📖 Rezension zu: „Stiefkind“ von S. K. Tremayne

Cover für Stiefkind

Was geschah mit Nina Kerthen?

Obwohl sie sich noch nicht sehr lange kennen, sind die 30jährige Rachel und der erfolgreiche Geschäftsmann David Kerthen verheiratet. Nun, es sind noch 178 Tage bis Weihnachten, versucht sich das ehemalige Arbeiterklassen-Mädchen aus Plumstead in dem großen Landsitz des Kerthen-Clans einzuleben. Doch der Landsitz der Familie, Carnhallow House, birgt etwas düsteres, weswegen die junge Dame mit keltischem Aussehen nicht so recht dort anzukommen scheint.
Dies mag aber auch an den Minen liegen, die seit Generationen im Familienbesitz liegen und die Kerthens zu einem nicht zu unterschätzenden Vermögen gebracht haben. Doch sind dort unten zahlreiche Unglücke geschehen – Arbeiter sind verletzt worden oder gar umgekommen und haben aufgrund der jahrelangen Belastung tödliche Atemwegserkrankungen davon getragen. Auch Davids erste Frau, Nina, verunglückte in der Morvellan-Mine unter mysteriösen Umständen bei Nacht in der Weihnachtszeit.
Aus dieser Ehe stammt Davids neun Jahre alter Sohn Jamie, für den Rachel eine unerklärliche und überwältigende Zuneigung empfindet, weswegen sie bemüht ist, ihm die perfekte Stiefmutter zu sein. Angesicht der Tatsache, dass er von dem plötzlichen Ableben seiner Mutter sehr stark traumatisiert zu sein scheint, ist dies allerdings schwieriger als gedacht. Besonders da Jamie, je mehr sich die Tage Weihnachten nähern, immer merkwürdiger wird: Er führt Gespräche mit seiner Mutter, meint sie zu umarmen, behauptet, sie würde wiederkehren und Ähnliches. Außerdem trifft er Vorhersagen für die Zukunft, die aus dem Nichts zu kommen scheinen und dann so auch geschehen. Rachel ist davon mehr als verblüfft und so schwankt sie zwischen Mitgefühl und Angst. Letztere beginnt zu überwiegen, als es beinahe so scheint, als würde Nina der Familie Botschaften zukommen lassen – mit einer klaren Ankündigung: Bald kommt sie zurück.
Sehr bald sogar, wie Jamie prophezeit. Und genau das bereitet Rachel panische Angst: Zu Weihnachten, so ihr Stiefsohn, wird sie tot sein. An ihrer Stelle wird stattdessen Jamies richtige Mutter wiederkehren und ihn nie mehr im Stich lassen.
Rachels Angst, wahnsinnig zu werden oder ihre Zeit mit einem wahnsinnigen Jungen zu verbringen, wächst stetig. Doch hat ihr Stiefsohn bereits die Zukunft vorhergesagt… Und beobachtet fühlt sie sich auch… Manchmal hört sie Stimmen… Sie birgt ein dunkles Geheimnis… Und die Leiche von Davids erster Frau ist niemals gefunden worden. Außerdem hat es vor dem Unfall, wie es heißt, in der Ehe von David und Nina zunehmend Schwierigkeiten gegeben…
Wem kann Rachel trauen? Und was wird an Weihnachten geschen? Wird sie sterben?

In der ersten Szene, in der Rachel mit David erscheint, waren mir beide extrem unsympathisch. Beide schienen äußerst lustbezogen und wenig erwachsen, weswegen ich mir nicht vorstellen konnte, mit ihnen noch warm werden zu können. Zum Glück änderte sich dies nach einer Weile, auch wenn meine Abneigung gegen David nur schwerlich abflauen konnte. Rachel wirkt im mittleren Teil des Buches dann doch relativ reif und ich konnte mich sogar gut in ihre Lage versetzen. Dennoch wurden nicht alle Gefühle  so nachvollziehbar geschildert, weswegen andere Charaktere und Rachel zu verschiedenen Zeitpunkten sehr viele Rätsel aufgaben.
Bei manchen Handlungssträngen dachte ich mir, dass jetzt ein bisschen zu viel in die Trickkiste gegriffen wurde, um den Spannungsbogen aufrecht erhalten zu können; vieles ließ mich das Buch jedoch nicht aus der Hand legen.
Dann geht es immer weiter auf Weihnachten zu und man hat als Leser bereits eine Vermutung, in welche Richtung es gehen könnte. Tatsächlich stimmte die grobe Richtung, ein paar andere Gegebenheiten und vermeidliche Sackgassen wurden im Anschluss allerdings wenig galant gelöst, sodass ich mit einem Gefühl der Unzufriedenheit zurückblieb und mich fragte, ob das nun alles gewesen sein sollte.
Der Schreibstil ist recht angenehm, wobei der Lesefluss stark von der Passage des Buches abhängt. So fiel mir der Einstieg schwer, der Mittelteil flog nur so dahin und das Ende war wieder mit Anstrengungen verbunden. Alles, was aus der Sicht Davids geschildert wurde, war für mich auf irgendeine Art und Weise unbefriedigend – mal fehlte mir ein Anlass für seine Gedanken, mal erschien er mir einfach vermessen und unverschämt und an anderer Stelle fragte ich mich, ob man diesen Abschnitt nicht hätte weglassen können.
Nach Beenden des Buches bleibe ich etwas enttäuscht zurück, da sich einige vielversprechende Handlungsstränge als nichtig, Aufgebauschtes als Banalitäten und die Charaktere als doch merkwürdig anders erwiesen haben. Zudem wirkt die Handlung nicht rund, sondern eher wie ein kleiner Flickenteppisch, an dem hier und da etwas ausgebessert worden ist oder dies vergessen worden ist.
Dennoch war ich im Mittelteil voller Eifer dabei, sodass ich auf 3/5 Sternen komme.

3-Sterne

📖 Rezension zu: „Hundert Gedichte“ von Rainer Maria Rilke

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Sehr ansprechende Auswahl.

Dieser Gedichtband widmet sich besonders Werken Rainer Maria Rilkes aus seiner frühen und mittleren Lebenszeit. In den Kapiteln „Aus den dichterischen Anfängen“, „Aus dem „Buch der Bilder“ und seinem Umkreis“, „Aus dem „Stunden-Buch“, „Aus den „Neuen Gedichten“ und ihrem Umkreis“ und „Aus den späten Gedichten“ werden 100 Gedichte vorgestellt. So erhält man einen guten Einblick in Rilkes Stil und aufgrund der chronologischen Abfolge der Werke ein Gefühl dafür, wie sich der Lyriker weiterentwickelte und andere Themen in sein Blickfeld nahm.
Im Anhang befinden sich sowohl ein sehr ansprechendes Nachwort, welches unter anderem vielversprechende Sichtweisen auf die vorangegangenen Gedichte bietet und somit den Drang, sie noch weiter zu erforschen, verstärkt, Daten zu Rilkes Biografie, mit denen man die Gedichte besser einzuordnen vermag und Rilke ein wenig besser kennen lernt als auch ein alphabetisches Gesamtverzeichnis.

Da ich zugegebenermaßen kaum Gedichte von Rilke kannte, war ich auf die Zusammenstellung dieses Bandes äußerst gespannt. Die Auswahl ist für mein Empfinden bestens gelungen, da man sich sehr schön in die einzelnen Phasen seines Schaffens hineinfinden kann; nicht zu letzt dank des Nachwortes.
Beim mehrmaligen Lesen und Durchstöbern dieses feinen Büchleins konnten mich viele der abgedruckten Gedichte für sich gewinnen – allen voran „Der Panther“ (S.74) und „Sie hatte keinerlei Geschichte…“ (S.13). Diese leisen, zarten, aber dennoch kraftvollen und ausdrucksstarken Gedichte, welche einem in Windeseile fein ausgearbeitete Bilder in den Sinn kommen lassen, haben mich sehr beeindruckt.
Darüber hinaus ist das 142 Seiten umfassende Buch mit seinem Leineneinband und dem Lesebändchen äußerst ansprechend gestaltet, sodass das Schmökern noch mehr Vergnügen bereitet.

Von mir gibt es eine Empfehlung an alle Lyrikfreunde und vor allem an jene, die Rilkes Werke gerne kennenlernen würden und daher eine Auswahl aus verschiedenen Schaffensphasen bevorzugen.

Von mir gibt es 5 von 5 Sternen!

5-Sterne

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📖 Rezension zu: „Frische Gedichte“ von F. W. Berstein

Frische Gedichte

F.W. Bernsteins Lyrik, Grafik und Satire wird zur sogenannten »Neuen Frankfurter Schule« gezählt. Mit Heiterkeit werden in seinen Gedichten unter anderem politische, alltägliche, absurde, philosophische oder auch humorvolle Themen behandelt ebenso; finden aber Dichter und ihre Werke – beispielsweise Rilke – Beachtung.
Unterteilt in die Kapitel „Drinnen und draußen“, „Das Tier und wir“, „Vom Dichten, Sport und Mord“, „Die letzten Dinge“, „Historisches und Politisches“, „Kunst, Kulinarik und Musik“, „Huldigungen und Gelegenheitsgedichte“, „Zu Zeichnungen von Chlodwig Poth“ und „Kleinkram und lyrische Störanfälle“ finden sich höchst unterhaltsame Gedichte für jede Gelegenheit. Selbst wenn seine Lyrik gute Laune verbreitet und vor Satire, Unbeschwertheit und Übermut strotzt, wagt sich Bernstein ebenso an ernstere Inhalte.
Gedichte wie „Baum, hast im Wald nix verloren“ (S.26), „Das Veilchen schreit“ (S.195), „Dem Lyrikfreunde“ (S. 53), „Die Karikatur-Kathedrale“ (S. 146) oder „Der Wasserrohrbruch“ (S.202) sorgen durch reichlich Abwechslung für großen Lese- und Lyrikgenuss. Was alle Gedichte gemein haben, ist ihr ganz eigener Rhythmus und ihre Melodie. Vieles wirkt wie ein Singsang, ein Loblied, eine Treibjagd oder ein freudiger Tanz. Darüber hinaus gelingt es dem Dichter vortrefflich eine ganz eigene Atmosphäre schon beim kürzesten Gedicht aufzubauen.

So ist dieses „Spätwerk“ von 208 Seiten wärmstens an alle Freunde heiterer und vielschichtiger Lyrik zu empfehlen. Ob der Amtsantritt von Angela Merkel oder eine Kaninchenjagd – mit Bernsteins lebendigen Gedichten vermag man über das Unterschiedlichste zu schmunzeln. Dank des großen Einfallsreichtums konnte ich den Gedichtband Stück für Stück mit Freude lesen und wurde der Lyrik nicht müde.

Ich vergebe 5 Sterne!

5-Sterne

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📖 Rezension zu: „Half Lost“ von Sally Green

Ende einer einzigartigen und atemberaubenden Trilogie!

Nachdem Soul O’Brien die Kontrolle über den Hexenrat an sich gerissen und eine brutale Schlacht zahlreiche Opfer vor allem auf Seiten der Allianz gefordert hat, ist der Kampf zwischen Weißen und Schwarzen Hexen brutaler und vernichtender geworden. Noch immer ist es eine große Herausforderung die Rebellen, welche sich der Allianz angeschlossen haben, zu einigen und zu Solidarität und Vertrauen zu bewegen, da sich sowohl Weiße und Schwarze Hexen als auch Half Bloods unter ihnen befinden. Der Half Code Nathan Bryn verändert sich darüber hinaus zuneh

mend, denn seit Annalise seinen Vater, den mächtigsten und brutalsten Schwarzen Hexer Marcus, erschossen hat, verzehrt sich Nathan nach Rache. So wie er immer kräftiger und seine Magie immer tödlicher wird, so nimmt auch sein wahnsinniges Verlangen nach Vergeltung zu.
Immer wieder droht er der Dunkelheit zu verfallen und seine Weiße Seite zu verlieren. Glücklicherweise hat er an seiner Seite treue Gefährten – allen voran Gabriel. Doch werden aus ihren Reihen immer mehr in den Tod gerissen, während die Regierung und ihre Rekruten immer mächtiger werden. Der siebzehnjährige Nathan, der sich mittlerweile so alt und ausgelaugt fühlt, als wäre seine letzte Stunde bereits angebrochen, muss alles geben, um die ihn verachtende Gesellschaft zu retten – doch ist es dieses Opfer wert?
Bald schon steht der Plan, den Hexenrat zu attackieren, Soul zu töten und faire Gerichtsverfahren für alle Täter in Gang zu setzen um so eine Gesellschaft zu schaffen, in der niemand ausgegrenzt, gejagt, gefoltert oder sonstwie diskriminiert wird.
Doch ist das alles andere als leicht, gerade da Nathans widersprüchliche Gefühle zu einer großen Schwäche werden können…

Bei „Half Lost“ handelt es sich um den letzten Band der Trilogie um Nathan Bryn. Von den vorangegangenen Bänden war ich mehr als begeistert, da sie temporeich, spannungsgeladen, voller Wendungen, mit so unterschiedlichen Charakteren ausgestattet, von den Themen her sehr durchdacht und von der kreierten Welt her derart realistisch waren, dass ich sie nicht aus der Hand zu legen vermochte und die Wörter förmlich eingeatmet habe. Noch immer haben mich „Half Bad“ und „Half Wild“ nicht losgelassen und dementsprechend gespannt habe ich auf den dritten Part gewartet.
Das Buch beginnt spannend wie immer, auch der Mittelteil lässt einen nicht los, doch das Ende kommt mir, nach all den Seiten, auf denen der zu lösende Konflikt aufgebaut wurde, etwas zu simpel und abrupt daher. Wären die letzten 30 Seiten anders gefüllt worden, hätte auch dieser Band das Potential gehabt, eine volle Punktzahl mehr als zu verdienen.
Denn auch in diesem Buch sind die Charaktere wieder bemerkenswert gut umgesetzt; Nathan wird immer erwachsener und man merkt den Zwiespalt in dem er sich befindet, die ganzen Konflikte in ihm, deutlicher denn je; Annalise glänzt durch überwiegende Abwesenheit, was, da ich ihr nicht besonders viel abgewinnen konnte, äußerst angenehm ist; Gabriel ist so wunderbar wie eh und je und auch all die anderen Figuren werden mit so viel Liebe gezeichnet, dass man sich am liebsten noch länger von ihnen umgeben lassen würde. Auch die Gegenspieler, die Unsympathen, wobei eine solche Abgrenzung bei der Reihe äußerst schwierig vorzunehmen ist, haben ihren Charme.
Der Schreibstil ist nach wie vor simpel und sehr gut verständlich, das Lesen bereitet keine Schwierigkeiten und die Seiten fliegen nur so dahin.
Ein Highlight dieses Buches waren – wie bei den ersten beiden Teilen auch – die wunderbaren Dialoge voller sarkastischer Bemerkungen, die ich gerne mehrfach gelesen habe. Der Humor der Trilogie ist einfach wunderbar und ich habe ihn sehr genossen. Besonders die Gespräche zwischen Nathan und Gabriel konnten mich packen und die Entwicklung ihrer Beziehung zueinander war ausgesprochen spannend.
Sally Green hat zudem ein Händchen dafür, Atmosphäre schnell ins Gegenteilige kippen zu lassen, sodass man die Charaktere häufig durch Höhen und Tiefen begleitet, wodurch man gar nicht mehr weiß, was als nächstes auf einen wartet.
Ich könnte – abgesehen vom Ende – noch seitenweise über „Half Lost“ schwärmen, werde mich nun allerdings zurückhalten; auch, um nicht zu spoilern.

Mich hat „Half Lost“ sehr gepackt und fasziniert, ich konnte von der ersten Seite ins Geschehen eintauchen und das Buch kaum noch aus der Hand legen. Gerade nach den ersten beiden Teilen der Trilogie ist dieser Band ein guter Abschluss, allerdings hätte ich mir ein anderes Ende erhofft, da dieses doch zwischen klischeehaft-überzogen und schön-ist-es-aber-trotzdem schwankt.

Ich vergebe 4 von 5 Sternen, die kraftvoll den Himmel entflammen.

4-Sterne

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The Versatile Blogger Award

Bildergebnis für The Versatile Blogger Award
Jetzt habe ich mich eine Weile schon nicht mehr hier gemeldet – erst waren wir auf Klassenfahrt und jetzt stehen die ganzen Vorabiklausuren an… *hmpf* Also bitte nicht wundern, wenn ich es nicht regelmäßig schaffe zu schreiben 🙂 Ich werde alles nachholen *g*

Jedenfalls wurde ich vor Kurzem von xlovinglivingx für den The Versatile Blogger Award nominiert – vielen lieben Dank, ich freue mich sehr! 😀

Hier die Regeln:

  1. Danke dem Blogger, der dich nominiert hat – abgehakt
  2. Erzähle 7 Fakten über dich
  3. Nominiere weitere Blogger

Ich hoffe, das wird jetzt nicht arg langweilig… 😀

  1. Auch wenn es mittlerweile besser wird, ängstigen mich Marienkäfer. (Ohne Spaß – ich weiß dass sie Glück bringen sollen, aber trotzdem. Irgendwann erinnere ich mich bestimmt an ein fatales Kindheitstrauma, welches das ausgelöst hat… 😀 )
  2. Ich liebe Tee; Kaffee rühre ich hingegen partout nicht an.
  3. Irgendwann möchte ich am Meer leben. ❤
  4. Mein Tag hat viel zu wenig Stunden, da ich jede freie Zeit mit Terminen vollstopfe… Auch wenn ich ständig Besserung gelobe, schwindet meine Freizeit zunehmend… Dafür versuche ich aber ständig etwas Neues auszuprobieren und freue mich ausgesprochen wenn es dann funktioniert. 🙂
  5. Ohne mindestens ein Buch verlasse ich niemals das Haus – egal ob in Bus, Bahn (oder beim Laufen…) : Ich lese. 😀 Dabei ist dank jahrelanger Erfahrung meine Unfallrate geschwindend gering.
  6. Ich liiiiiebe Postkarten und freue mich stets wie ein kleines Kind, wenn man mir welche schickt. 😀
  7. Gerade habe ich bei einem Online-Test erfahren, dass mein geistiges Alter 48 beträgt. Das verwirrt mich momentan ein wenig. 😀 Achja, eigentlich meide ich solche Psychotests konsequent.

Na, irgendwer, der sich in irgendeinem Punkt wiederfinden kann? 😀

Ich nominiere:

  1. Itchy von Freigedichtung

📖 Rezension zu: „Schönes und gesundes Haar“ von Monika Wolfram

Schönes und gesundes Haar

Interessant, aber ausbaufähig…

Mit den in der Werbung für Shampoo, Conditioner, Haarfarben und Co. verbreiteten Mythen wie Hair-Repair oder schnellerem Haarwachstum räumt Friseurmeisterin Monika Wolfram in ihrem Buch „Schönes und gesundes Haar“ auf.

In den Kapiteln „Die Haut – Aufbau der Haut, Kopfhautanomalien“ und „Das Haar – Aufbau & Anomalien“ erfährt der Leser Grundlegenes, auf dem die weiteren Ausführungen aufbauen. „Waschen und Pflegen“ beschäftigt sich unter anderem damit, wie man seine Haare richtig wäscht oder auskämmt, welche Pflege wann und wie benötigt wird, wie man das richtiges Shampoo ausfindig macht, behandelt Mythen wie Hair-Repair und gibt darüber hinaus wichtige Informationen zu Duschgels, Waschlotionen, Bioprodukten sowie eine kleine Warenkunde.
Danach wird sich beim „Styling“ dem Glätten, Kreppen, Lockenstab, Einlegen und Naturlocken gewidmet. Auch das „Haareschneiden“ – von der richtigen Beratung, über andere Mythen oder die Frage, wie die Wunschfrisur zu finden ist und man lange Haare erreichen kann – wird in einem Kapitel ausführlich behandelt. Das Thema „Haare färben“ wird in die Bereiche Pflanzenhaarfarben, Tönungen, Intensivtönungen, Colorationen, Blondieren, Blondierwäsche, Strähnen sowie Finden der passenden Haarfarbe unterteilt. Danach folgen „Dauerwelle“, „Haarausfall, Toupets & Perücken, Extensions, Haartransplantation“ und abschließend noch „Wissenswertes“ beispielsweise wie der Friseur seinen Namen bekam.

Auf 144 Seiten erhält man einen kompakten Überblick zum Thema Haare. Einiges dürfte zwar zum Allgemeinwissen zählen und daher bereits bekannt sein, Neues erfährt man allerdings auch vieles. Die Ausführungen sind ausnahmslos sehr leicht verständlich und die Themen so gewählt, dass ein breites Spektrum behandelt wird, sodass man sich mit unterschiedlichen Bereichen auseinandersetzen kann. Zugegebenermaßen hatte ich mir jedoch etwas mehr Tiefgang bei den Betrachtungen erhofft und gerade aufgrund des Untertitels „über 100 Tipps und Tricks aus der Praxis“ Rezepte oder Ähnliches erwartet. Letztendlich fehlte mir dieses für ein abgerundetes Leseerlebnis.

Ich vergebe 3,5 Sterne!

4-Sterne

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📖 Rezension zu: „Todschick“ von Gisela Burckhardt

Todschick

Erschütternd…

Von den schlechten Arbeitsbedingungen in Ländern wie Bangladesh dürfte mittlerweile jeder bereits gehört haben. Spätestens nach Rana Plaza waren die fatalen Bedingungen der Sweatshops schließlich in aller Munde – doch hat, wie von zahlreichen Unternehmen angekündigt, eine Verbesserung stattgefunden?
Noch immer neigen wir dazu, teureren Marken eher unser Vertrauen zu schenken und die schlechten Arbeitsbedingungen und mangelhaften Sicherheitsstandarts auf Billigproduzenten zu schieben. Doch ist dies leider auch heute noch ein unglaublicher Trugschluss.
Gisela Burckhardt hat viele Recherchen betrieben und zeigt nun in ihrem Buch auf erschreckende Weise, wie wenig sich trotz der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit nach Rana Plaza getan hat. Dabei geht sie ungeschönt auf die zahlreichen Probleme ein, zeigt die Geschichte von Betroffenen und lässt sie zu Wort kommen, nennt Firmen beim Namen und erklärt, worauf man als Konsument achten kann.

„Pro Kopf kauft eine Deutsche jährlich rund 14 Kilogramm Kleidung (das sind z.B. 23 Jeans oder 140 T-Shirts) und entsorgt in den Altkleidermüll wiederum neun Kilogramm (das sind z.B. 15 Jeans oder 90 T-Shirts). So landen jedes Jahr 750.000 Tonnen Altkleider in den Sammelcontainern, was Einnahmen von 375 Mio. Euro bedeutet.“ (S.166) Für mich war beim Lesen nicht nur erschreckend, wie die Bedingungen in den produzierenden Ländern sind, sondern auch wie sorglos in Deutschland mit Kleidung umgegangen wird. Es ist schier unglaublich, wie viel Kleidung unter Verletzung der grundlegendsten Rechte und Gefährdung der Gesundheit produziert wird, nur um kurz darauf in die Mülltonne zu wandern.
Äußerst interessant waren für mich auch die abwechslungsreichen Darstellungen, welche beispielsweise die Preiszusammensetzung eines T-Shirts von H&M für 4,95€, bei dem der Lohnanteil lediglich 2,6% beträgt, verdeutlichen. (S.201) Ebenso tragen Fotografien oder Steckbriefe dazu bei, dass die Lektüre niemals langweilig wird. Darüber hinaus ist der Schreibstil sehr packend und keineswegs trocken oder ermüdend, obwohl zahlreiche Informationen genannt werden.
Meines Erachtens sind außerdem die Recherche-Ergebnisse zu verschiedenen Fabriken, den dort herrschenden Bedingungen und Standarts sowie den jeweiligen Einkäufern, in verschiedene Preissegmente gegliedert, höchst interessant. So erhält man einen guten Einblick und weiß mit Beteuerungen großer wie auch kleinerer Firmen, von solchen menschenverachtenden Praktiken bei der Textilproduktion nichts zu wissen, besser umzugehen. Erstaunlich ist, wie viele bekannte Firmen tatsächlich bei den diesem Buch zugrunde liegenden Recherchen auftauchen…
Ansprechenderweise nennt die Autorin am Ende „zentrale Stellschrauben, die für eine menschenwürdige Zukunft der Arbeiterinnen in den asiatischen Textilfabriken entscheidend sind“, sodass man als Leser abschließend einen Ausblick erhält, was sich wie ändern muss. (S. 208)
Darüber hinaus werden Alternativen und Weiterführendes wie Kleidertausch, Minimalisten, hilfreiche Internetadressen z.B. zu Öko-fairer Mode genannt. Zudem werden drei empfehlenswerte Label vorgestellt: Global Organic Textile Standarts (GOTS), Fairtrade International (FLO) sowie Fair Wear Foundation.
Für ein durchgehendes Verständnis beim Lesen sorgt außerdem Glossar, in dem Abkürzungen erklärt werden.

In meinen Augen handelt es sich bei „Todschick“ um ein sehr wichtiges Buch, dessen Thematik in der Öffentlichkeit viel präsenter sein sollte. Daher kann ich es auch jedem nahe legen, da sich nur etwas ändern kann, wenn man sich informiert hat und wachgerüttelt worden ist – und dass sich etwas ändern muss, dürfte offensichtlich sein. Ein Buch, bei dem man die Augen nicht mehr verschließen kann.

5 Sterne!

5-Sterne

📖 Rezension zu: „Unberechenbar“ von Vince Ebert

Unberechenbar

Kurzweilige Unterhaltung.

Häufig wird im Nachhinein viel in Ereignisse interpretiert, viele haben das Geschehene schon immer geahnt, wiederum Andere erkennen eindeutige Muster aus denen sich universell geltende Regeln ableiten lassen. Als nicht durch Ausbildung sondern Einsicht oder Erleuchtung qualifizierte Gurus können sie der planungswütigen Menschheit dann Schritt-für-Schritt-Anleitungen zum gelungenen Leben vermitteln – und wenn die Rechnung nicht aufgeht, liegt es daran, dass die einzelnen Schritte nicht korrekt befolgt werden.
Doch lässt sich das Leben wirklich so einfach durchplanen? Wohl eher nicht, dafür ist das Leben wohl viel zu komplex und der Zufall ein doch zu entscheidender Faktor. Vince Ebert, der in seinem Physikstudium gelernt hat, die Welt mit Formeln und Algorithmen zu beschreiben, widmet sich mit seinem neuen Programm der Unberechenbarkeit des Lebens und den damit verbundenen Vorteilen. Selbstverständlich darf da wissenschaftlicher Input, wie zum Serendipitätsprinzip, nicht fehlen.

Auch wenn für mich sicherlich nicht jeder Gag ein Schenkelklopfer war – einige Passagen hätten meines Erachtens besser weggelassen werden können-, habe ich mich gut unterhalten gefühlt und den Live-Mitschnitt genossen. Es ist auch schön, die Reaktionen des Publikums zu hören und Vince Eberts Art vorzulesen ist abwechslungsreich, sodass es nicht langweilig wird, zuzuhören.

So kann ich „Unberechenbar – Warum das Leben zu komplex ist, um es perfekt zu planen“ weiterempfehlen; die 2h 20 guter Unterhaltung vergehen wie im Flug.

Ich vergebe 4 Sterne

4-Sterne

📖 Rezension zu: „Herr S. bekommt Besuch“ von Patrick Hinz

Titel: Herr S. bekommt Besuch

Fliegt so dahin…

Als Beobachter von Eitelkeiten, gelebtem Egoismus, dem Wahnsinn, den man Leben nennt, und manchmal sogar von purer Menschlichkeit sieht sich Herr S.. Dabei ist er ein „Schubladiseur“ (S.6), der jede Person, die ihm begegnet schnell einordnet und mit einem passenden Stempel versieht. Bei sich selber ist eine solche Einschätzung allerding so gut wie unmöglich, denn sicher darüber, wer er ist, ist er keineswegs.
Eines Tages steht plötzlich sein Cousin Pascal vor der Tür – gerade dieser ungeliebte Verwandte mit dem Hare-Krishna-Lächeln und dem Beruf als Reiki Meister hat ihm gerade noch gefehlt. Da sich seine Lebensgefährtin und er aufgrund zunehmend abnehmender Schwingungen zur Zeit trennen und er niemanden hat, bei dem er unterkommen könnte, zieht er bei Herrn S. ein. Dieser kann sich kaum etwas Schlimmeres vorstellen als sich mit dem Weltverbesserer sein Heim zu teilen. Bald schon ist seine Wohnung mit Räucherstäbchenduft sowie Meditationsmusik gefüllt und zu Essen gibt es Tofu in allen Variationen.
Gerade als Person, die andere Menschen nur zu gerne auf Distanz hält und deswegen Freundinnen schnellstmöglich mit schon längst zurecht gelegten Begründungen aus seinem Leben verbannt, ist dieser unangekündigte und andauernde Besuch alles andere als angenehm.
Doch nicht genug, denn bald schon klingelt es erneut an seiner Tür: Vor ihm steht, nach all den Jahren, seine Mutter, alt und todkrank. Obwohl es zwischen den beiden nicht gerade vor familiären Gefühlen sprudelt, zieht auch sie mit zu Herrn S., dessen Leben sich Stück für Stück verändert…

Mit Herrn S. konnte ich mich anfangs überhaupt gar nicht anfreunden, da er mir als der Unsympath schlechthin erschien: Ein Aufreißer wie er im Buche steht, der Frauen geradezu routiniert abserviert und des Morgens vor die Tür setzt. Nur nach und nach blitzt hinter der Fassade des Herrn S. der Mensch Stephan Zimmermann auf, der sich durchaus mehr Gedanken macht und von deutlich mehr Gefühlen erfüllt ist, als er gerne wahr hätte.
Aus seiner Sicht ist der Roman geschrieben, wobei besonders die sarkastischen Bemerkungen die Freude am Lesen bereiten und Herrn S. Leben einhauchen.
Ganz im Gegensatz zu Herrn S. war ich sozusagen von der ersten Sekunde an Pascal-Anhänger. Vielleicht auch gerade weil der (Noch-) Unsympath ihn nicht ausstehen konnte. Aber der Weltretter, der in so ziemlich jeder Organisation bereits für die Rechte anderer eingetreten ist und nun selber Hilfe benötigt, gleichzeitig aber auch Herrn S. in die richtige Richtung stupsen möchte, ist eine abwechslungsreiche und liebenswerte Figur.
Sehr menschlich wirkt auf mich gerade Herr S.‘ Mutter, die sich nur schwerlich eingestehen kann, dass sie die Hilfe anderer benötigt und sich gegen die Bemühungen, ihr das Leben leichter zu gestalten, zunächst vehement wehrt.
Nicht nur das Zusammenleben, sondern auch Schicksalsschläge in der Familiengeschichte werden thematisiert, da die Protagonisten von der Vergangenheit eingeholt werden. So tauchen stetig neue Schwierigkeiten auf, die es zu bewältigen gibt – und über allem steht Herr S.‘ Frage nach der eigenen Identität.
Das Buch von 225 Seiten lässt sich sehr angenehm lesen, da der Schreibstil unaufgeregt und sehr leicht verständlich ist, sodass die Seiten nur so dahin fliegen. So lässt sich das Buch problemlos an einem Stück lesen und man taucht schnell in die Geschichte ab.

Alles in allem eine schöne Geschichte, die ich gerne gelesen habe und die zeitweise zum Nachdenken anregt oder zum Lachen bringt.

Ich vergebe 4 Sterne!

4-Sterne

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📖 Rezension zu: „Dear Amy“ von Helen Callaghan

Cover für DEAR AMY - Er wird mich töten, wenn Du mich nicht findest

Spannend, manchmal aber etwas gewagt und vorhersehbar konstruiert…

Die Lehrerin Margot Lewis schreibt beim Examiner eine Kolumne, in welcher sie Ratschläge für ihr per Post zugesandte Probleme zu liefern versucht. Ein Mädchen, Katie, welches die Schule an der Margot arbeitet besucht, wird seit einigen Wochen vermisst. Da es keinerlei Erfolge bei der Suche nach ihr gibt und sie aus schwierigen Familienverhältnissen stammt, scheint die Polizei ihre Nachforschungen allmählich einzustellen. Doch ist sie wirklich fortgelaufen? Und selbst wenn, weswegen sollte sie unauffindbar sein? Wenn sie nun doch entführt worden ist?
Margot nimmt das ungewisse Schicksal der Schülerin sehr mit, zumal es sie an das Verschwinden der damals ebenfalls 15-jährigen Bethan Avery erinnert, welche vor fast zwanzig Jahren für immer von der Bildfläche verschwand. Man vermutet, sie sei entführt und umgebracht worden, denn ein blutdurchtränktes Kleidungsstück von ihr wurde gefunden. Darüber hinaus verschwand sie kurz nachdem ihre Großmutter, die das alleinige Sorgerecht hatte, ermordet wurde.
An einem Tag erhält Margot einen beunruhigenden Brief – an die Kolumne „Dear Amy“. Eine kindliche, unsichere und ängstliche Schrift, ein garusamer Inhalt und eine schockierende Unterschrift bewegen sie dazu, den Brief der Polizei zu zeigen. Doch diese nimmt Margot gar nicht erst ernst – schließlich ist es recht spät für einen Hilferuf von Bethan. Und wie sollte sie überhaupt an Papier, Briefmarken und einen Briefkasten gelangen, wenn sie doch, wie sie schreibt, in einem Keller gefangen gehalten wird?
Doch bleibt es nicht bei einem Brief: Eine Botschaft nach der anderen wird von der vermeindlich Toten an „Dear Amy“ geschickt. Und irgendwann meldet sich doch noch die Polizei bei Margot… Denn es gibt beängstigende Neuigkeiten. Und Katies Leben ist in höchster Gefahr…

Die Perspektive, aus welcher geschrieben wird, wechselt immer wieder, was gelegentlich etwas verwirrend, meistens aber sehr spannend und geschickt gemacht ist. Denn so erfährt man aus der Gegenwart und der Vergangenheit von Margot, Bethan sowie Katie Wichtiges Stück für Stück. Der Schreibstil ist sehr packend, wobei er sich je nach Sichtweise verändert. Dies hilft allerdings auch sich in den verschiedenen Erzählsträngen zurecht zu finden. Meines Erachtens sind diese Perspektivwechsel sehr gelungen, da die Ausdrucksweisen stets zu der jeweiligen Figur passen.
Mich hat der Klappentext dieses Werkes sehr neugierig gemacht und auch als ich die ersten Kapitel gelesen hatte, war ich von der Idee des Psychothrillers sehr begeistert. Allerdings machten mich einige Beschreibungen stutzig – schließlich fragte ich mich bereits nach dem ersten Brief dasselbe, was bald auf Seiten der Polizei folgen würden. Nach ein paar Überlegung stellte ich dann, weniger ernst gemeint, recht schnell eine etwas abstruse Hypothese auf, die meines Erachtens zwar äußerst unrealistisch aber irgendwie passend war. Die Enttäuschung war groß, als gerade diese Konstruktion des Rätsels Lösung war… Selbstverständlich wurden noch ein paar Verstrickungen, Erklärungen und Ausführungen darum geswoben, im Kern bewahrheitete sich allerdings das mehr aus Jux nach wenigen Kapiteln Erdachte. Selbst einige der Nebenhandlungen konnten mich nicht überzeugen, da sie zu vorhersehbar und klischeehaft waren.
So sind leider auch einige Elemente der Lösung äußerst unrealistisch und nicht wirklich glaubwürdig, wobei dies gerade bei dem vielversprechenden Beginn des Buches eine herbe Enttäuschung ist. Sieht man von dieser Aufklärung allerdings ab, ist der Thriller sehr temporeich und hält einige Hochs und Tiefs (der Charaktere) bereit.
Die Figuren sind sehr unterschiedlich und überwiegend realistisch gezeichnet. Bei Margot schwankte ich immer wieder zwischen Sympathie, Mitleid, Genervtsein und Skepsis. Einer derjenigen, die mit dem Fall beauftragt sind, Martin, konnte mich bis zuletzt nicht überzeugen – stets war ich misstrauisch. Dies mag auch daran liegen, dass er mir zu stark konstruiert und deswegen unecht und nicht vertrauenserweckend war.

Dennoch konnte mich das Buch fesseln und hat mich nicht losgelassen. Der Anfang des Buches ist meines Erachtens äußerst gelungen, die Charaktere sind teilweise sehr, immer wieder aber leider auch weniger, gut gezeichnet, den Schreibstil finde ich recht anpsprechend und den Aufbau mit den Perspektivwechseln sehr gelungen umgesetzt. Allerdings gestaltet sich die Auflösung in meinen Augen zu konstruiert.
Trotzdem kann ich „Dear Amy“ weiterempfehlen – auch wenn es sicherlich kein Psychothriller-Highlight ist.

Ich vergebe 3,5 von 5 Sternen

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📖 Rezension zu: „Meine kleine vegane Metzgerei“ von Sébastien Kardinal

Meine kleine vegane Metzgerei

Veganes aus dem Fleischwolf!

Die vegane Ernährung hat sich ihren Weg in das Leben vieler gebahnt, sodass man heute nicht nur in vielen Bioläden auf eine vielfältige Auswahl fleischfreier Produkte stößt. Dabei werden zunehmend unterschiedliche Inhaltsstoffe verwendet wie Tempeh, Sojaproteine, Hülsenfrüchte und Nüsse. So gelingt es nicht nur, Fleisch in Textur, Geschmack und Aussehen zu imitieren, sondern darüber hinaus wichtige Vitalstoffe und Proteine zu sich zu nehmen.
Wer lieber selbst zum Fleischwolf greift, als seinen Fleischersatz im Geschäft zu kaufen, hat mit „Meine kleine vegane Metzgerei“ einen regelrechten Schatz gefunden. Hier warten 25 abwechslungsreiche Rezepte darauf, nachgemacht zu werden.
Gegliedert in die Kapitel „Meine kleine Wurstküche“, „Die Klassiker“ und „Internationale Spezialitäten“ findet man vom Schinken über Rouladen, Braten, Spareribs, Tatar, Köfte und Irish Stew bis hin zu japanischen Yakitori-Spießchen und Tandoori-Fleisch. Beim Durchblättern des Buches war ich bereits sehr überrascht, wie viele verschiedene Bereiche mit den 25 Rezepten abgedeckt werden und musste, nachdem ich das Buch fleißig mit Post-its versehen hatte, feststellen, dass alle vorgestellten Rezepte meine Neugierde geweckt haben und von mir auf jeden Fall nachgekocht werden müssen.
Zwar hat das Buch „lediglich“ 78 Seiten, jedoch ist jede einzelne unglaublich gelungen. In einigen Kochbuchwälzern habe ich weniger ansprechende Rezepte entdeckt… So kann ich mich durch das ganze Werk kochen und freue mich schon sehr darauf.
Nach der kurzen Einleitung, die zeigt, dass vegane Ernährung keineswegs eine Neuerfindung der letzten paar Jahre ist, wird in einer kleinen Warenkunde erklärt, welche Zutaten weswegen wie beim Kochen zu empfehlen sind. Nicht nur Sojacreme schafft es auf diese Doppelseite, sondern unter Anderem auch Panko-Mehl oder Haselnüsse und Mandeln. Eine weitere Doppelseite befasst sich mit Würzmitteln, da diese es häufig sind, die dem Gericht den fleischähnlichen Geschmack verleihen. Zudem wird auch gezeigt, welche Produkte man stets Zuhause haben sollte, um spontan vegane Speisen zubereiten zu können und wo sich die ganzen Zutaten kaufen lassen.
Danach werden wichtige Küchengeräte und Kochutensilien vorgestellt, die in der eigenen kleinen veganen Metzgerei eine riesige hilfe darstellen. Die meisten davon sind ganz selbstverständlich in jeder Küche zu finden, sodass man keineswegs besonders ausgetüfteltes Spezialwerkzeug benötigt, um mit den vorgestellten Rezepten arbeiten zu können.
Daraufhin folgen bereits die Rezepte. Diese werden durch ein paar Sätze eingeleitet, die sich beispielsweise mit Zubereitung, Würzung, ursprünglicher Herkunft oder Aufwand beschäftigen. Darunter sieht man auf einen Blick die Menge, Zubereitungs- sowie Garzeit; auch die Zutaten sind sehr übersichtlich abgedruckt. Als nächstes folgt selbstverständlich die Zubereitung, welche stets mit einem hilfreichen Tipp abgeschlossen wird.
Die einzelnen Zubereitungsschritte sind sehr verständlich beschrieben und lassen so keine Frage offen. Was mir zudem sehr gefällt ist, dass die Rezepte nicht annähernd so aufwendig sind, wie von mir befürchtet: tatsächlich lässt sich das meiste sehr entspannt und schnell zubereiten.
Die Fotografien sind äußerst ansprechend und wecken die Kochlust umgehend. Sehr beeindruckend ist außerdem, wie ähnlich die Gerichte ihren „Vorbildern“ sehen – besonders bei den BBQ-Spareribs und dem Tatar fällt dies auf.
Auch geschmacklich stehen die veganen Köstlichkeiten den Fleischprodukten nicht im geringsten nach. Bisher konnten besonders die Merguez meine Begeisterung wecken, aber auch alle anderen bereits von mir ausprobierten Rezepte haben bei mir keinen Wunsch offen gelassen.

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Deswegen werde ich auch die restlichen Rezepte nachkochen und freue mich bereits sehr darauf.

Alles in allem ein ausgesprochen empfehlenswertes Buch für alle, die sich gerne Alternativen zu Fleischprodukten schaffen möchten, ohne im Geschäft zu fertigen Produkten greifen zu müssen. Mit den hier vorgestellten Rezepten lassen sich in kurzer Zeit und mit wenig Aufwand leckere Ersatzprodukte zubereiten, die unter anderem dank feiner Kräuter und Gewürze geschmacklich vollkommen überzeugen können. „Meine kleine vegane Metzgerei“ hält 25 wunderbare Rezepte bereit, die es sich nachzukochen lohnt.

Ich vergebe 5 Sterne!

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📖 Rezension zu: „Über die Wahrnehmung von Kunst im Gehirn“ von Jan A. Fischer

Faszinierend, fesselnd und äußerst interessant!

Auf die Frage, wie wir Kunst wahrnehmen, kommen einem nur zu schnell die Sinnesorgane als Antwort in den Sinn. Über die Augen, die Nase, das Gehör, die Zunge oder den Tastsinn können wir schließlich Kunstobjekte im wahrsten Sinne des Wortes begreifen und erfassen. Allerdings ist das Rätsel damit noch längst nicht gelöst, denn die durch Rezeptoren empfangenen Informationen werden an das Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet.
Doch wie? Und weswegen sind wir für bestimmte Wahrnehmungen besonders empfindlich? In diesem Buch erklärt der Kunstsammler und Wissenschaftler Professor Jan A. Fischer wie das Gehirn auf ein Kunstwerk reagiert, welche Areale beim Betrachten einer Darstellung angesprochen werden und wie es zum sinnlichen Vergnügen kommt.
„Jan Fischers Buch behandelt den Stand der aktuellen Hirnforschung und zeigt auch die Grenzen der naturwissenschaftlichen Beurteilung ästhetischer Vorgänge auf.“
Beim Betrachten des Inhaltsverzeichnisses fällt direkt auf, wie umfassend dieses Werk ist. Nach einem Vorwort von Ulrike Erbslöh und einer Einführung folgen Erklärungen zu unserem Nervensystem, Untersuchungsmethoden und den Sinnesorganen. Erläutert werden auf diese Art, gegliedert in die Unterkapitel „Das Sehen“, „Gehör“, „Geruch“, „Geschmack und Bauchgefühl“, „Tastsinn“ sowie „Bewusste Wahrnehmung“, die verschiedenen Wege, welche das Erfassen und Begreifen eines Kunstwerkes ermöglichen.
Auf diesen Ausführungen aufbauend wird sich zahlreichen weiteren Aspekten gewidmet; von der Geometrie des Sehens über das Licht und die Farben, Raum und Perspektive, Bewegung, Gesichtserkennung, Wege zur Abstraktion, Skulpturen, Installationen und Architektur, Ton, Lärm und Musik, Geruch und Geschmack in der Kunst sowie Tasten und fühlen, Memorabilia bis hin zu Aktionskunst und Schönheit erhält der Leser ein Füllhorn an Informationen. Darüber hinaus wird der Frage nachgegangen, ob Kunst analytisch vermessen werden kann, wobei hier auf verschiedene Unterthemen eingegangen wird.

Der Aufbau des Buches ist sehr gut, da man sich dank guter Erklärungen und Einführungen schnell in die komplexe Thematik einfinden kann. Ich war äußerst überrascht darüber, wie viele Informationen und Betrachtungsweisen auf 168 Seiten behandelt werden. Beeindruckend ist zudem, wie es dem Autor auch durch zahlreiche Abbildungen gelingt, die anspruchsvollen Ausführungen zu diesem komplexen Thema verständlich zu machen.
Mit diesem Werk begibt man sich auf eine spannende und faszinierende Reise durch die Kunstgeschichte und erhält bemerkenswerte Einblicke in die Verarbeitung unserer Sinneseindrücke.
Trotz – oder gerade wegen – passagenweise sehr detailreicher Erklärungen ließ meine Neugierde zu keiner Zeit nach, ganz im Gegenteil wurden die Vorgänge, welche Kunst in uns auslöst, für mich stetig spannender. Sicherlich Höhepunkte waren in meinen Augen die Unterkapitel zum Thema Ästhetik und Messbarkeit von Schönheit.

Alles in allem ist „Über die Wahrnehmung von Kunst im Gehirn“ ein ausgesprochen umfangreiches und informatives Werk von sehr gut gewähltem Aufbau und ausgezeichneter Gestaltung, welches trotz seiner Komplexität und dank der ausführlichen aber nicht ausschweifenden Erläuterungen verständlich ist. Bestimmt wird hier ein spezielles Thema behandelt, welches aber äußerst spannend ist und einen neuen sowie faszinierenden Blick auf Kunst gewährt, sodass ich die Lektüre dieses Werkes sehr empfehlen kann. Ich habe äußerst viel Neues gelernt und bin noch immer sehr beeindruckt.

Ich vergebe 5 von 5 Sternen!

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📖 Rezension zu: „Die geheimen Zeichen der Natur lesen“ von Tristan Gooley

Beeindruckend und sehr empfehlenswert!

Wer sich in der Natur zurecht finden möchte, greift nur allzu häufig zu Apps, GPS-Geräte oder Ähnlichem. Dabei hält die Natur für den aufmerksamen Wanderer ein Füllhorn an Navigationsmöglichkeiten und Orientierungshilfen bereit, welches es sich auszuschöpfen lohnt. Allerdings ist dies, wie der Autor eingesteht, nicht für jeden der passende Weg. „Denn manche Leute schalten beim Gehen lieber das Denken ab, und wenn denen das so gefällt, ist das auch völlig in Ordnung. Viele andere aber wollen gleichzeitig mit den Beinen auch den Verstand trainieren, und genau für diese Spaziergänger ist dieses Buch gedacht.“ (S.15)
Wer das sehr umfangreiche Inhaltsverzeichnis betrachtet, wird sicherlich bezweifeln, dass sich diese ganzen Themen in das eigene Leben integrieren lassen, beziehungsweise dass man sich auch nur einen Bruchteil der vorgestellten Methoden merken kann. Aber mit ein bisschen Übung, so wird versichert, Aufmerksamkeit, Neugierde und logichem Denken steht dem Lesen der geheimen Zeichen der Natur nichts mehr im Wege.
„Auch unserem logischen Denken sind Grenzen gesetzt, doch sind diese Grenzen wesentlich großzügiger angesetzt als die meisten von uns denken. Tatsächlich wendet der moderne Mensch seine Fähigkeit, Schlüsse zu ziehen, nur allzu selten auf die ihn umgebende Natur aus [sic!]. Doch das wird sich für Sie nun bald genug ändern.“ (S.10)
Beherzige man das Vorgestellte, stoße man auf so viel Faszinierendes, das einem sonst noch nie aufgefallen ist – auch in der eigenen unmittelbaren Umgebeung.
„All jenen unter uns, die der Ansicht sind, dass das Gehirn im Schlaf und nach dem Tod genügend Zeit zum Ausruhen hat, schenkt Wandern neue Einsichten.“ (S.15)

Nach einer sehr ansprechenden Einführung werden die zahlreichen Themengebiete in den Kapiteln „Boden“ (S.17), „Bäume“ (S.51), „weitere Pflanzen“ (83), „Moose, Algen, Pilze, Flechten“ (S.109), „Auf Streifzug zwischen Felsen und Wildblumen“ (S.119), „Himmel und Wetter“ (S.125), „Sterne“ (S. 157), „Sonne“ (S. 185), „Mond“ (S.197), „Eine Nachtwanderun“ (S.209), „Tiere“ (S. 217), „Unterwegs mit den Dayak, Teil 1“ (S. 245), „Stadt und Dorf“ (S.261), „Stadtbummel mit unsichtbaren Schlangen“ (S.281), „Küsten, Flüsse und Seen“ (S.289), „Schnee und Sand“ (S.305), „Unterwegs mit den Dayak, Teil 2“ (S.313), „Selten und außergewöhnlich“ (S.335), „Der Durchbruch“ (S.349), „Ihre unsichtbare Werkzeugtasche“ (S.353), „Anhang I: Entfernungen, Höhen und Winkel“ (S.361), „Anhang II: Sonnen- und schattentolerante Pflanzen“ (S.373), „Anhang III: Alljährliche Meteorströme (Sternschnuppen)“ (S.375) sowie „Anhang IV: Für Fortgeschrittene: Das Auffinden des Südens mithilfe der Sterne und des Mondes“ (S.377) behandelt.
Da dieses Werk derart umfassend ist, werde ich auf die einzelnen Kaptel nicht speziell eingehen.
Der Aufbau ist sehr gelungen, weil auf den leichteren Feststellungen vom Beginn an aufgebaut wird, sodass der vermittelte Inhalt stetig anspruchsvoller und komplexer wird. Auch die Unterteilung in verschiedene Gebiete oder Bereiche, welche es zu betrachten gilt, wenn man der Natur ihre Geheimnisse entlocken möchte, ist äußerst sinnvoll. Dank sehr verständlicher Erklärungen werden auch schwierigere Regeln, Anleitungen oder Ähnliches einleuchtend und anwendbar.
Das allerallermeiste war mir vollkommen neu, sodass ich das Gefühl nicht los wurde, in eine vollkommen neue Welt einzutauchen. Wenn man sich mit Gooleys Buch auseinander gesetzt hat wird man nur schwerlich an einer Pfütze, einer Wiese oder einem algenbewachsenen Straßenschild vorbei gehen können ohne über die Himmelsrichtungen und vieles mehr ins Grübeln zu geraten.
Von dem Umfang der Themen bin ich schlicht und ergreifend überwältigt, da so ziemlich alles behandelt wird. Gerade deswegen werde ich das Buch auch noch das ein oder andere Mal lesen. Es ist unheimlich faszinierend, wie man von normalerweise unbeachteten Efeublättern, anderen Gewächsen, Pflanzen, Wolken, der Sonne, dem Mond, den Sternen, dem Regen, der Wuchsrichtung der Grashalme und und und vielfältige Informationen über Nährstoffe im Boden, durch Menschen verursachte Veränderungen, das Alter eines Waldes, die Entfernung zur nächsten Ortschaft und deren Größe und Einwohnerzahl,…
Bei Manchem dachte ich, dass es so gar nicht funktionieren kann, aufgrund der Begründungen des Autors ließ es sich dann aber stets nachvollziehen und durch eigenes Ausprobieren, Herumfragen oder eine kleine Recherche bewahrheitete es sich.
Mit den vorgestellten Hilfestellungen, Anleitungen, Ideen, Regeln und so weiter wird jeder Spaziergang zu einem kleinen Abenteuer und einer Herausforderung, bei der die grauen Zellen nicht lange auf ihren Einsatz warten müssen. Sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene ist dieses Buch sicherlich eine Überraschung und empfehlenswerte Lektüre.
Der Schreibstil ist so gehalten, dass die Spannung über die 416 Seiten aufrecht erhalten bleibt und man den Ausführungen gut folgen kann. Auch Dank der vielen Illustrationen sind die teilweise komplizierteren Zusammenhänge einleuchtend und können gut selber angewendet werden.

Von mir gibt es daher für alle Naturbegeisterte, die ihre Umwelt mit neuen Augen betrachten und dabei ganz viel Neues entdecken möchten, eine ganz klare Leseempfehlung!

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📖 Rezension zu: „Die Rote Wand“ von David Pfeifer

Die Rote Wand

Ich habe mehr erwartet…

An einem klaren Aprilmorgen in Meran beschließt ein Mädchen ihrem Vater in den Krieg zu folgen. Schon einmal hat sie im vergangenen Sommer auf ihn warten müssen, bangte um seine Rückkehr als er nach Galazien einberufen wurde. Als er wiederkam war er nicht mehr derselbe: Sämtliches Leben schien aus ihm gewichen, in seinen Augen lag etwas Düsteres und dennoch antwortete er auf die Fragen seiner Tochter nur mit Lob für echte Kameraden, ohne die man draußen nicht zu überlegen vermochte.
Als dann also der Beginn des Ersten Weltkrieges droht und das Mädchen erneut alleine gelassen wird, beschließt es, sich als Junge zu verkleiden. Das lange blonde Haar kurz geschnitten und die Kleidung des Vaters angezogen, macht es sich auf den Weg.
Die 15jährige macht sich zwei Jahre älter, gibt sich den Namen Richard und erklärt, sie müsse in den Krieg ziehen um ihren Vater zu suchen. Kurz nachdem sie dies ausgesprochen hat, fürchtet sie eine falsche Begründung abgegeben zu haben – wären Volk, Vaterland, Kaiser und Gott nicht eine bessere Antwort gewesen? Tatsächlich ist man aber so verzweifelt auf der Suche nach Kämpfern, dass sie genommen wird. Der Schwindel ist noch nicht aufgeflogen.
Immer wieder versucht sie, beispielsweise von einem Arzt, zu erfahren, wo ihr Vater stationiert ist. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand an einen Mann erinnert und ihr weiterhelfen kann, geschwindend gering, was ihr Tag für Tag immer schmerzhafter bewusst wird. „Zum Sterben ist man ja nie zu jung.“ (S.33) heißt es zwar von Seiten des Arztes,
„Und wenn dann einst, so leid mir’s tut,
Mein Lebenslicht verlischt,
Freu ich mich, dass der Himmel auch
Schön wie die Heimat ist.“ (S.35f.) tönt es jedoch von den Soldaten.
Und so marschiert die ausgemergelte, graue Karwane mit austauschbaren Kämpfern, begleitet vom Ruf „Für Gott, Kaiser und Vaterland“ zur Roten Wand. Erbitterte Kämpfe auf Felsvorsprüngen oder Gipfeln mit den unterschiedlichsten Waffen prägen den Stellungskrieg. An der Seite eines echten Kameraden namens Max hält das Mädchen Erstaunliches aus, wird kräftiger, abgehärteter und willensstärker, als sie es von sich erwartet hätte. Denn das Ziel, ihrem Vater zu begegnen und ihn zu beschützen, hegt sie noch immer.
Doch auch das Mädchen Richard muss miterleben, wie immer mehr Soldaten fallen, Granaten explodieren und den Männern die Körper zerfetzen. Dabei ist es für sie von großer Bedeutung, dass die große Lüge über ihre wahre Identität niemals auffliegt.
Eine Sekunde der Unachtsamkeit und man ist verloren, so lernt sie; schließlich lauert der Feind überall und vermag von allen Seiten anzugreifen…
Das Mädchen durchlebt Höhen wie Tiefen, erfährt Langeweile bei gleichzeitiger Anspannung, lernt das Fürchten und das Töten. Aber es sind schon ganz andere im Kampf gefallen…

Im Buchdeckel und über die erste Seite erstreckt sich eine Übersichts-Karte der Rotwand, damit der Leser immerhin einen groben Überblick zum Handlungsort er- und behalten kann. Denn da das Mädchen mit verschiedenen Truppen stetig weiterzieht, ändert sich der Schauplatz Mal um Mal.
Das Buch beginnt mit einem Prolog, der einen direkt in eine Kampfszene katapultiert. Schon dort gibt es erste Verluste und die sehr bildhafte Sprache bewirkt, dass man aufmerksam jede Bewegung der Figuren verfolgt. „Er will noch etwas sagen, einen letzten Befehl oder vielleicht eine Verwünschung hauchen. Doch dann verlischt er, wie ein Zündholz, das in den Schnee geworfen wurde.“ (S. 10) Dann springt die Erzählung und man steht ganz am Anfang bei dem Entschluss des Mädchens in den Krieg zu ziehen. Den Namen der Protagonistin erfährt man im Verlaufe des gesamten Buches nicht, was den Leser permanent auf Distanz hält. Ich vermochte keine wirkliche Bindung zu ihr aufzubauen, da sie mir immer fern und nicht ganz verständlich war.
Das mag auch daran liegen, dass man kaum etwas über ihre Gedanken und Empfindungen liest. Eigentlich war ich davon ausgegangen, dass diese, gerade bei der Thematik des Buches, durchaus behandelt würden, da in einer solchen Erzählung nicht nur die einzelnen Gefechte von Belang sind. Aber nur selten blitzt bei „dem Mädchen“ eine dem Leser bemerkbare Gefühlsregung auf…
Leider wandelt sich mit dem ersten Kapitel der Schreibstil allmählich, da von der ausgeschmückten Erzählweise immer weniger übrig bleibt. Am Anfang wird dies noch durch das Zitieren einiger Lieder ausgeglichen, diese fallen aber nach und nach weg, sodass eher als Ausnahme mal eine Strophe angeführt wird. Auch werden die Sätze immer simpler, weswegen das Buch auf rein sprachlicher Ebene bestens auch für junge Leser geeignet wäre.
Das Buch erscheint mehr wie ein Bericht als wie ein Roman, was meines Erachtens sehr schade ist. In einem Interview gab der Autor an, weswegen die Geschichte für ihn so faszinierend war: „Zunächst einmal den Versteckspielaspekt, also eine Spannungsebene, die weder Alpen-Krimi noch Stahlgewitter-Romantik braucht. Das Mädchen muss ja in einer reinen Männerwelt überleben. Für diese Mimikry beobachtet sie die Männer genau und ahmt Verhaltensweisen nach. Nichts studiert man so aufmerksam wie ein Objekt, das man kopieren möchte. Dazu kam die Front an sich, die mit keinem anderen Kriegsschauplatz vergleichbar war.“
Ehrlich gesagt hätte ich mir sehr gewünscht, dieser psychologische Aspekt wäre wirklich mehr herausgearbeitet worden. Allerdings wird hier höchstens an der Oberfläche gekratzt, weswegen die Protagonistin auch nicht wirklich lebendig wirkt. Besser konnte ich mit den Nebenfiguren fühlen, wobei auch diese eher blass gezeichnet wurden.
Auf mich wirkt es eher so, als hätte der Autor möglichst viele Informationen gesucht, die für ein Sachbuch jedoch nicht ausreichten, um diese dann aneinander zu fügen und gelegentlich durch eine erdachte Sequenz zusammen zu basteln. Betrachtet man die faktenreichen Beschreibungen, so merkt man durchaus, dass sich David Pfeifer mit der Thematik auseinandergestezt hat.
Was mich am meisten beeindruckt ist, dass dieses Werk auf einer wahren Begebenheit beruht. Das namenlose Mädchen, welches wegen ihres Vaters an die Front geht, hieß in Wirklichkeit Viktoria Savs. Nach Kriegsende wurde sie wohl von den Nationalsozialisten zu Propagandazwecken „benutzt“.
Führt man sich beim Lesen vor Augen, was sie und all die anderen Soldaten durchleben mussten, ist dies erschütternd.

Somit wird hier zwar ein bewegendes Schicksal behandelt, dieses aber nicht als solches vermittelt. Die Erzählung bleibt meines Erachtens weit hinter ihren Möglichkeiten, da die wie ein Bericht anmutende Geschichte wenig bis gar keinen Raum für Gefühle lässt. Ausführlicher wird sich den Beschreibungen der Front und der mit ihr verbundenen Schwierigkeiten gewidmet, wobei die Passagen zu den Felsen in meinen Augen zu genau waren. Wer sich mit dem Gebirge auskennt, mag sich bei diesen Ausführungen vielleicht ein Bild vom Ort des Geschehens machen können, mir war dies jedoch so gut wie unmöglich. Wer etwas über den Krieg in den Dolomiten erfahren möchte, kann mit dieser Lektüre vielleicht einen Einstieg finden. Auf mich wirkt das Buch leider nicht ganz rund, für Dolomiten-Interessierte hält es wohlmöglich mehr Spannung bereit.

2,5 Sterne

📖 Rezension zu: „Highlights Kambodscha / Laos“ von Kay Maeritz

Weckt die Reiselust!

Als Reiseziele locken Kambodscha und Laos mit ihren Naturparadiesen, einer vielfältigen Tierwelt, wunderschönen Stränden, prächtigen Palästen und Tempeln. Dieser Bildband zeigt 50 Highlights auf, die man unbedingt gesehen haben sollte und weckt das Fernweh so bereits nach einem kurzen ersten Durchblättern.
Im Inhaltsverzeichnis ganz zu Beginn sieht man bereits, dass Kambodscha und Laos einige Höhepunkte bereit halten. Auf jeden einzelnen werde ich nun nicht eingehen, die groben Stationen lauten jedoch „Phnom Penh – Stadt am Flusskreuz“, „Angkor – im Herzen Kambodschas“, „Kambodschas Süden – Traumstrände am Golf von Thailand“, „Der Osten Kambodschas – wenig bekanntes Bergland“, „Im Süden von Laos – Land am Mekong“, „Vientiane und Vang Vieng – im Zentrum von Laos“, „Luang Prabang – das alte Herz von Laos“ sowie „Bergland im Norden – abenteuerliches Reisen“.
Auf den nächsten beiden Seiten befinden sich eine Karte von Kambodscha und eine von Laos – jeweils mit eingezeichneten Sehenswürdigkeiten. So kann man die Route bestens nachvollziehen und bei eigenen Reiseplanungen darauf zurückgreifen. Auf einen Blick kann man auch die zuvor gelisteten Zwischenziele ausfindig machen, was mir sehr gefällt.
Danach folgt ein Einführungskapitel, in dem Kambodscha und Laos sowie deren Geschichte kurz und bündig nahegebracht werden. Auch steigt dank der wunderbaren Beschreibungen die Neugierde auf weitere Ausführungen und vor allem Farbfotografien.
Im Anschluss daran werden die einzelnen Highlights behandelt, wobei auf eine Vielzahl von Themen eingegangen wird. Zu Beginn steht stets eine Beschreibung oder Erklärung zu dem jeweiligen Ort; zum Beispiel wird bei den Killing Fields eine kurze Einführung zur Schreckensherrschaft der Roten Khmer gegeben. Des Weiteren lässt sich immer auf einem Kartenausschnitt erkennen, in welcher Gegend einen der vorgestellte Anziehungspunkt erwartet. Als nächstes erfährt der Leser äußerst viel zu der Geschichte, der Bevölkerung, der Herrschaft, dem Sehenswerten, der Natur, dem Kunsthandwerk, den Entwicklungen und Traditionen, der Kultur, verschiedenen Ausflugsmöglichkeiten, der Tierwelt, der Landschaft und und und. So kann man in die einzelnen Kapitel sehr tief eintauchen und erfährt außerordentlich viel Neues. Ich war sehr überrascht, derart viel Wissen in einem Bildband vermittelt zu bekommen. Zum Abschluss eines solchen Kapitels gibt es noch eine weitere Art Infobox, in welcher sich Zusatzinformationen und Möglichkeiten weitergehenden Informierens, beispielsweise über bestimmte Internetseiten, genannt werden. Auch über die besten Besucherzeiten erfährt man hier Einiges und darüber, wer und wie viele die verschiedenen Zeiten wahrnehmen.
Sehr ansprechend sind zudem die 230 Fotografien, welche allesamt die Neugierde und Reiselust zu wecken vermögen. Die Auswahl ist sehr gelungen und man erhält einen guten Ein- und Überblick.

So bin ich mit diesem Werk von Kay Maeritz mehr als zufrieden, denn die vielfältigen Highlights, die vorgeschlagene Route, die unzähligen Informationen oder Erklärungen sowie die wunderbaren Bilder wecken die Sehnsucht nach Kambodscha und Laos. Mit großer Freude habe ich mich beim Lesen auf eine faszinierende Reise durch die beiden Länder begeben, vieles dazugelernt und für mich entdecken können. Nun ist jedenfalls der Wunsch geweckt, möglichst viele der vorgestellten Ziele auch mit eigenen Augen in natura zu sehen.

Für diesen äußerst gelungenen Bildband vergebe ich 5 Sterne!

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📖 Rezension zu: „Das Liebesleben der Pflanzen“ von Fleur Daugey

Das Liebesleben der Pflanzen

Von bezirzenden Blüten und lüsternen Insekten… 😉

Lange Zeit war die Jungfräulichkeit der Pflanzen unangefochten, wobei der Symbolgehalt der Pflanzen, insbesondere der Blumen, immer zwischen den Extremen der Sexualität schwankte – zwischen jungfräulicher Reinheit und der Wollust.
Heutzutage ist ihre sexuelle Fortpflanzung hingegen selbstverständlich.
In ihrem Buch „Das Liebesleben der Pflanzen“ befasst sich Fleur Daugey damit, wie sich Pflanzen vermehren, weswegen dies so vehement abgestritten wurde und wie es letztendlich doch zum Durchbruch kam.

Um eine Basis zu schaffen, auf der sich geschichtliche wie auch symbolische Entwicklungen und Entdeckungen erkennen und begründen lassen, befasst sich das erste Kapitel mit den Fortpflanzungsmechanismen der Pflanzenwelt. Ich war von den detailreichen und höchst informativen Texten schwer beeindruckt, da es der Autorin gelingt viel Wissen, gut verständlich auf wenige Seiten zu bringen. Gestützt wurden die Ausführungen zudem durch zahlreiche Fotografien, Zeichnungen und ähnlichem. So erhält man bereits einen tieferen Einblick in das Liebesleben der Pflanzen – das Erklärte leuchtet ein und wird mithilfe etlicher Fachtermini, auf die man im weiteren Verlauf des Buches größtenteils regelmäßig wieder trifft, untermauert und abgerundet. Dabei sind die Erklärungen auch für absolute Laien geeignet, da vom Grundlegenden ausgegangen wird, sodass ein jeder sein Wissen zu erweitern vermag.
Sehr interessant ist es zudem, wie viele unterschiedliche Techniken sich als vorteilhaft erwiesen haben und welche Vor- und Nachteile sie bergen.
Auf diesen Ausführungen aufbauend wird sich den verschiedenen Schritten hin zum aktuellen Stand der Wissenschaft gewidmet. Begonnen mit der Antike, in welcher die sexuelle Fortpflanzung in der Flora undenkbar war, über die Symbolik der Pflanzen im Mittelalter, das Erwachen der Botanik in der Neuzeit bis hin zur Gegenwart, in welcher die Geheimnisse der Bestäubung enthüllt werden. Dieser chronologische Überblick ermöglicht ein gutes Verständnis und Bewusstmachen der immensen Entwicklung, welche im Verständnis der Menschen stattgefunden hat.
Sehr ansprechend ist, dass die Autorin nicht nur auf wissenschaftliche Schriften und Debatten eingeht, sondern unter anderem auch die Widerstände der Kirche, den Symbolgehalt der Pflanzen, Mythen, Romane, Gedichte, das jeweilige Zeitgeschehen, beziehungsweise neue Errungenschaften oder gesellschaftliche Vorbehalte eingeht. Betrachtet man beispielsweise die weiße Lilie, welche in Zusammenhang mit Maria auftaucht und die Reinheit und Jungfräulichkeit symbolisiert, die sich nun doch sexuell fortpflanzt, hat dies fatale Folgen für die Kirche… Wenn der Vergleich der Jungfräulichkeit in Bezug auf die Blume hinkt, ist dann nicht auch die von Maria anzuzweifeln…?
Da Fleur Gaugey auf zahlreiche unterschiedliche Quellen zurückgreift und so aus Gedichten, Romanen oder wissenschaftlichen Abhandlungen zitiert, bleibt das Buch stets abwechslungsreich. Auch, dass sich der Blickwinkel immer wieder verändert, lässt die Neugierde beim Lesen nicht abflauen.
Besonders ansprechend sind die zahlreichen Farbfotografien, Bilder, Darstellungen, Skizzen oder Gemälde. Dieses Werk ist außerordentlich schön illustriert.
Am Ende des Buches wagt die freie Journalistin mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt einen Blick über den eigenen Tellerrand, denn auch die Sicht auf die Entwicklung der Botanik in der arabischen Welt und der islamischen Kultur sowie in Indien und dem alten China ist vielversprechend spannend und lohnenswert, da sie das umfassende Bild perfekt komplettiert.

5/5 Sternen

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📖 Rezension zu: „Sturmflimmern“ von Moira Frank

Sturmflimmern

Toller Debütroman!

Eines Nachts fahren zwei junge Erwachsene immer schneller, immer weiter fort von einem zum nächsten Staat der USA. Einer der Beiden, ein Mann mit einer Security-Statur und zahlreichen Tattoos, ist angeschossen und scheint um sein Leben mehr als hart zu ringen. Beide verstecken im Auto ein kleines Kind von gerade einmal vier Jahren, welches – blutverschmiert – noch immer nicht recht begreifen kann, was gerade passiert ist.
Irgendwann kommen die drei in dem Städtchen Highville an, setzen sich dort nieder und werden zu einer mehr oder weniger normalen Familie.
In einem flirrend heißen Sommer dann, Sofia, wie sie nun heißt, ist mittlerweile 15 Jahre alt, braut sich ein grausamer Sturm zusammen. Während die Hitze immer unerträglicher wird und sie mit ihren besten Freunden Oscar, Jeremy, Nicky und Abigail einfach nur den Sommer genießen möchte – mit Partys und Schwimmengehen.
Doch dann verschlimmert sich die Lage zwischen Oscar und seinem gewalttätigen Bruder, sodass dieser mit seinen Freunden Jazz, Chloe und Tommy gewissermaßen Jagd auf die Teenager macht.
Sofia, die ihr Temperament so gut wie überhaupt nicht zu bändigen vermag, trägt in der nächsten Zeit wesentlich dazu bei, dass sich Gewaltexzesse immer weiter hochschrauben. Darüber hinaus werden auch immer mehr Unbeteiligte zu Opfern schier grenzenloser Brutalität. Auch wenn man jedes Mal glaubt, mittlerweile müssten die Charaktere am Boden liegen und nicht mehr in der Lage sein, aufzustehen, geht es doch immer weiter… Irgendwann gipfelt alles in einem unfassbaren Orkan, den keiner der Beteiligten so erwartet hätte…
Parallel dazu verläuft eine zweite Handlung, denn selbstverständlich lässt sich eine derart düstere Vergangenheit wie die Sofias und deren Zieheltern Harriet und Schill nicht einfach abschütteltn. Eines Sommertages taucht, als wäre für Sofia nicht schon genug im Argen, Isaac auf und behauptet, ein alter Freund ihrer Eltern zu sein. Sofia, wissend dass dies nicht möglich ist, da alle drei falsche Papiere und nie im Leben alte Bekannte haben, ist und bleibt misstrauisch. Dadurch, dass ihre Eltern sich mit einer Mischung aus blankem Hass und Kleinbeigeben mit dem Besuch des Mannes arrangieren, wird Sofias Unbehagen verstärkt.
Nach und nach sickert durch, dass der Fremde etwas mit Sofias Vergangenheit zu tun hat. Er weiß darum, dass sie entführt worden ist und will sie zurück holen, an ein medizinisches Institut, das an Sofia große Interesse hat, ein Ort, an dem ihre Mutter vor Jahren in den Tod getrieben wurde.
Selbstverständlich erinnert sich die Jugendliche nur bruchstückhaft an die Ereignisse der verheerenden Nacht oder an die Zeit davor. Aber einiges weiß sie auch ganz sicher, ohne dass Schill und Harriet ihr jemals alles erklärt hätten: Sie ist nicht das Eigentum von irgendwem und die beiden Menschen bei denen sie lebt, ihre Eltern, liebt sie über alles. Sie darf nicht zulassen, dass ihnen irgendetwas zustößt.
Doch schon bald wird klar, dass Isaac und seine Männer auch vor Gewalt nicht zurückschrecken, um das zu bekommen, was sie wollen. Und so wird Sofia zum Handeln gezwungen…

Es ist wirklich schwer, den Inhalt des Buches einigermaßen wiederzugeben, da sich verschiedene Handlungsstränge, die auf eine gewisse Art miteinander verknüpft werden, über 476 Seiten erstrecken. Dabei verliert sich die Autorin immer wieder in Ausführungen, welche für die Handlung vielleicht nicht gerade bedeutungsvoll sind, aber dem Leser dennoch viel Atmosphäre und ein Gespühr für die Figuren vermitteln.
Was mich beeindruckt hat, ist, dass es der Autorin in ihrem Debütroman gelingt, die Figuren ganz selbstverständlich miteinander agieren zu lassen und dem Leser ermöglicht, ganz tief einzutauchen, sodass er die verschiedenen Charaktere sehr gut kennt. Zwar erfährt man nur nach und nach über in der Vergangenheit liegende Ereignisse, merkt auf diese Art und Weise allerdings auch, weshalb sich einzelne wie zueinander verhalten und warum wer wie zu wem steht. Gerade bei einem Erstlingswerk ist das meines Erachtens eine große Leistung.
Allerdings, das muss ich auch zugestehen, erhält „Sturmflimmern“ so seine Längen. Auch wenn es in meinen Augen beinahe durchgehend spannend war, fiel es mir manchmal schwer, mich durch einzelne Passagen zu kämpfen.
Der Schreibstil ist sehr angenehm – verständlich auf der einen, extrem packend und ergreifend auf der anderen Seite. Der Autorin gelingt es, einen mitten ins Geschehen zu ziehen; nicht nur, was die Figuren, sondern auch was die Handlung angeht. So konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen und habe mit den zahlreichen Figuren, die es allesamt nicht leicht haben, gefiebert.
Die Handlung ist äußerst brutal, weswegen das Buch sicherlich nicht für jeden geeignet ist. Die Protagonisten sind in einer Gewaltspirale gefangen, aus der sie einfach nicht entkommen können. Immer mehr spitzt sich die Lage zu und die Abstände zwischen den einzelnen Exzessen nehmen ab. Dabei beschreibt die Autorin auf sehr eindringliche und detailverliebte Art, wie diese vonstatten gehen. Solche Szenen, in denen Knochen gebrochen, Schüsse abgefeuert oder Menschen gewürgt werden, nehmen den Großteil des Buches ein, so war mein Gefühl.
Immer wieder war ich von so viel Hass und Brutalität überrascht, aber auf eine erschreckende Weise wirkte das Erzählte so real und greifbar, dass man es kaum anzuzweifeln mag. Darüber hinaus folgt ein Schlag schlüssig auf den nächsten und man ist bei den einzelnen Aktionen so im Geschehen, dass das Gesamtbild plausibel wirkt. Denn tatsächlich glaubt man der Autorin, nimmt ihr die Geschichte ab und versteht, wie es dazu kommen konnte, dass der sprichwörtliche kleine Stein große Wellen schlägt.
Sehr ansprechend finde ich zudem, wie das Wetter die Stimmung im Buch widerspiegelt und das trägt ebenfalls zu der angespannten Atmosphäre bei.
Auch der ausgewählte Handlungsort und -zeitraum sind mit einer Kleinstadt in den USA der 80er Jahren sehr vielversprechend und geschickt gewählt. Dank der ausführlichen Beschreibungen kann man sich die einzelnen Gebiete hervorragend vorstellen, weswegen mir immer wieder in den Sinn kam, dass das Buch auch als Film sehr gut funktionieren würde.

Mich konnte „Sturmflimmern“ sehr packen und aufgrund der bildgewaltigen Sprache tauchte ich sehr schnell ins Gesehen ein. Die meiste Zeit über hatte ich das Gefühl kein Leser, sondern ein Beteiligter zu sein, was gerade bei einem Debütroman beeindruckend ist. Dennoch hatte das Buch zwischenzeitig wegen sehr ausführlicher Beschreibungen langatmigere Stellen, was aber zu einem besseren Verständnis der Beweggründe und Ähnlichem beitrug. Für Zartbesaitete ist „Sturmflimmern“ mit seinen zahlreichen deatilreich geschilderten Gewaltszenen sicherlich nicht geeignet. Wer sich davon aber nicht abschrecken lässt und einen aufgrund mehrerer Handlungsstränge etwas verwickelten Roman über das Erwachsenwerden und wahre Freundschaft lesen möchte, der nicht vor lauter Kitsch trieft, ist mit diesem Werk sehr gut beraten!

Ich vergebe 4,5/5 Sternen

4_5_sterne

📖 Rezension zu: „Chef Ramzis Arabisches Kochbuch – Deutsch-Arabische Ausgabe“ von Ramzi Choueiry

Abtauchen in eine andere Welt…

Dieses deutsch-arabische Kochbuch gliedert sich in die Kapitel „Grundlegendes und Wissenswertes“, „Der lächelnde Koch“, „Mezzeh – Vorspeisen“, „Kibbeh – Hackfleischgerichte“, „Hauptgerichte“, „Süßspeisen und Gebäck“, „Wegweiser für die libanesische Küche“, „Deutsches Rezeptverzeichnis“; danach folgen die erklärenden Kapitel auf Arabisch, auch richtiger Weise in umgekehrter Reihenfolge.
„Gemeinsam zu essen und landestypische Gerichte anderer Länder kennenzulernen, kann Brücken zwischen Völkern schlagen und sie einander näherbringen.“ (S.9)
In dem Vorwort wird die arabische Welt vom Autor anhand seiner Heimat, dem Libanon, beschrieben sowie ein wenig erklärt – und mit ihr ihre Küche. Diese bilde eine Brücke zwischen Orient und Okzident, da aus allen Teilen der Welt Menschen der üppigen Vegetation und des sauberen Trinkwassers wegen hier sesshaft wurden. Da im Libanon auf diese Art viele große Kulturen aufeinandertrafen – von Griechen, Byzantinern, Römern, Phöniziern über Türken bis hin zu den Franzosen – bereicherten sie die Kultur immer weiter.
Trotz dieser vielfältigen Einflüsse, habe sich die libanesische Küche aber dennoch ihre traditionelle Eigenart bewahrt. Da er der Auffassung ist, dass das Ausprobieren und Weitervermitteln der (Ess-) Kulturen zu einem besseren Verständnis und mehr Respekt beiträgt, möchte Chef Ramzi mit diesem Buch sein „kulinarisches Erbe“ (S. 10) an den Leser weitergeben. Darauf folgen noch ein paar Passagen zum Autor und seiner Familie, seiner Heimat, der Küche sowie einzelne Kindheitserinnerungen. Nach dieser ansprechenden Einführung war ich auf die Rezepte äußerst gespannt.
Diese sind, wie bereits erwähnt, in die Themen „Mezzeh – Vorspeisen“, „Kibbeh – Hackfleischgerichte“, „Hauptgerichte“ und „Süßspeisen und Gebäck“ unterteilt.
So kann man sich über vielfältige Gerichte und Geschmacksrichtungen freuen. Besonders gefallen haben mir „Fatayer bi Sabanikh – Libanesische Teigtaschen mit Spinat“ (S.29), „Vegetarische Kibbeh mit einer Füllung aus Zwiebeln und Pinienkernen“ (S. 72), „Kushari – Vegetarisches Reisgericht aus Ägypten“ (S.101), „Umm Ali – Ägyptischer Brotpudding“ (S. 124) und „Nammura – Libanesischer Griesskuchen“ (S.139).
Die Rezepte sind stets zwei geteilt: Rechts ist es auf arabisch abgedruckt, links auf Deutsch. Unter dem Namen befindet sich eine kleine Einführung, die beispielsweise eine Erklärung, eine Beschreibung, eine Hilfestellung oder eine Variationsmöglichkeit umfasst. Sehr übersichtlich gestaltet sind die Zutatenliste und die Anleitung an sich. Die meisten Rezepte umfassen nicht viele Schritte und lassen sich daher auch problemlos in den Alltag einbinden. Selbstverständlich findet man ebenfalls aufwendigere Gerichte, bei denen sich der Zeitaufwand lohnt. Alles ist sehr verständlich erklärt und auf den Punkt gebracht, sodass keine weiteren Fragen aufkommen und keine Unsicherheiten bestehen.
Auffallend ist darüber hinaus, dass die Mengen immer groß gewählt sind, sodass die Rezepte meist für zehn Portionen konzipiert sind.
Vor Öl und Zucker sollte man allerdings keine Angst haben, wobei sich diese ja auch etwas an den eigenen Geschmack anpassen lassen.
Meines Erachtens äußerst gelungen ist die Gestaltung des Buches, da viele schöne Fotografien und kleine Ornamente zur Verzierung das Durchblättern bereits zu einem Genuss machen.

Wer also in die arabische Küche im Allgemeinen und die libanesische Küche im Besonderen eintauchen möchte, wird an diesem Werk seine Freude haben. Viele abwechslungsreiche Rezepte, verständliche Anweisungen und schöne Einführungen erwarten den Kochbegeisterten. Ideal zum Abtauchen in eine andere Welt, auch dank der aufwendigen Gestaltung.

5/5 Sternen

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📖 Rezension zu: „Lokal – Das Kochexperiment“ von Georg Schweisfurth

Lokal

Ein sehr empfehlenswertes Kochlesebuch!

Was vor nicht einmal vierzig Jahren gang und gäbe war, scheint heute nur schwerlich umsetzbar: Obst, Gemüse, Getreide, Milch oder Fleisch aus der eigenen Region zu beziehen. Das Prädikat „regional“ ist schon längst ein viel weiter gedehnter und kommerzialisierter Begriff als früher und nur mühsam zu durchschauen, da vieles als regional Angepriesene gar nicht regional ist.
Die beiden Freunde Georg Schweisfurth und Simon Tress machen sich daher gemeinsam auf die Suche nach dem echten, lokalen Geschmack. Deswegen reisen sie an elf ganz unterschiedliche, über das Internet zuvor vorgeschlagene, Orte in Deutschland, Österreich, Südtirol und der Schweiz. Nur mit einem Sack guten Salzes ausgestattet haben sie sich die Regel auferlegt, nur Lebensmittel aus einem Umkreis von maximal 15 Kilometern zu verwenden. Auf das Zubereiten folgt das gemeinsame Essen mit einigen Gästen.
Nacheinander werden so Gammertingen, Heilbronn, Berlin, Frankfurt, Lech, Wien, Bremen, Gladbeck, Mühlbach, Arth und Bischofsheim besucht. Das von den Autoren als „Kochlesebuch“ beschriebene Werk beginnt mit einer Einführuing, welche die Beweggründe für die Lokal-Challenge umfasst , die besonderen Momente aufzeigt und eine gute Einstimmung ermöglicht.
Am liebsten würde ich auf jeden einzelnen Halt eingehen und somit zu jedem Kapitel etwas schreiben. Da dies allerdings zu einer äußerst langen und vielleicht zu ausführlichen Rezension führen würde, werde ich darauf verzichten.
Die Kapitel beginnen stets mit einer kurzen Beschreibung der Region, einer Art Reisebericht und verschiedenen Stationen, welche das Duo aufsucht. So beispielsweise den „Heidäckerhof“ in Hohenstein (S.20), wo die euterfrische und unbehandelte Kuhmilch für den Zickleinschlegel (S.44, ff.) besorgt wird. Diese einzelnen Stationen sind sehr interessant beschrieben und es macht Spaß die Autoren auf ihren Entdeckungsreisen zu begleiten. Auffällig ist, dass sowohl in ländlicheren als auch in städtischen Gebieten zahlreiche Möglichkeiten regionaler Nahrungsmittelbersorgung zu finden sind. Die Adressen der Bioerzeuger werden ebenfalls angegeben, sodass man, sofern man in der Nähe wohnt, diese aufsuchen kann. Allerdings liefern diese Anlaufstellen auch Denkanstöße, um selber vergleichbare Möglichkeiten zu finden. Zusammen mit Interviews mit Menschen, die Wert auf gute und nach ökologischen Grundsätzen hergestellte Lebensmittel legen, sind die Kapitel sehr lebhaft und lebensnah gestaltet, sodass selbst das reine Schmökern bereits eine Freude bereitet.
Selbstverständlich folgen danach die Rezepte, wobei stets mehrere Gänge vorgestellt werden. Diese lassen auch nichts zu wünschen übrig, da für wirklich jeden Geschmack sehr reizende Köstlichkeiten zu finden sind. Die Rezepte sind äußerst verständlich geschrieben, auch Abwandlungen werden erklärt, sodass keine Fragen offen bleiben. Man merkt, dass das Duo den guten und hochwertigen Zutaten mit den Gerichten gerecht werden wollte – und dies ist ihnen vorzüglich gelungen.
Äußerst ansprechend ist zudem die Gestaltung des Buches, vor allem da viele Schwarzweiß- und Farbfotos diesem Werk Leben einhauchen und die Lust, nachzukochen, steigern.
Darüber hinaus lässt sich das Buch sehr angenehm lesen, da der Schreibstil locker gehalten ist und viele Beobachtungen, Gespräche und Ähnliches eingebracht werden. Das ist sehr spannend und bleibt stets kurzweilig.
Besonders konnten mich die Rezepte „Kartoffel-Brennnessel-Stampf (mit Pastinaken, Kürbis und Gierschpüree)“ (S.74-77), „Walnussküchlein (mit Kiwanos und Honigbaiser)“ (S.196-198), „Forelle & karamellisierte Radieschen (mit Trauben- und Apfelreduktion, Asiasalat und frittierten Brennnesseln)“ (S.288,f.) sowie „In Honig karamellisierter Rhabarber & Apfel (mit Kastanienmus, Salbei-Minz-Pesto und Apfelringen)“ (S.293-295) begeistern. Allerdings war ich über den doch sehr hohen Fleischanteil überrascht und muss gestehen, dass gerade Rezepte für Innereien nicht meinen Geschmack treffen. Dies ist jedoch meinen persönlichen Vorlieben zuzuschreiben…
Sehr gelungen ist meines Erachtens auch die Idee, dass bei jedem Rezept die Koordinaten angegeben und im Inhaltsverzeichnis auch die Entfernungen in Kilometer jeweils ab München zu finden sind.

Alles in allem ein empfehlenswertes Kochlesebuch!

5-Sterne

📖 Rezension zu: „Die Wahrheit“ von Melanie Raabe

DIE WAHRHEIT

Viele Widersprüche und Logikfehler…

Sarahs Mann, Philipp Petersen, verschwand vor sieben Jahren auf einer Geschäftsreise in Südamerika. Er war vom Hotel aus alleine losgegangen, um einen Investor zu treffen – doch er erreichte ihn nie. Seine Ehefrau hält aber noch immer an ihm fest, weswegen sie nur langsam und unter großer Anstrengung Veränderungen ertragen kann. Die langen Haare kurz geschnitten und einen Kollegen, der in sie verliebt ist, scheint es, als würde endlich ein neuer Lebensabschnitt beginnen. Die alleinerziehende Mutter beginnt wieder mehr zu leben…
Doch dann erreicht sie ein alles verändernder Anruf: Philipp ist aufgetaucht. Er lebt. Allerdings möchte er weder mit ihr skypen, telefonieren oder sonst Kontakt aufnehmen, noch möchte er, dass der gemeinsame Sohn ihn mit vom Flughafen abholt. Sarah stimmt dies ein wenig skeptisch, sie ist von der Nachricht aber viel zu aufgewühlt als dass sie sich irgendwelche Gedanken machen könnte.
Auch wenn die 37jährige auf Philipps erste Bitte eingeht, nimmt sie ihren Sohn Leo dennoch mit. Endlich wird er seinen Vater sehen; immerhin kennt er ihn so gut wie gar nicht, da er dafür noch zu jung ist.
Voller Aufregung und Vorfreude blickt sie dem Tag entgegen, an dem sie ihren Mann wiedersehen soll. Und als dieser kommt, das Flugzeug zur Landung ansetzt, Passagiere aussteigen, das Blitzlichtgewitter der Fotografen beginnt und alles nur viel zu warm und stickig wird, kann sie es kaum glauben: Offensichtlich war Philipp nicht an Bord… Erst glaubt sie an eine große Verwechslung oder einen gewaltigen Irrtum, solange, bis ein Mann vor ihr steht und behauptet ihr Mann zu sein.
Aus lauter Verwirrung bringt sie kein Wort des Protestes heraus; auch dann nicht, als der Fremde Leo hochhebt und seelenruhig in die Kameras blickt. Sarah ist klar, dass diese Person gefährlich ist und etwas im Schilde führt. Deswegen und weil der Fremde es vorab so gewünscht hat, verbringt Leo die nächste Zeit bei seinem besten Freund.
Zuhause angekommen bricht Sarah zusammen: All die Hoffnung, all das Bangen und Warten all die Jahre lang – und nun diese Enttäuschung. Worum geht es dem Fremden? Um Geld? Er spielt mit ihr, so viel ist klar. Doch je mehr sie andere von der falschen Identität des Mannes zu überzeugen versucht, desto weniger Menschen glauben ihr. Die wenigsten aus ihrem Freundes- und Bekanntenkreis kennen Philipp, weswegen der Hochstapler freies Spiel hat. Nur Philipps Mutter oder ein Nachbar, der Herrn Petersen schon als kleinen Jungen kannte, erkennen den Betrüger als solchen. Doch ist das nicht von Belang…
Der Fremde weiß etwas aus Sarahs Vergangenheit, dass sie daran hindert zur Polizei zu gehen. Etwas Dunkles lauert in der Vergangenheit. Niemals darf es ans Licht gezerrt werden. Kann sich Sarah dennoch von dem Mann befreien?
„Erstens, denke ich: Ich bin eine Betrügerin. Zweitens: Ich habe jemanden umgebracht. Drittens: Ich habe ein Tattoo an einer verborgenen Stelle. Eines davon ist gelogen.“ (S.37)

Nachdem ich auf der Buchmesse eine Lesung der Autorin verfolgen konnte, war ich auf „Die Wahrheit“ ganz gespannt. Der große Hype um das Buch trug sicherlich noch zu meiner Neugierde bei, allerding muss ich gestehen, dass ich von diesem Werk etwas enttäuscht bin…
Ein Grund wären die groben Logikfehler, die gar nicht so viel zur Handlung beitragen, aber dennoch stören. So möchte der Fremde Sarah beispielsweise tagelang auf etwas in ihrer Vergangenheit aufmerksam machen – etwas, wegen dem er sich in ihrem Haus einnistet. Er möchte die Wahrheit über das Schlimmste, was Sarah jemals in ihrem gesamten Leben getan hat, erfahren. Sarah zermartert sich das Hirn und kommt einfach nicht darauf, was dieser Mensch wohl meinen könnte. Merkwürdig, denn abgesehen davon, dass selbst die besten Verdrängungsmechanismen nur schwerlich derart gute Arbeit leisten könnten ein so großen Kapitel aus ihren Erinnerungen zu verbannen, hat sie bereits in den ersten Kapiteln gezeigt, dass sie sich erinnert. Da spielt sie nämlich nicht nur auf besagte Handlung an, nein, sie nennt sie auch genau. Das passt einfach nicht… Ebenso unmöglich ist es, dass ein im Garten vergrabener Ehering ca. 200 Seiten später aus der Schublade genommen wird.
Ein anderer Grund wären die groben Logikfehler, die die gesamte Handlung überhaupt ermöglichen. Hierauf kann ich leider nur ungenau eingehen, um nicht zu viel zu verraten. Nur so viel: Menschen schrumpfen nur sehr selten (in jungen Jahren) mehrere Zentimeter, wechseln die Augenfarbe oder Ähnliches… Ich muss mich wirklich beherrschen, nicht weiter auszuholen…
Möglicherweise lässt sich meine Enttäuschung auch damit begründen, dass die Figuren zu einem guten Teil nicht stimmig sind. Da wenige Kapitel aus der Sicht des Fremden geschrieben sind, erhält man einen Einblick in seine Gedanken und Gefühle, die aber nur schwerlich mit der Lösung des Falles vereinbar sind.
Zugute halten muss man dem Buch hingegen, dass die Idee des Werkes wirklich vielversprechend ist. Über einen längeren Zeitraum wird Spannung aufgebaut, Knoten und Verpflechtungen entwickelt, die am Ende aber nicht gekonnt gelöst, sondern gewissermaßen einfach durchgeschnitten wurden. Das Ende war viel zu abrupt, zu unrealistisch, zu simpel und daher sehr enttäuschend. Prinzipiell ist es ja kein Hexenwerk, die Neugierde und das Misstrauen des Lesers zu wecken: meines Erachtens anspruchsvoller ist es da eher, das Gewirr aus Handlungssträngen und falschen Fährten zum Schluss so zu lösen, dass ein schlüssiges Konstrukt entsteht. Wenn man um das Ende weiß und das Buch nochmal überdenkt, muss es Sinn ergeben. Dem war hier leider nicht so… Ein derart konstruiertes Ende zieht das ganze restliche Buch in meinen Augen mit runter…
Dabei war das Buch sonst angenehm zu lesen, da der Schreibstil ansprechend ist. Zwar hat es manchmal seine Längen – allgemein wären 100 Seiten sicherlich problemlos einsparbar gewesen – aber auf diese Weise erhält man auch viele Einblicke in das (Familien-) Leben von Sarah. Schade ist meines Erachtens jedoch, dass immer wieder, teilweise beinahe krampfhaft, Beweise, Untermauerungen, Indizien, Fallen, Irreführungen, Wendungen oder Dergleichen aus dem Ärmel geschüttelt werden, aber stets belanglos bleiben. Hin und wieder stolperte ich über die ein oder andere Ausdrucksweise wie „Es machte mich lächeln“… Noch immer bin ich mir nicht sicher ob das als Faust-Anspielung gedacht war… Wohl eher nicht…
Die Charaktere sind sehr unterschiedlich. Auch von Szene zu Szene… Sarah ist mal stark, unglaublich tough und eine Kämpfernatur, dann kann sie vor lauter Stress und Übelkeit das Badezimmer gar nicht mehr verlassen. Nun gut, man verhält sich ja nicht immer gleich. Dass sie aber, kurz nachdem sie sich seelenruhig mit dem Fremden unterhalten hat, wie eine reizvolle Herausforderung für den nächsten Psychologen bewaffnet durch die Gegend eilt, ist dann schon wieder etwas abstrus…
Der Fremde bleibt sich allerdings auch nicht gerade treu und spielt – mit welchem Grund auch immer – mit der zunehmend von Leid erfüllten Sarah. Ich konnte mir kein schlüssiges Bild von ihm machen…

So beginnt „Die Wahrheit“ sehr spannend und weckt dank des Klappentextes die Neugierde des Lesers. Dieser muss dann zwar immer wieder längere Passagen abwarten bis wieder etwas geschieht, kann sich aber in der Zwischenzeit bereits einige Gedanken zur möglichen Auflösung des Falles machen. Diese werden aufgrund zahlreicher Fehlinformationen – und einiger Logikfehler – wohl eher nicht mit dem von der Autorin vorgesehenen Ende übereinstimmen. Auf diese langatmigeren Abschnitte folgen äußerst spannende, was zum Weiterlesen motiviert. Irgendwann hat sich die Handlung aufgrund der vielen falschen Fährten dann jedoch in eine Sackgasse manövriert, sodass keine plausible Möglichkeit mehr übrig bleibt – weswegen die Mauer am Ende der Straße sich plötzlich in ein „Kehren Sie zurück zum Los“-Feld verwandelt. Das Buch hört wirklich sehr enttäuschend auf und lässt den Leser fassungslos mit einem „Das soll es gewesen sein?“ zurück.
Auch, wenn mich das als Thriller betitelte Buch unterhalten konnte und sicherlich seine guten Elemente sowie eine vielversprechende Idee hatte, bleibe ich nach der letzten Seite sehr enttäuscht zurück. Daher bin ich mir auch recht unsicher ob der Bewertung…

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