📖 Rezension zu: „Matilda“ von Roald Dahl

Matilda by Roald Dahl

Ein wunderbares Buch, das mich so schnell nicht mehr los lässt!

Matilda Wormwood wächst in einer Familie auf, die kein Verständnis für sie hat. Ihr Vater, Harry Wormwood, ist Autohändler, wobei er bei der „Aufbereitung“ seiner günstig gekauften Gebrauchtwagen eher unmoralische Wege einschlägt. Er versteht nicht, warum seine Tochter seine Geschäftsmethoden nicht gutheißt. Außerdem wäre da Matildas Mutter, Mrs. Wormwood, die sich mehr für das Bleichen ihrer Haare, amerikanische Seifen-Opern und das Bingospielen interessiert, als für den Wissensdurst und die Begabungen ihrer Tochter. Micheal Wormwood, Matildas älterer Bruder, kann seine Schwester auch nicht verstehen, so sieht er zum Beispiel lieber Fernsehen, was auch von ihren Eltern mehr angesehen wird.

Doch auch wenn ihre familiären Vorraussetzungen nicht die besten sind, hat Matilda etwas ganz Besonderes an sich. Schon mit viereinhalb Jahren beginnt sie zu lesen, liest sich durch die gesamte Kinderbuchabteilung der städtischen Bibliothek und als sie dort jedes Buch durchegelesen hat, wird sie von der Bibliothekarin Mrs. Phelps unterstützt, sodass sie auch bald mit ihrem neu erworbenen Büchereiausweiß alle möglichen Bücher der Erwachsenenliteratur lesen kann. Besonders gerne liest das kleine Mädchen Bücher von Charles Dickens. „She went to Africa with Ernest Hemingway and to India with Rudyard Kipling. She travelled all over the world while sitting in her little room in an English village.“

Aber zunehmend regen sich ihre Eltern über Matildas Verhalten auf. Schließlich scheint das Mädchen überhaupt nicht in die Familie der Wormwoods zu passen- sie sieht ja nichteinmal gerne fern. Ständig wird Matilda von ihrem Vater als ignorant und Lügnerin bezeichnet, aber eines Tages reicht ihr das. Und somit beschließt dieses clevere Mädchen, sich an ihrem Vater zu rächen, dafür, dass sie immer nur behandelt wird, als wäre sie nichts wert. Die ungewönhlichen Streiche, die sie sich einfallen lässt, fassen ihre etwas begriffsstuzigen Eltern gar nicht als solche auf, verstehen gar nicht, wer für diese gewissen merkwürdigen Ereignisse verantwortlich ist.

Mit fünfeinhalb Jahren darf Matilda dann endlich zur Grundschule gehen, worauf sie sich schon sehr freut. Während ihre Klassenlehrerin Miss Honey die freundlichste Lehrerin ist, die sich Matilda nur vorstellen kann, ist die Schulrektorin, Miss Trunchbull, ein wahrhaftiges Monster. In ihren Augen wäre die bestmöglichste Schule eine, die ganz ohne Kinder auskäme. Alleine schon von ihrem äußeren Erscheinungsbild ist sie sehr respekt- und furchteinflößend: Als ehemalige Hammerwerferin bei den Olympischen Spielen besitzt sie einen stark trainierten und breiten Körper. Außerdem hat sie große Freude daran, die Schüler, die in ihren Augen nichts weiter als kleine armselige Würmer sind, zu bestrafen. Ob sie dabei die Kinder an den Ohren in die Luft zieht, Kinder an den Zöpfen hält und dann wie beim Hammerwurf um sich schleudert, um sie dann in einem hohen Bogen vom Schulgelände zu werfen, oder ob sie sie in den sogenannten Chocky, einer Art Schrank in dem die Kinder stundenlang eingesperrt werden und ohne sich bewegen zu dürfen stehen müssen, da sie sonst an die Glasscherben und Nägel an den Wänden kommen und sich verletzen würden, steckt, Miss Trunchbull hat große Freude am quälen anderer. Aber niemand wehrt sich gegen sie, denn welche Eltern würden ihrem Kind schon glauben, dass die Schulleitung sie so misshandelt? Und auch die Erwachsenen haben großen Respekt- und große Furcht- vor ihr.

Auch Miss Honey scheint sich vor Miss Trunchbull zu fürchten. Und als Matilda ihre telekinetische Begabung entdeckt und daraufhin ihrer verständnisvollen Klassenlehrerin davon berichtet, sieht diese das große Genie, das in Matilda steckt. Sie ist sehr reif für ihr Alter, kann Zahlen mühelos im Kopf multiplizieren und  liest Bücher, die andere erst im Erwachsenenalter lesen, und, was noch faszinierender ist, sie kann Dinge mit ihren Augen bewegen. Dabei hat Matilda kein großes Selbstwertgefühl und gibt nie mit ihren Fähigkeiten an. Nachdem Miss Honey Matildas uninteressierte Eltern kennenlernen durfte, beschließt sie, Matilda besonders zu fördern.

Doch Matilda wäre nicht Matilda, wenn sie nichts gegen die böse Schulleitung unternehmen würde, oder sich nicht Miss Honeys in der Vergangenheit liegenden Geheimnis annehmen würde…

 

Dieses Buch ist einfach wunderbar! Es ist humorvboll geschrieben, leicht verständlich und man fühlt sehr mit Matilda mit! Die Idee dieses Buches ist grandios und die Umsetzung ist ebenso fabelhaft! Jeder der es liest wird merken, dass dieses Buch nicht nur für Kinder geeignet ist! Außerdem sind die Charaktere sehr lebendig gezeichnet und die einzelnen Charaktere lösen so unterschiedliche Emotionen bei einem aus (vor allem Matildas Eltern hätte ich am liebsten einmal gründlich durchgeschüttelt..)!

Außerdem beinhaltet das Buch einige Aussagen, die man sich am liebsten aufschreiben und ganz lange behalten möchte! Aber auch Bemerkungen Matildas sind wunderschön. Da wäre zum Beispiel diese, die das Mädchen gut beschreibt: „I’ve always said to myself that if a little pocket calculator can do it why shouldn’t I?“

Ein ganz, ganz tolles Buch!!

5/5 Sterne

5-Sterne

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📖 Rezension zu: „Half Bad“ von Sally Green

Ein faszinierendes Buch, das einen lange nicht mehr los lässt!

Stell dir vor, deine Mutter hätte sich nach deiner Geburt umgebracht.
Stell dir vor, manche gäben dir die Schuld daran. Von klein auf.
Stell dir vor, du würdest einer Gesellschaft angehören, die größtenteils unentdeckt blieb. Als Hexer unter Fains.
Stell dir vor, dein Vater wäre der mächtigste dunkle Hexer und du hättest ihn noch nie gesehen.
Stell dir vor, alle sähen nur das Böse in dir, würden dich quälen und jagen.
Stell dir vor, du solltest deinen eigenen Vater töten.
Stell dir vor, du würdest in einem Käfig gefangen gehalten.
Stell dir vor, du müsstest dich immer verstecken.
Stell dir vor, deine letzte Chance wäre eine Schwarze Hexe, die Jungen isst.

Nathan Bryn ist ein Halfcode. Seine Mutter war eine weiße Hexe namens Cara Bryn, sein Vater, Marcus, wird für den mächtigsten und brutalsten schwarzen Hexer gehalten. Gejagt. Nathan hat das Aussehen von seinem Vater: Die schwarzen Augen, die dunklen Haare, die olivfarbene Haut. Alle sehen nur das Böse in ihm, sehen das, was er von seinem Vater hat.
In der Gesellschaft der Hexen werden die Mitglieder in verschiedene Kategorien eingeteilt, so gibt es die Weißen Hexen, die Schwarzen Hexen, die Halfcodes, die weder Weiß noch Schwarz sind, und die Halfbloods, deren eines Elternteil eine Hexe, bzw. ein Hexer, ist, während das andere Elternteil den Fains, den Nichthexen, angehört.
Die Weißen Hexen werden als die Guten gehandhabt, somit sitzen auch nur sie in dem Hexenrat. Die Schwarzen Hexen und Hexer werden gequält und dann getötet. Selbstverständlich von den guten Weißen Hexen. Die Halfbloods werden ebenfalls verachtet und nicht anerkannt.
Schon sehr früh leidet Nathan darunter, ein Halfcode zu sein. Nur ein paar Verwandte halten zu ihm, während er von den jugendlichen Weißen Hexen an seiner Schule nur als der Abschaum betrachtet wird, der gefoltert oder ganz ausgelöscht gehört.
Der Hexenrat bestimmt Nathans Leben. So erhält er regelmäßig Benachichtigungen des Rates, die neue Regeln und Einschränkungen beinhalten. Demnach darf er sich zum Beispiel nirgendwo ohne die Erlaubnis des Hexenrates aufhalten, er darf keinen Kontakt zu Weißen Hexen und Hexern halten, was ihm besonders schwer fällt. Denn Annalise ist eine weiße Hexe. Sie scheint ihn zu verstehen, sieht das Gute in ihm. Doch hat diese Liebe keine Chance..
Alle Hexen und Hexer müssen durch den Hexenrat kodifiziert werden, was heißt, dass bestimmt werden muss, ob sie eine Schwarze Hexe, ein Schwarzer Hexer, eine weiße Hexe, ein Weißer Hexer, oder ein Halfblood sind.
Erst einmal als solche gekenntzeichnet werden die Schwarzen Hexen und Hexer nach Tagen der Folter, wenn sie vollkommen am Ende sind und sich nichts sehnlicher als die Erlösung von diesen Qualen wünschen, getötet. Der Tag der Festlegung rückt immer näher. Für Nathan eine womöglich tötliche Deadline.
Doch Nathan selbst sieht sich nicht als böse. Schließlich liegt der Grund dafür, dass er sich manchmal nicht beherrschen kann darin, dass er verletzt, beschimpft, gequält und ausgestoßen wird. Er muss sich doch wehren dürfen.
Aber selbst verständlich darf er das nicht. Schließlich fließt auch das Blut seines Vaters in ihm.
Nathans Leben wird durch den Hass der anderen auf ihn geprägt.
Und schon früh bekommt er zu spüren, was (für eine mögliche Gefahr) ein Halfcode dem Hexenrat bedeutet. Denn schon mit 14 Jahren wird er gefesselt in einen Käfig gesperrt und muss täglich kämpfen, bis zu seinem Limit und darüber hinaus gehen…
Doch scheint er dem Hexenrat auch von Nutzen zu sein, denn eine Prophezeiung besagt, Nathan würde mit dem mächtigen Schwert Fairborn seinen Vater töten. Für Nathan ist es also eindeutig, dass er fliehen muss, da er niemanden, besonders nicht seinen Vater, töten könnte, da er glaubt, dass auch Marcus von den Weißen Hexen lediglich nicht richtig verstanden wird.

Aber Nathan muss auch gegen seinen eigenen Körper kämpfen, denn auch wenn sein Geist der eines Weißen Hexers zu sein scheint, ist sein Körper eher der eines Schwarzen Hexers. Nathan kann demnach Wunden sehr schnell heilen, sogar für Hexenverhältnisse, er kann nachts nicht in Räumen schlafen, da er sonst krank und verrückt wird; er braucht die Freiheit der Natur.

Ein weiteres Problem: Eine Hexe oder ein Hexer stirbt, wenn er an seinem 17. Geburtstag keine Gaben von Verwandten erhält. Seine Mutter- tot. Sein Vater- ohne sichtbares Intresse für ihn.
Die einzige, die ihm helfen kann: Die jungenessende Schwarze Hexe Mercury.
Doch ist es ein weiter, beschwerlicher Weg zu ihr, dessen Bewerkstelligung mehr als fraglich ist.

„Half Bad“ ist ein wirklich ausgesprochen spannendes, durchdachtes und packendes Buch! Schon von der ersten Seite an fühlte ich mich in die Geschichte gezogen, denn die Atmosphäre, die Ängste, die Qualen, die Wünsche von Nathan sind in diesem Buch wunderbar eingefangen. Der tolle Schreibstil Sally Greens lässt den Leser so nah wie es nur eben geht an Nathan heran, sodass man mit ihm fühlt und ihn versteht.
Es ist auch faszinierend, wie sich Nathan im Laufe der Jahre weiterentwickelt und beeindruckend, Veränderungen zu bemerken und die Auswirkungen von Gewalt und Diskriminierung auf ihn beobachten zu können. So ist Nathan zum Beispiel manchmal der absolute Antiheld.
Einige Szenen riefen bei mir als Leser eine enorme Wut auf die Weißen Hexen hervor, da sich im Verlaufe des Buches immer häufiger die Frage stellt, ob denn wirklich die von den Weißen Hexen gejagten Schwarzen Hexen die Bösen sind, oder nicht die Weißen Hexen das wahre Übel sind.
Schließlich haben sie ganze Abteilungen in ihrem Hexenrat, die sich mit der Folter und Tötung Schwarzer Hexen beschäftigt, Berufe wie die der Jäger, die Schwarze Hexen aufspüren sollen. Außerdem scheinen sie sich über alle anderen zu stellen, sich für etwas deutlich Besseres zu halten und nutzen ihre Machtposition gehörig aus.
Da das Buch aus Nathans Sicht geschrieben worden ist, ist man nicht nur sehr nah an seinen Gedanken und Gefühlen, sondern ist zu Beginn des Buches genauso unwissend wie er und erfährt erst nach und nach, weswegen sich wer wie verhält.
Auch wirft dieses Buch die Frage auf, wie viel Böses in einem selber steckt, wie viel Böses normal ist und was einen überhaupt böse macht.
Ich bin auch ganz begeistert von der so real wirkenden Welt, die die Autorin in diesem Buch aufgebaut hat, da diese in sich sehr schlüssig ist und einen so wie sie beschrieben wurde, selbst umgeben zu können scheint.
Die Sprache ist sehr gut verständlich, auch die von der Autorin erfundenen Wörter stellen keine große Herausforderung dar.

Ich kann dieses Buch wirklich sehr weiter empfehlen, da es nicht nur spannend und packend ist, sondern einen lange nicht mehr los lässt, zum Nachdenken anregt und einen beim Lesen in eine magische Welt entführt. Auch für jemanden, der schon länger kein englisches Buch mehr gelesen hat, oder sich das erste mal an einem versuchen möchte, sollte dieses Buch dringend lesen!

5/5 Sterne

5-Sterne

📖 Rezension zu: „Bittersweet“ von Miranda Beverly-Whittemore

Was würdest du geben, wie viel Böses würdest du vergessen, um dazuzugehöhren?

Geneva Winslow, von ihren Freunden Ev genannt, ist auf dem College Mabels Zimmergenossin. Die beiden könnten unterschiedlicher kaum sein, so scheint es, denn während Mabel aus eher ärmlichen Verhältnissen stammt, ist Ev Teil der extrem reichen Winslow-Familie. Auch bewundert Mabel Evs wunderschönes Aussehen, ihre allgemeine Beliebtheit und, dass was sie selber nicht zu haben scheint, eine glückliche Familie- eine perfekte Familie.
Was sollten diese beiden Mädchen also schon gemeinsam haben? Unüberwindbar erscheinen Mabel die Unterschiede, die sie trennen. Doch womit sie nicht gerechnet hätte: Die beiden freunden sich an und schließlich läd die glamouröse Ev Mabel ein, die Ferien auf dem Landsitz der Familie Winslow in Vermont zu verbringen.
Als Mabel dort ankommt, ist sie schier überwältigt von dem, was sie erwartet. Dieses große Grundstück, Winloch, beherbergt nicht nur wunderschöne Häuser für alle Mitglieder der Winslow-Familie, sondern auch ein See, auf dem regelmäßig Segeltörns stattfinden, in dem man schwimmen kann, unberührte Natur, außergewöhnliche Tiere, oder die Feuerwerke am sternenklaren Himmel bei den Familienfeiern, geben Mabel das Gefühl, sie befände sich im Paradies. Ein Ort, der perfekter nicht sein könnte, inmitten einer perfekten Familie. In diesem Paradies scheint alles möglich, sogar die erste Liebe findet sie dort.
Doch dann werfen dunkle, abscheuliche Taten ihren dunklen Schatten auf dieses Paradies. Denn Mabel macht eine Entdeckung, deren furchteregender Beginn schon sehr lange zurück liegt.
Ein Geheimnis, das gravierende Auswirungen auf die heutige Zeit hat.
Ein Geheimnis, das von den Betroffenen unentdeckt hätte bleiben sollen.
Ein Geheimnis, das Mabel vor die Wahl stellt und sie zur Entscheidung zwingt.
Soll sie diese schrecklichen Taten aufdecken und damit für Gerechtigkeit sorgen?
Oder soll sie die dunklen Geheimnisse der Familie bewahren, darüber schweigen, was sie weiß, damit sie nicht aus dem Paradies vertrieben wird?
Noch nie wurde die so durchschnittlich wirkende Mabel einfach so wie sie ist akzeptiert und wertgeschätzt.
Allerdings verändern sich auch die Familienmitglieder zunehmend, denn wer will schon, dass sein längst vergessen geglaubtes, dunkles Geheimnis wieder ans Tageslicht gezerrt wird?
Es wird eine schwere Entscheidung für Mabel werden. Denn was kein Geheimnis ist, ist, dass sich Menschen nur allzu schnell an Privilegien und Glück gewöhnen, sich daran festhalten und es nie wieder loslassen wollen, wenn sie es erst einmal genossen haben. Doch sagt einem das eigene Moralverständnis, dass solch ein Geschehen unaufgedeckt nicht bleiben darf.
Darüber hinaus wurde Mabel auch in Aussicht gestellt, dass sie ihr Leben lang zusammen mit Ev in dem wunderschönen Haus namens Bittersweet leben könnte. Ewig im Paradis zu bleiben oder für die Wahrheit aus diesem vertrieben zu werden, dass sind die offensichtlichen Möglichkeiten..

Im Verlaufe des Buches habe ich immer wieder meine Sicht auf die Charaktere ändern müssen, habe an ihrer Glaubwürdigkeit und Moral gezweifelt, war mir unsicher, ob ich nicht frühzeitig aus diesem „Paradies“ geflohen wäre. Auch der schwierige Weg Mabels auf der Suche nach dem Geheimnis ist sehr spannend, da man sich fragt welches zurückliegende Ereignis solche Auswirkungen haben kann.
Sehr interessant war es für mich auch zu sehen, wie sich Mabel verändert, je länger sie in dieser reichen Familie zu Gast ist. Was für die Winslows normal ist, scheint für Mabel das reinste Abenteuer, wobei ihre Versuche, sich der Familie anzupassen oder so zu wirken als gehörte sie schon immer zu ihnen, einen beim Lesen durchaus auch schon zum Schmunzeln bringen.
Das Buch steckt voller Wendungen, Doppelmoralen, spannender Charaktere. Die Atmosphäre, die im Buch erzeugt wird, wechselt immer wieder, sodass man als Leser Mabels Stimmungswechsel am eigenen Leib miterlebt. So ist man als Leser mal euphorisch, kann Mabels Tatendrang nachvollziehen und mitfühlen, dann ist man unsicher, wütend oder entsetzt.
Das Buch ist sehr packend geschrieben und man kann sich sehr gut in die Geschichte hineinversetzen.

Ich kann dieses Buch wirklich weiterempfehlen, da es spannend und berührend ist und zum Nachdenken anregt, denn was wäre es dir wert, was würdest du geben, wie viel Böses würdest du vergessen, um dazuzugehören? Oder würde dein Gewissen siegen?

5/5 Sterne 5-Sterne

📖 Rezension zu: „Die Königin der Orchard Street“ von Susan Jane Gilman

Die Königin der Orchard Street

Beeindruckender Roman!

Die junge Malka flieht im Jahre 1913 mit ihrer Familie aus Russland über Hamburg nach New York. Diese Entscheidung ist der Beginn für eine Reihe von Problemen, aber auch Chancen. So sind Malka und ihr Vater ganz angetan von der Idee, in Amerika das neue Glück zu suchen, reich zu werden, die Kultur zu genießen und ein besseres Leben führen zu können. Malkas Mutter und Schwestern jedoch glauben nicht an die Träumerein der beiden, denn schon bald erkennt die Mutter die schlechten Wohnverhältnisse und auch der furchtbare Gestank in den überfüllten Straßen New Yorks trägt nicht zum Bessern ihrer Stimmung bei.
Das Leben im Land der tausend Möglichkeiten stellt sich als hart heraus: Malka und ihre Geschwister Bella, Rose und Flora müssen arbeiten gehen, da der Familie das Geld fehlt und sie es sich nicht leisten können, dass einer nicht für Geld sorgt. Aber die beiden jüngsten Kinder, Malka und Flora finden keine feste Anstellung und so beginnt Malka zu lernen, wie sie sich in ihrem Viertel durchschlagen kann.
Doch dann sorgt ein schrecklicher Unfall dafür, dass sich für Malka erneut alles ändert. Sie kann kaum noch laufen, wird deswegen, schließlich ist sie nun arbeitsunfähig, von ihrer Mutter verstoßen, und wird dann von Papa Dinello aufgenommen. Der Italiener weiht die kleine Malka in das süße Geheimnis der Eiscreme ein.
Nun beginnt Malkas beschwerlicher und harter Weg, von dem armen jüdischen Mädchen, hin zur berühmten und wohlhabenden Lillian Dunkle- der Eiscremekönigin von Amerika, Herrscherin über ein Eiscreme-Imperium.

Die erzählte Geschichte erstreckt sich auf  550 Seiten über ganze 70 Jahre. Dabei erfährt man einiges über die Geschichte Amerikas, die zum teil sehr stark mit Malkas Leben verknüpft ist, ihre Entscheidungen und Pflichten bestimmt und immer wieder alles umwirft. Hierbei merkt man, dass sich die Autorin Susan Jane Gilman sehr mit der amerikanischen Geschichte auseinandergesetzt hat. Zum Beispiel, dass das amerikanische Militär zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs der größte Eiscremeproduzent war, oder wie es dazu kam, dass Eiscreme die Schuld an Polio zugeschrieben wurde, wird hier genau und nachvollziehbar erklärt.
Sehr spannend ist es auch, sich mit Malka als der perfekten Antiheldin auseinanderzusetzen.  Da das Buch abwechselnd aus ihrer Sicht als Malka Treynovsky zu Kinderzeiten und als Lillian Dunkle als mittlerweile in die Jahre gekommene Dame geschrieben ist, merkt man sehr schnell die unterschiedlichen Charaktereigenschaften dieser einen Person.
So mag Lillian zum Beginn des Buches noch sehr unsympathisch wirken: Herzlos, mit unangenehmen Lieblingsflosken, die schließlich beginnen zu nerven. Doch je mehr man von ihrer Geschichte erfährt, desto mehr kann man ihr Verhalten und auch ihr Denken nachvollziehen. Sie hatte es definitiv nicht leicht und musste Entscheidungen fällen, die ich nicht hätte treffen müssen wollen. Und man merkt, dass sie in Wirklichkeit verletzlicher ist, als man zu Beginn dachte..
Ich mag es sehr, wenn ich beim Lesen eines Buches Veränderungen im Charakter der Personen erkennen kann und diese gab es hier wirklich in einer Vielzahl. Nicht nur Malkas, bzw. Lillians, Charakter hat sich stetig entwickelt, auch meine Sicht auf diesen wurde eine andere.
Das konnte mich wirklich sehr beeindrucken!

Auch der Schreibstil ist sehr besonders: Ausgesprochen farbenfroh, detailverliebt, manchmal träumerisch wird alles so beschrieben, dass ich mich beim Lesen in das Buch gezogen fühlte. Ich konnte mir die Gerüche und die Geschmäcke vorstellen und hatte ein klares Bild von den Orten an denen sich Malka (oder später Lillian) aufhielt, im Kopf. Es war wirklich faszinierend, wie nah man beim Lesen am Geschehen war!
Und nicht nur Malkas Charakter ist genau gezeichnet, auch die anderen Personen werden genau beschrieben, sodass man sie sich sehr gut vorstellen kann. Außerdem erscheinen sie sehr realistisch.
Darüber hinaus finde ich die Idee des Buches sehr gelungen, eine Antiheldin in den Fokus zu stellen, über die man erst mehr erfahren muss, um sich ein Bild zu ihr machen zu können. Jemanden seine Geschichte erzählen zu lassen: Ohne etwas weg zu lassen, ohne etwas zu verschönern, aber doch sprachlich in einer sehr anmutigen Art. Jemanden, der eigentlich keine Kinder mag, mit diesen arbeiten zu lassen. Zu zeigen, wie jemand mit Enttäuschung, Frustration und Wut umgeht und welche großen Dinge daraus enstehen können, aber auch welche Schattenseiten dies birgt.

Man erfährt in diesem Buch so unglaublich viel, schließlich wird hier beinahe das ganze Leben eines Menschen und eine Erzählung, die der amerikanischen Geschichtliche folgt, erzählt. Für dieses Buch sollte man sich wirklich Zeit lassen! Ich denke, man hätte die Geschichte auch etwas kürzer fassen können, aber dennoch wirkt sie so rund und in sich schlüssig, dass mir die vielen Seiten kaum etwas ausgemacht haben.
Ich habe mich gefreut, in diese andere Zeit eintauchen und sie so lebendig „erleben“ zu können.

Ich kann jedem, der sich von einem Buch mit vielen Seiten nicht abschrecken lässt, empfehlen, dieses Buch zu lesen, da es spannend, informativ und wunderbar geschrieben ist und darüber hinaus zeigt, wie sich Menschen verändern und was gewisse Ereignisse in ihnen auslösen können. Es ist auch ein Buch über die Erreichung großer Ziele, über Macht und Misserfolge, über Zorn und Rache, über Schuldgefühle und Ängste und über Liebe und Hass. Ein überwältigender Debütroman!

5/5 Sterne

5-Sterne

🏆🏆 Wahl der BücherTreff Leserlieblinge 2014 🏆🏆

Bereits seit 2005 wählen die Mitglieder des BücherTreffs ihre besten Bücher des Jahres.  Jedoch wurde nun der Name von Bookie-Buchpreis zu „BücherTreff Leserlieblinge“ geändert, da man aus dem bisherigen Namen nicht erkennen konnte, wer eigentlich entscheidet, welche Bücher die besten des Jahres werden. Denn keine Redaktion oder Jury bestimmt die Lesehighlights des Jahres, sondern echte Leserinnen und Leser.

 

Abstimmung der BücherTreff Leserlieblinge 2014

Wie funktioniert es?

Auf der Award-Seite (-> klick ) kannst du zwischen allen Buchvorschlägen deine Favoriten wählen. Die Abstimmungsphase läuft vom 06.04. bis 19.04.2015. Die Ergebnisse werden erst nach Wahlende bekanntgegeben, damit es bis zum Ende spannend bleibt. Pro Kategorie hast du eine Stimme.

Die acht Kategorien:

  1. Erzählungen (inkl. Kriegs/Politromanen)
  2. Fantasy
  3. Historische Romane
  4. Jugendbücher
  5. Krimis/Thriller (inkl. Horror)
  6. Liebesromane
  7. Sachbücher (inkl. Biographien)
  8. Science Fiction

award

Habt ihr schon abgestimmt? Wenn nicht wird es Zeit!

🐤 🐤 Osterküken 🐤 🐤

Zutaten:

  • 1 hartgekochtes Ei
  • ein Stück Möhre
  • Pfefferkörner

So geht’s:

1. Das hartgekochte Ei zunächst vorsichtig schälen.

Essen 782

2. Nun ganz vorsichtig mit einem Messer Zacken in das Eiweiß schneiden, sodass es wie eine aufgebrochene Schale aussieht.

Essen 786

3. Ganz vorsichtig die größere Hälfte vom Eigelb lösen, die kleinere als Eierschalenkuppe lassen.

Essen 791

4. Jetzt aus einem Stück Möhre den Schnabel schneiden. Dazu einfach eine Scheibe von der Möhre abschneiden und eine leichte Y-Form schneiden. Dann vorsichtig in das Eigelb drücken.

Essen 795

6. Zwei Pfefferkörner als Augen in das Eigelb drücken, dann das Küken in die größere Eiweißschale setzen.

Essen 805

7. Anschließend den Boden des Eis gerade schneiden, sodass das Küken besser stehen kann.

Essen 823

Fertig!

Essen 832

🐤 🐤 Viel Spaß beim Nachmachen! 🐤 🐤