ von Barbara Bierbach

Cover für Lügenmauer. Ein Irland-Krimi

Vorhersehbar, aber schön geschrieben.

Im irischen Sligo wird der Pfarrer Charles Fitzpatrick erdrosselt aufgefunden. In dem kleinen Städtchen an der Nordwestküste beginnen sodann die Mordermittlungen. Doch wer könnte dem betagten Herren das Leben genommen haben? Emma Vaughan, die ermittelnde Polizistin bei der Garda, erhält nur auf die wenigsten ihrer Fragen eine Antwort – vielmehr herrscht in dem typisch irisch, typisch kirchlich, geprägten Sligo erdrückendes Schweigen.
Nur nach und nach bröckelt das Bild des perfekten und von allen geliebten Kirchenmannes, der auf seinen Missionarsreisen Großes geleistet haben soll… Nach einer Weile kommt die Frage auf, ob die IRA etwas mit dem Verbrechen zu tun haben könnte, doch scheint Strangulation kaum deren bevorzugte Methode. Liegt die Lösung des Falls vielleicht in den sechziger Jahren? In einer Unterkunft für „gefallene Mädchen“, die ihr Kind dort austrugen?

Bei „Lügenmauer“ handelt es sich um Emma Vaughans ersten Fall auf der grünen Insel, sodass man alle Charaktere – Kollegen wie auch Verwandte – sehr gut kennenlernt. Leider ist die Geschichte sehr vorhersehbar, weswegen ich schon nach den ersten Kapiteln in groben Zügen wusste, weswegen und durch wen der Mord geschah. Nach und nach konnte man immer genauer vorhersehen, was als nächstes passieren würde. Lediglich der letzte Teil des Endes, welcher sich nicht mehr wirklich mit dem Fall an sich befasst, war für mich keineswegs abzusehen – und auch meines Erachtens ein noch größerer Makel als die Vorhersehbarkeit… Denn diesen Part konnte ich nicht wirklich nachvollziehen und habe mich über ihn auch geärgert…
Mir hat an dem Buch jedoch besonders gefallen, dass einige Kommentare von Emma, die – bissig oder ironisch – immer wieder für Schmunzeln sorgen. Diese waren auch der größte Ansporn zum Weiterlesen und jedes Mal ein echtes Highlight.
Was man dem Buch ebenso zu Gute halten muss ist, dass immer wieder die Geschichte Irlands, Geflogenheiten der Iren oder Ähnliches in die Geschichte mit eingewoben wurden, was dem Ganzen mehr interessante Elemente einhaucht.

Auch wenn die Spannung etwas fehlte, fühlte ich mich bei der Lektüre unterhalten.

Daher vergebe ich 3/5 Sterne

3-Sterne

📖 Rezension zu: „Leb wohl, Supermarkt – unabhängig und nachhaltig leben“ von Judith Anger

Leb wohl, Supermarkt Unabhängig und nachhaltig leben Selbstversorgung-Einkauf-Vorratshaltung

Schöne Gestaltung, solide Rezepte!

Nicht mehr auf die „minderwertigen und denaturierten Zutaten“ angewiesen zu sein und sich durch besseres Essen wohler zu fühlen, war das Ziel von Judith Anger. Die gelernte Köchin und Permakultur-Praktikerin ist der Auffassung, dass sich viele Unverträglichkeiten, Mngelerscheinungen oder Krankheiten durch Nahrung aus eigenem Anbau – ganz ohne Chemie – vermeiden ließen.
Zu Beginn des Buches erklärt sie die Grundbegriffe „Permakultur“, „Wildniskultur“ und „essbare Landschaften“. Danach erklärt sie anhand des Leitspruches „Jedem Erdenbürger seine Erde!“, wie sich auch ohne Garten gärtnern lässt, denn mit ein bisschen Kreativität lassen sich auch Terrassen, Balkone oder Hauswände bepflanzen. Aber auch Projekte wie die sogenannten „Essbaren Gemeinden“ stellen eine Option dar.
Sehr interessant waren für mich auch die Erklärungen zum Hügelbeet, die sich dank einer Zeichnung gut nachvollziehen ließen.
Im darauf folgenden Kapitel gibt die Autorin ein paar Beispiele für alternative Bezugsquellen an, da sich schließlich nicht alles im eigenen Garten anbauen lässt.
Danach geht es schon mit den Grundrezepten los. Da die Autorin selber nach Gefühl kocht, sind die Mengenangaben Richtwerte, weswegen Judith Anger auch zum Experimentieren und Ausprobieren aufruft. Außerdem erklärt sie, auf welche Produkte sie lieber verzichtet und wie sie diese problemlos ersetzt. Beispielsweise verwendet sie vorzugsweise Ziegenmilch, da Ziegen die einzigen milchgebenden Tiere sind, die nicht gemestet werden könnten, weswegen die Produkte verträglicher seien. Von Rind- oder Hühnersuppe, Kräuteröl, Tomatenketchup bis hin zu verschiedenen Pestos werden hier Ideen gegeben. Wild gemischt folgen als nächstes weitere Grundrezepte – „Eingelegtes“, „allerlei Süßes“, „Säfte & Hochprozentiges“, „Brot & Nudeln“, „allerlei Pikantes“, also „Süß-saure Gurken“ (S.36), Chutney, verschiedene Sirup-Variationen oder Pasta.
Das nächste Kapitel ist dem Frühling gewidmet: Vorspeisen wie „Sauerampfersuppe“ (S.55) werden gefolgt von Hauptspeisen wie „Blätterteigtaschen mit Bärlauch-Malabarspinat-Füllung“ (S.58) oder „gefüllten Senfblättern“ und Salaten als Beilagen und abgerundet durch Desserts.
Auch Sommer, Herbst und Winter kommen mit soliden Rezepten wie den „Maislaibchen“ (S.108) daher. Sehr haben mir Seiten innerhalb der Rezeptkapitel gefallen, in denen beispielsweise Hinweise zu besser vertretbaren „Fleischanbietern“ zu finden sind.

Das Buch ist schön gestaltet: Zeichnungen zieren die Seiten und Farbfotos lockern die Texte auf, manchmal gibt es einleitende Texte zu Rezepten oder Tipp-Boxen. Das alles gibt dem Buch einen persönlichen Charme. Auch wenn viele Rezepte in meinen Augen nicht besonders aufregend sind (Mayonnaise selbstzumachen ist bei uns zum Beispiel schon lange üblich), stellen sie doch ein solides Grundgerüst dar, wenn man auf die Lebensmittelindustrie verzichten möchte. Doch auch neue Ideen und Impulse finden sich in diesem Buch.
Alles in allem zeigt dieses Buch einige solide Rezepte, um auf Industrienahrung mit lauter E-Stoffen verzichten zu können. Wenn man sich jedoch mit dem Thema bereits etwas beschäftigt hat, wird man einige Rezepte bereits kennen. Dennoch ist dieses Werk, um ans Ausprobieren und Anbauen gebracht zu werden, mit seinen 100 Rezepten mit Zutaten aus dem eigenen Garten und von Wildpflanzen, zu empfehlen.

Ich vergebe 3/5 Sterne

3-Sterne

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📖 Rezension zu: „Traditionelle Europäische Medizin“ von Siegfried Wintgen & Dr. Regina Webersberger

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Vielseitige Erklärungen!

Dieses Buch befasst sich ganzheitlich mit der Traditionellen Europäischen Medizin (TEM), welche sich im Verlauf von ca. drei Jahrtausenden entwickelt haben soll.
Ausgehend von vier Typen, den Phlegmatikern, den Sanguinikern, den Cholerikern und den Melancholikern sollen die einzigartigen Charakterzüge, die dem Typen entsprechende körperliche Konstitution, usw. betrachtet werden, um eine ganzheitliche Behandlung zu ermöglichen.
Zu Beginn des Buches wird erklärt, was TEM ist und deren Entwicklung in mehreren medizingeschichtlichen Etappen erläutert, wobei ebenso Einflüsse anderer Kulturen angeführt werden. Auch wird die TEM heute erklärt – schon in dem ersten Abschnitt dieses Unterkapitels wird deutlich gemacht, wie wichtig die Weiterentwicklung der westlichen Heilkunst doch sei.
Mir hat dieses Kapitel sehr gefallen, da es sehr spannend ist, wie sich im Laufe der Zeit verschiedene Behandlungsmethoden und Überzeugungen durchgesetzt und Kulturen einander beeinflusst haben. Sehr interessant finde ich auch den Ansatz, die Möglichkeiten der Natur an sich als therapeutisches und präventives Mittel einzusetzten (Pflanzenheilkunde, Baum- und Pilzheilkunde, Wasseranwendungen, Massagetechniken, uvm.) oder mit Gymnastik den Organismus zu stärken. Herausgestellt wird ebenfalls, dass die Achtung vor Natur und Individuum im Vordergrund stünde.
Nach diesem war ich auf das nächste Kapitel sehr gespannt. In „Die Basis der TEM – Die Säftelehre“ werden die möglichen Konstellationen von trocken und feucht sowie kalt und warm vorgestellt und erklärt. Auch die vier Säfte und die durch sie jeweils repräsentierten Funktionsprinzipien werden ausgiebig erläutert. So finden sich gleichermaßen Angaben zu den Säften (Humores), ihren Funktionen und Nahrungsqualitäten in diesem Abschnitt.
Im Folgenden wird auf die Elemente eingegangen, sodass auch das Zusammenspiel innerer und äußerer Faktoren zum Ausdruck kommt. Auch werden die Elemente, ausführlich erklärt, mit dem Vorangegangenen in Verbindung gebracht.
Das nächste Kapitel befasst sich dann mit den „Rhytmen in der TEM“, also dem Lebensrhytmus samt verschiedener Lebensabschnitte, dem Jahresrhytmus und dem Tageszyklus.
Anschließend geht es um die Lebensregeln in der TEM. Die Unterkapitel („Licht und Luft“, „Speise und Trank“, „Arbeit – Bewegung – Ruhe und Entspannung“, „Schlafen und wachen“, „Absonderungen und Ausscheidungen“, „Anregung des Gemütes“) sind alle sehr verständlich ausgeführt. Sehr interessant fand ich den Aspekt, dass Bewegung regelmäßig, in der Natur, vielfältig, an der frischen Luft und mit Konzentration stattfinden sollte.
Als nächstes werden die „fünf Säulen des Lebens nach Pfarrer Kneipp“ unter Betrachtung sehr vieler Aspekte vorgestellt. Dann werden im Kapitel „Naturheilkundliche Maßnahmen in der TEM“ die „Biochemie nach Wilhelm Heinrich Schüßler“, „Kneipp’sche Wasseranwendungen nach Dr. Heinz Schiller“, „Fasten nach Hildegard von Bingen“ sowie „weitere naturheilkundliche Möglichkeiten“ vorgestellt und ausführlich erklärt.
Danach werden „die Temperamente in der TEM“ besonders intensiv beschrieben – von der Beschreibung des Temperamentes, über Körpermerkmale, den Charakter, die Stimmungslage, die soziale sowie mentale Kompetenz, die Verdauung, den Stoffwechsel, über den Schlaf, die Entgleisungen, bis hin zu allgemeinen Tipps, Bewegung, Wydaübungen, Ernährung, Heilpflanzen und physikalischen Hausmittel – was für eine Bandbreite!

Das Buch ist sehr ansprechend gestaltet: Viele Farbfotos lockern die Texte auf, durch Stichwortlisten erhält man schnell einen Überblick, Tabellen veranschaulichen Zusammenhänge leicht verständlich, farblich anders unterlegte Abschnitte kündigen Übungen an, welche mit Zeichnungen illustriert werden, Darstellungen werden zum Erklären von Zusammenhängen und Ähnlichem angebracht. Von der Gestaltung her ist dieses Werk wirklich ganz ganz toll. Man wird nicht müde weiterzublättern und zu -lesen.
Das liegt auch an den kurz gehaltenen Abschnitten, welche sehr verständlich geschrieben sind. Auch die ausführlichen Erklärungen sprechen sicherlich für das Buch.
Was mir ebenfalls zusagt, sind die vielen Rezepte, Anwendungstipps und so weiter, die jeden Abschnitt abrunden. So findet man wirklich zu jedem Thema umfassende Informationen und Tipps.
Allerding muss ich gestehen, dass mich die Säftelehre an sich einfach nicht überzeugen konnte… Meines Erachtens kann man einen Menschen schon rein Äußerlich in den allerseltensten Fällen einem von vier Typen zuordnen… Von seiner Erscheinung dann auch noch auf seinen Charakter, seine Verdauung und zu bevorzugende Lebensmittel zu schließen, halte ich für nicht ganz so verlässlich… Auch fällt mir die Zuordnung der Attribute kalt, warm, feucht und trocken zu bestimmten Lebensmitteln oder Alterstufen schwer… Das liegt aber, so konnte ich feststellen, nicht am Buch, sondern an dem vorgestellten Ansatz an sich.
Das Buch hält voll und ganz, was es verspricht: Es erklärt die Grundsätze der TEM sehr ausführlich und verständlich und zeigt verschiedene Aspekte auf. Von der Gestaltung des Buches bin ich, wie bereits erwähnt, ganz angetan. Allerdings konnten mich einige Aspekte der TEM, auch wenn mir eine ganzheitliche Betrachtung und der Wunsch nach Balance gefallen, nicht überzeugen.

Kein Makel des Buches also, weswegen ich es jedem, der sich über die Traditionelle Europäische Medizin informieren möchte, empfehlen kann. Mit diesem Werk ist man sicherlich bestens beraten und es dürfte kaum eine Frage offen bleiben.

Von mir gibt es daher 5/5 Sterne

5-Sterne

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📖 Rezension zu: „Berlin 1936“ von Oliver Hilmes

Berlin 1936

Ein beeindruckend lebendiges Sachbuch!

16 Tage lang im August 1936, vom 1. bis zum 16.8., bietet sich dem Berlin des Dritten Reiches die Möglichkeit, die Diktatur in den Hintergrund zu rücken, um sich der Welt bestmöglich zu präsentieren. Statt zu Hetzschriften wird die Presse zu fairen Berichterstattungen angehalten – weder soll auf Siege Deutschlands verstärkt hingewiesen, noch sollen sie unter den Tisch gekehrt werden. Vielmehr beeindruckt als abgeschreckt werden rund hunderttausend Gäste durch den großen Aufwand, die sorgfältige Planung und den reibungslosen Ablauf. Auch das Aufgebot an eindrucksvollen Inszenierungen ist schon allein bei der Eröffnungsfeier pompös: Erstmalig findet ein olympischer Fackellauf zur Eröffnung statt, der mit einer Länge von 246 Metern zu den größten jemals gebauten Luftfahrzeugen gehörende Zeppelin „Hindenburg“ zieht über dem Stadion seine Runden, während unten in der Arena das Olympische Synphonie-Orchester große Stücke vertont. Ebenso viel Arbeit und Mühe wird im weiteren Verlauf der Spiele in eine gute Selbstdarstellung investiert: Von den zahlreichen Kameraleuten, die das Geschehen mit ungewohnt großen Geräten aus spektakulären Perspektiven unter der Regie von Leni Riefenstahl in über vierhunderttausend Metern Filmmaterial festhalten, sodass ein zweiteiliger Kinofilm – der Kassenschlager schlechthin – entsteht, über das überwältigende Stadion bis hin zu prächtigen – sowie teuren – Feiern, scheint alles vertreten, was das Zuschauerherz begehrt. Gleichermaßen ist nicht über unzureichende Verpflegung für die Athleten aus zahlreichen Ländern zu klagen:

„Alles in allem verzehrten die Athleten im Laufe der Olympischen Spiele 80.261 Kilogramm Fleisch, 3.047 Kilogramm frischen Fisch, 8.858 Kilogramm Teigwaren, 60.827 Kilogramm Brotprodukte, 58.622 Kilogramm frisches Gemüse, 55.220 Kilogramm Kartoffeln, 2.478 Kilogramm Kaffee, 72.483 Liter Milch, 232.029 Eier, 24.060 Zitronen sowie 233.748 Apfelsinen.“ (S. 119)

Die Frage nach den Kosten für dieses hochtrabende Ereignis sei besser nicht gestellt…
Aber auch außerhalb des Stadions gibt es in den sechzehn Tagen viel zu erleben, beispielsweise locken Bars und Cafés, in denen die Zeit in den Goldenen Zwanzigern stehengeblieben zu sein scheint, sodass ausgelassenen Feiern nichts im Weg zu stehen scheint.
Wie Touristen, Nazi-Größen, Sportler, Diplomaten, Künstler, Nachtschwärmer, Bar- und Restaurant-Besitzer oder Berliner diesen Sommer wahrgenommen haben, erfährt der Leser von „Berlin 1936“ hautnah.
Oliver Hilmes nimmt einen auf eine Reise in die Zeit der Sommerspiele mit, zeigt einem die verschiedensten Schicksale auf, sodass man nicht nur Interessantes über die Olympischen Spiele, sondern auch durch die Beschreibung neben den Spielen ablaufender Geschichten ein Gefühl für die damalige Zeit erhält.

Dem Autor gelingt es, verschiedenste Schicksale und Ereignisse, welche sich in nur sechzehn Tagen zutragen, dicht miteinander zu verknüpfen. Dabei führt er einige Personen an, die man eine Weile begleitet, bis sie wieder zu einem späteren Zeitpunkt aufgegriffen werden. Fragte man sich beispielsweise bei ersten Beschreibungen zu einer Person noch, was diese so besonders macht, dass sie in einem Buch Erwähnung findet, so wird dies von Seite zu Seite klarer.
Dadurch, dass die Personen derart unterschiedlich sind, bieten sich ebenso abwechslungsreiche Blickwinkel auf die Spiele. Ob die genaue Organisation der Spiele und ihr reibungsloser Ablauf den einen Angst macht, da man befürchtet, dass bei Kriegsausbruch die Bevölkerung ebenso problemlos zu mobilisieren sei, oder die prunkvolle Darbietung Eindruck macht und auch im Ausland seine Anhänger findet – sehr facettenreiche Standpunkte werden gezeigt.
Da man immer wieder auf die gleichen Menschen trifft, lassen sich auch Entwicklungen in ihrer Haltung wahrnehmen und man ist dem Geschehen und den Empfindungen als Leser näher.
Sehr gut gefällt mir auch der Aufbau des Buches: Jedem Tag ist ein Kapitel gewidmet, das stets mit einer Fotografie und einem kurzen Bericht des Reichswetterdienstes für Berlin beginnt, sodass man sich genau in den Sommer fühlen kann. Danach folgt man jemandem durch den Tag – beispielsweise begleitet man den Amerikaner Thomas Wolfe auf seinem Weg durch das zu Beginn von ihm so geliebte Berlin – und erfährt im Anschluss daran etwas darüber, was im Stadium vor sich geht. Es folgt ein Einschub aus den täglichen Anweisungen der Reichspressekonferenz, die einen spannenden Blick hinter die Kulissen gewähren. Im Anschluss daran wird abwechselnd der Tag aus Sportler-, Berliner- oder Politiker-Sicht beschrieben, sehr interessant sind meines Erachtens Tagebucheinträge, zum Beispiel von Goebbels. So erfährt man auch von Auseinandersetzungen oder bemerkt, wo die Fassade zu bröckeln beginnt. Immer wieder werden die Sequenzen und einzelnen Erzählstränge durch Meldungen des Pressedienstes der NSDAP, der nationalsozialistischen Parteikorrespondenz, Tagesmeldungen der Staatspolizei Berlin (, die deutlich machen, dass die nach außen so mühsam gespielte Harmonie und Weltoffenheit mit Ende der Sommerspiele ihr Ende finden wird und auch in den sechzehn Tagen der Spiele nicht tatsächlich nach diesen Werten gelebt oder regiert wird,) und durch Auszüge aus dem Berliner Lokal-Anzeiger aufgebrochen.
So sind die einzelnen Abschnitte angenehm kurz gehalten, was ein flüssig-leichtes Lesen trotz vieler Informationen ermöglicht. Ich konnte das Buch nicht beiseite legen, da es durch seinen romanähnlichen Charakter einfach so packend geschrieben ist, dass man dem nächsten Ereignis entgegenfiebert.
Was mir ausgesprochen gut gefällt, ist darüber hinaus, dass am Ende des Buches noch darauf eingegangen wird, was aus den Menschen, die man immerhin etwas über zwei Wochen begleitete, geworden ist. Dieser runde Abschluss hat noch einmal deutlich gezeigt, wer mehr und wer weniger Glück hatte oder aber auch, welche Wirkung die Olympischen Spiele 1936 auf die Menschen hatten.
Ich muss gestehen, dass ich mich für sportliche Ereignisse keineswegs begeistern kann, noch nie ein Fußballspiel oder Ähnliches gesehen habe und mir bekannte, aktuelle Sportler wahrscheinlich an einer Hand abzählen kann; dennoch hat mich dieses Buch in seinen Bann gezogen. Denn es ist keineswegs eine Berichterstattung über die sportlichen Wettkämpfe, sondern vielmehr ein unfassbar lebendiges Portrait. Ich bin noch immer beeindruckt davon, wie abwechslungsreich das Buch ist und wie sich stets ein roter Faden durch die Handlung zieht, bis sich die Erzählstränge zu einem gekonnt verwebten Ganzen bilden.
Unbekanntere sowie durchaus populärere Erscheinungen begleitet man gleichermaßen beim Lesen des Werkes, wobei ich mich bei einigen von ihnen gefragt habe, warum sie nicht bekannter sind, weswegen man nicht um ihr Schicksal weiß… So hat mich das Buch angespornt, weiterzulesen und mehr über die erwähnten Personen – sofern möglich – zu lesen.
Darüber hinaus hat mir „Berlin 1936“ mit seiner informativen, aber sehr packenden, bekömmlichen und verständlichen Art so gut gefallen, dass ich mir vorgenommen habe, die anderen Werke Hilmes‘ ebenfalls zu lesen.

Meines Erachten ist dieses Sachbuch sehr zu empfehlen, sollte man in die Zeit der Olympischen Spiele 1936 eintauchen, sie aus verschiedenen Perspektiven erleben und dabei auch hinter die Kulissen schauen wollen – auch wenn man sich nicht sonderlich für Sport begeistern kann, ist diese Lektüre sehr spannend und vermittelt, da sie sich eben mit der Zeit an sich und nicht nur den Spielen beschäftigt, Wissen zu der Diktatur. Ich hatte beim Lesen stets das Gefühl, vom Autor bestens durch die Straßen Berlins geleitet worden zu sein, da alles genau und verständlich erklärt wurde. Außerdem erscheint es mir so, dass Oliver Hilmes durch lange Recherche ein derart fundiertes Wissen erworben hatte, dass er gekonnt mit Informationen verschiedenster Quellen und Richtungen arbeiten konnte, sodass das Buch auch die ganze Zeit über abwechslungsreich war. So untermalen beispielsweise Gedichte, was zuvor über die Zeit zum Ausdruck gebracht wurde.

Ich vergebe daher 5/5 Sterne, die sich hell leuchtend, den Olympischen Ringen gleich anordnen

5-Sterne

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📖 Rezension zu: „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ von Joanne K. Rowling – – Lese-Challenge Woche 2

Auch dieser Teil konnte mich begeistern!

Die Ferien sind zu Ende, sodass für Harry Potter und seine Freunde bereits das zweite Schuljahr an Hogwarts beginnt. Doch auch dieses beginnt unter seltsamen Umständen, denn jemand versucht mit allen Mitteln Harry Potter von dort fernzuhalten. Aber selbst als er die Schule für Hexerei und Zauberei erreicht, häufen sich mysteriöse Ereignisse und geben nicht nur den Schülern, sondern selbst den Lehrern, unlösbar scheinende Rätsel auf: Harry hört immer wieder Stimmen, welche aus den Wänden zu ihm zu dringen scheinen, die sonst keiner wahrnimmt. Als wäre dies nicht als Zeichen bereits bedrohlich genug, erregt kurze Zeit darauf eine Nachricht, neben der Filchs Katze versteinert vorgefunden wird, Aufsehen: „Die Kammer des Schreckens wurde geöffnet. Feinde des Erben, nehmt euch in Acht!“.
Eine Frage nach der nächsten taucht auf: Ist die Geschichte über die geheime Kammer des Schreckens, welche von Salazar Slytherin, einem der Gründer Hogwarts, gebaut worden sein soll etwa keine Gruselgeschichte? Wer ist der Erbe Slytherins – und wird er versuchen, nach der Überzeugung seines Ahnen, die Schule von nicht reinblütigen Hexen und Zauberern zu reinigen? Und wenn dem so wäre: Wie weit würde er dabei gehen?
Selbst die Lehrer scheinen den in der Schule lauernden Gefahren nicht gewachsen zu sein, denn bald schon häufen sich die grausamen Ereignisse… Doch sollte es so weitergehen, wäre Hogwarts kein sicherer Ort mehr und über eine Schließung müsste nachgedacht werden… Für Harry Potter ist klar, dass er niemals wieder bei Tante Petunia und Onkel Vernon leben könnte, da das Schloss für ihn das Zuhause geworden ist, welches er zuvor nie hatte. Und so beschließen seine Freunde Hermine und Ron gemeinsam mit Harry der Sache auf den Grund zu gehen und so Schlimmeres zu vermeiden.

Auch dieser Band zeichnet sich durch einen sehr packenden Schreibstil und eine faszinierend spannende Handlung aus. Mir hat in „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ die Erzählweise der Autorin sogar ein Stückchen mehr gefallen, als beim ersten Buch der Reihe.
Ebenso konnten mich die Charaktere des Buches wieder für sich gewinnen und ich bin schon ganz gespannt darauf, wie sie sich in den folgenden Abenteuern entwickeln werden.
Aber auch neue Personen in diesem Buch sind J.K. Rowling sehr gut geglückt, beispielsweise konnte ich mir von dem von Frauen ja ach so umschwärmten Gilderoy Lockhart, der Autogrammkarten verteilende Star-Autor und Zauberer in den schwierigsten Fällen, welcher als neuer Lehrer für das Fach „Verteidigung gegen die dunklen Künste“ eingesetzt worden ist, sehr schnell ein Bild machen. Und nach jeder Beschreibung des von sich so Überzeugten, erschien mir seine Person immer stimmiger – keineswegs aber sympathischer. Sehr oft konnten mir Szenen mit ihm ein Lächeln ins Gesicht zaubern, da seine Selbstüberschätzung einfach so unfassbar ist und er prinzipiell einfach alles auf sich bezieht.
Ich bin begeistert davon, wie die Charaktere schon in so kurzer Zeit Gestalt annehmen können und dass die magische Welt, in die man von der ersten Seite an eintaucht, so überzeugend ist. Außerdem hätte ich tatsächlich nicht erwartet, dass ich vom Inhalt noch so beeindruckt sein könnte – oder dass mich die Bücher überhaupt zu fesseln vermögen – wenn ich doch bereits die Filme kenne. Aber dennoch gelang es auch dem zweiten Buch, mich derart zu fesseln, dass ich es bereits an einem Tag durchgelesen habe.

Nun bin ich ganz gespannt auf den dritten Band und kann es kaum erwarten, weiterzulesen.

Ich vergebe daher blitzschnell aufleuchtende 5/5 Sterne

5-Sterne

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📖 Rezension zu: „Harry Potter und der Stein der Weisen“ von Joanne K. Rowling – – Lese-Challenge Woche 1

Ich bin froh, die Reihe endlich zu lesen begonnen zu haben!

Seit er ein Jahr alt ist, muss Harry Potter bei seiner Tante Petunia, seinem Onkel Vermont und deren gemeinsamen Sohn Dudley unter Schikane leben, da seine Eltern bei einem Autounfall den Tod gefunden haben. So wird es dem Jungen jedenfalls über Jahre eingetrichtert, wenn die Sprache für einen kurzen Moment auf seine Mutter und seinen Vater fällt. Schließlich wird dieses Thema im Hause Dursley konsequent gemieden.
Doch an seinem elften Geburtstag erfährt Harry, dass er keineswegs ein normaler Waise und seine Eltern mitnichten bei etwas so banalem wie einem Unfall gestorben sind. Stattdessen erfährt er, dass er selbst ein Zauberer ist – wie seine Eltern. Diese starben, als sie sich gegen Lord Voldemort, dem dürstersten Magier, den die Welt je gesehen hat, aufgelehnt haben. Wie durch ein Wunder überlebte Harry den Angriff des dunklen Lords mit keiner größeren Verletzung, als einer blitzförmigen Narbe auf der Stirn.
Auch wenn er in der Muggelwelt, der Welt der Nicht-Magier, nur ein ganz gewöhnlicher Junge zu sein scheint, ist er bei den Zauberern wegen seines einmaligen Schicksals bereits zu großer Berühmtheit gelangt.
Der Einladung, nach Hogwarts – der besten Schule für Hexerei und Zauberei – zu kehren, folgt er nur zu gerne. So kann er endlich den Tyranneien der Dursleys und dem Schrank, welcher Jahre über sein Zimmer darstellte, entfliehen, um eine bestmögliche Ausbildung zu erhalten.
Dort angekommen taucht er in eine magische Welt ein, von der er zuvor nicht zu träumen gewagt hätte: Ein Ort voller Geheimnisse, Geister, sprechender Bilder und Abenteuer erwartet ihn.
Zum ersten Mal in seinem Leben findet er echte Freunde, entgeht den Gemeinheiten der Dursleys und fühlt sich endlich zu Hause.
Doch schon bald müssen sich Harry Potter und seine Freunde den dunklen Mächten stellen, um Schlimmstes zu verhindern…

Schon lange habe ich mir vorgenommen, die Bücher um Harry Potter zu lesen, war jedoch bisher nie dazu gekommen, da mich der ganze Hype um die Geschichte viel zu sehr abgeschreckte… Umso glücklicher schätze ich mich nun, endlich mit der Reihe begonnen zu haben, da ich schneller als ich es erwartet hatte in die magische Welt eintauchen und mit den Charakteren fiebern konnte. Dank des lockeren Schreibstiles fand ich sehr schnell und leicht ins Geschehen, lernte die Charaktere kennen und schätzen. Selten nur konnte ich das Buch aus der Hand legen, konnte es mich doch schon bald packen, sodass ich es bereits nach einem Tag durchgelesen habe. Auch wenn mir die Handlung in groben Zügen durch den Film bereits bekannt war, verlor das Buch für mich nicht an Spannung, da viele Details aus dem Buch im Film nicht umgesetzt wurden. Die Seiten flogen beim Lesen nur so dahin und ich wollte stets wissen, was als nächstes geschehen mag.
Der Autorin gelingt es spielerisch, sehr atmosphärisch zu schreiben, den Personen Leben einzuhauchen und eine ganze Welt aufzubauen.
Ich bin von den Charakteren, die verschiedener nicht sein könnten, äußerst angetan. Ob Fred und George, die auf eine verrückte Idee nach der anderen kommen, Draco Malfoy, der immer einen fiesen Spruch bereit hält oder Hermine Granger, welche mit ihrem Wissen und ihrer Wissbegierde alle verblüfft – alle kann man sich bestens vorstellen und sie gewinnen einen Seite um Seite für sich.

Von mir gibt es daher 5/5 Filibuster-Feuerwerks-funkelnde Sterne!

5-Sterne

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