📖 Rezension zu: „Das kalte Haus“ von Martin Osterberg

Das kalte Haus

Weil eine sorgenfreie Kindheit nicht alles ist…

Martin Osterberg, Pseudonym eines Berliner Journalisten, hat mittlerweile zwei Kinder im erwachsenen Alter. Mit der von seiner Frau und ihm gegründeten Familie ist er, trotz gelegentlicher Schwierigkeiten, sehr glücklich. Dennoch lässt ihn seine Stammfamilie nicht los, niemals kann er ihrer kalten Atmosphäre entfliehen. Obwohl er eine sorgenfreie Kindheit hatte, wie man es wohl nennen würde, hatte er bei weitem keine glückliche oder gute. Seine heile Familie war von Distanz geprägt, eine Grundhaltung die Martin schwer zu schaffen machte und es noch immer tut. Seine Eltern sind als Kriegskinder nicht einmal bewusst kühl, reserviert und lieblos, sondern kennen diese Art des Zusammenlebens aus eigener Erfahrung und erachten sie als normal. Besonders schmerzhaft ist für den Protagonisten die defizitäre Beziehung zu seinem Vater, der ihn mal ignoriert oder ihn zu anderer Gelegenheit als ein Arschloch bezeichnet; keineswegs im Streit sondern eher als allgemeine Feststellung.
Erzählt werden in diesem Buch Episoden aus Martins Kindheit, seiner Jugend sowie seinem Erwachsenenalter in deren Verlauf er immer mehr versucht, sich seiner Familie loszusagen. Doch verfolgt sie ihn auch noch als er dieses Buch schreibt – obwohl es besser geworden ist.
„Ich bin Veteran des Krieges zwischen mir und meinem Vater.“ (S.8) Und dieser Kampf beginnt leider schon sehr früh und bleibt meist unterschwellig spürbar. Doch auch die Mutter kann der Familie keine Liebe oder Fürsorge einhauchen, stattdessen gibt sie jedes Mal wenn Besuch kommt eine Inszenierung ab, sodass nach Außen hin alles normal wirkt. So wird aus kritischen Kommentaren beim Betreten des Kinderzimmers ein sorgsames „Braucht ihr noch etwas?“.
Martins Versuche, sich aus dem Familienleben zurückzuziehen kann man immer besser erkennen, wenn er beginnt immer mehr zu lesen und ihm bald die Bücher ausgehen.

Während des gesamten Buches wird bei Dialogen auf die Anführungszeichen verzichtet, was mich zwar zunehmend störte, aber bestens zu der bedrückenden Stimmung passte und sie noch zu verstärken vermochte. Beklemmend sind die meisten Abschnitte des Buches, denn man spürt sehr schnell, dass eine Familie so nicht sein sollte. Und dennoch ist Martins Geschichte und Familie nicht untypisch für die damalige Zeit – es regt zum Nachdenken an, dass viele Menschen unter einem derart kalten Haus gelitten haben und sich ein Zuhause, einen Ort, an den man wiederkehren kann, an dem man in Sicherheit ist, gewünscht haben.
Mit „Das kalte Haus“ geht Osterberg einen weiteren Schritt von seinen Eltern weg und auf ein eigenes, unabhängiges Leben zu. Auch wenn ihm die vollständige Abnabelung wohl niemals gelingen wird, da er von der Familiensituation viel zu sehr geprägt und gefangen ist. Und vergessen kann man etwas solches nicht einfach. Die Eltern werden einen immer begleiten – selbst wenn sie bereits seit Jahren verstorben sein sollten, bahnen sie sich doch stets den Weg in die Gedanken ihres Kindes oder tauchen plötzlich und unerwartet in Form einer Erinnerung wieder auf.
„Ich habe einen Vater.
Ich habe eine Mutter.
Ich habe einen Bruder.
Ich fühle nichts.“
Leider hat das Buch, da der Autor so viele unterschiedliche Situationen wie nur eben möglich zu schildern versucht, durchaus passagenweise auch seine Längen. Obwohl das Thema ausgesprochen spannend ist, musste ich mich gelegentlich aufrappeln, weiterzulesen. Da dieses Buch keine leichte Lektüre ist, lässt es sich keineswegs an einem Stück lesen. Irgendwann ist immer ein Punkt erreicht da man abbrechen muss, um das Gelesene erst einmal zu rekapitulieren und zu verarbeiten.

Empfehlen kann ich das Buch durchaus, da es einem zeigt, woran es einer Familie nicht mangeln darf: An Wärme, Zuneigung, Verständnis, Interesse und auch einer gesunden Kritikfähigkeit.

Ich vergebe 4 von 5 Sternen

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📖 Rezension zu: „Das ist unser Haus“ von Barbara Sichtermann und Kai Sichtermann

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Lässt mich schwer beeindruckt zurück!

„Einen Mieter schmeißt man raus, fünfzig nehmen sich ein Haus“

Seit den 1970er Jahren tobte in immer Städten der Häuserkampf. In diesem Buch wird der Fokus auf Berlin, Frankfurt, Hamburg, Köln, Freiburg, Tübingen, München, Monheim, Hannover und Göttingen gelegt, aber auch die DDR und Ostberlin sowie dem nahen Ausland in Form von Dänemark, den Niederlanden, der Schweiz und Österreich wird Beachtung geschenkt.
Nachdem die von den gegen die Pantoffelrepublik ihrer Eltern fröhlichen Widerstand leistenden Studenten geforderte Revolution ausblieb, Wohnungsnot und ein Leerstand, der „nicht aubleiben [konnte], wenn die Entmietungsstrategien der Spekulanten mit dem Planungswirrwarr der Bürokratien und unsicheren Finanzierungsaussichten zusammenstießen“(S.14) prägend für die Zeit waren, verfolgte eine ganze Generation, heterogen wie sie nur sein kann, das Ziel nach Autonomie – man wollte zusammen leben und arbeiten.
„Ihr habt eure Baupläne ohne uns gemacht“ (Wandparole in Berlin, S.260) Eigentum verpflichtet und das Grundrecht auf Wohnraum besteht, so heißt es, doch fand sukzessive eine fatale Gentrifizierung statt und Spekulanten ließen wertvollen Wohnraum verfallen. Doch ihrer zahlreichen Gegner und Widersacher zum Trotz wuchs die Hausbesetzerbewegung und gewann an an Einfluss. „Im Laufe des Jahres 1981 kam es in 153 Städten zu 595 Besetzungen durch 12900 Menschen.“ (S.298) Die Taten der Besetzerszene zogen immer größere Kreise und haben ihre Auswirkungen bis in die heutige Zeit. Beispielsweise wurden viele Zweckbauten, Fabrikanlagen und öffentliche Einrichtungen aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert wie die Rote Flora von den Häuserkämpfern „vor der Abrissbirne bewahrt“ (S.16) – der Grundstein für den Denkmalschutz, wie wir ihn mittlerweile für selbstverständlich halten, wurde gesetzt.
„Das Private sollte als politisch verstanden werden und das Politische als Sache eines jeden.“ (S.15)
Aufgrund der Unterschiedlichkeit der Beteiligten kam es zu einer großen Bandbreite von Vorstellungen und Zielsetzungen, auch die Frage nach Gewaltlegitimation kam auf. „Legal – illegal – scheißegal“ Und so entstanden verschiedene Strömungen in der Besetzerszene. Beim Engagement der Besetzter kam es dabei zu einer ständigen Spannung zwischen utopisch und praktisch, denn es gab stets viel zu organisieren oder bei Instandsetzungen zu reparieren und zu improsieren, dennoch brauchte es eine gemeinsame Utopie um Zusammenhalt zu gewähreisten. Besonders, wenn auch unpolitisch motivierte zu den Besetzern stießen oder Gegner und Widersacher gegen die Besetzerszene anzugehen versuchten. Dabei ließ sich, so überraschend dies auf den ersten Blick auch scheinen mag, ein gewisser Wertekonservativismus der Stadteroberer bezüglich Ausrufen wie „kämpfen und bleiben“ feststellen.
„Die Revolution ist großartig. Alles andere ist Quark. – Rosa Luxemburg“ (S.256)
Beeindruckenderweise haben sich einige der selbstverwalteten und autonomen, besetzten Häuser bis heute gehalten – auch wenn sie mittlerweile nicht mehr als besetzt bezeichnet werden – und gehen gemeinnützigen Zielen nach.

Gemeinsam mit seiner Schwester Barbara Sichtermann besucht Kai Sichtermann, Gründungsmitglied der legendären Band Ton Steine Scherben, zahlreiche Beteiligte, sodass Hausbesetzer selber die Geschichte des Häuserkampfes beschreiben und erklären können. So handelt es sich bei „Das ist unser Haus“ um ein Lese-, Bilder- und Geschichtsbuch mit bemerkenswertem inhaltlichen Umfang. Erzählt wird auf abwechslungsreiche, informative, äußerst spannende und sehr beeindruckende Weise von verschiedenen Entwicklungen, Projekten, Ereignissen, Perspektiven und Zusammenhängen.
Beeindruckend sind nicht nur die vielen verschiedenen Textformate und Bildquellen, die einen tiefen Blick in die damalige Zeitgeschichte gewähren, sondern auch die Verknüpfung verschiedener Erfahrungen mit Theorien, Forderungen, Einstellungen, Ansichten oder Beobachtungen von Soziologen, Anwälten oder anderen Fachleuten.
Aus verschiedenen Blickwinkeln werden die Erfahrungen der Hausbesetzer gekonnt mit dem Zeitgeist und geschichtlichen Geschehen in Verbindung gesetzt, sodass man Stück für Stück an Zeitverständnis gewinnen kann.
Erwähnenswert finde ich zudem, dass viele unterschiedliche Quellen verwendet werden – so zum Besipiel Fotografien, Zeitungsausschnitte, Liedtexte oder aus Angst vor Unruhen nicht ausgestrahlte Radiobeiträge. Für mich gab es in dem Buch so viel zu entdecken – und ich bin schwer beeindruckt davon, wie viel Material in dieses Werk eingeflossen ist. Das ermöglicht auch das Weiterlesen, Recherchieren und Einlesen in verschiedene Bereiche. Auf diese Weise bin ich auf Bücher, die ich unbedingt noch lesen muss, Soziologen, mit denen ich mich nun genauer befassen möchte, Filme, welche ich anzuschauen habe und Lieder, die ich zur Zeit rauf und runter höre, gestoßen. Darüber hinaus finden derart viele Gebäude, Initiativen und Organisationen Erwähnung, dass man sich mit diesen und den von ihnen vertretenen Wertevorstellungen über das Buch hinaus noch eingänglicher zu befassen vermag.
Dennoch ist, sofern einen solche weiterführenden Recherchen nicht reizen können, genug Erklärung gegeben als das man das Gelesene auch so verstünde.
Sehr ansprechend ist für mein Empfinden darüber hinaus, dass die Thematik so umfassend behandelt wird. Es bildet sich ein stimmiges Gesamtbild und man kann sehr gut in das Buch abtauchen.
Fasziniert haben mich die vielen verschiedenen Ansatzpunkte, erwähnte Fachliteratur und sehr wissenschaftliche Argumentationsweisen. So wird der Leser ebenfalls für die Gegenwart sensibilisiert – denn das „Recht auf Stadt – Henri Lefebvre“ (S. 294) ist heute noch immer ein Thema angesichts steigender Mietpreise und Ähnlichem. Des Weiteren gibt „Das ist unser Haus“ wertvolle Denkanstöße zur Verhältnismäßigkeit der Mittel und anderen Themengebieten.

Alles in allem bin ich von diesem 300 Seiten umfassenden Buch mehr als begeistert. Es ist äußerst abwechslunsreich, informativ, spannend, anschaulich, strukturiert, gut recherchiert und verknüpft, sodass es einen tiefen Einblick in die Geschichte der Hausbesetzung – die bis heute andauert – bietet. Von mir gibt es daher eine klare Leseempfehlung und volle 5 Sterne!

5-Sterne

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📖 Rezension zu: „Meine Mini-Farm – Die neue Lust auf Land“ von Francine Raymond und Bill Mason

Meine Mini-Farm

Hält für absolute Einsteiger sicherlich wertvolle Tipps bereit.

Den Traum, Selbstversorger zu werden, können nur die wenigsten realisieren. Dennoch gibt es viele Möglichkeiten, auch in der Stadt seinen eigenen Kleinstbauernhof zu gestalten. Ob städtischer Gemeinschaftsgarten, Vorgarten, Balkone, Hinterhöfe oder Flachdächer eignen sich beispielsweise erstaunlich gut zm Bepflanzen. Und gut geplant, lassen sich selbst in einem mittelgroßen Garten glückliche Nutztiere halten – so beispielsweise kleine Geflügelrassen wie das Bantamhuhn oder die Zwergente. In diesem Buch sollen 25 wertvolle Tipps geliefert werden, wie man jeden Quadratzentimeter Fläche bestmöglich nutzt und so zum Mini-Farmer wird.
Zu Beginn befasst sich eine kurze Einführung damit, was man beim Erwerben von einem Stück Land beachten sollte, welche groben Ideen es zur Bewirtschaftung kleiner Flächen gibt oder wie sich Gärtner und Garten verändert haben.
Im Anschluss daran folgen verschiedene Praxistipps und Berichte mehrerer Mini-Farmer, wie sie sich ein Stückchen weit selbst versorgen. Ob vom Weg vom Banker zum Kleinbauern, davon, eine Pflanzentreppe zu bauen, seinen eigenen Obstgarten anzulegen, oder eine Brennesseljauche anzusetzen – in den Kapiteln „Weltweites Wachstum“, „Nicht alltäglich“, „Reiche Ernte“, „Landwirtschaft im Kleinformat“ sowie „Magische Verwandlung“ finden sich interessante Denkanstöße. Manches, wie die „Kartoffeln im Kübel“, wenn auch als Kartoffelkiste, oder eine „Pflanzentreppe“ aus dem Bereich des vertikalen Gärtnerns oder das Herstellen von Fruchtleder, sollten einem jeden, der sich bloß kurz mit dem Selbermachen, Urban Gardening oder Nutzgärten auseinandergesetzt hat, bereits ein Begriff sein. Sieht man dieses Buch allerdings als Werk für absolute Einsteiger, so finden sich sicherlich viele hilfreiche Anregungen, um die einem zur Verfügung stehende Fläche besser nutzen und bewirtschaften zu können.
Wenn man sich einen ersten Eindruck darüber verschaffen möchte, was so alles möglich ist, dürften die Ideen wie ein Vorgarten mit essbaren Blüten oder die Hühnerhaltung inspirierend sein und die Neugierde auf das Losgärtnern wecken.
Durch die Beispiele von Mini-Farmern wird dem Buch eine persönliche Note gegeben und man hat nicht das Gefühl, eine Sammlung von Ratschlägen durchzublättern. Zudem wird das Buch durch diese Passagen aufgelockert und zeigt dem Leser sehr viel anschaulicher als ausschließlich durch die Tipps möglich gewesen wäre, wie man seinen eigenen Weg gehen und seinen Traum von der (teilweisen) Selbstversorgung leben kann. Darüber hinaus wird das Vorgestellte für denjenigen, der zum ersten Mal nach Inspirationen sucht, so denke ich, greifbarer.
Ansprechend ist die Gestaltung des 160 Seiten umfassenden Buches, nicht zuletzt durch die 200 farbigen Abbildungen, die es einem ermöglichen, den Anleitungen besser zu folgen oder sich ein Bild von den Gärten, Dächern oder Containern, welche bewirtschaftet werden, zu machen. Außerdem hat man auf diese Weise stets etwas zu schauen und selbst beim Durchblättern bereits einen guten Überblick.

Alles in allem waren für mich leider nicht mehr sonderlich viele Ideen in diesem Buch neu, doch bin ich der Auffassung, dass man, sofern man sich der Thematik zum ersten Mal nähert, in diesem Buch kurz und bündig einige Denkanstöße erhält und zum Aktivwerden und Gärtnern ermutigt wird. Durch das Einbeziehen verschiedener Angehensweisen in Form von vorgestellten Mini-Farmern, erhält man ein Gespür dafür, dass man letztendlich genau seinen eigenen Weg finden und gehen kann, was einen motiviert, so viel wie nur eben möglich auszuprobieren und zu übernehmen zu versuchen. Das Buch ist angenehm zu lesen, da es immer wieder durch kleine Berichte zu den besuchten Kleinstbauernhöfen aufgelockert wird. Schön ist die Gestaltung mit zahlreichen Farbfotografien.

Somit kann ich „Meine Mini-Farm“ als ganz leichten Einstieg in die Thematik weiterempfehlen, für jeden, der sich mit dieser jedoch bereits etwas beschäftigt hat, dürfte nicht viel Neues vorgestellt werden. Allenfalls das Beschreiben der Kleinstbauernhöfen würde dann noch reizen.

3/5 Sternen

3-Sterne

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Liebster Award

titel1Vor einer ganzen Weile wurde ich von Mary und Lilian von Querbeez nominiert – vielen Dank an dieser Stelle. In der letzten Zeit, das habe ich ja mittlerweile schon ein paar mal erklärt, war ich ziemlich im Abi-Stress und bin deswegen nicht dazu gekommen, die Fragen zu beantworten. Jetzt habe ich aber endlich die Zeit dazu gefunden. 🙂

Zu aller erst die Regeln:

  • Danke der Person, die dich für den Liebster Award nominiert hat und verlinke ihren Blog in deinem Artikel
  • Beantworte die 11 Fragen, die dir der Blogger, der dich nominiert hat, stellt
  • Nominiere 5 bis 11 weitere Blogger für den Liebster Award
  • Stelle eine neue Liste mit 11 Fragen für deine nominierten Blogger zusammen
  • Schreibe diese Regeln in deinem Liebster Award Blog-Artikel
  • Informiere deine nominierten Blogger über den Blog-Artikel
  • Zusatz Regel für die Leser… Wenn jemand diese Regeln durch gelesen hat (nicht überflogen!), dann schreib das bitte sofort in die Kommentare!

Wieso hast du einen Blog angefangen?

Bücher habe ich schon immer geliebt und deswegen eines nach dem nächsten verschlungen. Irgendwann bin ich dann im Internet auf Buchcommunities gestoßen, über die man nicht nur Rezensionen verfassen, sondern auch mit anderen begeisterten Lesern in Kontakt treten konnte. Beides habe ich voller Begeisterung gemacht und dabei bin ich dann immer wieder über Blogger gestoßen. Kurz nachdem ich mir dann angeschaut habe, was ein Blog eigentlich genau ist, hatte ich bereits den Entschluss gefasst, selber einen zu betreiben. Ein ganz kleines Weilchen später habe ich meinen Blog ins Leben gerufen und freue mich noch immer riiiiesig darüber, bloggen zu können!

Was magst du an der Natur am liebsten?

Das ist eine schwierige Frage – nicht, weil mir nichts einfiele, sondern ganz im Gegenteil weil ich an ihr so vieles liebe. Für mich ist es großartig dem durch die Blätter eines alten Baumes wehenden Wind zu lauschen, sommerlich-warmen Regen auf der Haut zu spüren, ihn zu riechen und sachte niederprasseln zu hören. Schon solche Kleinigkeiten lösen in mir eine große Faszination und Bewunderung aus. Außerdem beeindruckt es mich zutiefst, wie vielfältig die Natur ist und dass man stets etwas Neues zu entdecken vermag, wenn man nur gut genug hinschaut. Dann liebe ich wie kraftvoll und ruhig sie zur gleichen Zeit sein kann, wie sie sich wandelt und dennoch beständig ist.

Was ist dein Traumberuf?

Eine weitere knifflige Frage, die ich mir in letzter Zeit aber auch häufiger stelle… Es gibt so viele spannende, reizvolle und vielversprechende Richtungen, welche ich mir einzuschlagen vorstellen kann. Der Beruf des Lektors spricht mich beispielsweise sehr an – auch wenn ich weiß, dass man da nicht fürs pausenlose Lesen bezahlt wird… 😀 Im Bereich der Psychologie zu arbeiten könnte ich mir auch vorstellen oder im Bildungswesen – da vor allem in der Erwachsenenbildung, weil ich mich selbst ja auch im Laufe meiner Arbeitsjahre weiterentwickeln mag. Allmählich muss ich da aber ja eine Entscheidung fällen… Nicht leicht. 🙂

Glaubst du, dass Träume Vorausdeutungen oder Ähnliches sind?

Manchmal habe ich den Eindruck, dass man aus seinen Träumen wirklich einiges erfahren kann. Ob man dazu Voraussagung sagen kann weiß ich nicht. Ich denke viel eher, dass man unbewusst Wahrgenommenes im Schlaf verarbeitet und so Dinge ausbaldowert, die wirklich in nächster Zeit eintreten können. Genauso gut können sie aber auch lediglich im Traum bleiben… Dennoch male ich mir gerne aus, wie es wäre wenn sich einer meiner Träume erfüllen würde, weswegen ich mich stets sehr freue, wenn ich mir einen habe merken können.

Was wolltest du schon immer einmal machen?

Ich wollte schon immer einmal mit einem alten VW-Bulli ans Meer fahren und am Strand übernachten. Ich wollte schon immer einmal ein Instrument richtig gut beherrschen. Ich wollte schon immer einmal ein gelungenes Buch veröffentlichen. Ich wollte schon immer einmal durch die Welt reisen. Mir würde noch reichlich mehr einfallen….

Was wolltest du schon immer einmal wissen?

Da ich extrem neugierig bin so einiges. 😀 Vielleicht nicht schon immer, aber sehr lange, frage ich mich, wie man für wirkliche Gleichberechtigung sorgen kann. Nur wird es arg schwer, darauf eine präzise und zufriedenstellende Antwort zu finden, die allgemeingültig ist.

Wie sieht unsere Welt in 20 Jahren aus?

Hoffentlich friedlich…

Hast du ein Lieblingswort?

Eins? Endoplasmatisches Retikulum hat meine Mutter mir schon extrem früh versucht beizubringen und alleine deswegen liebe ich es. Nyktophilie, Lichtspielhaus, Sommerregen oder Scintilla gefallen mir beispielsweise auch. 🙂

Sommer- oder Wintermensch?

Ich bin definitiv ein Sommermensch. 🙂

Schreibst du noch mit der Hand?

Sehr gerne sogar – ich liebe meine Füllfederhalter über alles. ❤

Glaubst du an den Verfall der deutschen Sprache?

An den Verfall nicht, an den Sprachwandel selbstverständlich. Selbst wenn mir einige ältere, aus der Mode gekommene Wörter äußerst gut gefallen. Solche wie Lichtspielhaus. 🙂

 

Meine elf Fragen lauten:

  1. Sagt dir Lyrik zu? Wenn ja: Was an ihr?
  2. Was fasziniert dich an Büchern besonders?
  3. Gibt es einen besonderen Ort, an dem du dich am liebsten aufhältst?
  4. Was würdest du gerne können?
  5. Wohin würdest du gerne reisen?
  6. Wenn du eine Sache in der Welt verändern könntest, was wäre das?
  7. Hast du ein Lieblingswort?
  8. Was ist deine Lieblingsnascherei?
  9. Bist du eher ein Morgen- oder ein Abendmensch?
  10. Hast du einen Lieblingsfilm?
  11. Was gefällt dir am Bloggen?

Ich nominiere:

  1. Jessy von heldenfuereinentag.wordpress.com
  2. Julia von weltentaucherblog.wordpress.com
  3. Franzi von buechereckenliebe.wordpress.com
  4. Lele und Laura von lifeofaboredgirl.wordpress.com
  5. Itchy von inspirierendefreigedichtung.wordpress.com
  6. Isa von isasbuecherregal.wordpress.com

Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mitmachen würdet. 🙂

Für alle, die bis hierher gelesen haben: Wie steht es mit euch? Vielleicht mögt ihr auch eure Antwort zur ein oder anderen Frage geben? Ich bin gespannt! 🙂

📖 Rezension zu: „Kritik der Vögel“ von Jürgen und Thomas Roth

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Ich hatte etwas anderes erwartet.

„In den Wäldern sind Dinge, über die nachzudenken man jahrelang im Moos liegen könnte.“ – Franz Kafka
In Zeiten, in denen von „fiesen Enten“ oder den „Ratten der Lüfte“ zu hören ist, bedarf es einer Richtigstellung. Diese soll in „Kritik der Vögel“ geliefert werden, indem verschiedene Fragestellungen rund um die besonderen Tiere beantwortet und ihre Besonderheiten erläutert werden. Klare und deutliche Antworten sind gefragt – und Jürgen und Thomas Roth versuchen sie zu geben.
Harpyie, Habicht, Nachtigall, Hühner, Adler, Pinguine, Zilpzalp, Dodo und viele Arten mehr werden in das Blickfeld gerückt, sodass aus den ca. 11.000 existierenden Vogelarten sehr unterschiedliche Exemplare ausgewählt worden sind.
Aus den unterschiedlichsten Bereichen werden Bezüge zur jeweiligen Vogelart hergestellt – beim Huhn beispielsweise zum Verrat an Jesus durch Judas, zu Cicero oder dem Gallischen Hahn. So erhält man viele Informationen aus Gebieten, die augenscheinlich zunächst wenig bis gar nichts mit Vögeln gemein haben. Allerdings, so muss ich gestehen, verlieren sich die Autoren hier eher in Belanglosigkeiten, welche mit der Thematik nur schwerlich vereinbar sind.

Der Klappentext hat mich sehr angesprochen, da er versprach, dass auf viele Fragestellungen, die sofort mein Interesse weckten, im Buch eingegangen würde. Darunter sowohl Fragen, die das Bild eines gewissen Vogels innerhalb der Gesellschaft, den Ursprung von Ausdrücken und Sprichwörtern oder das Verhalten der Vögel behandeln. „Dass nicht einmal Kant dazu etwas gesagt hat, unterstreicht die Dringlichkeit einer transzendentalbiologischen Kritik der Vögel, die mit klaren Urteilen und zugleich mit einem Größtmaß an Empathie nicht spart, was auch stille, andächtige Betrachtungen einschließt.“ Erwartet habe ich ein gleichermaßen unterhaltsames wie auch informatives Buch, welches mich den gefiederten Freunden ein Stückchen näherzubringen vermag.
Leider zog sich das Buch für mein Empfinden arg in die Länge und gab eher weniger Antworten auf naheliegende Fragen, als von mir erhofft. So musste ich das Werk immer wieder aus der Hand legen, da es mir andernfalls viel zu anstrengend und ermüdend geworden wäre. Viele der präsentierten Kenntnisse über Vögel dürfte der Leser bereits haben, andere, vornehmlich die Bezüge zu anderen Themengebieten, sind eher gekünzelt als gekonnt, was den Lesefluss sehr hemmt. Darüber hinaus vermag der Schreibstil nicht gerade Spannung aufzubauen oder aufrecht zu erhalten; ganz im Gegenteil ist das Buch sehr holprig und unzusammenhängend geschrieben, was spürbar anstrengt.
Ansprechend sind hingegen die Illustrationen F.W. Bernsteins, welche sich dem Stil der „Neuen Frankfurter Schule“ zuordnen lassen.

Alles in allem bin ich von dem 332 Seiten umfassenden Buch enttäuscht, da es nach meiner Auffassung nicht das eigentlich versprochene Thema behandelt und sich nur äußerst schwierig lesen lässt. Die Gestaltung hingegen ist gut und gelegentlich stößt man auf interessante und unterhaltsame Passagen.

Ich vergebe 2 von 5 Sternen

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📖 Rezension zu: „Stiefkind“ von S. K. Tremayne

Cover für Stiefkind

Was geschah mit Nina Kerthen?

Obwohl sie sich noch nicht sehr lange kennen, sind die 30jährige Rachel und der erfolgreiche Geschäftsmann David Kerthen verheiratet. Nun, es sind noch 178 Tage bis Weihnachten, versucht sich das ehemalige Arbeiterklassen-Mädchen aus Plumstead in dem großen Landsitz des Kerthen-Clans einzuleben. Doch der Landsitz der Familie, Carnhallow House, birgt etwas düsteres, weswegen die junge Dame mit keltischem Aussehen nicht so recht dort anzukommen scheint.
Dies mag aber auch an den Minen liegen, die seit Generationen im Familienbesitz liegen und die Kerthens zu einem nicht zu unterschätzenden Vermögen gebracht haben. Doch sind dort unten zahlreiche Unglücke geschehen – Arbeiter sind verletzt worden oder gar umgekommen und haben aufgrund der jahrelangen Belastung tödliche Atemwegserkrankungen davon getragen. Auch Davids erste Frau, Nina, verunglückte in der Morvellan-Mine unter mysteriösen Umständen bei Nacht in der Weihnachtszeit.
Aus dieser Ehe stammt Davids neun Jahre alter Sohn Jamie, für den Rachel eine unerklärliche und überwältigende Zuneigung empfindet, weswegen sie bemüht ist, ihm die perfekte Stiefmutter zu sein. Angesicht der Tatsache, dass er von dem plötzlichen Ableben seiner Mutter sehr stark traumatisiert zu sein scheint, ist dies allerdings schwieriger als gedacht. Besonders da Jamie, je mehr sich die Tage Weihnachten nähern, immer merkwürdiger wird: Er führt Gespräche mit seiner Mutter, meint sie zu umarmen, behauptet, sie würde wiederkehren und Ähnliches. Außerdem trifft er Vorhersagen für die Zukunft, die aus dem Nichts zu kommen scheinen und dann so auch geschehen. Rachel ist davon mehr als verblüfft und so schwankt sie zwischen Mitgefühl und Angst. Letztere beginnt zu überwiegen, als es beinahe so scheint, als würde Nina der Familie Botschaften zukommen lassen – mit einer klaren Ankündigung: Bald kommt sie zurück.
Sehr bald sogar, wie Jamie prophezeit. Und genau das bereitet Rachel panische Angst: Zu Weihnachten, so ihr Stiefsohn, wird sie tot sein. An ihrer Stelle wird stattdessen Jamies richtige Mutter wiederkehren und ihn nie mehr im Stich lassen.
Rachels Angst, wahnsinnig zu werden oder ihre Zeit mit einem wahnsinnigen Jungen zu verbringen, wächst stetig. Doch hat ihr Stiefsohn bereits die Zukunft vorhergesagt… Und beobachtet fühlt sie sich auch… Manchmal hört sie Stimmen… Sie birgt ein dunkles Geheimnis… Und die Leiche von Davids erster Frau ist niemals gefunden worden. Außerdem hat es vor dem Unfall, wie es heißt, in der Ehe von David und Nina zunehmend Schwierigkeiten gegeben…
Wem kann Rachel trauen? Und was wird an Weihnachten geschen? Wird sie sterben?

In der ersten Szene, in der Rachel mit David erscheint, waren mir beide extrem unsympathisch. Beide schienen äußerst lustbezogen und wenig erwachsen, weswegen ich mir nicht vorstellen konnte, mit ihnen noch warm werden zu können. Zum Glück änderte sich dies nach einer Weile, auch wenn meine Abneigung gegen David nur schwerlich abflauen konnte. Rachel wirkt im mittleren Teil des Buches dann doch relativ reif und ich konnte mich sogar gut in ihre Lage versetzen. Dennoch wurden nicht alle Gefühle  so nachvollziehbar geschildert, weswegen andere Charaktere und Rachel zu verschiedenen Zeitpunkten sehr viele Rätsel aufgaben.
Bei manchen Handlungssträngen dachte ich mir, dass jetzt ein bisschen zu viel in die Trickkiste gegriffen wurde, um den Spannungsbogen aufrecht erhalten zu können; vieles ließ mich das Buch jedoch nicht aus der Hand legen.
Dann geht es immer weiter auf Weihnachten zu und man hat als Leser bereits eine Vermutung, in welche Richtung es gehen könnte. Tatsächlich stimmte die grobe Richtung, ein paar andere Gegebenheiten und vermeidliche Sackgassen wurden im Anschluss allerdings wenig galant gelöst, sodass ich mit einem Gefühl der Unzufriedenheit zurückblieb und mich fragte, ob das nun alles gewesen sein sollte.
Der Schreibstil ist recht angenehm, wobei der Lesefluss stark von der Passage des Buches abhängt. So fiel mir der Einstieg schwer, der Mittelteil flog nur so dahin und das Ende war wieder mit Anstrengungen verbunden. Alles, was aus der Sicht Davids geschildert wurde, war für mich auf irgendeine Art und Weise unbefriedigend – mal fehlte mir ein Anlass für seine Gedanken, mal erschien er mir einfach vermessen und unverschämt und an anderer Stelle fragte ich mich, ob man diesen Abschnitt nicht hätte weglassen können.
Nach Beenden des Buches bleibe ich etwas enttäuscht zurück, da sich einige vielversprechende Handlungsstränge als nichtig, Aufgebauschtes als Banalitäten und die Charaktere als doch merkwürdig anders erwiesen haben. Zudem wirkt die Handlung nicht rund, sondern eher wie ein kleiner Flickenteppisch, an dem hier und da etwas ausgebessert worden ist oder dies vergessen worden ist.
Dennoch war ich im Mittelteil voller Eifer dabei, sodass ich auf 3/5 Sternen komme.

3-Sterne