📖 Rezension zu: „Bevor es hell wird“ von Jens Eisel

Bevor es hell wird

Und dann(…). Und dann(…). Und dann(…).

Mit sehr nüchterner Sprache erzählt Jens Eisel von Alex, der 2006 nach zwei Jahren Gefängnisaufenthalt wieder auf freiem Fuße ist. Nun muss er sich erst wieder einleben und blickt auf seine Kindheit, Jugend sowie auf fatale Ereignisse, die zu seiner Freiheitsstrafe führten, zurück. Recht schnell beschleicht einen das Gefühl, dass es irgendwie mit dem Tod seines Bruders zusammenhängen könnte.
Die Idee des Buches hat mich sehr angesprochen, da ich nach Lesen des Klappentextes neugierig war, welche Ereigniskette zu der Verhaftung geführt haben könnte. Allerdings wird sich dieser Frage nur am Rande gewidmet, wie ich es empfunden habe, denn der Leser erhält derart viele Einblicke in die Erinnerungen des Protagonisten, dass die wirklich wichtigen Ereignisse dabei unterzugehen drohen. Selbstverständlich werden auch diese mehr oder weniger behandelt, jedoch verliert sich der Autor immer wieder in Belanglosigkeiten.
Man könnte arguementieren, dass dies zu einer besonderen Atmosphäre beitragen und einem die Charaktere nahebringen könnte, jedoch hatte es auf mich eher den gegenteiligen Effekt: Die Figuren wirkten auf mich auch auf der finalen 208. Seite noch blasser als mir lieb gewesen wäre und davor hatte die Erzählung meine Neugierde nicht aufrecht erhalten können. An manch einer Stelle waberte eine Erklärung zur Ausgangssituation zwischen den Zeilen, aber die meiste Zeit war kaum etwas Unheilvolles zu spüren. Auch wenn es traurig mit anzusehen ist, wie Stück für Stück alles den Bach runter geht, vermochte mich die Erzählung einfach nicht zu packen.
Dies hängt wahrscheinlich in großen Stücken mit dem Schreibstil zusammen, der durch seine nüchterne Sachlichkeit eine für mich unüberwindbare Distanz aufbaute und mich stellenweise etwas ermüdete. Obwohl ich persönlich gelegentlich – sofern es zu einer kühlen zu übermittlenden Atmosphäre passt – einen kargen Sprachgebrauch durchaus zu schätzen weiß, erschien es mir hier einfach nicht als Wirkungsmittel eingesetzt. Manchmal erweckte es vielmehr den Eindruck, als wäre es nicht von einem Erwachsenen geschrieben worden, was ich äußerst schade finde…

„Weißt du, ich dachte damals, dass ich verrückt werde. Am schlimmsten waren die Nächte. Kurz bevor es hell wird.“ (S.168)

Alles in allem kann ich festhalten, dass mir die Grundidee des Buches sehr gefallen, der Schreibstil mir jedoch kaum zugesagt hat. Schade ist es in meinen Augen, dass der Autor so vielen Beachtung schenkt, das für mich nicht wirklich von Belang zu sein scheinte, weswegen für mein Empfinden wichtigere Teilgebiete zu kurz gekommen sind. So fehlte ein gutes Stück Lesefreude…

Ich vergebe 2 von 5 Sternen

2-Sterne

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📖 Rezension zu: „Wien“ von Antonia Kögl und Arnold Pöschl

Sehr empfehlenswert!

Dieses Buch beinhaltet sowohl Rezepte aus dem traditionellen als auch aus dem modernen Wien. Zu Beginn gibt es einen kulinarischen Stadtbummel durch die österreichische Hauptstadt mit ihren 23 Bezirken, was ich als sehr ansprechend empfunden habe, da man auf diese Weise sehr gut auf die folgenden Rezepte eingestimmt wird. Der erste Teil, welcher sich dem traditionelle Wien widmet, beginnt mit dem Unterkapitel „Imbiss“ (Salate und verschiedene Brote), danach folgen Menü Zur Herknerin, Vorspeisen, Menü Lugeck (traditionelle österreichische Küche in höchster Qualität“) wie beispielsweise „Wiener Erdäpfel Suppn mit Steinpilzen“ (S.38), Hauptspeisen, Menü Weinhaus Arlt, Menü Freyenstein, Nachspeisen, Menü Rote Bar & Anna Sacher.
Das moderne Wien wird ab Seite 144 behandelt. Menü Labstelle, Menü Lingenhel, Menü Salon Plafond, Menü Die Liebe, Menü Neni, Menü Reisinger’s, Menü Pichlmaiers Zum Herkner, Menü Wrenkh, Menü Pramerl & The Wolf, Menü Blue Mustard sowie Menü Le Ciel finden hier ihren Platz.
Zu Beginn werden immer zum Thema passende Gerichte vorgestellt, dann folgt ein Gastronom. Auf einer Doppelseite wird dieser mitsamt seines Restaurants oder Lokals vorgestellt. So zum Beispiel das Wirtshaus Zur Herknerin: In Wieden überzeugt es im 50ies-Chic mit handgeschriebenen Speisekarten und ausgezeichneter Hausmannskost. Auch die von der Betreiberin, Stefanie Herkner, vorgestellten Rezepte strahlen zum Teil eine schöne Nostalgie aus. „Spinatknödel in brauner Butter“ (S.20) oder „Rote Grütze mit flüssiger Sahne“ (S.24) lassen einem auch dank der ansprechenden Fotografien das Wasser im Munde zusammenlaufen.
Bei insgesamt 120 Rezepten ist für jeden das Richtige dabei – sowohl vom Geschmack als auch von dem (Zeit-) Aufwand der Zubereitung her.
Hinten im Buch sind die Gastronomen aus dem Buch mit Adresse aufgeführt und in der Stadtkarte eingezeichnet, sodass man sie bestens einordnen und eventuell bei einem Wien-Trip selbst einmal aufsuchen kann.

Alles in allem handelt es sich um ein sehr ansprechendes Buch, welches sowohl als eine Art Reiseführer als auch als Kochbuch begeistert. Dieses Zusammenspiel hat mir sehr gefallen und die vielfältigen Rezepte haben mich zu überzeugen vermocht. Besonders gelungen rundet meines Erachtens die schöne Gestaltung das Buch ab und macht es zu einem wirklichen Augenschmauß. Von mir gibt es eine klare Empfehlung und fünf Sterne!

5-Sterne

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📖 Rezension zu: „Das Kleine Übungsheft – Freunde gewinnen und bessere Beziehungen führen“ von Odile Lamourère

Detailansicht

Hilfreich!

Schon wenige kleine Maßnahmen reichen bereits aus, um bessere Beziehungen zu führen, neue Menschen kennenzulernen und Freunde zu gewinnen. Selbstverständlich sind solche Veränderungen nicht unbedingt leicht und nehmen auch ihre Zeit, dennoch ist es gar nicht so schwierig, wenn man erst mal weiß, wie, wo und wonach man Ausschau halten muss.

Dieses kleine Übungsheft beinhaltet Fragebögen, Übungen, Spiele, Internetadressen, Ratschläge, Aufmunterndes, Mutmachendes, Beispiele, Wissenswertes, mögliche Zielsetzungen, Tipps, Denkanstöße und so weiter. So erhält der Leser nicht nur die Möglichkeit zu einer Selbsteinschätzung, sonder kann darüber hinaus Schritt für Schritt an sich arbeiten und sich stetig etwas verbessern.
Dabei ist das Büchlein ansprechend mit zahlreichen Illustrationen gestaltet, die das Heft auflockern und den vermittelten Inhalt (humorvoll) auf den Punkt bringen.
Allgemein ist dieses kleine Übungsheft – wie die anderen, welche ich bisher habe kennenlernen dürfen, ebenfalls – sehr ansprechend in viele kliene Sektionen unterteilt, sodass man nicht von einer Informations- und Übungsflut erschlagen wird, sondern ganz entspannt die Aufgaben bewältigen kann.
Zwar sind nicht alle Tipps neu, es finden sich aber sehr viele, die einem nicht geläufig sind. Auch die Internetseiten, die einem weiterhelfen können sollen, waren für mich sehr interessant und besonders die Tipps dazu, beim Betreten eines Raumes gleich auf einen Blick den richtigen Sitz-/Stehnachbarn zum Unterhalten zu finden, sind in meinen Augen äußerst wertvoll.

Ich denke, dass dieses Werk sehr hilfreich ist und durch seine Unkompliziertheit überzeugt. Hier und da hätte ich mir noch etwas mehr Tiefgang oder weiterführende Informationen gewünscht, aber dennoch bin ich sehr zufrieden.

Ich vergebe 4,5/5 Sternen

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📖 Rezension zu: „Süßer Zauber“ von Marie Langenau

Süßer Zauber durch und durch!

„Backen bedeutet für mich, gut für meine Liebsten zu sorgen, es sich im Alltag schön zu machen und den „süßen Müßiggang“ zu pflegen. Backen entschleunigt außerdem: Ein Hefeteig lässt sich nicht hetzen, er nimmt sich die Zeit die er braucht.“ (S.7)
Marie Langenau backt leidenschaftlich gerne: Mit bestimmten Leckereien verbindet sie besondere Erinnerungen wie die an die Picknicke am Meer, einer Waldlichtung oder auf einer Wiese bei den Großeltern in Schweden. Daher haben besonders Familienrezepte ihrer schwedischen Großmutter und Rezepte von Freunden den Weg in dieses Backbuch gefunden.
Die meisten Rezepte sind waschechte Klassiker, die aber deswegen nicht weniger ansprechend sind. Einige andere Rezepte sind Klassiker in einem neuen Mantel und einige wenige gänzlich neue Kreationen, sodass man in diesem Buch eine wunderbare Mischung aus bewährt und neu vorfindet.
Unterteilt werden die Rezepte in die Kapitel „Frisch und fruchtig“, „Süße Klassiker“, „Köstlichkeiten mit Schokolade“, „Klein & fein“ sowie „Erfrischende Durstlöscher“. Zu Beginn des Buches werden diese Abschnitte aufgelistet und ihr Inhalt beschrieben, damit man direkt weiß, was einen wo erwartet und das Schmökern losgehen kann. Am Anfang eines jeden Kapitels wiederum befindet sich erneut eine kurze Einführung mit ein paar persönlichen Worten der Autorin.
Die Rezeptseiten selbst sind äußerst ansprechend gestaltet: Jedem Kapitel wurde eine Farbe zugeordnet, auf die die restliche (farbliche) Gestaltung jeweils angepasst wurde – so entsteht ein sehr stimmiges Gesamtbild. Die Anleitungen sind angenehm übersichtlich geordnet, sodass man auf einen Blick wichtige Informationen entnehmen kann und Fragen dank der guten Beschreibungen gar nicht erst aufkommen. Tipps findet der Backbegeisterte bei vielen Rezepten auch, wobei sich diese meist darauf beziehen, ob man Eis dazu essen, etwas am Vortag vorbereiten oder Leckereien durch Einfrieren oder Ähnliches besser haltbar machen kann.
Ein süßer Zauber sind bereits die Fotografien – jene von Sonnenuntergängen, Kindern beim Picknick oder Erwachsenen beim Apfelpflücken tragen zwar zum Wohlfühlcharakter des Buches bei, konnten mich jedoch nicht annähernd so überzeugen wie die Abbildungen zu dem Gebackenen. So wecken sie bereits auf den ersten Blick die Lust zum Nachbacken und lassen einem das Wasser im Mund zusammenlaufen.
Bisher am meisten begeistern konnte mich die Buchweizentorte mit Preiselbeeren – ein Klassiker den ich zuvor noch nie gebacken oder gegessen hatte, jedoch schon länger auszuprobieren vorhatte.

Aber auch die Tarte mit Johannisbeeren (S.28) konnte mich kinderleicht überzeugen. Ich freue mich schon sehr darauf, noch zahlreiche weitere Rezepte auszuprobieren – die 75 Leckereien sind allesamt äußerst ansprechend.

Alles in allem finden sich hier vielleicht nicht die neuartigsten Kreationen gewiefter Sternekochtüftler, dafür aber solide und dank der guten Anleitungen gelingsichere und ausgesprochen leckere Köstlichkeiten für die unterschiedlichsten Anlässe und Geschmäcker. Für jeden Backliebhaber ein sehr empfehlenswertes Buch!

4,5 von 5 Sternen

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📖 Rezension zu: „Wer nicht schreibt, bleibt dumm“ von Maria-Anna Schulze Brüning und Stephan Clauss

Wer nicht schreibt, bleibt dumm

Für mein Empfinden eine Pflichtlektüre, die schon längst überfällig ist!

Das muss man sich erst einmal vor Augen führen: „Jedes sechste Kind kann nicht richtig schreiben“. Ein mir unvorstellbar hoher Anteil der Schüler leidet unter diesem Problem, das nicht nur ein „ästhetisches Manko“ (S. 50) ist. Schließlich sichert das Schreiben als Kulturtechnik schon so lange die Weitergabe und das Vermitteltbekommen von Wissen. daher bedeutet eine mangelnde Schriftkompetenz ein fehlendes Fundament des Lernens – für die betroffenen Schüler ist es in soweit eine Katastrophe, als dass Hausaufgaben und Mitschriften zur Belastung werden.
Tatsächlich sollte, so die Autorin, Handschrift als Werkzeug dienen und darf deswegen keine Umstände machen, sondern sollte nebenbei geschehen, damit man sich auf den Inhalt konzentrieren kann. Wird dieses Werkzeug jedoch nicht hinreichend beherrscht, kann diese mangelhaft ausgebildete Fähigkeit im Zweifelsfall „aus einem normal begabten Schüler einen Schulversager machen“. (S.50)
Erstaunlicherweise sind alle sozialen Schichten und Lernniveaus betroffen, weswegen sich diese erschreckende Tendenz auch an allen Schulformen – zum Beispiel ebenfalls an Gymnasien – gleichermaßen erkennen lässt.
So sucht die Autorin unter Anderem nach den tieferen Ursachen, welche beispielsweise in einer Neubewertung der Bedeutung dieser Kulturtechnik liegen, da in Zeiten der Medien die Notwendigkeit der Handschrift in Frage gestellt wird. Somit wird ihr ein neuer Stellenwert im bildungspolitischen Gesamtkonzept zuteil – mit verheerenden Folgen, wie man merkt.
Zudem ist ein Problem, welches aus dem gerade Genannten ergibt, dass die Kinder sich die Handschrift größtenteils – ebenso wie die korrekte Rechtschreibung mehr oder weniger eigenständig aneignen sollen. Dies kann nur zu Misständen anstelle von der vielfach angepriesenen Selbstständigkeit führen, da die Kinder bei diesem komplexen Gebilde unterstützt und angeleitet sowie Fehler korrigiert werden müssen.
Somit liegt das Problem also definitiv nicht in einem motorischen Unvermögen und könnte so leicht umgangen werden…
In Grundschulen wird häufig lediglich die Druckschrift gelehrt – schließlich haben viele Schüler Schwierigkeiten mit der verbundenen Schreibschrift gehabt. Anstatt an der Wissensvermittlung zu arbeiten und den Schreibunterricht zu verbessern – und aus Erfahrung als Lehrerin weiß Maria-Anna Schulze Brüning, dass bis auf wenige Ausnahmen jeder Schüler, möge seine Schrift noch so unleserlich sein, gerne Schreibunterricht erhält – vereinfacht man alles. Nur ist diese Vereinfachung keine Entlastung, sondern bloß ein Ver- und Aufschieben des Problems. Im Grundschulalter sollte der Grundstein für eine adäquate Handschrift gelegt werden, da mit fortschreitendem Alter und damit verbundener Übung der angeeigneten Handschrift, die Abläufe beim Schreiben automatisiert wurden und daher immer schwieriger zu korrigieren sind.
Da die Kinder mit dem Erlernen der Handschrift meist auf sich allein gestellt sind, malen sie Buchstaben häufig anstatt sie zu schreiben. So ähnelt ein a nun einmal einem Kreis mit einem Strich und wird genauso zu Papier gebracht. Tatsächlich sieht ein solches a nicht nur anders aus, sondern ist im Schreibfluss noch dazu viel hemmender als die über lange Zeit optimierte und weitergegebene Art, es zu schreiben.
Aufgrund der Tatsache, dass dieses Problem nicht erst seit Kurzem besteht, befinden sich mittlerweile bereits Lehrer an den Schulen, die selbst kaum noch per Hand schreiben. So kann der Teufelskreis immer weiter angeheitzt werden.
Eine weitere Schwierigkeit ist die Vielzahl verschiedener Schriftarten, welche erlernt werden können. Die Entscheidung, welche man den Schülern vermittelt, wenn man sich als Grundschule überhaupt dazu entscheidet Schreibschrift zu lehren, ist enorm und verwirrend.
Und so entlarvt das Autorenpaar immer mehr Problempunkte bei denen man ansetzen könnte und dringend müsste. Nur über Schrift, so lässt ein Blick in die Geschichte zu Beginn des Buches erkennen, ermöglicht kognitiven Fortschritt und eine Weitergabe von Kultur und Wissen.

Die Autoren behandeln eine Vielzahl von Themengebieten und Schulze Brüning lässt zahlreiche zum Teil selbst durchgeführte Erhebungen mit einfließen sowie einiges an Fachliteratur – über die Bedeutung, Entstehung sowie Entwicklung der Schrift, vom Recht- und Schlechtschreiben über häufige Fehler beim Schreiben (bestimmter Buchstaben) bis hin zu Ansätzen um die Handschrift angemessen zu vermitteln. Des Weiteren werden Bereiche wie die Entwicklungspsychologie ebenfalls ins Blickfeld gerückt.
Sehr gut ist meines Erachtens auch das Kapitel „Wie können Lehrer und Eltern Kinder beim Verbessern der Handschrift unterstützen?“, da es konkrete Handlungsmöglichkeiten bietet und damit schon längst überfällig ist.
Darüber hinaus wird eine Schülerbefragung zum Ende des Buches dargelegt: Wie wichtig ist die Handschrift? Welche Bedeutung hat sie? Sollte man sie überhaupt noch unterrichten? Äußerst spannend ist, dass lediglich etwa 30% der Befragten pädagogische Gründe für den großen Stellenwert der Handschrift anführten – die restlichen Begründungen sind äußerst vielseiteig. Einen sehr schönen Aspekt, finde ich, stellt die Begründung dar, die Handschrift zähle zu der, bilde und zeige die Persönlichkeit.

Aus meiner Grundschulzeit kenne ich selbst das Schreiben mit der Anlauttabelle. Unsere Lehrerin vertrat – wie offenbar erschreckend viele Lehrer auch – die Auffassung, die Schüler könnten sich die Rechtschreibung problemlos, schnell und sehr effizient selbst beibringen. Nur korrigieren dürfe man die von den Kindern selbst ausgewählte richtige Schreibweise nicht, da dies dem Prozess des Erlernens der Handschrift nicht nur nicht förderlich sei, sondern ihm sogar noch schade.
Zum Glück haben meine Eltern von dem „Lesen durch Schreiben“ nicht sonderlich viel gehalten und mich bei der Rechtschreibung angeleitet anstatt mich, wie andere Eltern aus der Klasse, mit Hinlfestellungen wie „E wie Esel“ der Anlauttabelle alleine zu lassen. Meiner Handschrift- und Rechtschreibentwicklung hat dies sicherlich nicht geschadet; wenn ich mir jedoch vor Augen führe, dass jeder sechste Schüler nicht richtig schreiben kann und daran denke, welche Schwierigkeiten Mitschüler auch noch in der Oberstufe beim Schreiben hatten, gibt mir das zu denken…

Meiner Meinung nach ist „Wer nicht schreibt, bleibt dumm“ ein längst überfälliges Werk, welches hoffentlich viel gelesen wird und zahlreiche Menschen wachrüttelt – denn eines ist klar: So, wie es zur Zeit läuft, darf es nicht weitergehen.

Ich vergebe volle 5 Sterne für dieses Werk!

5-Sterne

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📖 Rezension zu: „Anschlag von rechts“ von Reiner Engelmann

https://www.randomhouse.de/content/edition/covervoila_hires/Engelmann_RAnschlag_von_rechts_172165.jpg

Ein wichtiges Werk!

Lauter Rechtsrock dröhnt, es wird mitgegröhlt und reichlich Alkohol fließt. Immer später wird es, während eine Flasche nach der anderen geleert wird und sich die Freunde in Rage reden. Über die inkompetenten Politiker, die der Flüchtlingsschwemme nicht Herr werden. Darüber, dass dies unter einem starken Führer nicht passiert wäre. Darüber, dass jetzt auch in dieser Kleinstadt P. eine Flüchtlingsunterkunft entstanden ist. Dass die Flüchtlinge quasi gratis in einer eigenen Wohnung leben dürfen, während man selbst bei der eigenen schwierigen (finanziellen) Situation nicht unterstützt wird. Und das, obwohl man doch hier gebürtig ist.
Weitere Lieder von Landser und Störkraft laufen und heitzen Stimmung weiter an. Man müsste doch etwas unternehmen; ein Zeichen setzen. Damit die wissen, dass sie hier nicht willkommen sind. Bald schon werkeln zwei vollkommen Betrunkene an einem Molotov-Cocktail. Danach, nun, da er schon so schön fertig ist, soll er auch zum Einsatz kommen.
Robert erklärt Beate, sie solle Matze und ihn zu der Flüchtlingsunterkunft bringen. Diese folgt – Robert widerspricht man einfach nicht. Unter Alkoholeinfluss schon gar nicht. Und außerdem ist ja auch sie besorgte Mutter und blickt der Flüchtlingswelle mit Schrecken und Entsetzen entgegen.
Kurze Zeit später brennt das Haus in P. und nur durch großes Glück kommt dabei niemand zu Schaden; zumindest körperlich nicht…

Das Buch gliedert sich nachdem die Vorboten geschildert wurden in drei Teile: „Flucht aus…“, „Die Tat“ sowie „Im Namen des Volkes“. So begleitet der Leser zunächst die Flüchtlinge aus Afghanistan, Somalia, Syrien, Pakistan und Simbabwe auf ihrem schweren Weg nach Deutschland, den sie sich zuvor auch so nicht ausgemalt hatten. Bei ihnen handelt es sich um die Opfer des im Vordergrund stehenden Anschlags.
Danach wird die Tat an sich geschildert, wobei bereits das Treffen auf ein Feierabendbier der drei Freunde sehr unter die Haut geht. Nicht zuletzt aufgrund der Zitate aus dem dort gespielten Rechtsrock. Mir persönlich fiel es unbeschreibbar schwer, zu glauben, dass tatsächlich solche Lieder gehört und derartige Texte mitgesungen werden. Es ist mir unbegreiflich, dass sich Bands mit Stücken wie „Hura, das Asylheim brennt“ eines gar nicht mal so kleinen Hörerkreises erfreuen. Songtextpassagen, in denen der Rassenkampf und rechte Gewalt verherrlicht werden und zu Anschlägen aufgerufen wird, waren für mich wie Hiebe in die Magengegend. Da mir etwas solches derart fern ist und es sich hierbei auch um Gebiete handelt, über die man sich sonst gut informieren könnte und möchte, hätte ich davon sogar gerne noch mehr Auszüge in dem Buch gelesen. Für mich war das eine ganz neue Welt…
Der letzte Teil befasst sich dann mit den Gerichtsverhandlungen – bedenkt man, dass im Jahr 2015 von 222 begangenen Anschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte 169 ohne Ermittlungserfolg blieben, in 41 Fällen Tatverdächtige ermittelt, in acht Fällen Anklage erhoben und in lediglich vier Fällen Urteile gesprochen worden sind, ist dies mehr als alamierend.
Im Anhang findet sich ein ausführliches Glossar zu Symbolen, Grüßen, Kleidungsmarken, Musik und Abkürzungen, die der rechten Szene zugeordnet und teilweise sogar verboten sind. Dabei muss ich gestehen, dass ich bei einigen Symbolen und Zahlencodes doch überrascht war, dass dieses Symbol auch in dieser Art interpretiert werden kann. Die Triskele beispielsweise würde ich als harmloses Symbol der keltischen Mythologie deuten. Bei ihr fallen mir eher Dreifaltigkeit, und Kombinationen wie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft oder Körper, Seele, Geist ein anstatt dass ich mich an ein „dreiarmiges Hakenkreuz“ (S.173) denken würde. Als Irland-Freund war dieses Symbol für mich immer positiv konnotiert – sowohl optisch als auch von der mir geläufigen Bedeutung. Daher stellt sich mir die Frage, ob für das Buch nicht so ziemlich jedes mögliche Symbol gesucht und aufgelistet worden ist, auch wenn es nicht gänzlich in die rechte Szene gehört.
Bei den Zahlencodes geht es mir ähnlich: Einige, wie 18 oder 88, kennt man zwangsläufig und kann sie auch selber in die rechte Szene einordnen. Dass auch 28, 74, 124, 444, 1919 (meine erste Assoziation war nicht SS, sondern ging vielmehr in Richtung der Ermordung Luxemburgs und Liebknechts oder die der demokratisch-parlamentarischen Verfassung…), 146 und weitere auf diese Art behaftet sind, war mir meist neu. Nachvollziehbar, aber dennoch teilweise etwas weit hergeholt… Vielleicht bin ich bloß sehr naiv, wenn ich bei diesen Zahlen noch nicht rechtes Gedankengut unterstelle.
Bei den Kleidermarken war dies dann schon eindeutiger, zumal ich einige von ihnen auch vom Namen her bereits kannte. Bei Doc Martens blieb ich allerdings bereits zwiegespalten zurück, denn, auch wenn Skinheads zu den „Stammkunden“ zählen, verbinde ich die Marke auch mit der Punkerszene oder generell arbeiterverbundenen Menschen. In meinem Umfeld kenne ich genügend linksorientierte, die sich für die Produkte dieser Firma begeistern können…
Der Schreibstil des Buches ist sehr einfach und verständlich gehalten, weswegen ich vom bloßen Sprachgebrauch bereits sagen würde, dass dieses Werk auch für jüngere Leser als die empfohlenen 13jährigen geeignet wäre. Vom Inhalt her ist das natürlich eine ganz andere und sehr individuelle Frage, denn wenn Protagonisten Aussagen wie „Wenn der Neger brennt, dann werde ich richtig feiern.“ (S.62) tätigen oder Lieder mit kinderleicht zu merkenden Reimen zitiert werden, ist das schon nicht ohne.
Was ich allerdings sehr schade finde ist, dass ich beim Lesen immer wieder auf Rechtschreib-, Wort-, oder ähnliche Fehler gestoßen bin; das hat ein so wichtiges Buch nicht verdient…
Sehr ansprechend ist meines Erachtens das Hinterfragen des Begriffes der „Flüchtlingswelle“ und das Aufzeigen rechter Tendenzen bei Aussagen von Politikern am Beispiel von den durch die Presse gegangenen Worten des CSU Generalsekretärs.

Alles in allem bin ich der Meinung, dass es nicht geschadet hätte, wenn dieses Werk noch etwas ausführlicher und „erwachsener“ gewesen wäre, denn mir als 13jährige wäre es schätzungsweise noch etwas zu kindlich gewesen. Zwar ermöglicht dies ein schnelles und lockeres Lesen, allerdings frage ich mich, ob das bei dieser Thematik so nötig ist oder ob dass doch nicht so ganz zum Inhalt passt. Immerhin könnte ein Mittelweg zwischen verständlich und anspruchsvoll gefunden werden, da der Schreibstil meines Erachtens die Recherchearbeiten des Autors runterspielt und weniger als Tatsachen greifbar macht. Gerade in Verbindung mit den von mir bereits erwähnten Fehlern wirkt es so, als wäre dem Buch beim Entstehen nicht so viel Zeit, Mühe und Achtung geschenkt worden als es tatsächlich der Fall gewesen sein dürfte. Denn, dass Engelmann für dieses Buch nicht wenig Recherchen angestellt hat, dürfte außer Frage stehen.

So vergebe ich 4 von 5 Sternen, da mich das Buch trotz des Schreibstils zu erschüttern vermochte, den Leser nah an Rechtsextreme führt und sensibel für Symbole und Ähnliches macht.

4-Sterne

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📖 Rezension zu: „So schmeckt Thailand“ von Lonely Planet

So schmeckt Thailand

Die thailändiche Küche zeichnet sich durch eine Vielzahl exotischer, scharfer, pikanter und raffinierter Aromen aus, welche gerne kombiniert werden um eine Ausgewogenheit zu erlangen. Lonely Planet hat auf einer Reise durch das kulinarische Thailand festgestellt, welche Unterschiede es regional in der durch die chinesische, indische und europäisch geprägte Küche gibt – so ist der traditionelle Norden eher durch die Verwendung saisonaler und milder Zutaten, Zentralthailand durch die kulturelle Vielfalt Bangkoks und der Süden durch Gerichte mit Fisch und Meeresfrüchten geprägt. Eins scheint jedoch jeder Region gemein: Die Verbundenheit zu dem Essen. Die Gerichte haben häufig eine große Bedeutung und sind so beispielsweise mit der Familiengeschichte verwoben, da sie von Generation zu Generation weitergegeben werden oder gehören zu einer regionalen Tradition. Deswegen ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass es sich hier nicht um Fast Food handelt: Häufig köcheln Gerichte stundenlang vor sich hin, bis sie ihren wunderbaren Geschmack vollends entfaltet haben und im geselligen Beisammensein das Essen eingenommen wird.
Die Autoren haben für „So schmeckt Thailand“ zahlreiche Gastronomen und Produzenten aufgesucht und sich mit ihnen ausgetauscht. So enthält dieses Buch nicht nur authentische Rezepte, die teilweise über Genereationen perfektioniert wurden, sondern darüber hinaus Informationen zum jeweiligen Koch und seienr Region in Thailand. Auf diese Weise erfährt der Leser noch Spannendes über Land und Leute und kann bestens nach Thailand abtauchen oder weiß die Gerichte noch besser zu würdigen.
Gegliedert wird das Kochbuch in die Regionen „Zentralthailand und Bangkok“, „Nordthailand“, „Nordostthailand“ sowie „Südthailand“. Dies sit äußerst ansprechend gelöst, da zu Beginne ines jeden Kapitels zunächst eine Karte anschaulich verdeutlicht, mit welcher Region sich im Folgenden befasst worden ist und eingezeichnet wurde, wo die einzelnen Köche zu finden sind. Des Weiteren wird jedem dieser Punkte auf der Karte das entsprechende Gericht mit einer Zahl zugeordnet, welches mitsamt Bezeichnung und Seitenzahl daneben gelistet ist.
Im Anschluss daran folgen jeweils die Rezepte, Vorstellung der Köche und der Gegend.
Da sich beim Erstellen des Buches um Authentizität bemüht wurde, sind die Rezepte genauso niedergeschrieben worden, wie von den Köchen beschrieben. So werden teilweise exotische und in Deutschland selbst im Asiamarkt schwer auffindbare Zutaten verwendet oder Gerichte aufwendiger zubereitet, da beispielsweise auf Elektrogeräte verzichtet und lieber ein Mörsel oder Ähnliches verwendet wird. Wie im Vorwort bereits angekündigt, steht es dem Kochbegeisterten jedoch selbstverständlich frei, die Rezepte an den eigenen Zeitplan und die eigene Küchenausstattung anzupassen. Darüber hinaus lassen sich auch die Zutatenlisten modifizieren: Bei sehr außergewöhnlichen Zutaten werden Alternativen genannt und der Schärfegrad darf gerne etwas runtergeschraubt werden.
Da eine thailändische Mahlzeit häufig aus mehreren kleinen, in der Mitte der Runde aufgestellten, Gerichten besteht und nur manchmal aus einem großen, sind die Mengenangaben anders als in anderen Büchern: So wird zum Beispiel beschrieben, wie viele Portionen als Teil einer größeren Mahlzeit diesem Rezept entsprechen. Mich hat dies sehr angesprochen, weil in vielen Kochbüchern selbst ein solcher Teil einer Mahlzeit gerne als eigenständige Portion dargestellt wird, weswegen man sich dann plötzlich über die kleine Menge wundert. Außerdem wird man auf diese Art dazu animiert, verschiedene Köstlichkeiten zu kombinieren und direkt mehrere Rezepte gleichzeitig auszuprobieren. Sehr gut lässt sich dies zudem dadurch leisten, dass es sowohl zeitlich gesehen aufwendigere als auch sehr schnelle Rezepte in diesem Buch gibt. So kann man die Rezepte perfekt aufeinander abstimmen.
Sehr ansprechend sind des Weiteren die ungefähr 275 Abbildungen, die schon beim ersten Durchblättern das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen und das Fernweh zu wecken vermögen. Dank der Gespräche mit den Köchen ist man näher an dem jeweiligen Gericht, lernt etwas über (Koch-)Kultur, Landschaft und vieles mehr. Sympathisch wirken auf mich auch die Zitate, welche sich häufig auf den Rezeptseiten finden lassen: Hier kommentieren die Köche beispielsweise die Gerichte und geben an, dass sich die Mahlzeit alternativ auch mit Fisch/Fleisch/Garnelen/… zubereiten lässt – je nachdem was heute gefangen worden ist.
Alles in allem ein sehr empfehlenswertes Kochbuch, welches einen nach Thailand entführt und mit großer Leichtigkeit die Vielfalt und Ausgewogenheit der thailändischen Küche vor Augen führt. Nicht nur die wunderschöne Gestaltung sondern auch das Nahebringen von Land und Leute machen „So schmeckt Thailand“ zu einem besonderen Werk, dessen authentische Rezepte und Geheimtipps aus erster Hand man nur zu gerne in die eigene Küche bringt.
5/5 Sternen
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📖 Rezension zu: „Der Gentleman“ von Forrest Leo

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Großartig und geistreich!

Lionel Savage, ein nicht gerade sehr arbeitsamer Aristrokrat im zarten Alter von 22 Jahren, hat soeben beschlossen, sich das Leben zu nehmen. Vor einem Jahr hat er, um seiner äußerst prekären finanziellen Lage zu entfliehen, reich geheiratet, doch ist seine Gemahlin, davon musste sich der hervorragende Dichter überzeugen, absolut geistlos. Darüber hinaus hat Lionel seit der Hochzeit keinen einzigen Vers mehr zu Papier gebracht, denn offenbar hemmt der Ehestand seine künstlerischen Fähigkeiten enorm. „Dichter sind zum Träumen und Tanzen im Mondschein bestimmt und für die verzweifelte Liebe“ (S.70) Darüber hinaus ist er für ein eheablehnendes Gemüt prädestiniert – immerhin starben seine Eltern an ihrem Hochzeitstag. Kein Wunder also, dass seine unmögliche Situation einzig und allein auf Vivien Lancaster, jetzige Savage, zurückzuführen ist, die vergnügungssüchtig einen Lionel verhassten Maskenball nach dem nächsten veranstaltet.
Doch stellt sich nun ein neues Problem ein: Wie soll er seinem Leben ein Ende setzen? Gegen seine Idee, sich zu erschießen, wendet der wohl weltbeste Butler namens Simmons ein, dass er, da er die wenig appetitlichen Körperflüssigkeiten nach einem Kopfschuss aufwischen müsste, von jenem Vorschlag nicht gerade begeistert sei. Wieder allein gelassen – während unten ein Maskenball wütet – überlegt Lionel also, welche Alternativen des Selbstmordes sich ihm wohl böten. Just in diesem Moment betritt ein sehr freundlicher, etwas schüchterner aber sich durchaus als sympathisch herausstellender Gentleman das Zimmer des Aristokraten. Er ist gekommen, um sich bei Lionel zu bedanken, der ihn zuvor beim Pfarrer kurz in Schutz genommen habe. Die Verwirrung ist groß als sich herausstellt, dass der werte Herr der Teufel persönlich ist.
Die beiden Gentlemen – wobei der objektive Betrachter anzweifeln darf, ob diese – vom Dichter für auf sich passend befundene – Beschreibung tatsächlich zutreffend ist – unterhalten sich wunderbar bis die Sprache irgendwann unweigerlich auf Lionels Verdammnis, seine Ehefrau, fällt. Am liebsten würde er sie loswerden und stattdessen lieber wieder auf die Höhen seiner dichterischen Fähigkeiten gelangen.
Tatsächlich ist, kurz nachdem der Teufel verschwunden ist, Vivien Savage unauffindbar. Hat Lionel seine Frau ohne es ausdrücklich gewollt oder gesagt zu haben an den Teufel verkauft? Oder sogar einfach verschenkt? Da ihn das schlechte Gewissen plagt und er feststellen muss, dass er ohne Vivien vielleicht auch nicht der erfolgreichste Dichter ist, beschließt er, sie aus der Hölle zu befreien. Auf seiner abenteuerlichen Reise wird er von seinem Schwager, dem Entdecker Ashley Lancaster, seinem Butler Simmons und seiner kessen und neugierigen kleinen Schwester Lizzie begleitet und noch von einigen weiteren Charakteren unterstützt. Doch wo soll man die Rettungsaktion starten? Wo zum Teufel ist die Hölle? Und ist es vielleicht schon zu spät für Vivien?

Das Buch spielt im viktorianischen London um 1850. Forrest Leo ist es vorzüglich gelungen, den Snobismus und die Dekadenz der Aristokraten sowie für diese Zeit typische Geflogenheiten ironisch und perfekt auf den Punkt gebracht darzustellen. Generell überzeugt dieses Werk mit sehr viel geistreichem und pointiertem Humor, was mir ausgesprochen gut gefallen hat. Da Lionel eine äußerst skurrile Figur ist und beinahe ständig aneckt, dennoch aber blitzgescheit und wohl gebildet ist, kommt es regelmäßig zu mehr als gelungenen Schlagabtäuschen, die so köstlich sind, dass man sich ein Schmunzeln oder Lachen nur schwerlich verkneifen kann.
In meinen Augen der größte Clou des Buches ist, dass der angeheiratete Cousin des Protagonisten dieses Werk herausgegeben haben soll. Zur Einführung merkt dieser jedoch bereits an: „Ich wurde beauftragt, diese Seiten herauszugeben und ihre Veröffentlichung zu besorgen. Ich tue es nicht gerne und möchte festgehalten wissen, dass ich es für besser hielte, wenn sie verbrannt worden wären.“ Warum dem so ist, erfährt der Leser mit jeder Seite die er verschlingt, da sich Hubert Lancaster die Freiheit genommen hat, die Geschichte über die reichliche Verwendung grandioser Fußnoten zu kommentieren. Dabei fällt auf, welch eine verquere (Selbst-)Wahrnehmung der Schreiberling Lionel Savage doch zu haben scheint. Darüber hinaus haben Huberts trockene und sarkastische Bemerkungen mich immer wieder zum Lachen gebracht, was bei Büchern zugegebenermaßen viel zu selten geschieht. Meist ist mir das Rumgeulke in Büchern, die den Anspruch erheben, unterhaltsam zu sein, zu krampfhaft gewollt, hier wirkt hingegen so ziemlich jede der vielen unterhaltsamen Aussagen sehr geistreich und lang erdacht.
Von der ersten Seite an konnte ich in die Erzählung abtauchen, da die Geschichte an sich schon so packend und dann auch noch wunderbar fesselnd geschrieben worden ist. Mit dem stark leidenden Lionel konnte ich bestens mitfühlen und ich habe ihn – wie auch sämtliche anderen Charaktere – schon bald in mein Herz geschlossen. Sie alle sind so wunderbar liebevoll gezeichnet, haben allesamt ihre Ecken und Kanten dass sie tatsächlich echt wirken; selbst wenn man merkt, dass einige phantastische Elemente so in der Realität kaum angetroffen werden könnten. Lionel Savage ist so unfassbar von sich überzeugt, bringt Anderen oftmals wenig Respekt entgegen, wird aber dennoch immer wieder davon übermannt, wie poetisch ein Ort, ein Satz oder ein Mensch doch ist, dass man ihm gar nichts übel nehmen kann. Für mich war es ein großer Genuss den Kontrast zwischen seiner Beschreibung und den Anmerkungen des Herausgebers erfahren zu dürfen und die Entwicklung, welche er durchläuft, mitzuerleben. Er ist eine so skurrile, versnobte, kauzige, geniale und liebenswerte Persönlichkeit, wie ich es selten in Büchern erlebt habe.
„Im Herzen bin ich Revolutionär.“ (S.57)
„Ich bereue meine Schroffheit zwar sofort, aber Simmons hat diese sehr unangenehme Angwohnheit, meine Gedichte kleiner zu machen als sie sind. Ich mag es nicht, wenn ich dichte und mich erhaben fühle und dann jemand des Weges kommt und es liest und für dürftig befindet.“ (S.91)
Der Schreibstil ist ganz vorzüglich: Forrest Leo bedient sich einer zauberhaften Wortwahl, die weder eingestaubt noch in die Kategorie „neumodischer Kram“ fällt, sondern sich perfekt in die Geschichte schmiegt und ausgezeichetn zu den Figuren, den Orten sowie der Handlung passt. „Lieber ein geistreicher Narr (…) als ein närrischer Geist.“ (S.130) Viel Wortwitz und zahlreiche Gedanken zur Lyrik und Kunst ebenso wie spitze Bemerkungen, Sarkasmus oder intelligente Dialoge machen jeden Satz zu einem Genuss.
Ich könnte noch stundenlang darüber referieren, weswegen ich „Der Gentleman“ so großartig und absolut gelungen finde, mich beschleicht allerdings die Befürchtung, dass diese Ausführungen dann doch etwas zu weit gehen und sowieso nicht mehr gelesen würden, weswegen ich jetzt zu einem Ende kommen werde. Ganz kurz zusammenfassend muss ich aber noch bemerken, dass dies ein wunderbar skurriles, humorvolles, geistreiches Buch mit liebevoll gezeichneten Charakteren, die man, gerade wegen ihrer Unperfektheit zügig ins Herz schließt, ist, dass einen nicht mehr los lässt – auch wenn man die letzte Seite bereits beendet hat. Anmerken möchte ich zudem, dass ich mich bei vielen Passagen über hervorragendes Kopfkino freuen konnte und mir dachte, dass „Der Gentleman“ sicherlich auch für die Bühne geeignet wäre, um dann in der Danksagung zu erfahren, dass dieses Buch zuerst auch ein Theaterstück gewesen ist.

Von mir gibt es für dieses vielschichtige Buch über Abenteuer, Liebe, Familie, die Ehe, „Duelle und Beinahe-Duelle“, Lyrik und Literatur, Dichter, Erfinder und Entdecker, den Teufel und die Aristokraten sowie zahlreiche weitere Themen definitiv weiterempfehlen. Es zählt sicherlich zu den besten Werken, die ich je gelesen habe und teilt sich zur Zeit mit „Willkommen in Night Vale“ meinen persönlichen Platz 1.
Ich vergebe 5 euphorisch am Himmel funkelnde und ihre Funken versprühende Sterne für dieses meisterliche Werk!

5-Sterne

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📖 Rezension zu: „Das verschwundene Buch“ von Edward Berry

Das verschwundene Buch

Hatte ich besser erwartet…

Die Geschwister Alba und Diego laufen nach Schulschluss voller Eile durch die Straßen Barcelonas. Nur schwerlich finden sie auf ihrem Weg noch die Zeit, einer ihrer Lieblingsbeschäftgung nachzugehen: Dem Suchen, Finden und Katalogisieren von Drachen. Immerhin befinden sie sich auf dem Weg zu der Buchhandlung Abrakadabra, welche von ihrer mysteriösen Tante Beatriz geführt wird. Diese hat nämlich für die beiden ein Exemplar der selbst von dem gnadenlosen und für seine kritische Haltung berühmt-berüchtigten Literaturkritiker Leo Gutenberg für die schönste Geschichte aller Zeiten ausgelobten Neuerscheinung zurückgelegt. Es ist also nicht weiter verwunderlich, dass die Kinder in heller Aufregung sind. Überall ist die Nachfrage viel höher als das Angebot, was das Buch betrifft. Merkwürdigerweise können sich Alba und Diego jedoch nicht an seinen Titel erinnern. Seltsam. Normalerweise haben sie ein ausgezeichnetes Gedächtnis – besonders wenn es um Bücher geht.
Kaum dass die Geschwister die Buchhandlung erreichen, wird ihnen das nächste Rätsel aufgegeben. Die Buchhandlung hat geschlossen, vor ihr tummeln sich die Menschenmassen und in ihr packt Tante Bea alle ausgestellten Werke des neuen Buches in Kartons.
Als sie endlich eingelassen werden, erfahren sie noch nicht wirklich, worin das Problem liegt. Doch bald schon in der Schule – und von da an überall – bemerkt die gesamte Bevölkerung, dass die Bücher durcheinander gebracht worden sind. So beispielsweise bei Peter Pan, der am Ende des gleichnamigen Werkes von Käpt’n Hook mit einer Laserpistole erschossen wird.
Zum Glück besteht eine letzte Chance, um die Welt der Bücher zu retten – doch dafür müssen sich Alba und Diego auf eine gefährliche und abenteuerliche Reise begeben. Selbst wenn sie den Mut dazu aufbringen, bleibt es jedoch fraglich, ob sie die Situation zum Guten wenden können.
Während Albas und Diegos langweiligen Eltern also vor ihren Z-Phones und Z-Tablets hocken, müssen die Kinder einige schwerwiegende Entscheidungen treffen…

Mir fällt es äußerst schwer, dieses Buch einzuordnen und zu bewerten. Das Cover hat mich sofort angesprochen und sowohl Titel als auch Klappentext konnten meine Neugierde wecken. Ebenso konnten mich die ersten Seiten dieses – wie ich mittlerweile erfahren habe – Serienauftaktes überzeugen, denn dort wird der Weg zur Buchhandlung und das Geschäft an sich beschrieben. Die Idee, dass der Bösewicht in diesem Werk, Mr. Zargo, der Gründer eines großen Technikkonzerns ist, der Produkte aller Art, vor allem aber elektronische Zeitdiebe, vertreibt, ist, wirkte auf mich vielversprechend. Dem Autor ist es gelungen, mir diesen muskelbepackten und dafür nicht gerade hellen Charakter im Handumdrehen unsympathisch zu machen. Ebenso die Eltern der Protagonisten, die sich keine Spur für ihre Kinder interessieren und stattdessen nur mit ihren Zargoprodukten Zeit verbringen.
Hier hätte ich mir gerne mehr Ausführungen gewünscht, da man über diese Thematik beim gemeinsamen Lesen mit Kindern wunderbar sprechen kann. Allerdings rückt dieser Handlungsstrang nach und nach so weit in den Hintergrund, dass man ihn beinahe aus den Augen verliert.
Als es darum geht, die Geschichte von Peter Pan zu retten und sich das Geschwisterpaar nach Nimmerland begibt, beginnt für mich der enttäuschende Part des Buches, da Unwichtiges ausgeschmückt und Interessantes so kurz gefasst wird, dass noch zu viele Fragen offen bleiben und Kopfkino nur schwerlich entstehen kann. Ich konnte mich des Eindrucks nicht verwehren, dass der Autor bestrebt war, noch auf die letzten Seiten die zweite Hälfte seines Buches zu pressen und dabei nicht bedacht hat, dass 160 Seiten manchmal nicht reichen oder sich nicht im Klaren darüber war, was man besser hätte weiter ausführen und was lediglich anreißen sollen.
Zudem wirkten einige der Lösungsvorschläge auf auftauchende Probleme für mich sehr gewollt und schnell erdacht, was ich sehr schade finde. Meiner Meinung nach bleiben auch zu viele Fragen offen. Es ist selbstverständlich, dass es für die folgenden Bände ebenfalls Rätsel geben muss, aber dennoch hätte ich mir einfach noch ein paar Seiten mehr gewünscht, um noch wichtige Erklärungen erhalten zu können.
Häufig werden die Illustrationen dieses Werkes gelobt, allerdings muss ich gestehen, dass der Großteil der Zeichnungen meiner Meinung nach nicht annähernd mit dem Cover mithalten kann. Sicherlich ist dies bloß ein subjektiver Eindruck, doch ich empfand es nun einmal als schade…

Es bleibt abzuwarten, ob in den folgenden Bänden auf die ungeklärten Fragen eingegangen wird. Vielleicht hatte ich an dieses Buch zu hohe Erwartungen, denn ich hatte mir „Das verschwundene Buch“ anders vorgestellt. Leiser vielleicht, mit mehr spürbarer Liebe zu Büchern, einer Reihe von Drachen und aufregenden Abenteuern in einem überzeugenden Nimmerland. Dennoch ist es kein schlechtes Buch.

Ich vergebe 3 von 5 Sternen

3-Sterne

📖 Rezension zu: „33 Projekte ohne Werkstatt – Möbel und Deko selber bauen“ von Jörn Lindemann

Nicht jedes Projekt ein Highlight.

In letzter Zeit hat sich der Trend, Möbel und Dekorationsartikel selber zu bauen weiter ausgebreitet. Allerdings lassen sich viele Anleitungen nur schwerlich umsetzen, da man selbst weder über besonderes Spezialwerkzeug noch über große Räume, welche als Werkstatt dienen könnten, verfügt.
Mit diesem Buch soll es anders sein, da die 33 vorgestellten Projekte mit wenig Aufwand, auf kleinstem Raum und mit gewöhnlichen Materialien wie auch Werkzeugen umzusetzen seien.
Zu Beginn des 128 Seiten umfassenden Buches werden die benötigten Werkzeuge genaustens vorgestellt, wobei sowohl Standartwerkzeuge, die in keinem Haushalt fehlen, als auch etwas speziellere Werkzeuge, die man sich nicht zwangsläufig zuzulegen braucht, da man sie im Baumarkt ebenso leihen kann, in den Fokus gerückt werden . Von Pinseln und Holzbohrern über Zangen bis hin zu Elektrowerkzeugen ist hier eine ordentliche Bandbreite vertreten. Darüber hinaus widmet sich ein Unterkapitel den soliden und praktischen Arbeitsunterlagen. So können die eigenen vier Wände problemlos in eine Heimwerkstatt umfunktioniert werden.
Im Anschluss daran findet man die vorgestellten Projekte, gegliedert in die Kapitel „Für Einsteiger“, „Für Fortgeschrittene“ und „Für Experten“. Die ersten Projekte sollen demnach zum „Warmwerden“ dienen, sodass man sich Stück für Stück steigert und sich an immer größere Projekte wagen kann.
Die Projekte reichen von einem Messerblock, einem Beton-Leuchter, einer Flaschenschale, einem stummen Diener, einem zwei in eins Bild und Tisch bis hin zu einem Paletten-Sideboard. Zugegebenermaßen konnten mich die meisten Projekte – besonders bei den ersten beiden Kapiteln – nicht wirklich überzeugen. Bei ihnen fehlte mir ehrlich gesagt der Anreiz, sie nachzumachen. Der Trend, alles Mögliche aus Beton zu gießen beispielsweise, ist aber sowieso gänzlich an mir vorbeigezogen… Der wunderbar platzsparende Tisch hingegen hat mich sofort begeistert – einen solchen kannte ich bereits von Bildern, habe aber nie Anleitungen zum Selbermbauen finden können.
Äußerst gelungen ist, dass sämtliche Projekte sehr verständlich beschrieben und erklärt werden. Dank Schritt-für-Schritt-Anleitungen, zahlreichen Abbildungen (ca.250), übersichtlichen Materiallisten, Tipp-Texten sowie ansprechenden Einleitungen bleiben keine Fragen offen. Zudem wird hin und wieder erklärt, wie sich die vorgestellten Projekte individuell anpassen lassen, sodass die eigenen Stücke bestens in die eigene Wohnung passen.

Alles in allem ein sehr verständlich gehaltenes Buch mit zahlreichen Erklärungen und einer Vielzahl von Abbildungen, welches allerdings nicht ganz so viele beeindruckende Projekte umfasst.

Ich vergebe 3,5 von 5 Sternen!

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📖 Rezension zu: „Das Lächeln des Schwertfischs“ von Arthur Brügger

Das Lächeln des Schwertfischs

Leise Töne und ein besonderer Protagonist.

„Ich bin wirklich nicht gern mit Erwachsenen, mit Großen zusammen – ich habe das schon längst an mir beobachtet -; ich bin nicht gern mit ihnen zusammen, weil ich sie nicht verstehe.“
Mit diesen Worten aus Dostojewskis „Der Idiot“ wird „Das Lächeln des Schwertfischs“ eingeleitet. Schon recht schnell bemerkt man, wie gut dieses Zitat auf den Protagonisten passt; wie trefflich es ihn beschreibt. Schließlich ist Charlie ein sehr besonderer Mensch. Mit seinen 24 Jahren hat er, wie er es erwähnt, noch keine Erfahrung in Liebesdingen gesammelt, raucht nicht und trinkt Kaffee lediglich „weil man es eben tut“ (S.12). Er arbeitet in einem Kaufhaus als Fischfachverkäufer, was für ihn eine wunderbarere Kombination aus schönen Beruf und gutem Arbeitsplatz ist – immerhin gibt es dort das ganze Jahr über Schnee und Eis.
Manche im Kaufhaus, meistens Anzugtragende, halten Charlie für dumm, doch der mit weißem Polohemd und Schürze Uniformierte hat damit kein Problem. Schließlich zwängen sie ihm auf diese Art kein Gespräch auf. Mit einigen anderen Angestellten kommt Charlie hingegen sehr gut aus; zum Beispiel mit der bildschönen Natascha von der Käsetheke.
Charlie, der weniger ein guter Redner, dafür jedoch ein hervorragender Zuhörer ist, entschuppt, zerlegt und so weiter tagtäglich Fische für seine Kunden. Dabei anfallende Reste bringt er in die „nullte“. Gemeint ist die Etage in welcher die Kaufhausabfälle gelagert werden. Hier lernt er eines Tages Émile, dem die Verwaltung der Abfälle obliegt, kennen, der weggeworfene Bücher rettet und liest. So besucht Charlie seinen neuen Freund immer häufiger und erfährt bald, dass Émile ein Geheimnis hat…

Charlie ist wirklich ein sehr außergewöhnlicher Charakter. Manchmal sind seine Gedankengänge sehr karg, die formulierten Sätze sind kurz und erinnern auf diese Weise an die Sprechart eines Kindes, doch ein andermal merkt man, dass er ein kluger, junger Mann ist. Dabei scheint Charlie sehr sensibel zu sein, sich viele Gedanken zu machen, seinen Beruf mit einer bewundernswerten Hingabe auszuüben und immer alles richtig machen zu wollen.
„Mir reicht es, das alles. Ich fühle mich schuldig, weil wir all dieses Essenszeug wegwerfen, die ganze Zeit über, man müsste einen Weg finden, damit das aufhört.“ (S.152)
Manchmal hatte ich den selben Eindruck wie der ein oder andere Mitarbeiter; nämlich, dass Charlie Autist ist. Der introvertierte, kindlich-naive, sehr gebildete Schweizer, der in einem Waisenhaus aufwuchs, hat eine ganz spezielle Sicht auf die Welt. Dies verleiht dem Buch einen ganz eigenen Charme und macht meines Erachtens seine Besonderheit aus. Charlie ist definitiv ein Charakter, an den ich mich noch länger werde erinnern können.
Besonders ist sicherlich auch der Handlungsort, weil der Leser, da er Charlie stets begleitet, kaum das Kaufhaus verlässt und es somit als eine kleine Welt für sich kennen lernt, die ihre eigenen Geheimnisse birgt und verschiedenste Personen beherbergt.
Dieses Buch zeichnet sich zudem durch ruhige Töne aus; vieles erlebt man wie durch einen milchigen Schleier aus weiterer Entfernung. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass es sich hierbei um kein spannungs- oder actiongeladenes Werk handelt. Manchmal schien es mir sogar etwas zu unaufgeregt.

Allein vom Klappentext her wusste ich nicht genau, was mich bei dieser Lektüre erwarten würde. Allerdings hat mich bereits der Titel des Buches so sehr angesprochen, dass meine Neugierde geweckt war. Ich bereue es keineswegs, dieses Werk gelesen zu haben, denn auch wenn es sich manchmal etwas in die Länge zog, habe ich den so außergewöhnlichen Blickwinkel, den so selten gewählten Handlungsort und vor allem den besonderen Protagonisten sehr gemocht. „Das Lächeln des Schwertfischs“ ist anders als ich es mir erwartet hatte, aber nichtsdestotrotz ein lesenswerter Roman.
Ich vergebe vier von fünf Sternen!

4-Sterne

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📖 Rezension zu: „Agathas Alibi“ von Andrew Wilson

Agathas Alibi

Wunderbar spannend, gekonnt geschrieben und eine perfekte Mischung aus Fakten und Fiktion!

Agatha Christie verschwindet im Dezember 1929 spurlos und selbst eine groß angelegte Suchaktion, an der sich 16.000 Menschen beteiligen, kann keine Klarheit über ihr Verschwinden verschaffen. Bloß ihr grüner Morris Cowley konnte verlassen in einem Graben gefunden werden. Hat die Queen of Crime in ihrer aus Eheproblemen resultierenden Verzweiflung Suizidabsichten? Doch wo wäre in diesem Falle ihre Leiche geblieben? Konnte die berühmte Autorin ihre Schreibblockade nicht verkraften? Wurde sie – beispielsweise vom eigenen Gatten – ermordet? Immer mehr und immer abenteuerliche Theorien finden ihren Weg in die Öffentlichkeit und auch an den ergriffenen Maßnahmen wird die zunehmende Ratlosigkeit der ermittelnden Behörden und Bewunderer Christies. Während sich Chief Constable William Kenward wegen mangelnder Ermittlungserfolge zu immer größeren Suchaktionen verleiten lässt, beauftragt Sir Arthur Conan Doyle beispielsweise ein Medium nach dem Verbleib der nicht zuletzt durch ihr kürzlich erschienenes Werk „Alibi“ weltberühmt gewordenen Kriminalautorin.
So unerwartet plötzlich, wie alles begonnen hatte, endet es dann nach elf Tagen, als Agatha Christie wieder auftaucht. Unter dem Namen der geliebten ihrens Mannes, Teresa Neele, in einem Hotel in Harrogate abgestiegen, hatte sie fröhliche Tage als Dame aus Südafrika verbracht. Ursache sei, so wird bekannt gegeben, eine Amnesie aufgrund des Autounfalles. Dennoch bleiben einige Fragen offen und das Eheleben der Christies nach dem herumstochern im Privatleben durch Polizei und Presse noch mehr verschlechtert, sodass kurze Zeit später die Scheidung folgt.
In „Agathas Alibi“ hat Andrew Wilson um das rätselhafte Verschwinden der Queen of Crime einen spannenden Roman geschrieben. So zahlreiche Fakten zusammengetragen und in eine Geschichte verwebt. Denn könnte es nicht sein, dass die Amnesie keine war, sondern eine Strategie um ein dunkles Geheimnis zu verdecken? Könnte es nicht sein, dass sich Agatha Christie im Würgegriff eines Widersachers befand, der ihren scharfen Verstand, ihr kriminalistisches Gespür und ihre Kenntnis über das Morden für seine Zwecke nutzen wollte? Könnte es ferner nicht sein, dass die Autorin immer mehr in ein Verbrechen gezogen wurde und immer mehr auf eine auswegslose Situation zusteuerte, sodass sie alles zu verlieren drohte?
Eine solche Geschichte wird hier erzählt. Sie nimmt ihren Anfang als Agatha Christie von der Affäre ihres Mannes erfährt und in ihrer Verzweiflung ihren Gedanken nachhängt – bis sie am Bahnsteig auf die Gleise gestoßen wird. Von jemandem, der ein grauenvolles Verbrechen plant; ein solches, das die Autorin dringend zu verhindern suchen muss.

Beim Lesen entdeckt man zwischendurch immer wieder kleine Fragmente aus Erzählungen der Queen of Crime, was ich in soweit sehr ansprechend finde als dass ihr Verschwinden als Inspirationsquelle für ihre in den folgenden Jahren geschriebenen Werke dargestellt wird. Darüber hinaus sehr gelungen ist meines Erachtens die Idee, ausgehend von Fakten eine fiktive Geschichte zu erzählen. Da im Anhang die sachlichen Grundlagen für das Buch erklärt werden, vermag der Leser so auch die beiden Bereiche zu trennen und bemerkt erst wie gekonnt Wilson die widersprüchlich erscheinenen Besonderheiten um das Verschwinden in einen logischen Zusammenhang stellt.
Agatha Christie als Protagonistin aus deren Sicht das Buch geschrieben worden ist, hat mir zudem sehr gefallen. Ihre Gedankengänge waren stets gut nachvollziehbar und man konnte sich problemlos in ihre prekäre Lage versetzen.
Aber auch die vielen anderen Charaktere wurden vom Autor sehr ansprechend und liebevoll gezeichnet. Dank genauer aber nicht langatmiger oder belangloser Ausführungen konnte ich mir das Gelesene stets sehr gut vorstellen und bereits direkt zu Beginn des Buches in die Geschichte abtauchen.
Der Schreibstil des Buches hat mir außerdem sehr gefallen und ich vermochte das Buch kaum aus der Hand zu legen. Das mag auch daran liegen, dass ständig etwas Neues geschieht oder man einen weiteren Standpunkt kennenlernt. Mich konnte „Agathas Alibi“ im Handumdrehen packen und ich bin von dem Einfallsreichtum Wilsons begeistert.
Abwechslungsreich und sehr ansprechend zu lesen sind für mein Empfinden zudem die „Zeitungsartikel“, die man in diesem Buch findet. So hat man den Eindruck, wirklich stets bei Agatha Christie und den anderen Figuren dabei zu sein und ihnen über die Schultern schauen zu können.

Der Roman ist stimmig und in sich wunderbar schlüssig, er war stets spannend und verdient daher meine klare Leseempfehlung. In anderen Rezensionen bin ich auf die Kritik gestoßen, man würde merken dass dies „einfach kein echter Christie-Roman sei“. Es mag durchaus sein, dass man einen Unterschied zu den Werken der Queen of Crime bemerkt – ich für meinen Teil bin gar nicht mit der Erwartung, eine Imitation der Autorin zu lesen, an dieses Werk gegangen. Mir hat der Stil Wilsons ausgesprochen gut gefallen und ich bin der Auffassung, dass eine solche Erwartung überhaupt nur wenig gerecht ist…
Ich kann an diesem Buch keinerlei Kritik hervorbringen, da es mir rundum zugesagt hat und vergebe somit 5 Sterne!

5-Sterne

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📖 Rezension zu: „La dolce vita – Alte und neue Klassiker der römischen Küche“ von Eleonora Galasso

La dolce vita

Bodenständige und sehr leckere Rezepte!

Für Eleonora ist Essen eine Sprache, die es zu entschlüsseln gilt, und mit ihrem Kochbuch versucht sie zu dolmetschen. Die von ihr vorgestellten Rezepte, so erklärt sie zu Beginn des Buches, überzeugen durch wunderbare Aromen und sind authentisch – teils in ihrer Familie von Generation zu Generation weitergegeben und teils von anderen Italienern gezeigt worden. Bemerkenswert ist meines Erachtens, dass man für die Gerichte keine ausgefallenen Zutaten oder spezielle Gerätschaften benötigt, da die Autorin die „Küchengeheimnisse und -techniken der unterschiedlichsten Menschen, für die „italienisch essen“ keine Lifestyle-Erscheinung ist, sondern unabdingbar“ kenengelernt und einfließen lassen hat.
Nach einer kurzen Einführung folgt das kurze Unterkapitel „In der Vorratskammer“ in dem erklärt wird, welche Zutaten man für die römische Küche stets parat halten sollte und welche (Qualitäts-)Anforderungen an diese Lebensmittel gestellt werden (sollten). Hier finden sich sowohl selbstverständliche, beziehungsweise Ausführungen, die man auch so erwartet hat, und solche, die einen ein Stück weit überraschen. Meines Erachtens zum Grundlagenwissen, welches jeder beherrschen sollte, gehört zum Beispiel, dass verwendete Eier möglichst frisch und am besten aus Freilandhaltung stammen sowie bei der Verarbeitung zimmerwarm sein sollten. Sehr hilfreich ist hingegen die Anleitung zum richtigen Artischocken schneiden.
Im Anschluss daran beginnen bereits die Rezepte, angefangen beim Frühstück. Hier gibt es zunächst wieder eine einführende Seite, welche sich vornehmlich damit befasst, wie man in einem Café in Italien frühstückt: Verschiedene Kaffeevarianten, die sich auszuprobieren lohnen, oder verschiedene Teigteilchen, die dazu passen, mit ihrer italienischen Bezeichnung und einer kurzen Erläuterung. So eingestimmt beginnt die Frühstücksrezeptreihe. Von „Maritozzi – Rosinenbrötchen“ (S.18) über „Bomboloni – Gebackene Donouts“ (S.31) und „Biscottoni da inzuppo – Frühstückskekse zum Eintunken“ (S.32) bis hin zu „Budini di riso – Reistörtchen“ (S.36) findet man abwechslungsreiche Rezepte, die selbst dem Morgenmuffel die Frühstückszeit versüßen können.
Im nächsten Kapitel gibt es Leckeres „Für Zwischendurch“. In der Einführung erzählt Eleonora Galasso davon, wie sie mit anderen Kindern auf ihrer katholischen Grundschule gelegentlich kleine Leckereien stibitzten, deren Rezepte man im folgenden finden kann. Für mich besonders ansprechend sind hier die „Girelle di pan carrè con mousse di prosciutto cotto agrumata – Sandwichschnecken mit Prosciuttomousse“ (S.56) oder aber der „Ciambellone di polenta alla zucca e mele – Polentakuchen mit Kürbis & Apfel“ (S.59).
Danach geht es mit „Mittagessen für unterwegs“ weiter. Hier beschreibt die Autorin zunächst humorvoll wie es zur Mittagszeit in Lebensmittelgeschäften zu langen Schlangen kommt, in denen die Ungeduld der ausgehungerten Italiener stetig wächst. Sowohl verschiedene Nudelgerichte als auch Salate und Brotvariationen finden sich hier. Ein kleines Highlight in diesem Kapitel ist sicherlich „Soppressata di polpo con insalata di patate e sedano – Tintenfisch-„Wurst“ mit Kartoffeln & Sellerie“ (S. 80) oder der „Ceci e baccalià – Freitagsfisch mit Kichererbsen“ (S.89)
In „Mittagessen mit der Familie“ erhält man anfangs einen kleinen Einblick in das pranzo della domenica, dem Sonntagsessen, zu dem sich meist die gesamte Familie versammelt. Besonders ansprechend sind hier „Pesce spada al cartoccio con polpo e scarola in padella – In Papier gegarter Schwertfisch mit Babykalmaren & geschmorten Endivien“ (S.112).
Der „Aperitivo“ ist „ein relaitiv neues soziales Phänomen und besteht aus alkoholischen Getränken, kleinen Häppchen und vielen guten Gesprächen. Er beginnt normalerweise nach der Arbeit und kann bis neun Uhr abends dauern oder auch die ganze Nacht.“ (S.127). Ihm ist das fünfte Kapitel gewidmet. Von „Mozzarella in carrozza – Mozzarella im Brotteig“ über „Fiori di zucca ripieni – Gefüllte Zucchiniblüten“ bis hin zu „Limoni ripieni alla crema di tonno – Zitronen gefüllt mit Thunfischcreme“ (S.149) findet man eine Vielzahl leckerer Gerichte.
Danach folgen in Kapitel 6 „Romantische Abendessen“ wie „Orata in crosta di patate – Dorade im Kartoffelmantel“ (S.161).
Als nächstes folgt das Kapitel „Abendessen: #Foodhappiness“, in dem die Kunst, aus wenigen Zutaten oder Resten ein köstliches Essen zu zaubern gezeigt werden soll. Tatsächlich sind die Zutatenlisten – nicht nur der vielen Gewürze wegen – doch recht lang. So zählt das Rezept „Tesoro di riso e sogliole con salsa al prosecco – Reis-Rotzunge-Timbale mit Proseccosauce“ (S.184) zum Beispiel 23 Zutaten.
Im Anschluss daran wird sich der „Zeit zum Feiern“ gewidmet. Ob nun die „Palline ricotta e cocco – Ricotta-Kokos-Kugeln“ (S.202) oder die „Mimosa al profumo di ananas con fiorellini zuccherati – Mimosentorte mit Ananas & kandierten Blüten“ (S.204) – hier dürfte jeder fündig werden.
Danach gibt es „Kuchen & Co.“, ein Kapitel, bei dem ich gefühlt jedes Rezept ein Lesezeichen markieren musste – die „Fruttini gelato – Eiscremefrüchte“ (S.229), Meringen, Kuchen, Eistorten, Cremetorten, Biskuitrollen konnten mein Interesse wecken.
„Für die Vorratskammer“ gibt es dann ebenfalls Vorschläge wie Grissini oder Semmelbrösel, Konfitüre oder Eiswürfel.
Als letztes folgen die „Mitternachtsschlemmereien“, die auch wieder durch sehr viel Abwechslung zu überzeugen vermögen.

Sehr ansprechend ist außerdem die Gestaltung des Buches: Ein jedes Rezept wird durch einen kleinen Text eingeleitet, in dem die Autorin unterhaltsame kleine Anekdoten oder Erklärungen anbringt. Außerdem sind die meisten Rezepte mit äußerst schönen Fotografien versehen, sodass einem bereits beim ersten Durchblättern das Wasser im Munde zusammenläuft. Auch zwischen den Rezepten lockern Farbfotos das Buch auf und entführen nach Italien.

(S.5 & 148)

Die Rezepte sind sehr verständlich geschrieben, sodass einem das Nachkochen und -backen leicht von der Hand geht. Dank der großen Vielfalt an Geschmacksrichtungen dürfte jeder einige passende Speisen der römischen Küche für sich entdecken können. Sowohl aufwendigere als auch simplere Rezepte finden sich in „La dolce vita“, weswegen man bei jeder Gelegenheit fündig wird, wenn es um ein geeignetes Gericht geht.

Alles in allem kann ich dieses Buch sehr weiterempfehlen, da es bodenständige und sehr leckere Rezepte beinhaltet, welche durch sehr ansprechende Abbildungen und kleine Texte aufgelockert werden.

Ich vergebe 5 Sterne!

5-Sterne

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📖 Rezension zu: „Madrid, Mexiko“ von Antonio Ortuño

Madrid, Mexiko

Im wahrsten Sinne wortgewaltig.

Zwei sehr verworrene und verflochtene Handlungsstränge werden in diesem Buch gekonnt verknüpft. Ihre Verbindungsstelle liegt darin, dass es sich um die kompilzierte Familiengeschichte der Almansas handelt, die bewegter kaum sein könnte.
Die Handlung erstreckt sich über den Zeitraum von 1923 bis 2014, was auch erklärt, weswegen es zu derart vielen schwierigen Situatonen und unterschiedlichen Lebenswelten kommt. So begleitet man die Figuren auf Fluchten, im Spanischen Bürgerkrieg, erlebt, wie aus Freunden erbitterte Feinde werden und erlebt hautnah, wie es sich anfühlt, keine wirkliche nationale Identität zu haben und sich daher immer als außenstehend zu fühlen zu haben.

Sprachlich ist „Madrid, Mexiko“ wie auch schon Ortuños Debüt äußerst eindringlich und geht mit ungeschönten Beschreibungen und kraftvollen Wörtern nahe, pflanzt sich hartnäckig festsetzende Bilder in den Kopf und lässt einen in die verschiedenen Epochen eintauchen. Viele Passagen muss man mehrfach lesen, um ihnen gerecht zu werden, da sie so geballt und geladen an Inhalt sind. Zudem sind die einzelnen Sätze, ebenso wie die Handlungsstränge an sich, dicht und eng verwoben, sodass man beim Lesen angehalten ist, aufmerksam und wachsam zu bleiben und die Augen nicht vor dem oft erschütternden Inhalt zu verschließen. Ortuños Worte lösen dabei einen starken Sog aus, lassen einen nicht mehr los und auch wenn man sich am liebsten eine Pause gönnen, um das Gelesene verarbeiten und überdenken zu können, ist man doch nicht in der Lage, das Buch länger als nötig aus der Hand zu legen. Darüber hinaus wird man sich gerade aufgrund der teilweise wütenden Worte erst des Ausmaßes bewusst, dass die beschriebenen Ereignisse für die Bevölkerung, für die Menschen ganz konkret, bedeuten und was es heißt, zur Flucht gedrängt zu werden.
„Zu sagen, er habe geträumt, wäre falsch, denn er konnte nicht ohne die Unterstützung von Tabletten schlafen, und manchmal selbst dann nicht; doch er hatte den lebhaften Eindruck zurückbehalten, dass der Concho sein keuchendes, brutales Gesicht gegen die Fensterscheibe gedrückt und in seine Wohnung gesehen hatte. Sein Schweiß, der ihm mit der Feinfühligkeit eines Faustschlags in die Nase gestiegen war, stank nach Ammoniak.“ (S.97)
Die Charaktere in „Madrid, Mexiko“ sind sehr stark gezeichnet, weswegen man von ihnen recht schnell ein klares Bild erhält. Was nicht bedeutet, dass man wüsste, wie man über sie zu denken habe. Aber dadurch dass der Autor seinen Figuren starke Konturen verleiht, werden sie greifbar, wirken real und lassen sich in ihren Facetten wahrnehmen.
Auch gelingt es dem Autor den Leser bereits vor Beginn der einzelnen Abschnitte auf das Kommende einzustimmen – so beispielsweise durch das Zitieren der Liedzeilen „Spanish bombs rock the province / I’m hearing music from another time“ (S. 203) aus „Spanish Bombs“ von The Clash.
Dass die Geschichte zwischen den einzelnen Episoden von Kapitel zu Kapitel wechselt, verleiht dem Leser ein Gefühl der Unsicherheit, des Unbeständigen, wie es auch die Charaktere immer wieder erfahren müssen. Dennoch entdeckt man so die sich herauskristallisierenden Verbindungen der verschiedenen Erzählungen zueinander. Zu Beginn des Buches war es für mich gelegentlich etwas schwierig, den Überblick zu behalten ob der wechselnden Figuren, Zeiten und Orte, doch wird dies leichter mit der Zeit.

Alles in allem handelt es sich um ein sehr nahegehendes Buch, dessen Inhalt sich schwerlich zusammenfassen lässt und dessen Komplexität beeindruckt. Sprachlich ist es, wie bereits „Die Verbrannten“ , außergewöhnlich – man kann im wahrsten Sinne von „wortgewaltig“ sprechen. Unter anderem werden stark gezeichnete, oftmals kantige Charaktere und eine verworrene Familiengeschichte vor dem historischen Hintergrund verschiedener Epochen von 1923 bis 2014 gekonnt dargestellt und erzählt.

Ich vergebe 5 Sterne

5-Sterne

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📖 Rezension zu: „Berge unter Sternen“ von Bernd Willinger und Norbert Span

Berge unter Sternen

Sehr gelungen!

Für die Autoren Bernd Willinger und Norbert Span beginnt alles am 4. Januar 2011, als sie eine beeindruckende Aufnahme der partiellen Sonnenfinsternis über der Marchreisenspitze in den Kalkkögeln nahe Inssbruck machen können. Seitdem haben die beiden über 250 Nächte in ähnlich spektakulärer Umgebung verbracht und konnten so faszinierende (Sternen-)Himmel über Bergen festhalten.

Im Verlaufe des Buches wird man an verschiedene Orte entführt und kann so verschiedene Lichtphänomene bestaunen; so beispielsweise den Airglow (zu Deutsch Nachthimmellicht oder Nachthimmelsleuchten), welcher mich besonders beeindrucken konnte. Dieses Leuchten höherer Atmosphärenschichten erinnerte mich manchmal an Polarleuchten und wurde von in den Fotografien wunderbar eingefangen. Unter Anderem werden ebenso Zodikallicht, Lichtverschmutzung, Sternschnuppen, die blaue Stunde oder Startails abgelichtet.
Am Ende des Buches folgen noch Tipps zu Fotografie und Ausrüstung für all jene, die sich von der Sternenhimmelfotografieliebe haben anstecken lassen. Das ist gar nicht einmal so unwahrscheinlich, da die Bilder stets von Erzählungen begleitet werden, die die Begeisterung der Autoren spürbar machen.

Alles in allem ein sehr ansprechender Bildband, der in einem die Fasziniation für die schönen Landschaften und den Himmel weckt. Es ist beeindruckend welch vielfältige Spektakel sich über den Bergen auf den Abbildungen erkennen lassen. Ein Werk, das neugierig macht und aufruft, sich selbst auf die Suche nach dem perfekten und einzigartigen Motiv zu machen – auch wenn dies, wie man beim Durchstöbern der 144 Seiten feststellen muss – leichter gesagt als getan ist, jahrelange Übung und Perfektion benötigt und einem schon alleine auf die Temperaturen bezogen einiges abverlangt. So gesehen gibt es von mir für „Berge unter Sternen“ mit seinen 100 Abbildungen eine klare Schmöker-, Staun- und Leseempfehlung!

5/5 Sternen

5-Sterne

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📖 Rezension zu: „Das kalte Haus“ von Martin Osterberg

Das kalte Haus

Weil eine sorgenfreie Kindheit nicht alles ist…

Martin Osterberg, Pseudonym eines Berliner Journalisten, hat mittlerweile zwei Kinder im erwachsenen Alter. Mit der von seiner Frau und ihm gegründeten Familie ist er, trotz gelegentlicher Schwierigkeiten, sehr glücklich. Dennoch lässt ihn seine Stammfamilie nicht los, niemals kann er ihrer kalten Atmosphäre entfliehen. Obwohl er eine sorgenfreie Kindheit hatte, wie man es wohl nennen würde, hatte er bei weitem keine glückliche oder gute. Seine heile Familie war von Distanz geprägt, eine Grundhaltung die Martin schwer zu schaffen machte und es noch immer tut. Seine Eltern sind als Kriegskinder nicht einmal bewusst kühl, reserviert und lieblos, sondern kennen diese Art des Zusammenlebens aus eigener Erfahrung und erachten sie als normal. Besonders schmerzhaft ist für den Protagonisten die defizitäre Beziehung zu seinem Vater, der ihn mal ignoriert oder ihn zu anderer Gelegenheit als ein Arschloch bezeichnet; keineswegs im Streit sondern eher als allgemeine Feststellung.
Erzählt werden in diesem Buch Episoden aus Martins Kindheit, seiner Jugend sowie seinem Erwachsenenalter in deren Verlauf er immer mehr versucht, sich seiner Familie loszusagen. Doch verfolgt sie ihn auch noch als er dieses Buch schreibt – obwohl es besser geworden ist.
„Ich bin Veteran des Krieges zwischen mir und meinem Vater.“ (S.8) Und dieser Kampf beginnt leider schon sehr früh und bleibt meist unterschwellig spürbar. Doch auch die Mutter kann der Familie keine Liebe oder Fürsorge einhauchen, stattdessen gibt sie jedes Mal wenn Besuch kommt eine Inszenierung ab, sodass nach Außen hin alles normal wirkt. So wird aus kritischen Kommentaren beim Betreten des Kinderzimmers ein sorgsames „Braucht ihr noch etwas?“.
Martins Versuche, sich aus dem Familienleben zurückzuziehen kann man immer besser erkennen, wenn er beginnt immer mehr zu lesen und ihm bald die Bücher ausgehen.

Während des gesamten Buches wird bei Dialogen auf die Anführungszeichen verzichtet, was mich zwar zunehmend störte, aber bestens zu der bedrückenden Stimmung passte und sie noch zu verstärken vermochte. Beklemmend sind die meisten Abschnitte des Buches, denn man spürt sehr schnell, dass eine Familie so nicht sein sollte. Und dennoch ist Martins Geschichte und Familie nicht untypisch für die damalige Zeit – es regt zum Nachdenken an, dass viele Menschen unter einem derart kalten Haus gelitten haben und sich ein Zuhause, einen Ort, an den man wiederkehren kann, an dem man in Sicherheit ist, gewünscht haben.
Mit „Das kalte Haus“ geht Osterberg einen weiteren Schritt von seinen Eltern weg und auf ein eigenes, unabhängiges Leben zu. Auch wenn ihm die vollständige Abnabelung wohl niemals gelingen wird, da er von der Familiensituation viel zu sehr geprägt und gefangen ist. Und vergessen kann man etwas solches nicht einfach. Die Eltern werden einen immer begleiten – selbst wenn sie bereits seit Jahren verstorben sein sollten, bahnen sie sich doch stets den Weg in die Gedanken ihres Kindes oder tauchen plötzlich und unerwartet in Form einer Erinnerung wieder auf.
„Ich habe einen Vater.
Ich habe eine Mutter.
Ich habe einen Bruder.
Ich fühle nichts.“
Leider hat das Buch, da der Autor so viele unterschiedliche Situationen wie nur eben möglich zu schildern versucht, durchaus passagenweise auch seine Längen. Obwohl das Thema ausgesprochen spannend ist, musste ich mich gelegentlich aufrappeln, weiterzulesen. Da dieses Buch keine leichte Lektüre ist, lässt es sich keineswegs an einem Stück lesen. Irgendwann ist immer ein Punkt erreicht da man abbrechen muss, um das Gelesene erst einmal zu rekapitulieren und zu verarbeiten.

Empfehlen kann ich das Buch durchaus, da es einem zeigt, woran es einer Familie nicht mangeln darf: An Wärme, Zuneigung, Verständnis, Interesse und auch einer gesunden Kritikfähigkeit.

Ich vergebe 4 von 5 Sternen

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📖 Rezension zu: „Das ist unser Haus“ von Barbara Sichtermann und Kai Sichtermann

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Lässt mich schwer beeindruckt zurück!

„Einen Mieter schmeißt man raus, fünfzig nehmen sich ein Haus“

Seit den 1970er Jahren tobte in immer Städten der Häuserkampf. In diesem Buch wird der Fokus auf Berlin, Frankfurt, Hamburg, Köln, Freiburg, Tübingen, München, Monheim, Hannover und Göttingen gelegt, aber auch die DDR und Ostberlin sowie dem nahen Ausland in Form von Dänemark, den Niederlanden, der Schweiz und Österreich wird Beachtung geschenkt.
Nachdem die von den gegen die Pantoffelrepublik ihrer Eltern fröhlichen Widerstand leistenden Studenten geforderte Revolution ausblieb, Wohnungsnot und ein Leerstand, der „nicht aubleiben [konnte], wenn die Entmietungsstrategien der Spekulanten mit dem Planungswirrwarr der Bürokratien und unsicheren Finanzierungsaussichten zusammenstießen“(S.14) prägend für die Zeit waren, verfolgte eine ganze Generation, heterogen wie sie nur sein kann, das Ziel nach Autonomie – man wollte zusammen leben und arbeiten.
„Ihr habt eure Baupläne ohne uns gemacht“ (Wandparole in Berlin, S.260) Eigentum verpflichtet und das Grundrecht auf Wohnraum besteht, so heißt es, doch fand sukzessive eine fatale Gentrifizierung statt und Spekulanten ließen wertvollen Wohnraum verfallen. Doch ihrer zahlreichen Gegner und Widersacher zum Trotz wuchs die Hausbesetzerbewegung und gewann an an Einfluss. „Im Laufe des Jahres 1981 kam es in 153 Städten zu 595 Besetzungen durch 12900 Menschen.“ (S.298) Die Taten der Besetzerszene zogen immer größere Kreise und haben ihre Auswirkungen bis in die heutige Zeit. Beispielsweise wurden viele Zweckbauten, Fabrikanlagen und öffentliche Einrichtungen aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert wie die Rote Flora von den Häuserkämpfern „vor der Abrissbirne bewahrt“ (S.16) – der Grundstein für den Denkmalschutz, wie wir ihn mittlerweile für selbstverständlich halten, wurde gesetzt.
„Das Private sollte als politisch verstanden werden und das Politische als Sache eines jeden.“ (S.15)
Aufgrund der Unterschiedlichkeit der Beteiligten kam es zu einer großen Bandbreite von Vorstellungen und Zielsetzungen, auch die Frage nach Gewaltlegitimation kam auf. „Legal – illegal – scheißegal“ Und so entstanden verschiedene Strömungen in der Besetzerszene. Beim Engagement der Besetzter kam es dabei zu einer ständigen Spannung zwischen utopisch und praktisch, denn es gab stets viel zu organisieren oder bei Instandsetzungen zu reparieren und zu improsieren, dennoch brauchte es eine gemeinsame Utopie um Zusammenhalt zu gewähreisten. Besonders, wenn auch unpolitisch motivierte zu den Besetzern stießen oder Gegner und Widersacher gegen die Besetzerszene anzugehen versuchten. Dabei ließ sich, so überraschend dies auf den ersten Blick auch scheinen mag, ein gewisser Wertekonservativismus der Stadteroberer bezüglich Ausrufen wie „kämpfen und bleiben“ feststellen.
„Die Revolution ist großartig. Alles andere ist Quark. – Rosa Luxemburg“ (S.256)
Beeindruckenderweise haben sich einige der selbstverwalteten und autonomen, besetzten Häuser bis heute gehalten – auch wenn sie mittlerweile nicht mehr als besetzt bezeichnet werden – und gehen gemeinnützigen Zielen nach.

Gemeinsam mit seiner Schwester Barbara Sichtermann besucht Kai Sichtermann, Gründungsmitglied der legendären Band Ton Steine Scherben, zahlreiche Beteiligte, sodass Hausbesetzer selber die Geschichte des Häuserkampfes beschreiben und erklären können. So handelt es sich bei „Das ist unser Haus“ um ein Lese-, Bilder- und Geschichtsbuch mit bemerkenswertem inhaltlichen Umfang. Erzählt wird auf abwechslungsreiche, informative, äußerst spannende und sehr beeindruckende Weise von verschiedenen Entwicklungen, Projekten, Ereignissen, Perspektiven und Zusammenhängen.
Beeindruckend sind nicht nur die vielen verschiedenen Textformate und Bildquellen, die einen tiefen Blick in die damalige Zeitgeschichte gewähren, sondern auch die Verknüpfung verschiedener Erfahrungen mit Theorien, Forderungen, Einstellungen, Ansichten oder Beobachtungen von Soziologen, Anwälten oder anderen Fachleuten.
Aus verschiedenen Blickwinkeln werden die Erfahrungen der Hausbesetzer gekonnt mit dem Zeitgeist und geschichtlichen Geschehen in Verbindung gesetzt, sodass man Stück für Stück an Zeitverständnis gewinnen kann.
Erwähnenswert finde ich zudem, dass viele unterschiedliche Quellen verwendet werden – so zum Besipiel Fotografien, Zeitungsausschnitte, Liedtexte oder aus Angst vor Unruhen nicht ausgestrahlte Radiobeiträge. Für mich gab es in dem Buch so viel zu entdecken – und ich bin schwer beeindruckt davon, wie viel Material in dieses Werk eingeflossen ist. Das ermöglicht auch das Weiterlesen, Recherchieren und Einlesen in verschiedene Bereiche. Auf diese Weise bin ich auf Bücher, die ich unbedingt noch lesen muss, Soziologen, mit denen ich mich nun genauer befassen möchte, Filme, welche ich anzuschauen habe und Lieder, die ich zur Zeit rauf und runter höre, gestoßen. Darüber hinaus finden derart viele Gebäude, Initiativen und Organisationen Erwähnung, dass man sich mit diesen und den von ihnen vertretenen Wertevorstellungen über das Buch hinaus noch eingänglicher zu befassen vermag.
Dennoch ist, sofern einen solche weiterführenden Recherchen nicht reizen können, genug Erklärung gegeben als das man das Gelesene auch so verstünde.
Sehr ansprechend ist für mein Empfinden darüber hinaus, dass die Thematik so umfassend behandelt wird. Es bildet sich ein stimmiges Gesamtbild und man kann sehr gut in das Buch abtauchen.
Fasziniert haben mich die vielen verschiedenen Ansatzpunkte, erwähnte Fachliteratur und sehr wissenschaftliche Argumentationsweisen. So wird der Leser ebenfalls für die Gegenwart sensibilisiert – denn das „Recht auf Stadt – Henri Lefebvre“ (S. 294) ist heute noch immer ein Thema angesichts steigender Mietpreise und Ähnlichem. Des Weiteren gibt „Das ist unser Haus“ wertvolle Denkanstöße zur Verhältnismäßigkeit der Mittel und anderen Themengebieten.

Alles in allem bin ich von diesem 300 Seiten umfassenden Buch mehr als begeistert. Es ist äußerst abwechslunsreich, informativ, spannend, anschaulich, strukturiert, gut recherchiert und verknüpft, sodass es einen tiefen Einblick in die Geschichte der Hausbesetzung – die bis heute andauert – bietet. Von mir gibt es daher eine klare Leseempfehlung und volle 5 Sterne!

5-Sterne

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📖 Rezension zu: „Meine Mini-Farm – Die neue Lust auf Land“ von Francine Raymond und Bill Mason

Meine Mini-Farm

Hält für absolute Einsteiger sicherlich wertvolle Tipps bereit.

Den Traum, Selbstversorger zu werden, können nur die wenigsten realisieren. Dennoch gibt es viele Möglichkeiten, auch in der Stadt seinen eigenen Kleinstbauernhof zu gestalten. Ob städtischer Gemeinschaftsgarten, Vorgarten, Balkone, Hinterhöfe oder Flachdächer eignen sich beispielsweise erstaunlich gut zm Bepflanzen. Und gut geplant, lassen sich selbst in einem mittelgroßen Garten glückliche Nutztiere halten – so beispielsweise kleine Geflügelrassen wie das Bantamhuhn oder die Zwergente. In diesem Buch sollen 25 wertvolle Tipps geliefert werden, wie man jeden Quadratzentimeter Fläche bestmöglich nutzt und so zum Mini-Farmer wird.
Zu Beginn befasst sich eine kurze Einführung damit, was man beim Erwerben von einem Stück Land beachten sollte, welche groben Ideen es zur Bewirtschaftung kleiner Flächen gibt oder wie sich Gärtner und Garten verändert haben.
Im Anschluss daran folgen verschiedene Praxistipps und Berichte mehrerer Mini-Farmer, wie sie sich ein Stückchen weit selbst versorgen. Ob vom Weg vom Banker zum Kleinbauern, davon, eine Pflanzentreppe zu bauen, seinen eigenen Obstgarten anzulegen, oder eine Brennesseljauche anzusetzen – in den Kapiteln „Weltweites Wachstum“, „Nicht alltäglich“, „Reiche Ernte“, „Landwirtschaft im Kleinformat“ sowie „Magische Verwandlung“ finden sich interessante Denkanstöße. Manches, wie die „Kartoffeln im Kübel“, wenn auch als Kartoffelkiste, oder eine „Pflanzentreppe“ aus dem Bereich des vertikalen Gärtnerns oder das Herstellen von Fruchtleder, sollten einem jeden, der sich bloß kurz mit dem Selbermachen, Urban Gardening oder Nutzgärten auseinandergesetzt hat, bereits ein Begriff sein. Sieht man dieses Buch allerdings als Werk für absolute Einsteiger, so finden sich sicherlich viele hilfreiche Anregungen, um die einem zur Verfügung stehende Fläche besser nutzen und bewirtschaften zu können.
Wenn man sich einen ersten Eindruck darüber verschaffen möchte, was so alles möglich ist, dürften die Ideen wie ein Vorgarten mit essbaren Blüten oder die Hühnerhaltung inspirierend sein und die Neugierde auf das Losgärtnern wecken.
Durch die Beispiele von Mini-Farmern wird dem Buch eine persönliche Note gegeben und man hat nicht das Gefühl, eine Sammlung von Ratschlägen durchzublättern. Zudem wird das Buch durch diese Passagen aufgelockert und zeigt dem Leser sehr viel anschaulicher als ausschließlich durch die Tipps möglich gewesen wäre, wie man seinen eigenen Weg gehen und seinen Traum von der (teilweisen) Selbstversorgung leben kann. Darüber hinaus wird das Vorgestellte für denjenigen, der zum ersten Mal nach Inspirationen sucht, so denke ich, greifbarer.
Ansprechend ist die Gestaltung des 160 Seiten umfassenden Buches, nicht zuletzt durch die 200 farbigen Abbildungen, die es einem ermöglichen, den Anleitungen besser zu folgen oder sich ein Bild von den Gärten, Dächern oder Containern, welche bewirtschaftet werden, zu machen. Außerdem hat man auf diese Weise stets etwas zu schauen und selbst beim Durchblättern bereits einen guten Überblick.

Alles in allem waren für mich leider nicht mehr sonderlich viele Ideen in diesem Buch neu, doch bin ich der Auffassung, dass man, sofern man sich der Thematik zum ersten Mal nähert, in diesem Buch kurz und bündig einige Denkanstöße erhält und zum Aktivwerden und Gärtnern ermutigt wird. Durch das Einbeziehen verschiedener Angehensweisen in Form von vorgestellten Mini-Farmern, erhält man ein Gespür dafür, dass man letztendlich genau seinen eigenen Weg finden und gehen kann, was einen motiviert, so viel wie nur eben möglich auszuprobieren und zu übernehmen zu versuchen. Das Buch ist angenehm zu lesen, da es immer wieder durch kleine Berichte zu den besuchten Kleinstbauernhöfen aufgelockert wird. Schön ist die Gestaltung mit zahlreichen Farbfotografien.

Somit kann ich „Meine Mini-Farm“ als ganz leichten Einstieg in die Thematik weiterempfehlen, für jeden, der sich mit dieser jedoch bereits etwas beschäftigt hat, dürfte nicht viel Neues vorgestellt werden. Allenfalls das Beschreiben der Kleinstbauernhöfen würde dann noch reizen.

3/5 Sternen

3-Sterne

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Liebster Award

titel1Vor einer ganzen Weile wurde ich von Mary und Lilian von Querbeez nominiert – vielen Dank an dieser Stelle. In der letzten Zeit, das habe ich ja mittlerweile schon ein paar mal erklärt, war ich ziemlich im Abi-Stress und bin deswegen nicht dazu gekommen, die Fragen zu beantworten. Jetzt habe ich aber endlich die Zeit dazu gefunden. 🙂

Zu aller erst die Regeln:

  • Danke der Person, die dich für den Liebster Award nominiert hat und verlinke ihren Blog in deinem Artikel
  • Beantworte die 11 Fragen, die dir der Blogger, der dich nominiert hat, stellt
  • Nominiere 5 bis 11 weitere Blogger für den Liebster Award
  • Stelle eine neue Liste mit 11 Fragen für deine nominierten Blogger zusammen
  • Schreibe diese Regeln in deinem Liebster Award Blog-Artikel
  • Informiere deine nominierten Blogger über den Blog-Artikel
  • Zusatz Regel für die Leser… Wenn jemand diese Regeln durch gelesen hat (nicht überflogen!), dann schreib das bitte sofort in die Kommentare!

Wieso hast du einen Blog angefangen?

Bücher habe ich schon immer geliebt und deswegen eines nach dem nächsten verschlungen. Irgendwann bin ich dann im Internet auf Buchcommunities gestoßen, über die man nicht nur Rezensionen verfassen, sondern auch mit anderen begeisterten Lesern in Kontakt treten konnte. Beides habe ich voller Begeisterung gemacht und dabei bin ich dann immer wieder über Blogger gestoßen. Kurz nachdem ich mir dann angeschaut habe, was ein Blog eigentlich genau ist, hatte ich bereits den Entschluss gefasst, selber einen zu betreiben. Ein ganz kleines Weilchen später habe ich meinen Blog ins Leben gerufen und freue mich noch immer riiiiesig darüber, bloggen zu können!

Was magst du an der Natur am liebsten?

Das ist eine schwierige Frage – nicht, weil mir nichts einfiele, sondern ganz im Gegenteil weil ich an ihr so vieles liebe. Für mich ist es großartig dem durch die Blätter eines alten Baumes wehenden Wind zu lauschen, sommerlich-warmen Regen auf der Haut zu spüren, ihn zu riechen und sachte niederprasseln zu hören. Schon solche Kleinigkeiten lösen in mir eine große Faszination und Bewunderung aus. Außerdem beeindruckt es mich zutiefst, wie vielfältig die Natur ist und dass man stets etwas Neues zu entdecken vermag, wenn man nur gut genug hinschaut. Dann liebe ich wie kraftvoll und ruhig sie zur gleichen Zeit sein kann, wie sie sich wandelt und dennoch beständig ist.

Was ist dein Traumberuf?

Eine weitere knifflige Frage, die ich mir in letzter Zeit aber auch häufiger stelle… Es gibt so viele spannende, reizvolle und vielversprechende Richtungen, welche ich mir einzuschlagen vorstellen kann. Der Beruf des Lektors spricht mich beispielsweise sehr an – auch wenn ich weiß, dass man da nicht fürs pausenlose Lesen bezahlt wird… 😀 Im Bereich der Psychologie zu arbeiten könnte ich mir auch vorstellen oder im Bildungswesen – da vor allem in der Erwachsenenbildung, weil ich mich selbst ja auch im Laufe meiner Arbeitsjahre weiterentwickeln mag. Allmählich muss ich da aber ja eine Entscheidung fällen… Nicht leicht. 🙂

Glaubst du, dass Träume Vorausdeutungen oder Ähnliches sind?

Manchmal habe ich den Eindruck, dass man aus seinen Träumen wirklich einiges erfahren kann. Ob man dazu Voraussagung sagen kann weiß ich nicht. Ich denke viel eher, dass man unbewusst Wahrgenommenes im Schlaf verarbeitet und so Dinge ausbaldowert, die wirklich in nächster Zeit eintreten können. Genauso gut können sie aber auch lediglich im Traum bleiben… Dennoch male ich mir gerne aus, wie es wäre wenn sich einer meiner Träume erfüllen würde, weswegen ich mich stets sehr freue, wenn ich mir einen habe merken können.

Was wolltest du schon immer einmal machen?

Ich wollte schon immer einmal mit einem alten VW-Bulli ans Meer fahren und am Strand übernachten. Ich wollte schon immer einmal ein Instrument richtig gut beherrschen. Ich wollte schon immer einmal ein gelungenes Buch veröffentlichen. Ich wollte schon immer einmal durch die Welt reisen. Mir würde noch reichlich mehr einfallen….

Was wolltest du schon immer einmal wissen?

Da ich extrem neugierig bin so einiges. 😀 Vielleicht nicht schon immer, aber sehr lange, frage ich mich, wie man für wirkliche Gleichberechtigung sorgen kann. Nur wird es arg schwer, darauf eine präzise und zufriedenstellende Antwort zu finden, die allgemeingültig ist.

Wie sieht unsere Welt in 20 Jahren aus?

Hoffentlich friedlich…

Hast du ein Lieblingswort?

Eins? Endoplasmatisches Retikulum hat meine Mutter mir schon extrem früh versucht beizubringen und alleine deswegen liebe ich es. Nyktophilie, Lichtspielhaus, Sommerregen oder Scintilla gefallen mir beispielsweise auch. 🙂

Sommer- oder Wintermensch?

Ich bin definitiv ein Sommermensch. 🙂

Schreibst du noch mit der Hand?

Sehr gerne sogar – ich liebe meine Füllfederhalter über alles. ❤

Glaubst du an den Verfall der deutschen Sprache?

An den Verfall nicht, an den Sprachwandel selbstverständlich. Selbst wenn mir einige ältere, aus der Mode gekommene Wörter äußerst gut gefallen. Solche wie Lichtspielhaus. 🙂

 

Meine elf Fragen lauten:

  1. Sagt dir Lyrik zu? Wenn ja: Was an ihr?
  2. Was fasziniert dich an Büchern besonders?
  3. Gibt es einen besonderen Ort, an dem du dich am liebsten aufhältst?
  4. Was würdest du gerne können?
  5. Wohin würdest du gerne reisen?
  6. Wenn du eine Sache in der Welt verändern könntest, was wäre das?
  7. Hast du ein Lieblingswort?
  8. Was ist deine Lieblingsnascherei?
  9. Bist du eher ein Morgen- oder ein Abendmensch?
  10. Hast du einen Lieblingsfilm?
  11. Was gefällt dir am Bloggen?

Ich nominiere:

  1. Jessy von heldenfuereinentag.wordpress.com
  2. Julia von weltentaucherblog.wordpress.com
  3. Franzi von buechereckenliebe.wordpress.com
  4. Lele und Laura von lifeofaboredgirl.wordpress.com
  5. Itchy von inspirierendefreigedichtung.wordpress.com
  6. Isa von isasbuecherregal.wordpress.com

Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mitmachen würdet. 🙂

Für alle, die bis hierher gelesen haben: Wie steht es mit euch? Vielleicht mögt ihr auch eure Antwort zur ein oder anderen Frage geben? Ich bin gespannt! 🙂

📖 Rezension zu: „Kritik der Vögel“ von Jürgen und Thomas Roth

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Ich hatte etwas anderes erwartet.

„In den Wäldern sind Dinge, über die nachzudenken man jahrelang im Moos liegen könnte.“ – Franz Kafka
In Zeiten, in denen von „fiesen Enten“ oder den „Ratten der Lüfte“ zu hören ist, bedarf es einer Richtigstellung. Diese soll in „Kritik der Vögel“ geliefert werden, indem verschiedene Fragestellungen rund um die besonderen Tiere beantwortet und ihre Besonderheiten erläutert werden. Klare und deutliche Antworten sind gefragt – und Jürgen und Thomas Roth versuchen sie zu geben.
Harpyie, Habicht, Nachtigall, Hühner, Adler, Pinguine, Zilpzalp, Dodo und viele Arten mehr werden in das Blickfeld gerückt, sodass aus den ca. 11.000 existierenden Vogelarten sehr unterschiedliche Exemplare ausgewählt worden sind.
Aus den unterschiedlichsten Bereichen werden Bezüge zur jeweiligen Vogelart hergestellt – beim Huhn beispielsweise zum Verrat an Jesus durch Judas, zu Cicero oder dem Gallischen Hahn. So erhält man viele Informationen aus Gebieten, die augenscheinlich zunächst wenig bis gar nichts mit Vögeln gemein haben. Allerdings, so muss ich gestehen, verlieren sich die Autoren hier eher in Belanglosigkeiten, welche mit der Thematik nur schwerlich vereinbar sind.

Der Klappentext hat mich sehr angesprochen, da er versprach, dass auf viele Fragestellungen, die sofort mein Interesse weckten, im Buch eingegangen würde. Darunter sowohl Fragen, die das Bild eines gewissen Vogels innerhalb der Gesellschaft, den Ursprung von Ausdrücken und Sprichwörtern oder das Verhalten der Vögel behandeln. „Dass nicht einmal Kant dazu etwas gesagt hat, unterstreicht die Dringlichkeit einer transzendentalbiologischen Kritik der Vögel, die mit klaren Urteilen und zugleich mit einem Größtmaß an Empathie nicht spart, was auch stille, andächtige Betrachtungen einschließt.“ Erwartet habe ich ein gleichermaßen unterhaltsames wie auch informatives Buch, welches mich den gefiederten Freunden ein Stückchen näherzubringen vermag.
Leider zog sich das Buch für mein Empfinden arg in die Länge und gab eher weniger Antworten auf naheliegende Fragen, als von mir erhofft. So musste ich das Werk immer wieder aus der Hand legen, da es mir andernfalls viel zu anstrengend und ermüdend geworden wäre. Viele der präsentierten Kenntnisse über Vögel dürfte der Leser bereits haben, andere, vornehmlich die Bezüge zu anderen Themengebieten, sind eher gekünzelt als gekonnt, was den Lesefluss sehr hemmt. Darüber hinaus vermag der Schreibstil nicht gerade Spannung aufzubauen oder aufrecht zu erhalten; ganz im Gegenteil ist das Buch sehr holprig und unzusammenhängend geschrieben, was spürbar anstrengt.
Ansprechend sind hingegen die Illustrationen F.W. Bernsteins, welche sich dem Stil der „Neuen Frankfurter Schule“ zuordnen lassen.

Alles in allem bin ich von dem 332 Seiten umfassenden Buch enttäuscht, da es nach meiner Auffassung nicht das eigentlich versprochene Thema behandelt und sich nur äußerst schwierig lesen lässt. Die Gestaltung hingegen ist gut und gelegentlich stößt man auf interessante und unterhaltsame Passagen.

Ich vergebe 2 von 5 Sternen

2-Sterne

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