📖 Rezension zu: „Lokal – Das Kochexperiment“ von Georg Schweisfurth

Lokal

Ein sehr empfehlenswertes Kochlesebuch!

Was vor nicht einmal vierzig Jahren gang und gäbe war, scheint heute nur schwerlich umsetzbar: Obst, Gemüse, Getreide, Milch oder Fleisch aus der eigenen Region zu beziehen. Das Prädikat „regional“ ist schon längst ein viel weiter gedehnter und kommerzialisierter Begriff als früher und nur mühsam zu durchschauen, da vieles als regional Angepriesene gar nicht regional ist.
Die beiden Freunde Georg Schweisfurth und Simon Tress machen sich daher gemeinsam auf die Suche nach dem echten, lokalen Geschmack. Deswegen reisen sie an elf ganz unterschiedliche, über das Internet zuvor vorgeschlagene, Orte in Deutschland, Österreich, Südtirol und der Schweiz. Nur mit einem Sack guten Salzes ausgestattet haben sie sich die Regel auferlegt, nur Lebensmittel aus einem Umkreis von maximal 15 Kilometern zu verwenden. Auf das Zubereiten folgt das gemeinsame Essen mit einigen Gästen.
Nacheinander werden so Gammertingen, Heilbronn, Berlin, Frankfurt, Lech, Wien, Bremen, Gladbeck, Mühlbach, Arth und Bischofsheim besucht. Das von den Autoren als „Kochlesebuch“ beschriebene Werk beginnt mit einer Einführuing, welche die Beweggründe für die Lokal-Challenge umfasst , die besonderen Momente aufzeigt und eine gute Einstimmung ermöglicht.
Am liebsten würde ich auf jeden einzelnen Halt eingehen und somit zu jedem Kapitel etwas schreiben. Da dies allerdings zu einer äußerst langen und vielleicht zu ausführlichen Rezension führen würde, werde ich darauf verzichten.
Die Kapitel beginnen stets mit einer kurzen Beschreibung der Region, einer Art Reisebericht und verschiedenen Stationen, welche das Duo aufsucht. So beispielsweise den „Heidäckerhof“ in Hohenstein (S.20), wo die euterfrische und unbehandelte Kuhmilch für den Zickleinschlegel (S.44, ff.) besorgt wird. Diese einzelnen Stationen sind sehr interessant beschrieben und es macht Spaß die Autoren auf ihren Entdeckungsreisen zu begleiten. Auffällig ist, dass sowohl in ländlicheren als auch in städtischen Gebieten zahlreiche Möglichkeiten regionaler Nahrungsmittelbersorgung zu finden sind. Die Adressen der Bioerzeuger werden ebenfalls angegeben, sodass man, sofern man in der Nähe wohnt, diese aufsuchen kann. Allerdings liefern diese Anlaufstellen auch Denkanstöße, um selber vergleichbare Möglichkeiten zu finden. Zusammen mit Interviews mit Menschen, die Wert auf gute und nach ökologischen Grundsätzen hergestellte Lebensmittel legen, sind die Kapitel sehr lebhaft und lebensnah gestaltet, sodass selbst das reine Schmökern bereits eine Freude bereitet.
Selbstverständlich folgen danach die Rezepte, wobei stets mehrere Gänge vorgestellt werden. Diese lassen auch nichts zu wünschen übrig, da für wirklich jeden Geschmack sehr reizende Köstlichkeiten zu finden sind. Die Rezepte sind äußerst verständlich geschrieben, auch Abwandlungen werden erklärt, sodass keine Fragen offen bleiben. Man merkt, dass das Duo den guten und hochwertigen Zutaten mit den Gerichten gerecht werden wollte – und dies ist ihnen vorzüglich gelungen.
Äußerst ansprechend ist zudem die Gestaltung des Buches, vor allem da viele Schwarzweiß- und Farbfotos diesem Werk Leben einhauchen und die Lust, nachzukochen, steigern.
Darüber hinaus lässt sich das Buch sehr angenehm lesen, da der Schreibstil locker gehalten ist und viele Beobachtungen, Gespräche und Ähnliches eingebracht werden. Das ist sehr spannend und bleibt stets kurzweilig.
Besonders konnten mich die Rezepte „Kartoffel-Brennnessel-Stampf (mit Pastinaken, Kürbis und Gierschpüree)“ (S.74-77), „Walnussküchlein (mit Kiwanos und Honigbaiser)“ (S.196-198), „Forelle & karamellisierte Radieschen (mit Trauben- und Apfelreduktion, Asiasalat und frittierten Brennnesseln)“ (S.288,f.) sowie „In Honig karamellisierter Rhabarber & Apfel (mit Kastanienmus, Salbei-Minz-Pesto und Apfelringen)“ (S.293-295) begeistern. Allerdings war ich über den doch sehr hohen Fleischanteil überrascht und muss gestehen, dass gerade Rezepte für Innereien nicht meinen Geschmack treffen. Dies ist jedoch meinen persönlichen Vorlieben zuzuschreiben…
Sehr gelungen ist meines Erachtens auch die Idee, dass bei jedem Rezept die Koordinaten angegeben und im Inhaltsverzeichnis auch die Entfernungen in Kilometer jeweils ab München zu finden sind.

Alles in allem ein empfehlenswertes Kochlesebuch!

5-Sterne

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📖 Rezension zu: „Die Wahrheit“ von Melanie Raabe

DIE WAHRHEIT

Viele Widersprüche und Logikfehler…

Sarahs Mann, Philipp Petersen, verschwand vor sieben Jahren auf einer Geschäftsreise in Südamerika. Er war vom Hotel aus alleine losgegangen, um einen Investor zu treffen – doch er erreichte ihn nie. Seine Ehefrau hält aber noch immer an ihm fest, weswegen sie nur langsam und unter großer Anstrengung Veränderungen ertragen kann. Die langen Haare kurz geschnitten und einen Kollegen, der in sie verliebt ist, scheint es, als würde endlich ein neuer Lebensabschnitt beginnen. Die alleinerziehende Mutter beginnt wieder mehr zu leben…
Doch dann erreicht sie ein alles verändernder Anruf: Philipp ist aufgetaucht. Er lebt. Allerdings möchte er weder mit ihr skypen, telefonieren oder sonst Kontakt aufnehmen, noch möchte er, dass der gemeinsame Sohn ihn mit vom Flughafen abholt. Sarah stimmt dies ein wenig skeptisch, sie ist von der Nachricht aber viel zu aufgewühlt als dass sie sich irgendwelche Gedanken machen könnte.
Auch wenn die 37jährige auf Philipps erste Bitte eingeht, nimmt sie ihren Sohn Leo dennoch mit. Endlich wird er seinen Vater sehen; immerhin kennt er ihn so gut wie gar nicht, da er dafür noch zu jung ist.
Voller Aufregung und Vorfreude blickt sie dem Tag entgegen, an dem sie ihren Mann wiedersehen soll. Und als dieser kommt, das Flugzeug zur Landung ansetzt, Passagiere aussteigen, das Blitzlichtgewitter der Fotografen beginnt und alles nur viel zu warm und stickig wird, kann sie es kaum glauben: Offensichtlich war Philipp nicht an Bord… Erst glaubt sie an eine große Verwechslung oder einen gewaltigen Irrtum, solange, bis ein Mann vor ihr steht und behauptet ihr Mann zu sein.
Aus lauter Verwirrung bringt sie kein Wort des Protestes heraus; auch dann nicht, als der Fremde Leo hochhebt und seelenruhig in die Kameras blickt. Sarah ist klar, dass diese Person gefährlich ist und etwas im Schilde führt. Deswegen und weil der Fremde es vorab so gewünscht hat, verbringt Leo die nächste Zeit bei seinem besten Freund.
Zuhause angekommen bricht Sarah zusammen: All die Hoffnung, all das Bangen und Warten all die Jahre lang – und nun diese Enttäuschung. Worum geht es dem Fremden? Um Geld? Er spielt mit ihr, so viel ist klar. Doch je mehr sie andere von der falschen Identität des Mannes zu überzeugen versucht, desto weniger Menschen glauben ihr. Die wenigsten aus ihrem Freundes- und Bekanntenkreis kennen Philipp, weswegen der Hochstapler freies Spiel hat. Nur Philipps Mutter oder ein Nachbar, der Herrn Petersen schon als kleinen Jungen kannte, erkennen den Betrüger als solchen. Doch ist das nicht von Belang…
Der Fremde weiß etwas aus Sarahs Vergangenheit, dass sie daran hindert zur Polizei zu gehen. Etwas Dunkles lauert in der Vergangenheit. Niemals darf es ans Licht gezerrt werden. Kann sich Sarah dennoch von dem Mann befreien?
„Erstens, denke ich: Ich bin eine Betrügerin. Zweitens: Ich habe jemanden umgebracht. Drittens: Ich habe ein Tattoo an einer verborgenen Stelle. Eines davon ist gelogen.“ (S.37)

Nachdem ich auf der Buchmesse eine Lesung der Autorin verfolgen konnte, war ich auf „Die Wahrheit“ ganz gespannt. Der große Hype um das Buch trug sicherlich noch zu meiner Neugierde bei, allerding muss ich gestehen, dass ich von diesem Werk etwas enttäuscht bin…
Ein Grund wären die groben Logikfehler, die gar nicht so viel zur Handlung beitragen, aber dennoch stören. So möchte der Fremde Sarah beispielsweise tagelang auf etwas in ihrer Vergangenheit aufmerksam machen – etwas, wegen dem er sich in ihrem Haus einnistet. Er möchte die Wahrheit über das Schlimmste, was Sarah jemals in ihrem gesamten Leben getan hat, erfahren. Sarah zermartert sich das Hirn und kommt einfach nicht darauf, was dieser Mensch wohl meinen könnte. Merkwürdig, denn abgesehen davon, dass selbst die besten Verdrängungsmechanismen nur schwerlich derart gute Arbeit leisten könnten ein so großen Kapitel aus ihren Erinnerungen zu verbannen, hat sie bereits in den ersten Kapiteln gezeigt, dass sie sich erinnert. Da spielt sie nämlich nicht nur auf besagte Handlung an, nein, sie nennt sie auch genau. Das passt einfach nicht… Ebenso unmöglich ist es, dass ein im Garten vergrabener Ehering ca. 200 Seiten später aus der Schublade genommen wird.
Ein anderer Grund wären die groben Logikfehler, die die gesamte Handlung überhaupt ermöglichen. Hierauf kann ich leider nur ungenau eingehen, um nicht zu viel zu verraten. Nur so viel: Menschen schrumpfen nur sehr selten (in jungen Jahren) mehrere Zentimeter, wechseln die Augenfarbe oder Ähnliches… Ich muss mich wirklich beherrschen, nicht weiter auszuholen…
Möglicherweise lässt sich meine Enttäuschung auch damit begründen, dass die Figuren zu einem guten Teil nicht stimmig sind. Da wenige Kapitel aus der Sicht des Fremden geschrieben sind, erhält man einen Einblick in seine Gedanken und Gefühle, die aber nur schwerlich mit der Lösung des Falles vereinbar sind.
Zugute halten muss man dem Buch hingegen, dass die Idee des Werkes wirklich vielversprechend ist. Über einen längeren Zeitraum wird Spannung aufgebaut, Knoten und Verpflechtungen entwickelt, die am Ende aber nicht gekonnt gelöst, sondern gewissermaßen einfach durchgeschnitten wurden. Das Ende war viel zu abrupt, zu unrealistisch, zu simpel und daher sehr enttäuschend. Prinzipiell ist es ja kein Hexenwerk, die Neugierde und das Misstrauen des Lesers zu wecken: meines Erachtens anspruchsvoller ist es da eher, das Gewirr aus Handlungssträngen und falschen Fährten zum Schluss so zu lösen, dass ein schlüssiges Konstrukt entsteht. Wenn man um das Ende weiß und das Buch nochmal überdenkt, muss es Sinn ergeben. Dem war hier leider nicht so… Ein derart konstruiertes Ende zieht das ganze restliche Buch in meinen Augen mit runter…
Dabei war das Buch sonst angenehm zu lesen, da der Schreibstil ansprechend ist. Zwar hat es manchmal seine Längen – allgemein wären 100 Seiten sicherlich problemlos einsparbar gewesen – aber auf diese Weise erhält man auch viele Einblicke in das (Familien-) Leben von Sarah. Schade ist meines Erachtens jedoch, dass immer wieder, teilweise beinahe krampfhaft, Beweise, Untermauerungen, Indizien, Fallen, Irreführungen, Wendungen oder Dergleichen aus dem Ärmel geschüttelt werden, aber stets belanglos bleiben. Hin und wieder stolperte ich über die ein oder andere Ausdrucksweise wie „Es machte mich lächeln“… Noch immer bin ich mir nicht sicher ob das als Faust-Anspielung gedacht war… Wohl eher nicht…
Die Charaktere sind sehr unterschiedlich. Auch von Szene zu Szene… Sarah ist mal stark, unglaublich tough und eine Kämpfernatur, dann kann sie vor lauter Stress und Übelkeit das Badezimmer gar nicht mehr verlassen. Nun gut, man verhält sich ja nicht immer gleich. Dass sie aber, kurz nachdem sie sich seelenruhig mit dem Fremden unterhalten hat, wie eine reizvolle Herausforderung für den nächsten Psychologen bewaffnet durch die Gegend eilt, ist dann schon wieder etwas abstrus…
Der Fremde bleibt sich allerdings auch nicht gerade treu und spielt – mit welchem Grund auch immer – mit der zunehmend von Leid erfüllten Sarah. Ich konnte mir kein schlüssiges Bild von ihm machen…

So beginnt „Die Wahrheit“ sehr spannend und weckt dank des Klappentextes die Neugierde des Lesers. Dieser muss dann zwar immer wieder längere Passagen abwarten bis wieder etwas geschieht, kann sich aber in der Zwischenzeit bereits einige Gedanken zur möglichen Auflösung des Falles machen. Diese werden aufgrund zahlreicher Fehlinformationen – und einiger Logikfehler – wohl eher nicht mit dem von der Autorin vorgesehenen Ende übereinstimmen. Auf diese langatmigeren Abschnitte folgen äußerst spannende, was zum Weiterlesen motiviert. Irgendwann hat sich die Handlung aufgrund der vielen falschen Fährten dann jedoch in eine Sackgasse manövriert, sodass keine plausible Möglichkeit mehr übrig bleibt – weswegen die Mauer am Ende der Straße sich plötzlich in ein „Kehren Sie zurück zum Los“-Feld verwandelt. Das Buch hört wirklich sehr enttäuschend auf und lässt den Leser fassungslos mit einem „Das soll es gewesen sein?“ zurück.
Auch, wenn mich das als Thriller betitelte Buch unterhalten konnte und sicherlich seine guten Elemente sowie eine vielversprechende Idee hatte, bleibe ich nach der letzten Seite sehr enttäuscht zurück. Daher bin ich mir auch recht unsicher ob der Bewertung…

Ich vergebe 2,5 von 5 Sternen

 

📖 Rezension zu: „Lost Gardens of Heligan – Die Wiederentdeckung eines Gartenparadieses in Cornwall“

Lost Gardens of Heligan

Wie die Lost Gardens of Heligan aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt wurden…

Als Tom Smit im Jahre 1997 damit begann, die Lost Gardens of Heligan aus ihrem Dornröschenschlaf zu erwecken, war dies ein äußerst ambitioniertes Vorhaben. Wo sich einst prachtvoll angelegte Paradiese erstreckten, hatte sich die Natur unter Anderem mit wuchernden Ranken und reichlich ungezähmten Pflanzen die Landschaft zurück erobert. Auf Streifzügen durch die Wildnis der Jahrzehnte lang vergessenen Gärten, wurde inmitten all der traurigen Atmosphäre immer wieder einzigartige Schönheit entdeckt, die es ans Licht zu ziehen galt.
Brombeerranken galt es zu entfernen, Ruinen wieder aufzubauen, alte Gartenanlagen erneut zu errichten, die einst gesetzten Pflanzen aufzutreiben, sie zu hegen und zu pflegen, Heligan bekannter zu machen sowie etwas über die Vergangenheit dieses Ortes und der Menschen, die hier Zeit verbrachten, zu erfahren.
Reichlich Arbeit, die also zu bewältigen war – es gleicht dem Abmühen von Sisyphos, den verwilderten Garten erneut zum Blühen zu bringen. Dennoch ist es Smit und seinen zahlreichen engagierten Helfer gelungen, diesen prachtvollen Ort mit seinem einzigartigen Charme herzurichten und der Allgemeinheit zu öffnen. So war das Jahr 2002 mit mehr als 450.000 Besuchern das geschäftigste Jahr in der Geschichte Heligans; jährlich werden über 300.000 von ihnen angelockt und fasziniert.

Zum 25jährigen Jubiläum der Wiederentdeckung der Gärten wird in „Lost Gardens of Heligan – Die Wiederentdeckung eines Gartenparadieses in Cornwall“ gezeigt, mit welcher Mühe und welchen Rückschlägen das grüne Paradies so wurde, wie man es heute kennt.
Die unterschiedlichen Gartensektionen werden beschrieben – vom ersten abenteuerlichen Erkundschaften bis hin zum Fertigstellen der Restaurationsarbeiten und Verschönerung der Anlagen.
Für mich war bereits der Beginn des Buches sehr ansprechend, da hier von den ersten Eindrücken beim Durchforsten der undurchdringlichen Wildnis erzählt wird, was durchaus sehr persönliche Ausführungen sind.
Aber auch im weiteren Verlaufe des Buches gab es immer wieder Anlass zum Staunen: Es ist bemerkenswert mit wie viel Leidenschaft, Arbeit, Engagement und Ausdauer die Lost Gardens of Heligan hergerichtet worden sind. In meinen Augen besonders spannend sind dabei die Vorher-Nachher-Vergleiche, da man auf entsprechenden Fotografien sowohl den verwilderten als auch den mit viel Mühe hergestellten Zustand erkennen kann. Es ist beeindruckend, was die vielen Helfer geleistet haben, wenn man bedenkt, dass aus grünem Dickicht eine bezaubernde Gartenanlage geworden ist.
Sehr schön finde ich es zudem, dass auch Fotografien aus der Blütezeit der Gärten eingebunden worden sind, die zeigen, dass man sich bemüht hat, dem Vorbild des Zustandes vor dem Vergessen zu folgen. Dabei wurden wichtige Elemte übernommen und Details auch, jedoch wurde nicht jeder Aspekt der Gärten eins zu eins so wieder umgesetzt wie vor der Vernachlässigung. Schließlich sollte es niemals zum Stillstand kommen, weswegen nun, auch wenn vieles übernommen wurde, auch Neues sowie Aufregendes mit einfließen sollte.
Beim Lesen spürt man die Begeisterung des Autors für Heligan – wenn beispielsweise davon berichtet wird, wie wunderbar und zauberhaft es doch ist, wenn im Dschungel der Nebel über dem Wasser hängt und die Konturen der Pflanzen nur schemenhaft zu erkennen sind; oder wenn sich einzelne Lichtstrahlen ihren Weg durch das dichte Blätterdach bahnen. Sehr schön sind meines Erachtens auch die Ansichten zur Geschichte Heligans, denn Smit war bemüht auch etwas über diese herauszufinden, um zum Beispiel zu erfahren, was aus den Gärtnern wurde, die dort gelebt und gearbeitet haben bevor der Krieg ausbrach und die Gartenarbeit unmöglich machte.
„Es war die Kombination von den Charakteren dieser Männer, den Pflanzen und den Begleitumständen, die Heligan einmalig machen sollten.“ (S.108)
Spannend waren für mich auch die vielen alten Fotografien, die im Verlauf einiger Jahre der Recherche aufgetrieben worden sind und von längst vergangenen Zeiten zu zeugen. So erfährt man auf diese Art beispielsweise, dass während des Zweiten Weltkrieges Londoner Kinder zur Erholung in das ländliche Heligan reisten. Aber auch, wenn es darum geht, welche Pflanzen- und Tierarten früher zu bestaunen waren, ist dies beeindruckend. „In Heligan gab es zur Jahrhundertwende Pfauen, zahme Emus und Affen, die die Besucher mit ihren Mätzchen unterhielten.“ (S. 158) Heutzutage leben hier im Sinne der nachhaltigen Bewirtschaftung hingegen unter anderem Tamworth-Schweine.
Auch der Stolz ist dem Verfasser anzumerken, wenn er die Pflanzenvielfalt, die wieder aufgebauten Gartenbereiche und Besonderheiten bewundert und erklärt.
„Heligan besitzt vermutlich die größte Sammlung an Baumfarnen in Großbritannien – urtürmliche, schöne Relikte aus einer Zeit, in der Dinosaurier die Erde bevölkerten.“ (S.119)
Wirklich interessant ist es zudem zu lesen, auf welche Anlagen und Ideen man beim Erkunden des Gartens stößt.
„Heute können wir stolz sein, den einzigen funktionierenden, mit Mist beheizten georgianischen Ananasgraben der Welt zu besitzen.“ (S.144)
Am Ende des Buches wird im Nachwort dem örtlichen Baumeister John Nelson, der bei der Restauration der Gärten eine immense Hilfe war, gedacht, da dieser im Januar 2014 verstarb. Er hatte mit unfassbar viel Herzblut unzählige Tage wie auch Nächte durchgearbeitet und als der Alleskönner der er war, eine Eröffnung und das 25jährige Jubiläum überhaupt erst möglich gemacht. Kein Wunder also, dass man ihm beim Lesen andauernd begegnet. Sehr rührend waren daher die Ausführungen in diesem Nachwort – aber auch zum Schmunzeln. „“Rom wurde nicht an einem Tag erbaut, aber da war ich ja auch nicht der Vorarbeiter!“, sagte er [John Nelson] häufig, mit seinem Piratengrinsen auf dem Gesicht.“ (S.262)

In diesem Werk wird man in die märchenhaften vergessenen Gärten entführt und erforscht sie Stück für Stück. Dabei wird einem eine Vielzahl an Einblicken in die Geschichte Heligans gewährt und man erfährt, wie aus undurchdringbarer Wildnis die sehr gut besuchten und mehrfach ausgezeichneten Lost Gardens of Heligan wurden. Dabei spürt man am Schreibstil und somit an der ganzen Atmosphäre des Buches, wie besonders dieser Ort auf alle Beteiligten wirkte und wirkt, wie unglaublich viel Arbeit die Restaurierung erforderte, wie viel Recherchearbeiten unternommen wurden und und und. Auch dank der zahlreichen Fotografien kann man sich als Leser ein Bild von den prachtvollen Gärten machen und wird bestens durch die einzelnen Gärten geführt. Dank einer Karte zu Beginn und einer kleinen Zeitreise durch die Geschichte Heligans zum Schluss, erhält man schnell und einfach einen Überblick, wenn man gerade nicht noch einmal das Buch lesen möchte.
Ich selbst war bereits einmal dort und habe die Mudmaid noch immer als ein Highlight im Gedächtnis, weswegen es mich sehr freute, dass ich mithilfe dieses Werkes noch einmal in die wunderschöne Welt Heligans abtauchen konnte.

Von mir gibt es 5 Sterne!

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📖 Rezension zu: „Wohllebens Waldführer“ von Peter Wohlleben

Wohllebens Waldführer

Auf Spurensuche im Wald…

Peter Wohlleben stellt in diesem Waldführer über 250 Pflanzen und Tiere des Waldes vor, wobei er mit feinem Gespür auf die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Waldbewohnern, den Funktionen des Waldes sowie den Einflüssen von Jägern und Förstern ein. So soll der nächste Waldspaziergang zu einer Entdeckungsreise werden, bei der man sowohl Allerweltsarten als auch seltene Kostbarkeiten bestimmen können soll.
Das Buch ist in die Kapitel „Säugetiere“, „Vögel“, „Amphibien und Reptilien“, „Insekten“, „Spinnentiere“, „Schnecken“, „Pilze“, „Bäume und Sträucher“, „Blumen“, „Farne“, „Schachtelhalme und Bärlappe“, „Gräser“, „Moose“ und „Flechten“ unterteilt, was die Vielfalt dieses Werkes bereits erahnen lässt.
Die einzenen Seiten beinhalten Fotografien des vorgestellten Tieres, zum Teil in verschiedenen Entwicklungsstadien, oder auch Tiere, mit denen man sie verwechseln könnte, besondere (geschlechtssprezifische) Merkmale, wissenschaftlichen Name, die Zuordnung zu einer Familie sowie eine kurze Beschreibung. Bei den Vögeln erfährt man beispielsweise etwas über ihre Rufe und Federfärbung, was äußerst spannend zu lesen war.
Mit jeder Seite lernt man das Ökosystem Wald immer mehr zu schätzen, denn es ist bemerkenswert, wie viele Informationen und Zusammenhänge Wohlleben in diesem Werk erläutert. Auch wenn es um Pflanzen im Wald geht, bleibt es sehr spannend. Man kommt schon ins Staunen, wenn man erfährt, welche Bedeutung die manche Waldbewohner haben.
Auch erfährt man von den Besonderheiten der Waldbewohner – beispielsweise ist weder der blutrote noch der mausgraue Schnellkäfer schnell, sondern kann, wenn man man ihn auf den Rücken legt schlagartig, begleitet von einem Klick-Geräusch, emporschnellen, um kurz darauf auf den Füßen zu landen (S.82,f.). Selbstverständlich wird auch erklärt, wie dies funktioniert.
In dem Kapitel „Hinter den Kulissen“ setzt sich Peter Wohlleben zudem kritisch mit dem Fortbestehen und besonders mit den anthropogenen Einflüssen auf dieses derart wichtige Ökosystem auseinander. „Wildtiere in Angst“ als Unterthema setzt sich sehr mit den fatalen Folgen von zu viel Jägerei und einem Ungleichgewicht im Ökosystem auseinander. Aber auch im nächsten Unterkapitel, „Gefährliche Wildnis“, wird auf das richtige Verhalten im und den richtigen Umgang mit dem Wald und seinen Bewohnern eingegangen.

Alles in allem ein sehr empfehlenswerter Waldführer, der unglaublich viele Informationen bereithält und sowohl zum Schmökern als auch zur gezielten Suche geeignet ist. Beim Lesen war ich ganz fasziniert und denke, dass jeder, der gerne ins Staunen gerät und das Ökosystem Wald (für sich) entdecken möchte, an diesem Werk große Freude haben wird. Dank des gut gewählten Formates lässt sich „Wohllebends Waldführer“ auch sehr gut in einer Tasche mitnehmen. Für Kinder, Kindgebliebene und Erwachsene wärmstens zu empfehlen – der Wald verdient mehr Beachtung und Anerkennung.

Von mir gibt es 5/5 Sternen

5-Sterne

📖 Rezension zu: „Geheimnis in Weiß“ von J. Jefferson Farjeon

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Zeitreise in ein abgelegen eingeschneites, nicht eingestaubtes, englisches Landhaus

Nahe dem Dorf Hemmersby bleibt an Heiligabend ein Zug im immer stärker werdenden Schneegestöber stecken. In einem Abteil dritter Klasse beratschlagen ein paar Reisende daher, ob sie einfach abwarten und somit ein wohlmöglich viel zu spätes Ankommen bei Freunden, Verwandten und so weiter riskieren sollen, oder ob sie vielmehr den Zug verlassen und sich selbst auf die Suche nach dem kleinen Dorf zu machen. Nach einigem Überlegen und Für und Wider beschließen sie jedoch, einen Versuch zu wagen und sich aufzumachen. Während die Schneeschicht alles bedeckt und stetig dicker wird, irren die Passagiere durch die weiße Einöde. Als sie, völlig erschöpft und zum Teil kränkelnd, auf ein Landhaus stoßen, entschließen sie sich, Zuflucht zu suchen. Die Türe steht bereits offen, im Kamin lodert ein wohlig-warmes Feuer, der Tisch ist zum Tee gedeckt, die Vorratskammer ist gefüllt und die Zimmer sind bestens hergerichtet. Doch niemand ist anwesend, was angesichts des starken Schneetreibens, der Abgeschiedenheit des Hauses und den vielen Indizien, welche von Bewohnern zeugen, sehr verwundert. Offensichtlich war noch vor Kurzem jemand hier – und wartete auf Gäste..?
Die Schutzsuchenden richten sich nach und nach ein, erstellen Listen, in denen sie penibel alle ge- und verbrauchten Gegenstände aus dem Haus eintragen und einem von ihnen dafür zu zahlenden Bertrag zuordnen.
Bereits die Zusammenstellung verschiedener Persönlichkeiten – vom Nörgler, der bereits alles in viel schlimmer durchlebt und gemeistert hat, bis zur Revuetänzerin – trägt zu einigen Spannungen bei. Dass sie aufeinander angewiesen sind, können manche nicht gut verkraften… Als dann aber noch einige rätselhafte Gegenstände auftauchen und sich einst geschlossene Türen plötzlich öffnen lassen, beginnen einige der gestrandeten Passagiere Ermittlungen anzustellen. Was hat es beispielsweise mit dem Gemälde im Eingangsbereich auf sich? Alles scheint ein potenzieller Beweis für etwas zu sein – ist das auf dem Boden liegende Brotmesser etwa bedeutsam?
Nach einer Weile betritt dann auch noch der etwas fadenscheinige, offensichtlich lügende Cockney Mr. Smith das eingeschneite Haus. Dass mit ihm etwas ganz und gar nicht stimmt, wird schnell deutlich.
Stück für Stück bemerken die Reisenden, dass sie es mit einem, wenn nicht sogar mehr, Morden zu tun haben… Werden sie den Täter überführen können?

Der Beginn, die Kapitel aus dem steckengebliebenen Zug, erinnerten durchaus an ein Werk Agatha Christies. Und auch die Ergebnisse ausgiebigen Kombinierens hätten so in dem ein oder anderen Kriminalroman der Queen of Crime gefolgert werden können.
Allerdings unterscheidet sich dieses Werk bereits durch die Zusammenstellung der Charaktere. Da wären der unscheinbare und alles andere als selbstbewusste Buchhalter Mr. Thomson, die Geschwister David und Lydia Carrington, wobei sich letztere im Landhaus aufopferungsvoll um die (kranken) Passagiere kümmert, der ältere Mr. Maltby, der für die Königlich Parapsychologische Gesellschaft unterwegs ist und als erster zu ermitteln beginnt, der nörgelnde Mr. Hopkins oder die Revuetänzerin Jessie Noyes. Diese Figuren haben alle ihre Besonderheiten, sodass das Miteinander phasenweise recht schwer wird, sie sich zu anderer Zeit aber auch bestens ergänzen. Manche wachsen an den Ermittlungen, andere treten zunehmend in den Hintergrund und verblassen wie Mr. Thomson nach und nach. Dabei gibt es gelegentlich auch bissige Dialoge, beispielsweise wenn der gescheite Mr. Maltby die Stumpfsinnigkeit Mr. Hopkins‘ kritisiert und auf die Schippe nimmt.
An den sehr prunkvollen Schreibstil musste ich mich zunächst gewöhnen, da die Sätze im Vergleich zu anderen Büchern schon recht ausgeschmückt und dementsprechend lang geraten sind – selbst sehr Banales wird häufig stark paraphrasiert. Manchmal, besonders wenn eine dieser ausführlichen Beschreibungen direkt im Anschluss relativiert wird, war dies für mich leseflusshemmend. Wenn beispielsweise eine Tat spekuliert wird und noch im gleichen Atemzug eine Aussage im Stile „es kann aber auch nichts bedeuten und ganz anders gewesen sein“ getroffen wird, ist das dann schon etwas irre führend; gerade da eben derart viele Themen aufgegriffen werden. Allerdings gewöhnte ich mich zunehmend an diese Erzählweise und konnte den Schreibstil fortan – mit wenigen Ausnahmen – genießen. So merkt man dem Buch an, dass es aus dem Jahre 1937 stammt.
„Die Wahrheit ist das höchste Gut der Welt – und das vernachlässigteste.“ (S. 240)
Tatsächlich gilt es einige Geheimnisse zu lüften, jedoch darf man sich bei der Lektüre nicht gerade einen temporeichen Kriminalroman erhoffen, bei dem ein Ereignis das nächste jagt. Vielmehr ist das Erzählte ruhig und immer wieder undurchsichtig wie ein kleines Schneegestöber selbst. Vor allem, da die Ausführungen nicht chronologisch die Geschehnisse wiedergeben, muss man gelegentlich inne halten und das Gelesene rekapitulieren, um in die Geschichte eine Ordnung und Zusammenhänge bringen zu können. Zeitweise hatte das Buch seine Längen, was ich etwas schade fand… Interessant ist hingegen der Aufbau der Erzählung, da diese sich sowohl aus Dialogen, als auch aus Tagebucheinträgen und Briefen zusammensetzt.
Bis auf wenige Ausnahmen wie den Beginn, spielt sich die Handlung im Landhaus ab, sodass die Kulisse stets dieselbe bleibt und so ziemlich jedes Detail analysiert wird. Auch dies ist manchmal spannend, manchmal etwas ermüdend. Hin und wieder hatte ich das Gefühl, die Ermittlungen steckten auch tief im Schnee und kämen nur schwerlich von der Stelle… Die Idee des abgelegenen Landhauses inmitten von meterhohem Schnee ist so aber vielversprechend und atmosphärisch.
Betrachtet man das – oder die – Verbrechen an sich, so sieht man zwar keinen atemberaubend ausgeklügelten Fall mit zahlreichen Fallen und Wendungen vor sich, aber dennoch einen runden, abgeschlossenen Fall mit seinen Überraschungen. Die ruhige Geschichte passt von ihrer Ruhe gut in die Advendszeit.

Alles in allem kein sonderlich actiongeladener oder blutrünstiger Kriminalroman, wobei dieser Anspruch aber auch zu keiner Zeit erhoben wird, sondern viel mehr ein ruhiges Buch voller detailverliebter Beschreibungen und sehr ausgeschmücktem Schreibstil.

3,5/5 Sternen

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📖 Rezension zu: „Die Heilkraft des Räucherns – Mit heimischen Blüten, Kräutern und Harzen“ von Friedrich Kaindlstorfer

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Ganz wunderbar!

Schon seit Jahrhunderten begleiten uns Räucherrituale: Ob bei Los- oder Feiertagen wie Maria Lichtmess, Ostern, zur Sommer- und Wintersonnenwende, Allerheiligen oder in den Raunächten oder aber auch bei Geburten, Hochzeiten, Todesfällen oder Krankheit. In diesem Buch beschreibt Friedrich Kaindlstorfer welche Wirkung verscheidene Blüten, Kräuter und Harze auf Raum, Körper, Geist und Seele haben.
Das Buch beginnt mit einer „Zeitreise durch die Räuchergeschichte mit dem Schwerpunkt Europa“, welche sehr verständlich zeigt, dass die Geschichte des Räucherns bereits so alt ist, wie die Nutzung des Feuers selbst. Zunächst mündlich, dann schriftlich gaben verschiedene Kulturen ihr Wissen auf der ganzen Welt weiter. Einst um den Duft in den Behausungen zu verbessern, Nahrungsmittel und Jagdbäute haltbarer zu machen, verbreiteten sich nebenher Räucherrituale zu medizinischen, religiösen, magischen und Weissagungszwecken. Die vielen Informationen waren sehr spannend zu lesen.
Im Anschluss daran wird die große und meist unterschätzte Bedeutung unserer Nase und unseres Geruchsinnes beleuchtet, denn auf diesen Feststellungen basierend lässt sich die Wirkung von Aromen und Duftstoffen besser verstehen. Es ist schon erstaunlich, wie viel über den Geruch entschieden wird – ob uns etwas schmeckt, ob wir jemanden mögen oder welche Bilder in unserem Kopf entstehen. Viele Fakten zum „stummen Sinn“ werden geliefert und sehr ansprechend präsentiert.
Es folgt das Kapitel „Aus der Räucherpraxis“, in dem auf Räucherkerzen, Weihrauchbrenner, Räucherbuschen, Räucherkohle und Zunder als Kohlenersatz eingegangen wird. Was es zum Räuchern braucht, welche Bedeutung bestimmte Materialien haben, in welcher Reihenfolge man was beachten sollte und welche der vorgestellten Methoden für einen selber am besten geeignet ist, erfährt man hier.
In „Räuchern für alle Fälle – Gesegnet und beschützt durch das Jahr“ werden die Jahreskreisfeste vorgestellt und die zu den jeweiligen Ereignissen besonders gut passenden Räucherwerke vorgestellt, sodass man sich auf besondere Anlässe einstimmen und vorbereiten kann. Verschiedene Räuchermischungen, zum Beispiel um den Frühling lustvoll zu genießen oder mückenfrei durch den Sommer zu kommen, werden mit ihrem Ritual erklärt. Ebenso wird auf das „rauka gehen“, die Haus- und Hofräucherung, und Heilräucherungen eingegangen. Die ausführlichen Beschreibungen und Anleitungen sind auch als absoluter Anfänger sehr gut verständlich und lassen sich bestens umsetzen. Von Hauterkrankungen über Kopfschmerzen und Menstruationsbeschwerden bis hin zu Wirbelsäuren- oder Ohrenbeschwerden und müden Augen ist hier eine sehr reiche Palette vertreten. Aber auch die Wirkung von Räucherwerken auf die Seele wird beschrieben und Anleitungen zum Räuchern für Loslassen und Ähnliches gegeben.
Als nächstes wird darüber hinaus auf das Räuchern für Haustiere wie Hunde, Katzen oder Pferde sowie für Nutztiere wie Schafe, Ziegen, Rinder oder Geflügel eingegangen.
Ein weiteres Kapitel beschäftigt sich mit der Traditionellen Europäischen Medizin, denn auch für jeden Archetyp wird das passende Räucherwerk gefunden.

Besonders spannend war für mich das Kapitel „Räuchern mit ausgewählten heimischen Kräutern“, da hier 20 Pflanzen ausgewählt und genau beschrieben werden. Diese „Steckbriefe“ umfassen Ausführungen zu Duft, Qualität, Organzuordnung, Säftebezug, Wirkung, Ernte und Räucherwerk, Volksheilkunde sowie Räuchertradition und Pflanzenmotto. Auch für kleine Gedichte, Zitate oder Fotografien ist hier Platz. So kann man sich einen guten Überblick verschaffen und außerdem mit dem eigenen Zusammenstellen von Räuchermischungen beginnen.
Dieses Buch von 128 Seiten erklärt das Räuchern sehr genau, vielseitig und verständlich. Auch Dank der vielen Abbildungen, Schemata und Fotografien lässt sich das Gelesene besser verinnerlichen. Darüber hinaus werden sehr viele Aspekte besprochen und Hilfestellungen gegeben. Sehr zu empfehlen als Nachschlagewerk – sowohl für Einsteiger als auch Erfahrenere.

Von mir gibt es 5/5 Sternen

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📖 Rezension zu: „Das Licht im Land meines Vaters“ von Murat Isik

Coverbild Das Licht im Land meines Vaters von Murat Isik, ISBN-978-3-7160-2744-8

Nichts für zarte Gemüter!

Miran wächst in den 1960er Jahren in dem kleinen Dorf Sobyan, welches einst von Armeniern errichtet und dann verlassen wurde, auf. Seine Familie gehört dem kurdischen Volk der Zaza an, weswegen er mit seinen Eltern und Geschwistern auch Zazaki spricht. Eines Tages erscheint in seinem Dorf jedoch ein Mann, Zengin Bey aus Trabzon, der sämtlichen Kindern dort die türkische Sprache beibringen soll – er sorgt auch dafür, dass Milan mit zehn Jahren einen neuen Namen bekommt. Fortan wird er Mehmet heißen, was nur seine Mutter nicht anerkennt.
Mirans großer Bruder Yusuf durchläuft ebenfalls eine große Veränderung: Er macht sich auf, um eine kurze Zeit in der Hauptstadt zu verbringen und wird erst nach ein paar Jahren wiederkehren.
Milans Vater ist ein angesehener Mann in Sobyan, denn als Geschichtenerzähler vermag er seine Zuhörer an andere Orte und in andere Zeiten zu versetzen. Mit seiner sanften Stimme gibt er jedem ein behagliches Gefühl und auch sonst ist er sehr hilfbereit. Doch geschieht an einem trostlosen Dienstagnachmittag im Frühjahr 1966 etwas dass das Leben der Familie für immer verändern wird.
„Mit jedem Tag schienen die Spannungen im Haus zu wachsen.“ (S.165)
Kurz darauf sieht sich die Familie gezwungen, ihr Dorf zu verlassen um auf ein besseres Leben hoffen zu können.
So hat ein einziger schicksalshafter Moment alles niedergeschmettert, was sie sich mühsam aufgebaut haben – und plötzlich ist nichts mehr wie es war. Die Erinnerung an diesen Moment wird Miran nie mehr vergessen können.

Dieser Familienroman hat mich sehr beeindruckt, da sehr eindringlich die Zustände und Veränderungen in dem kleinen Dorf beschrieben werden und auch auf sehr beeindruckende Weise gezeigt wird, wie sich die Menschen angesichts der großen Unterschiede zwischen Stadt und Land, dem konflikt zwischen Sunniten und Aleviten, dem Völkermord an den Armeniern oder Schicksalsschlägen entwickeln.
Einige Szenen haben einen starken Eindruck hinterlassen, allen voran eine Operation, die nicht so schmerzfrei verläuft, wie man es sich erhoffen würde…
Manchmal hat das Buch von 437 wirklich seine Längen, dann wird es jedoch wieder äußerst spannend.
Zudem macht dieses Buch einen mal traurig, dann macht es wütend, löst Erleichterung aus – es ist ein ständiges Auf und Ab.
Gerade wegen einiger heftigeren Szenen, ist „Das Licht im Land meines Vaters“ nichts für schwache Nerven und zarte Gemüter…
Sehr hilfreich ist das Glossar am Ende des Buches, welches sowohl Türkische und Zazaki Begriffserklärungen oder allgemeine gibt.

Ich vergebe 3,5 Sterne

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📖 Rezension zu: „Superfood: Natürlich. Heimisch. Saisonal“ von Barbara A. Schmid und Aaron Waltl

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Kommt ohne mit Soja-Omega-3-Fettsäuren angereicherter Steviacreme aus!

Es wird gehypt und befindet sich daher in aller Munde: Superfood. Bei diesem Begriff fallen einem direkt Goji-Beeren, Chiasamen oder Açaí ein; jedoch sind diese Nahrungsmittel mit glamourösem Image alles andere alltäglich. Dies mag auch daran liegen, dass sie weit entfernt gedeihen und hier nur zu hohen Preisen als Importware zu erwerben sind, wobei hier der ökologische Fußabruck nach langer Reise am besten gar nicht erst betrachtet wird.
Dass es aber hierzulande ebenfalls „Super-Lebensmittel“ gibt, die nicht nur gesundheitsfördernd und geschmackvoll, sondern auch leicht zuzubereiten sein sollen, wird in diesem Buch gezeigt. Allerdings wird sich schon direkt zu Beginn kritisch mit den allgemein bekannten Glamour-Produkten der Superlative auseinandergestezt. Wann wird Food zu Superfood? Kann ein Lebensmittel uns zu besseren und gesünderen Menschen machen? Auch werden die Assoziationen bei Superfood („gesund, fettarm, pflanzlich, exotisch, vegan, Tier- und Umweltschutz, teuer“) und denen bei Junkfood („ungesund, fett- und zuckerreich, Massentierhaltung, Fastfood, billig“) gegenübergestellt (S.7). Auf die Modeprodukte wird in diesem Buch allerdings konsequent verzichtet; stattdessen werden ausschließlich heimische, regionale, saisonale und unverarbeitete Lebensmittel aller Nahrungsmittelgruppen – Getreide, Hülsenfrüchte, Gemüse und Obst, Samen und Öle, Milchprodukte, Fleisch, Fisch, Ei – verwendet, die aufgrund ihrer Nährstoffwerte in ihrer gesamten Zusammensetzung gesundheitsfördernd sein sollen. Da die Rezepte in verschiedene Untergruppen gegliedert sind, können alle, die sich vegan, vegetarisch oder kohlenhydratreduziert problemlos passende Rezepte raussuchen.
Bei den Rezepten wird außerdem darauf geachtet, nicht aus „einer Mousse au Chocolat eine mit Soja-Omega-3-Fettsäuren angereicherte Steviacreme zu machen“ (S.10), weswegen Süßspeisen nicht Thema dieses Buches sind; stattdessen wird der Fokus auf die pikante und natürliche Küche gelegt.
Nach der Einführung werden in den Rezept verwendete Lebensmittel, in die Kategorien „Pflanzliche Lebensmittel“, „Tierische Lebensmittel“ und „Heimische Alternativen zu exotischer Importware“ unterteilt, vorgestellt. Gerade die heimischen Superfoods haben mich neugierig gemacht und konnten mich überzeugen.
Es folgen verschiedene spannende Informationen zu Nährstoffkriterien, Vitaminen und sekundären Pflanzenstoffen, der Wirkung von Ballaststoffen des Vollkorngetreides auf den Blutzucker- sowie Insolinspiegel und vielem mehr. Sehr hat mir zudem gefallen, dass die Kriterien nach dem die Zutaten ausgewählt und kombiniert wurden, offengelegt und erklärt werden, sodass man die Zusammenhänge verstehen und auch selber experimentieren kann. Ebenso konnte mich das Unterkapitel „“Superfood“ im Wandel der Zeit“ packen, da hier eine verständliche Übersicht gegeben wird.
Aber auch die Vorzüge regionaler Produkte und mögliche Lösungsansätze um Regionalität zu fördern, werden erklärt.
Danach beginnt der Rezeptteil des Buches mit dem Kapitel „Smoothies, Frühstück & Zwischendurch“ (S.34). Des Weiteren werden „Suppen“ (S.50), „Salate“ (S.60), „Vegane Gerichte“ (S.100), „Vegetarische Gerichte“ (S.114), „Hauptspeisen mit Fleisch oder Fisch“ (S.126), „Hauptspeisen mit Fleisch oder Fisch, LOWcarb“ (S.146) sowie „Super-Plus-Wirkungsweise für besondere Ernährungsanforderungen“ (S.168) behandelt.
Bereits beim ersten Durchblättern bin ich auf einige sehr ansprechende Rezepte wie die „Hirse-Karotten-Laibchen“ (S.110) gestoßen. Wirklich gelungen ist, dass die Rezepte für verschiedene Ernährungsformen geeignet sind, weswegen sich sicherlich für jeden das richtige Gericht finden lässt.
Äußerst ansprechend ist zudem die Gestaltung des Werkes: Zum Einen sind die Unterteilungen, wie zu Beginn bereits angesprochen, sehr hilfreich, zum Anderen schaffen auch die Rezepte an sich durch eine gute Strukturierung Übersicht. Auf einen Blick erfasst man nicht nur den Namen des Rezeptes, sondern auch, was das Gericht so besonders macht, welche Inhaltsstoffe welche Wirkung erzielen und wie es um die Nährstoffe bestellt ist. Darüber hinaus sind die Arbneitsschritte sehr gut verständlich und nachvollziehbar beschrieben, sodass man problemlos mit dem Nachkochen beginnen kann. Die Farbfotografien der Gerichte sind ebenfalls sehr ansprechend.

In meinen Augen ist dieses Buch eine Bereicherung für alle, die es natürlich, heimisch und saisonal mögen; jedoch auf nähstoffreiche Nahrung nicht verzichten möchten. Die mit den vorgestellten „Super-Lebensmitteln“ zubereiteten Gerichte machen Lust auf mehr und die Gestaltung des Buches ist sehr ansprechend. Zudem gefällt es mir ausgesprochen, dass die Autoren sich kritisch mit Superfoods auseinandersetzten und Überlegungen anstellen, wie man Regionalität fördern kann. Allerdings sind viele der Rezepte auch nichts überragend aufregendes. In meinen Augen ein rundes Buch, das 4 „Super-Sterne“ verdient.

4-Sterne

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📖 Rezension zu: „Im Sommer wieder Fahrrad“ von Lea Streisand

Cover für Im Sommer wieder Fahrrad

Der Funke sprang nicht über…

Die lebensfrohe Lea erhält mit dreißig Jahren eine erschütternde Diagnose: Krebs. So muss sie in Behandlung, während ihre Freunde ein unbekümmertes Leben führen, Familien gründen und das Leben einfach genießen. Immer wieder werden Leas eigentlicht recht glückliche Gedanken durch Angst, Melancholie und Todesfurcht getrübt, sodass sie nach einem haltbringenden Anker suchen muss. Diesen findet sie ein Stück weit in ihrem Lebensgefährten; ihre verstorbene Großmutter ist es allerdings, die ihr besonders viel Kraft, Hoffnung und Mut schenkt.
Denn bevor Lea erkrankte, hatte sie sich das Ziel gesetzt, „Mütterchens“ Leben aufzuzeichnen und ihr somit eine Art letzter Ehre zu erweisen. Großmutter Ellis war Schauspielerin aus Leidenschaft und mutig, lustig, tapfer, abenteuerlustig und nicht klein zu kriegen.
So umfasst dieses Buch zwei mehr oder weniger voneinander unabhängige Erzählstränge – einmal den, des Lebens von Ellis und den, von Leas Therapie.

Bei „Im Sommer wieder Fahrrad“ handelt es sich um ein Werk mit autobiografischen Zügen, was zu wissen interessant sein mag. Generell berührt es mich sehr häufig, wenn (ehemalige) Krebspatienten über ihre Erkrankung und Genesung schreiben, in diesem Falle konnte mich die Erzählung jedoch nicht mitreißen oder bewegen…
Zunächst möchte ich auf den Erzählstrang zu Lea eingehen, da dieser meines Erachtens die Geschichte an sich eher bildet als der andere. Selbstverständlich ist eine derart harte Diagnose furchtbar, das möchte ich gar nicht in Abrede stellen, allerdings verliert sich die Autorin meines Erachtens zu sehr in den Ausführungen zu ihrer Leidensgeschichte. Zwar klagt sie nicht permanent weh, jedoch springt der Funke auch nicht wirklich über. Mal sehr betrübt, dann wieder zu gewollt lustig – so wirkte das Gesamtbild nicht stimmig. Darüber hinaus blieben die Figuren für mein Empfinden zu farb- und gestaltlos. Über Lea erfährt der Leser kaum mehr als dass sie ein großer Fan ihrer Großmutter ist, sie als humorvoll beschrieben wird und dass sie sich vornimmt, den Krebs zu besiegen. Was tief in ihr vor geht, bleibt recht schwammig und auch Figuren wie ihr Partner Paul bleiben blass und schemenhaft.
Da diese Handlung stetig unterbrochen wird, kann sich kein zusammenhängendes Bild entwickeln, was sehr schade ist. Dass ich das Erzählte als bruchstückhaft und puzzleteilartig empfand, mag auch darauf zurück zu führen sein.
Der Erzählstrang um „Mütterchen“ konnte mich leider nicht mehr begeistern, da die Ausführungen meines Erachtens ins Unbedeutsame abschweifen. Die Großmutter scheint keinen Liebhaber abgewiesen und allgemein viel gelebt zu haben… Die Bezeichnung „Mütterchen“, welche ständig gebraucht wurde, war mir irgendwann auch zu viel… Sympathisch wurde sie mir leider ebenso wenig wie die anderen Charaktere, obwohl man hier sicherlich mehr hätte herausholen können. Für mich waren Szenen, in denen das „Mütterchen“ der jugendlichen Lea Kondome aus den 80ern geradezu aufzwängen wollte, nicht sonderlich ansprechend…
Allgemein fehlte mir beim Lesen die Spannung, denn es gab keine wirklichen Konflikte die es zu lösen galt oder Ähnliches. Die Krebserkrankung wurde zwar etwas beschrieben, aber nicht erfahrbar, erlebbar oder greifbar gemacht, sodass ich gewissermaßen auf Distanz blieb. Selbstverständlich kann man nicht erwarten, dass man durch ein Buch spürt, wie sich Krebs anfühlt. Nicht wirklich zumindest. Aber es gibt einige Bücher, die einen packen und mit einer Gefühls- und Gedankenwelt konfrontieren, die man nicht ignorieren oder von sich weisen kann, sodass man automatisch mit den Protagonisten mitfühlt. Hier konnte ich mich nicht in die Erzählerin versetzen…
Der Schreibstil ist soweit ganz angenehm, weswegen sich das Buch, wäre es vom Inhalt her packender, sehr schnell lesen ließe. Leider war das Ende auch sehr vorhersehbar, was der Spannung erneut einen Dämpfer setzte… Die Idee, Berliner Mundart mit einfließen zu lassen, hat mich hingegen sehr angesprochen und sorgte für Abwechslung.
Durch das Buch ziehen sich zudem Insider, beispielsweise aus Gesprächen mit der Großmutter, sodass hin und wieder mal ein Element aus den vorangegangenen Erzählungen aufgegriffen wird. Die „Schnipsgummis“ werden einem so unter anderem immer wieder begegnen…

Alles in allem ein Buch, welches ein schweres Schicksal beschreibt, dieses für den Leser allerdings nicht wirklich greifbar macht. Für ihr Durchhaltevermögen und den Kampfgeist gegen die Erkrankung gebührt der Autorin mein Respekt. Allerdings konnte mich das Buch aufgrund der nicht gerade packenden Handlung nicht sonderlich überzeugen. Der Schreibstil ist hingegen angenehm. Wer Bücher zu dem Thema Krebs sucht, findet wohl eine Reihe einfühlsamerer und spannenderer Werke…

1,5/5 Sternen

 

📖 Rezension zu: „Meine kleine Farm“ von Miriam und Peter Wohlleben

Meine kleine Farm

Sehr hilfreich!

Die Familie Wohlleben lebt bereits seit 25 Jahren in einem alten Forsthaus in Hümmel in der Eifel. Dort ist es ihnen gelungen, ihr von Anfang an bestehendes Ziel, sich weitgehend selbstzuversorgen, umzusetzen. Eigenes Gemüse, Getreide, Honig, Käse, Fleisch, Tierfutter, Wasser, Strom und vieles mehr darf da nicht fehlen. Wer sich auch an die Selbstversorgung wagen und nicht mehr auf die Produkte in Geschäften angewiesen sein möchte, findet in diesem Werk wertvolle Tipps, damit problemlos und mit erträglichem Aufwand bei jeder Gartengröße der Traum von der eigenen Selbstversorgung verwirklicht werden kann.
Unterteilt wird das Buch in die Kapitel „Wie viel darf’s denn sein?“ mit den Unterkapiteln „Selbstversorger – eine Fata Morgana?“, „Raum und Zeit“, „Evolution“, „Die eigene Scholle“, „Bodenpflege“, „Flächenplanung“, „Werkzeuge und Maschinen“ sowie „Von Kopf bis Fuß“, in das Kapitel „Grünzeug – so viel wie möglich“ mit den Unterthemen „Saat- und Setzgut“, „Grundnahrungesmittel“, „Zucchini und Gurken“, „Sonstiges Gemüse“, „Obststräucher“, „Obstbäume“, „Würze – ohne Kräuter geht nichts“, „Der essbare Garten“ sowie „Exotisches Obst“, das Kapitel „Tierisch ernst“ mit dem Themengebieten „Hühner… und sonntags manchmal zwei“, „Dumme Pute?“, „Kaninchen“, „Ziege – die Kuh des kleinen Mannes“, „Schafe“, „Summ, summ, summ… Bienen“, „Kein Schwein gehabt“, „Home, sweet Home“, „Hiergeblieben!“, „Saft und Kraft“, „Futterbeschaffung“ und „Scheiden tut weh!“, das Kapitel der „Vorratshaltung“, mit „Der Lagerkeller“, „Milchsäuregärung“, „Einkochen“, „Entsaften“, „Trocknen“, „Ohne Kühlung und Konservierung“, „Einfrieren“, „Fleischkonservierung“, „Alkohol – Obstwein selbst herstellen“ und das Kapitel „Dies und Das“ mit den Unterkapiteln „Eigenes Wasser“, „Regenwasser“, „Der eigene Brunnen“, „Energie aus dem Garten“, „Die Sache mit dem Kunststoff“ sowie „Naturschutz“. Schon an dieser kleinen Übersicht lässt sich ablesen, dass die Wohllebens versucht haben, möglichst viel ineinandergreifendes Wissen und wertvolle Tipps zu vermitteln. Auch vor den selbst bereits begangenen Fehlern wollen sie warnen und bessere Alternativen aufweisen. Da das Buch derart umfassend ist, werde ich nicht auf alle Thematiken eingehen.
Im ersten Teil steht besonders die Planung und richtige Herangehensweise im Vordergrund, denn einfach loszulegen, ohne sich zuvor Gedanken über eine sinnvolle Aufteilung oder Ähnliches gemacht zu haben, wäre wenig erfolgreich. So müssen beispielsweise die Größe des Gartens oder der maximal zu leistende Zeitaufwand in die Überlegungen hineinspielen. Aber auch Techniken der Bewirtschaftung werden aufgezeigt, sodass die Erträge groß und der Aufwand möglichst klein bleibt – denn wie schnell verginge der Spaß und Enthusiasmus, würde der Arbeit kein Erfolg folgen. Selbst, wenn man noch einem Beruf nachgeht, lässt sich die annähernde Selbstversorgung verwirklichen, wie gezeigt wird. Umso wichtiger ist es, sich zu überlegen, welche Ziele man genau verfolgen möchte – sprich: „Wie viel darf’s denn sein?“. Übrigens finden in diesem Kapitel auch wichtige Hilfestellungen zur Schädlingsbekämpfung (ohne Chemie-Keulen) Platz. Im nächsten Kapitel geht es bereits um die Auswahl, Saat, Pflege und Ernte der Pflanzen.
Auch das Schlachten wird ausführlich behandelt, da hier viel falsch gemacht werden kann. Weil die Sachkunde hier von enormer Bedeutung ist, sollte man unbedingt bereits einmal bei einer erfahrenen Person zugeschaut und auch eine solche bei der ersten Hausschlachtung an seiner Seite haben. Schließlich sind der Tierschutz und die Hygiene nicht zu missachten. Welche Vorschriften es gibt, wie man betäubt und ein Bolzenschussgerät richtig aufsetzt, wie man den Körper an einem S-Haken aufhängt, die Innereien und das Fell entfernt oder Geflügel rupft, was beim Zerlegen zu beachten ist oder wie man mit den Abfällen umgeht, wird hier verständlich und anhand von Bildern Schritt für Schritt verständlich erklärt.
Ausgesprochen hilfreich sind auch die Tipps zur Vorratshaltung und die vielen weiteren Themen, auf die ich nicht weiter eingegangen bin.

Von diesem Werk bin ich schwer beeindruckt, da es derart viele Informationen, Hilfestellungen und Erfahrungen enthält. Dies geht mit einer bemerkenswert ansprechenden Gestaltung einher, die einen stets zum Weiterlesen einläd und unter anderem dank vieler Fotografien einige Einblicke gewährt. „Das hat bei uns funktioniert“-Boxen zeigen beispielsweise bewährte Kartoffel-, Kohl-, Johannisbeer-, oder Kürbissorten, was eine riesige Hilfe ist, da einem das eigene Experimentieren etwas abgenommen wird und man sich direkt die am besten zu einem passenden Sorten aussuchen kann. Zahlreiche Informationskästchen zeigen unter anderem, was es rechtlich zu beachten gibt oder wie die Wohllebens mit etwas umgehen. Hier erhält der Leser wirklich unglaublich viele Informationen, die sehr weiterhelfen. Einkaufszettel und Checklisten sind ebenfalls Teil der wunderbaren Gestaltung – so bleibt die Aufmerksamkeit stets aufrecht erhalten. Aber auch an sehr ansprechenden Rezepten mangelt es nicht.
Obwohl man für die Vollversorgung einer Person eine wirklich große Fläche – für Getreide 300m², für Kartoffeln 40m², für Eier 150m², für Milch und Käse ganze 5.000m² und für Gemüse 90m² (S.14) – benötigt, kann jeder versuchen, der Selbstversorgung möglichst nah zu kommen – selbst wenn man nur einen kleinen Garten zur Verfügung stehen hat, lässt sich dieser mit der richtigen Herangehensweise bestmöglich nutzen. Wie das funktioniert, zeigt dieses Werk unter Berücksichtigung einer Vielzahl von Themen.

Deswegen kann ich „Meine kleine Farm“ von Miriam und Peter Wohlleben sehr weiterempfehlen und vergebe mehr als verdiente 5/5 Sternen!

5-Sterne

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📖 Rezension zu: „Easy. Überraschend. Low Carb.“ von Bettina Matthaei

Cover für Easy. Überraschend. Low Carb.

Mir zu exotisch-exquisit…

In diesem Werk von Bettina Matthaei soll die Low Carb High Fat-Ernährung, kurz LCHF, dank abwechslungsreicher und leckerer glutenfreier Rezepte näher gebracht und von der Diätwirkung überzeugt werden. Wegen Letzterem finden sich zu jedem Rezept Nährwertangaben, die im Vorwort erklärt und in Bezug auf den Kalorienverbrauch gesetzt werden. Zusätzlich zu den Erklärungen hat der Leser noch die Möglichkeit, alle Rezepte mithilfe des Mengenrechners vom Verlag für den persönlichen Kalorienbedarf und die Personenzahl anzupassen. Darüber hinaus kann man dort alle Einkaufslisten anpassen und sich aufs Smartphone schicken lassen oder sie ausdrucken.
Auf den ersten 13 Seiten findet sich eine kurze Einführung, die Themen wie den Kalorienbedarf umfasst. Im ersten Kapitel finden sich „Aufstriche und Brote“, wobei hier zunächst auf das Brotbacken an sich eingegangen wird. Die Palette verschiedener Brote ist recht groß, wobei die meisten Brotrezepte eins gemein haben: Exotische Zutaten. Wenn ich andauernd von frisch gemahlenen Gold-Leinsamen, gemahlenen Flohsamenschalen, fein gemahlener LC-Sojakleie, geschälten Hanfsamen, Chiasamen und Ähnlichem lese, befremdet mich das durchaus.
Außerdem überrascht, wie viele besondere LC-Produkte verwendet werden: Von LC-Sojakleie, LC-Mandelmehl, LC-Sojamehl über LC-Kokosmehl und LC-Kürbiskernmehl bis hin zu LC-Hanfmehl lässt sich hier eine wirklich eine große Vielfalt finden. Es ist nur einleuchtend, dass, wenn man viele LC-Produkte kauft und mischt, ein LC-Produkt entsteht. Allerdings habe ich die meisten benötigten Zutaten in der Form, trotz Leben in einer Großstadt, noch nie gesehen… Auf exotisch-exquisite Zutaten verzichte ich ehrlich gesagt gerne… Dass man eine derart große Menge an außergewöhnlichen Ingredienzen benötigt, um ein einfaches Brot aus diesem Werk nachzubacken, ist meines Erachtens schade…
Im nächsten Kapitel wird sich dem „Fleisch“ gewidmet, wobei hier die Beilagen immer getrennt behandelt werden, damit man nach Lust und Laune anders kombinieren und sich dennoch der Nährwerttabellen bedienen kann. Es finden sich einige abwechslungsreiche Rezepte, die zum Teil aufwendiger, zum Teil aber auch leichter nachzumachen sind.
Im Kapitel „Fisch“ sollen sowohl leichte als auch frische Rezepte vorgestellt werden. Gerichte wie „Lachs mit Haselnusskruste und Lauchgemüse“ (S.96) oder „Seelachs in Kräuter-Tomaten-Mascarpone-Sauce mit Blumenkohl-Chia-„Polenta““ (S.103) sind recht ansprechend, schrecken aber, wie in den anderen Kapiteln im Übrigen auch, durch sehr viele, zum Teil wiederum beinahe homöopatisch verwendete, exotische Zutaten ab.
Das nächste Kapitel, „Vegetarisch“, wird eingeführt mit den Zeilen: „Auch wenn es sich in diesem Kapitel ausschließlich um vegetarische Rezepte handelt, wollten wir auf unser Veggie-Symbol nicht verzichten, frei nach dem Motto „Sicher ist sicher“. Manchmal schlägt man nämlich ein Buch mittendrin auf und bleibt gleich bei seinem Lieblingsgericht hängen oder man kopiert eine Seite, bevor es in die Küche geht“ (S.118,f.). Auf solche Art und Weise wird ein jedes Kapitel eingeleitet.
In „Schnelle Gerichte“ werden Rezepte wie „Eier im Hackfleischmantel“ (S.152), „Bohnen-Avocado-Salat“ (S.155) oder „Überbackenes Brot“ (S.172) vorgestellt, die sich überwiegend in einer halben Stunde zubereiten lassen sollen.
Es folgen „Frühstücksideen und Desserts“, nicht ganz so viele, aber immerhin.

Die Gestaltung des Buches ist ansprechend, da auf Übersichtlichkeit geachtet wurde. Auf einen Blick erhält man alle für das Nachmachen relevanten Informationen und kann loslegen – sofern man nicht noch nach Zutaten suchen muss…
Denn hier liegt auch mein größter Kritikpunkt: Die Zutatenlisten sind meist überwältigend und recht ausgefallen. Mir verging deswegen bei vielen Gerichten die Lust aufs Nachmachen…
Ich vergebe für dieses schön gestaltete Buch, mit den nicht ganz so erfreulichen Zutatenlisten und den dafür recht ansprechenden, sehr abwechslungsreichen Rezepten 3 von 5 Sternen!

3-Sterne

📖 Rezension zu: „Schneeschippen in Kanada – In 15 Jobs bis zum Ende der Welt“ von Alexander Langer

Schneeschippen in Kanada

Echt schräg und unterhaltsam!

Als Jugendlicher, der hauptsächlich sein Skateboard im Sinn und schon das ein oder andere Mal Unfug gemacht hat, ist es an diesem kalten Tag in Kanada nicht gerade das beste Zeichen, dass seine Mutter unbedingt mit ihm reden muss. Allerdings will Alexander Langer partout nicht einfallen, was er dieses Mal angestellt haben soll. Als seine Mutter das Gespräche mit der Feststellung eröffnet, dass es um ihre Finanzen nicht gerade rosig bestellt ist, zermatert ihr Sohn sich sein Hirn, was er wohl derart demoliert haben könnte, dass es nun neu angeschafft werden müsse. Aber dieses Mal scheint es um nichts dergleichen zu gehen; stattdessen stellt seine Mutter in den Raum, er könne doch ein bisschen arbeiten gehen. Vor seinem innreren Auge schon im Geld badend, sagt Alex bereits begeistert zu – dass ihm praktisch schon ein Job besorgt worden ist, ist umso besser. Bis er erfährt, dass er als Kindermädchen bei den Delachaux’s anfangen soll. Denn eine solche Arbeit klingt so gar nicht nach wenig Arbeit mit viel Gewinn. Dementsprechend kurz hält er es auch nur bei diesem Arbeitsplatz aus. Doch dann stellt er fest, dass er dringend einen Job braucht, da er das Rascheln von frisch verdienten Dollarscheinen vermisst.
Es folgen zahlreiche, teils sehr kuriose und auch dubiose Jobs, die er jedoch nach Kurzem wieder aufgibt. Dann macht er sich auf die Suche nach einer neuen Anstellung, einem neuen Abenteuer, denn es fängt immer wieder damit an, dass er mal wieder dringend einen neuen Job braucht – nach einer Weile auch in Deutschland, nachdem er dort zu Verwandten gezogen ist. Ob Schneeschipper in Kanada, Golfplatzwächter mit Gewehr, Jazz-Bassist ohne wirklich Ahnung vom Bass spielen zu haben (wobei das ja zu 80% eh nur die richtige Haltung ist), illegaler Taxifahrer oder Leitplankenmonteur ist nicht so wichtig, da die Erfahrungen und der Weg zählen. Auf der Suche nach kurzer harter Arbeit mit einigem Gehalt sieht er so einiges von der Welt. In seinem Buch stellt er 15 Job-Erlebnisse vor, die sich nur darin gleichen, dass die Arbeitsstellen nicht das gewünschte große Geld bringen und Alexander dementsprechend nicht lange locken können.

Es ist schon faszinierend, wie man mit echt verrückten Jobs um die Welt kommen und sich nach einer Weile eine Art Sucht nach solchen einstellen kann. Denn jedes Mal, wenn mal wieder das Geld fehlt und dringend ein neuer Job benötigt wird, kann man nur ins Staunen kommen, womit man sich – mehr schlecht als recht, aber immerhin – über Wasser halten kann. Man hat das Gefühl, Alexander Langer habe keine Möglichkeit ausgelassen, verrückte Arbeitsangebote anzunehmen oder ebenso verrückte Geschäftsmodelle zu entwerfen. Was er dabei erlebt und wem er alles begegnet ist schon amüsant – auch aufgrund des lockeren und selbstironischen Schreibstils.
Schön sind dabei auch die „Weisheiten“ seiner Kollegen, die, zum Teil „gerade erst raus“, mal mehr, mal weniger von dem Arbeiten angetan sind.
Alexander scheint ständig Neues ausprobieren zu wollen, wobei das Ergebnis, in Form eines (häufig nicht einmal existenten) Lohnes, doch sehr ernüchternd ist.
Aber, wie es sein Kollege Dustin auf den Punkt bringt: „Geduld ist die Kunst, nur langsam wütend zu werden.“ (S. 170)
Mich haben die kurzen Erzählungen sehr unterhalten können – so viel Improvisationsgeschick muss erst einmal jemand aufbringen… Es ist spannend, Alexander Langer bei seinen 15 Abenteuern, die mit kleinen Running Gags gespickt sind, zu begleiten.

Und wenn er seine letzte Festanstellung bei der Wirtschaftszeitschrift „Business Punk“ nicht gefunden hätte, probierte er noch immer verschiedene Jobs aus… Ich vergebe 5 auch ganz abenteuerlustige Sterne, die aufgeregt am Himmel funkeln.

5-Sterne

📖 Rezension zu: „Die Pürin“ von Noëmi Lerch

Leise Töne…

„Am Anfang hatte ich den alten Schimmel, dann eine Kuh, dann zwei. Die Hühner sind dazu gekommen, und noch eine Kuh. Und so ging es weiter. (…) Heute habe ich vierzehn Kühe, vierzehn Rinder, siebenundvierzig Hühner und den alten Schimmel dazu.“ (S.47)
Eines Tages, als sie ihre Großeltern in deren Villa mit Namen Laudinella besucht, begegnet die bis zuletzt namenlose Erzählerin der Pürin. Diese hat vor Jahren, gegen einigen Widerstand, als Frau selbst mit dem Bewirtschaften eines eigenen Bauerhofes begonnen. Da sie immer älter, die Arbeit jedoch keineswegs weniger wird, fragt sie, ob die Frau nicht ihre Gehilfen werden möchte.
So notiert die Gehilfin die Erlebnisse der beiden – alles, was sie nicht vergessen möchte. Eine arbeitsame Zeit beginnt für sie, die aber, trotz aller Anstrengung, wohltuend ist. In Gedanken schweift sie gelegentlich zu diesem Mann ab. Demjenigen Mann, dessen Tasse zusammen mit der ihren noch einsam und verlassen auf dem Tisch in der alten Villa steht. Jeden Abend kehrt die Gehilfin in das verlassene Anwesen und nimmt die gesamte Atmosphäre in sich auf. Und auch, wenn dort niemand mehr wohnt und ihre Großmutter längst schon verstorben ist, begegnet sie ihr dort von Zeit zu Zeit, unterhält sich mit ihr oder lässt sich ein Getränk zur Stärkung von ihr zubereiten.
Nicht nur mit ihrer Großmutter spricht die Gehilfin, sondern auch mit Gegenständen wie dem Traktor oder mit Tieren.
„Ich frage mich, ob die Tänze des Falken einen praktischen Sinn haben. Ich frage den Falken. Er sagt, hungrig sei er nur im Winter.“ (S.63)

Als Leser begleitet man die anpackende, rätselhafte und entschlossene Pürin sowie die manchmal zweifelnde, unsichere und vergessen wollende Gehilfin über ein ganzes Jahr hinweg. Deswegen ist dieses 80 Seiten umfassende Werk in die vier Jahreszeiten gegliedert. Vom Winter ausgehend, bekommt man die Veränderungen ganz sachte aufgezeigt und bemerkt, wie sich alles im ewigen Kreislauf befindet.
Die Erzählerin hängt ihren Gedanken häufig nach, sodass man immer wieder den Zusammenhang suchen muss, ihn nach kurzer Zeit des Überlegens jedoch findet.
Zunächst war ich von den Gesprächen mit Verstorbenen, Tieren und Gegenständen nicht sonderlich angetan, nach einer Weile fügten sich diese Fragmente des Be- und Ergreifens der Umwelt jedoch zusammen und wurden stimmiger. Betrachtet man solche Szenen also als Suche, Zweifel, Unsicherheit oder Ähnliches, dann lernt man die Gehilfin deutlich besser kennen.
Sehr überraschend ist, wie gut die beiden Frauen, obwohl sie so unterschiedlich sind, harmonieren. In diesem Buch wird der Fokus auf das Wesentliche gelegt, sodass der Leser sich vieles vorstellen kann. Da kein Gespräch mit Anführungszeichen gekennzeichnet wird und die Sprache nüchtern belibt, hat man bei der Lektüre das Gefühl, in einer Seifenblase zu sitzten und, abgekapselt von allem anderen, nur der Pürin und ihrer Gehilfin bei ihrem Leben zuzuschauen.

„Die Pürin“ zeichnet sich weniger durch eine mitreißend-aufregende Geschichte, als durch eine ruhige Erzählung aus. Dieses Buch arbeitet sehr viel mit Atmosphäre und leisen Tönen, mit Kargheit statt großen Ausschmückungen. Zu erst musste ich mich an diese Art und Weise gewöhnen, nach einer Weile jedoch habe ich sie genossen.

Ich vergebe 4,5 von 5 Sternen

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📖 Rezension zu: „Vegan for Fit – Gipfelstürmer“ von Attila Hildmann

Cover für Vegan for Fit – Gipfelstürmer

Hat einige Schwächen…

„Mit seinem revolutionären Ansatz wird Attila Hildmann die Diätbuchwelt wieder einmal verändern. In Zukunft werden Menschen, die abnehmen wollen, nicht mehr einfach alle die gleichen Portionsgrößen und Nährstoffmengen bekommen.“, so die ersten beiden Sätze des Klappentextes. So unglaublich visionär ist dieser Ansatz meines Erachtens zwar nicht, dennoch ist es eine nennenswerte Idee, das ein kostenloser Internetrechner, mithilfe von Angaben zu Körpergröße, Alter, Gewicht und Beruf, ein persönlich auf den Leser zugeschnittenes Bewegungsprofil sowie individuelle Bedarfsmengen errechnet und sogar automatisch Einkaufszettel erzeugt. Weiterlesen

📖 Rezension zu: „Ein Zimmer über dem Meer“ von Dana Paul

Cover für Ein Zimmer über dem Meer

Sehr vorhersehbar…

Am liebsten würde Kim ihren heiß geliebten Verlobten Jake gar nicht gehen lassen, da sie weiß, dass die vierzehn Tage ohne ihn viel zu langsam vergehen werden. Doch für den Profi-Surfer stellt der rennomierte „World Surf Cup“ einen bedeutenden Wettbewerb dar. Auch wenn Kim die Wellen, welche ihn verschlingen könnten, fürchtet und immer in der Angst lebt, dass er nicht mehr Zuhause ankommt, weiß sie tief in ihrem Inneren, dass Jake auf dem Wasser vollkommen in seinem Element ist.
Allerdings wird Jake den Wettbewerbsort niemals erreichen, da das ihn dorthin bringen sollende Flugzeug auf dem Weg abstürtzt. Von unendlicher Trauer erfüllt, beschließt Kim so nah wie möglich an den Absturzort zu reisen und sich dort das Leben zu nehmen. Um also in der Nähe ihres Verlobten zu sterben, reist sie nach Penzance.
Als sie kurz darauf an den Klippen steht und auf das verlockende Meer unter sich blickt, in Gedanken schon bei Jake, taucht eine ältere Dame namens Janet auf, die Kims Plan zum Scheitern bringt. Die Dorfbewohnerin und Witwe des Leuchtturmwärters nimmt sie mit in ihr Haus am Meer und erzählt Kim von einer Frau, der taubstummen Leandra, die vor ungefähr hundert Jahren ein ähnliches Schicksal wie Kim durchlaufen hat, sich umbringen wollte und vom Leuchtturmwärter gerettet wurde. Aus Leadras Tagebuch erfährt sie nach und nach mehr von der berührenden und tragischen Geschichte. Als Janets Enkel Dan auftaucht, bringt er Kim durcheinander, sodass sie sich selbst die Frage stellen muss, ob sie bereit wäre, noch einmal zu lieben.

Mir gefällt die Idee, dass der Cornwall-Roman „Ein Zimmer über dem Meer“ zwei zeitlich stark voneinander getrennte Handlungsstränge umfasst. Da man immer wieder Auszüge aus Leandras Tagebuch liest, erhält man nach und nach einen besseren Eindruck von ihrem Leben und den vielen Schicksalsschlägen, Ungerechtigkeiten oder Demütigungen. Allerdings beeinflussen diese Erlebnisse die Geschichte von Kim kaum, sodass die beiden Erzählstränge nur wenig miteinander verknüpft werden.
Darüber hinaus ist die Handlung sehr vorhersehbar, was die Spannung deutlich mindert. Der Schreibstil ist angenehm leicht gehalten, weswegen sich das Buch schnell lesen lässt. Die Charaktere werden recht gut beschrieben, wobei ich mich weniger mit Kim als mit Janet anfreunden konnte. An einigen Stellen war das Buch meines Erachtens etwas überzogen und daher unrealistisch, was auch mit der Vorhersehbarkeit einhergeht.
Außerdem ist es für meinen Begriff schade, dass manchmal die Namen von Dan und Jake verwechselt wurden, da man diesen störenden und verwirrenden Fehler problemlos hätte vermeiden können.

Alles in allem handelt es sich hierbei um ein unaufgeregtes Buch, welches durchaus vorhersehbar, aber schön geschrieben worden ist. Für begeisterte Liebesroman-Leser ist es vielleicht eher geeignet, mich konnte es nicht so sehr für sich gewinnen…

Ich vergebe 3 von 5 Sternen

3-Sterne

📖 Rezension zu: „Das Scheitern Mitteleuropas 1918-1939″ von Walter Rauscher

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Äußerst informativ!

Der österreicherische Historiker Walter Rauscher, der bereits Biografien über Karl Renner und Reichspräsident Hindenburg sowie die Doppelbiografie „Hitler und Mussolini“ geschrieben hat, befasst sich in seinem neuen Werk mit der Zeit in Europa zwischen den beiden Weltkriegen. Denn in den 20er- und 30er- Jahern sorgen Weltwirtschaftskrise, linker und rechter Extremismus, Terror, Massenarbeitslosigkeit, Hyperinflation, Minderheitenfragen oder erbitterte Streitigkeiten um territoriale Grenzen für ein dramatisches Scheitern. Ebenso bereiten nationale Egoismen, ein wachsender Antisemitismus, das Misslingen von Staatenbund- und Zollunionsprojekten, die eine Entspannung der politischen und wirtschaftlichen Lage bringen sollten den Weg für faschistische Diktaturen wie unter Mussolini in Italien, autoritäre Regime wie in Ungarn, Jugoslawien, Polen, Rumänien und dem restlichen Osteuropa oder den Ständestaat in Österreich… Oder schließlich auch das Dritte Reich…
Das Europa der Zwischenkriegszeit wird als eines der Konfrontation, nicht der Kooperation dargestellt und viele Konfliktherde, oft durch den Pariser Frieden, die damit automatisch vorgenommene Unterteilung in Sieger und Verlierer sowie viele strittige Grenzentscheidungen verursacht, beleuchtet.
Dabei wird deutlich, dass die einzelnen Staaten immer wieder mit falschen (oder dem Unterlassen von) Handlungen die Lage noch verschlimmerten. Beim Lesen stellte sich mir häufig die Frage, ob man, wäre man ein wenig von den einzelstaatlichen Interessen, alten Feindbildern oder der Angst vor der Vormachtstellung eines Großstaates abgerückt, nicht so viel Leid hätte vermeiden können. Zahlreiche Möglichkeiten in diese Richtung hätten bestanden – allerdings wurden sie nicht wahrgenommen….
Sehr sachlich wird erläutert, wie der Boden für millionenfachen Tod, Vernichtung, Vertreibung und verheerende Zerstörung bereitet wurde, wobei das Zusammenwirken der Staaten Mitteleuropas – und nicht nur die Entscheidungen eines einzelnen Staates – betrachtet werden.
Gerade diese Betrachtungsweise hat mich neugierig gemacht, denn in der Regel beschränken sich die Bücher, die sich mit der Zeit zwischen 1918-1939 befassen, eher auf Deutschland. Aber natürlich gibt es wesentlich mehr Zusammenhänge, die man auf diese Art nicht verstünde. Ich war überrascht, wie viele für mich sehr neue Informationen dieses Werk daher umfasste.

Der verwendete Schreibstil ist extrem sachlich gehalten, sodass man bereits sehr bald merkt, dass beim Schreiben auf die wichtigen Aspekte der Fokus gesetzt wurde. Mir fiel es anfangs daher schwer, mich in das Buch hineinzulesen, denn entweder waren die Sätze extrem kurz oder äußerst lang gehalten.
Ein Beispiel möchte ich hierfür anführen: „Die lange Liste enthielt das Trentino und Südtirol, Triest, Istrien, Görz und Gradisca, den nördlichen und mittleren Teil Dalmatiens mit den vorgelagerten Inseln, den albanischen Hafen Valona mit dessen Hinterland, den Dodekanes, Libyen und bei einer Aufteilung des asiatischen Territoriums der Türkei das Gebiet von Antalya sowie Kompensationen in Afrika, sollten Großbritannien und Frankreich ihren Kolonialbesitz auf dem „Schwarzen Kontinent“ auf deutsche Kosten erweitern.“ (S.49)
Bei solchen Passagen kam ich zugegebener Maßen ins Schleudern und musste, nachdem ich sie mehrmals gelesen hatte, auch hin und wieder andernorts weitere Erklärungen suchen, da mir für die Lektüre zeitweise doch vorausgesetztes Wissen zu fehlen schien oder ich die Zusammenhänge gerne noch besser erklärt bekommen wollte, um eine bessere Vorstellung vom Gelesenen zu haben oder überhaupt den Abschnitten beim Lesen gerecht zu werden. Eindeutig ist dieses Werk nicht als Einstiegslektüre geeignet, sondern baut auf Vorwissen auf.
Es war sehr spannend, zu erfahren, wie sich die einzelnen Staaten beeinflussten und verhielten, da so einige Entscheidungen nachvollziehbarer wurden. Dabei werden innerhalb der Kapitel Unterteilungen in verschiedene Staaten vorgenommen und außen- und innenpolitische Maßnahmen und Haltungen einander gegenübergestellt.
Wirklich überraschend ist zudem, wie viel Informationen und Wissen auf vergleichsweise wenige Seiten gebracht worden sind, denn immerhin umfasst dieses Buch „lediglich“ 208 Seiten.
„Auch wenn Hitler sein Publikum bei einer Rede am 26. September im Berliner Sportpalast auf eine militärische Auseinandersetzung einschwor, zeigte sich bei anderen Gelegenheiten, dass die Mehrheit der Deutschen offensichtlich keinen Krieg wollte.“ (S.173) Die Entwicklungen werden auf schockierende Art und Weise aufgeführt, sodass man teilweise gar nicht fassen kann, wie viel in derart kurzer Zeit schief laufen kann.
Sehr erschreckend war es für mich zudem, wie viele Parallelen sich zur heutigen Zeit ziehen lassen…

Daher kann ich dieses Werk auch sehr empfehlen, denn, auch wenn es einiges an Wissen voraussetzt und der Schreibstil nicht so ganz zu packen vermag, zeigt „Das Scheitern Mitteleuropas 1918-1939“ von Walter Rauscher wichtige, aber eher weniger bekannte, Zusammenhänge auf. Gerade in Anbetracht der aktuellen Situation ist es sehr wichtig, das Geschehene nicht zu vergessen, sondern zu versuchen, es zu verstehen…

Ich vergebe 4/5 Sternen

4-Sterne

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📖 Rezension zu: „Slow – Family Sieben Zutaten für ein einfaches Leben mit Kindern“ von Julia Dibbern, Nicola Schmidt

„Lasst uns langsam, achtsam, echt sein!“ (S. 63)

Regelrecht überflutet wird man mit Erziehungsratgebern oder Tipps von selbsternannten Mustereltern, die einen in eine bestimmte Richtung drängen möchten. Du arbeitest nicht, sondern nimmst dir Zeit für dein Kind? Kein Wunder, dass das Kind immer träger wird – bei dem Vorbild. Du gehst arbeiten? Was für Rabeneltern, die sich nicht um ihr Kind kümmern. So wird das Leben mit Kindern, wie auch so viele andere (Lebens-)Bereiche immer schneller und komplizierter. Doch geht es bei Erziehung, bei dem Umgang mit seinen Kindern keinesfalls wie bei anderen ökonomischen Systemen um Effiziens, Zeitmanagement und Gewinnmaximierung.
Viel zu sehr gerät man, den heutigen Trends folgend, unter Druck. Zu Beginn des Buches wird dies mit dem Beispiel der am Morgen gestressten Mutter (beliebig auch durch einen Vater zu ersetzen), die, mit Taschen bepackt und dem Kind auf dem Arm, aus dem Haus stürmt, nur schwerlich abschließen kann, zum Auto hetzt, um noch irgendwie pünktlich zu kommen, als das Kind in diesem so stressigen moment bemerkt: „Mama, guck mal, ‚metterling!“ (S.9).
Schnell kommt die Frage auf, weswegen man sich nicht mehr die Zeit nimmt, um mit dem Kind eine Pusteblume zu bestaunen. Sich Zeit zu nehmen ist schließlich so wichtig. In diesem Buch zeigen die Begründerinnen der Artgerecht-Bewegung wie kleine Veränderungen das Familienleben entschleunigen und naturnah machen.

Das Buch ist in die Kapitel „Bullerbü für alle!“, „Apokalypse? Öh, jetzt?!“, „Die Familienbedürfnispyramide“, „Unser Nordstern: langsam, achtsam, echt“ sowie in den Rezeptteil bestehend aus den Kapiteln „Sieben Zutaten“, „Slow Village“, „Slow Nature“, „Slow Family Life“ und „Crazy Happy Planet“ unterteilt.
Im ersten Teil wird zunächst die aktuelle Situation beschrieben und die Fehlerquellen herausgefiltert. Darauf aufbauend wird gezeigt, was man in einer Familie stattdessen braucht und der Leser wird ermutigt, Alternativen auszuprobieren und sich nicht klein kriegen zu lassen.
Teilweise auch in Dialogform beschreiben Julia Dibbern und Nicola Schmidt wie sie verschiedene Ideen ausprobiert und letztendlich ihren Weg gefunden haben. So erfährt man von Erlebnissen – die man manchmal auch selber so oder so ähnlich bereits gemacht hat – oder von den Stützfeilern guten Zusammenlebens. Dabei wird gezeigt, wie viel Vertrauen schon bewirken kann, denn Angst „spüren die Kinder mit Sensoren, die feiner sind als die Sternsensoren des Hubble-Weltraumteleskops.“ (S.74) Warum also den Kindern nicht einmal eine Aufgabe wie Kräuter aus dem Garten zu holen betrauen? Auch das Treffen von Entscheidungen wird thematisiert, da gerade diese immer wieder für Unsicherheit führen. „Gute Entscheidungen erfüllen uns – nicht unsere Schränke.“ (S. 65) Von Bedeutung sei daher die Frage: „Was ist in 10 Jahren noch wichtig?“ (S.72)
In meinen Augen deutlich spannender war dennoch der zweite Teil, der gezielt Antworten gibt. Welche Zutaten sind von nöten, um das Familienleben zu stärken? Nicht nur Liebe, Achtsamkeit, Natur, Wissen und Gemeinschaft – nein, es gehören noch weitere Ingredienzien dazu. Darauf, wie man diese Komponenten Stück für Stück aus- und aufbauen kann, wird sehr verständlich eingegangen. Sehr hilfreich sind vor allem die „slow-down-faster-tipp“-Boxen, welche kleine Handlungsmöglichkeiten oder Übungen aufweisen und erklären. Des Weiteren sehr überzeugend sind in meinen Augen auch die mit „Heute mache ich mit dir…“ eingeleiteten Passagen, da sie Spiel-, Forsch-, Freizeitgestaltungsvorschläge oder Ähnliches beinhalten. An diesen erkennt man die Entschleunigung und die Betonung auf Nähe zur Natur sehr gut.
Das Buch ist sehr schön aufgebaut, besonders der „Rezeptteil“ konnte mich für sich gewinnen. Verständlich und abwechslungsreich geschrieben, stöbert und liest man gerne weiter. Unterschiedliche Farben, eingefügte Dialoge, Darstellungen wie Bedürfnispyramiden und Fotografien tragen zu der ansprechenden Gestaltung dieses Buches bei. Die Autorinnen beschränken sich nicht ausschließlich auf ihre eigenen Erfahrungen und Meinungen, sondern beziehen auch Theorien, Modelle oder Feststellungen anderer ein. So wird beispielsweise der „Effekt des bloßen Kontakts“ (Mere-exposure-effect) von dem Psychologen Robert Zajonc angeführt oder der Politikwissenschaftler und Zukunftsforscher John Naisbitt zitiert: „Wir ertrinken in Informationen, aber was Wissen angeht, sind wir ausgehungert.“
So erhält man ein stimmiges Gesamtbild, auch wenn einige der vorgestellten Erkenntnisse in meinen Augen auch selbstverständlich sind und ich sie für normal und keineswegs alternativ halte. Dies mag aber auch daran liegen, wie ich selber erzogen wurde…

In meinen Augen beinhaltet dieses Buch viele hilfreiche Anregungen, Tipps und Denkanstöße, weswegen sich die Lektüre lohnt.

Ich vergebe 4,5 Sterne

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📖 Rezension zu: „Harry Potter und das verwunschene Kind. Teil eins und zwei (Special Rehearsal Edition Script) “ von Joanne K. Rowling, John Tiffany

Logikfehler, Pointen, die aus dem Ärmel geschüttelt werden,…

Es sind bereits 19 Jahre vergangen, seitdem Lord Voldemort besiegt und somit das Dunkle vertrieben worden ist. Harry Potter, bereits mehrfacher Vater, bekleidet einen arbeitsamen Posten im Zaubereiministerium. Deshalb und da er nie einen Vater zum Vorbild hatte, kann er keine sonderlich gute Beziehung zu einem seiner Kinder aufbauen: Albus Severus Potter hat es satt, immer mit „dem, der überlebt hat“ in Verbindung gebracht zu werden. Es ödet ihn an, fortwährend von dem harten Schicksal, den großen Heldentaten und den Talenten seines Vaters zu hören. Regelrecht wütend wird er gerade jetzt, da er zum ersten Mal nach Hogwarts reist. Schließlich ist der Erwartungsdruck enorm und erste Ängste betreffen bereits die Wahl des sprechenden Hutes – wird er, wie es einem Potter ziemt, nach Gryffindor geschickt werden?
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📖 Rezension zu: „Im Wald“ von Nele Neuhaus

Cover für Im Wald

Viel zu unübersichtlich und verwirrend…

Im Wald bei Ruppertshain steht in tiefster Nacht ein Wohnwagen in Flammen. Das Feuer lässt sich nur schwerlich unter Kontrolle bringen und nachdem eine Leiche geborgen wird. erhärtet sich der Verdacht, dass es sich um ein Mordopfer handeln könnte. Oliver von Bodenstein und Pia Sander vom K11 in Hofheim ahnen zu dem Zeitpunkt noch gar nicht, was für eine Reihe von grausamen Geschehnissen sie noch erwarten wird. Schließlich finden sie die totkranke alte Wohnwagenbesitzerin Resi tot in einem Hospiz auf. Schnell wird klar, dass der Täter sehr intelligent, kalkulierend, eiskalt und unberechenbar sein muss – weder schreckt er vor alten noch vor sehr jungen Opfern zurück.
Mit jedem Detail, das ans Licht gezogen, mit jeder Vermutung, die angestellt, mit jedem Opfer, dass aufgefunden wird und mit jedem Ausweichen bei einer Zeugenbefragung wächst die Befürchtung, dass der Täter Mitwisser zum ewigen Schweigen bringen und eine längst vergangene Tat, über die in der gesamten Ortschaft ein Mantel des Schweigens gelegt worden ist, vertuschen möchte. So führen die Ermittlungen immer weiter in Bodensteins nahes Umfeld, seinen Freundeskreis und seine Kindheit.
Etwas muss im Sommer 1972 geschehen sein. Aus bisher noch unerfindlichen Gründen wurde ein Geheimnis von damals wieder ausgegraben. Irgendwo läuft jemand durch die Gegend ohne vor weiteren Opfern zurückzuschrecken. Doch wäre es falsch, sich nur auf die Vergangenheit zu stürzen, weswegen zahlreiche Ansätze in zig verschiedene Richtungen verfolgt und viele Verdächtigungen erhoben werden.
Bald wissen Pia und Oliver kaum noch weiter, besonders, da sie auf eine Mauer des Lügens und des Schweigens gestoßen sind. Diese zu durchbrechen wird ihnen alles abverlangen. Ob Bodenstein bei all den Verstrickungen noch objektiv bleiben kann, muss immer wieder angezweifelt werden und dem Team macht es zu schaffen, dass dieser achte vorerst auch der letzte Fall mit ihrem Chef sein wird, da dieser eine einjährige Auszeit zu nehmen gedenkt…

Dieses ist mein erstes Buch von Nele Neuhaus gewesen und nach den zahlreichen positiven Bewertungen war ich auf „Im Wald“ sehr gespannt. Auf den ersten Seiten befindet sich ein Personenregister, dessen Fülle mich sehr überraschte. Doch im Verlauf der Lektüre musste ich feststellen, dass es trotzdem bei weitem nicht alle Charaktere beinhaltet und häufig ausschließlich die Namen aufgelisten worden sind, sodass es sehr schwierig war, die Figuren einzuordnen. Über 50 Charaktere, deren Bedeutung stetig schwankt, hemmten permanent den Lesefluss. Dass dann auch noch viele von ihnen (über mehrere Ecken) verwandt sind, früher eine Beziehung hatten, jetzt zusammen leben, früher in einer Bande waren, nun befreundet sind, wohlmöglich ein Verhältnis haben und und und verstärkte dies zudem. Da die Ermittlungen bis über vierzig Jahre in die Vergangenheit reichen, war ich auch immer wieder ob des Alters oder Familienstandes verwirrt. Mich hat das wirklich ausgesprochen gestört und teilweise war ich wegen der ganzen Verwirrung ziemlich genervt… Die Beziehungen sind so verstrickt, dass man sie nur schwerlich zu durchschauen vermag.
Dann folgen die Ermittlungen auch keinem richtigen Plan. Hier und da wird mal herumgestochert, ein paar Fragen werden gestellt und man verliert sich in großen Spekulationen, während sich in der Gerichtsmedizin die Leichen stapeln. Häufig folgt nach einer Theorie dann ein „So könnte es gewesen sein.“ und kurz darauf ist bereits die nächste Möglichkeit gefunden. Dennoch wird kaum eine dieser Spekulationen weiter verfolgt, stattdessen lässt man sie links liegen und phantasiert weiter – ziemlich kontraproduktiv, da aufgrund von Schlafmangel nicht immer so schlüssig kombiniert wird.
Irgendwann kommen die Ermittler dann aber doch noch mal auf ihre Vermutungen zurück, überprüfen diese und gerade in dem Moment als man sich wieder in den Gedankengang hineingefunden hat, wird er wieder einfach so fallen gelassen. Recht störend war das für mich.
Zudem ziehen sich die 560 Seiten sehr in die Länge. Immer wieder hatte ich das Gefühl, das Ganze eiere nur so herum, ohne wirklich auf den Kern zu treffen. So wurde das Lesen immer anstrengender.
Man erfährt beim Lesen so einiges über das Privatleben der Ermittler, was besonders für Leser der gesamten Reihe von Interesse sein dürfte. Mir haben die Passagen mit Bodensteins Tochter, die unbedingt auch mal eine Leiche sehen möchte, sehr gefallen; war er jedoch wieder in einer Phase der Schuldgefühle, war ich nicht mehr ganz so begeistert. Tariq, der neu im Team ist, war hingegen ein Sympathieträger, der in meinen Augen gerne häufiger hätte Erwähnung finden können.
Mit dem Täter hätte ich so nicht gerechnet, allerdings konnte ich auch nicht so gut miträtseln, da ich die einzelnen Figuren nicht wirklich auseinander halten konnte.
Der Schreibstil ist ganz angenehm, die Sätze sind flüssig formuliert und weder zu lang noch zu kurz. Jedoch ziehen sich die Kapitel zum Teil über hundert Seiten und generell ist das Buch etwas langatmig. Darüber hinaus erscheinen mir einige Zusammenhänge und Ereignisse arg konstruiert.

Ich vergebe 2 von 5 Sternen

2-Sterne

Winter Book Tag

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Von der lieben Alicia von Meine kleine Bücherwelt bin ich für den Winter Book Tag nominiert – an dieser Stelle vielen Dank! *Mein aller erster Tag*  😀

Jetzt bin ich auf die Fragen ganz gespannt…

1. Snow: It is beautiful when it first falls, but then it starts to melt. A book/book series that you loved at the beginning, but then, at the middle of it, you realized you don’t like it any longer.

Da ist mir sofort die Mitternachtszirkus-Reihe von Darren Shan in den Sinn gekommen. Die ersten, ich denke mal 6, Bücher konnten mich jeweils von der ersten Seite an in den Bann ziehen und begeistern. Den Schreibstil fand ich wunderbar, die Geschichten und die Charaktere auch. Und das obwohl es sich um Vampirbücher handelt. 🙂 Auf die reagiere ich in der Regel ja höchstgradig allergisch. Aber da die Vampire da eh keine Blutsauger waren (sondern allgemein ziemlich anders), war ich echt fasziniert. Allerdings war das dann plötzlich vorbei. Mag wohl daran liegen, dass zwischen den einzelnen Bänden immer ein paar Jahre liegen sollten und somit aus dem einst 16 Jahre alten Protagonisten ein Jugendlicher in den Vierzigern geworden ist… Passte nicht mehr so ganz… Als dann auch noch mein Lieblingscharakter auf ziemlich unnötige Weise aus den weiteren Bänden verbannt wurde, war es für mich aus… 😛 Die letzten 3 der 13 Bände warten noch in meinem Bücherregal *seufz*.

2. Slowflake: Something beautiful and always different. Choose a book that stands out, that is different from all the other books you’ve read.

Uiuiui… Es gibt doch so viele besondere Bücher… Aber ein Buch ist mir bei der Frage sofort vor dem so gerne erwähnten geistigen Auge erschienen:

Buchdeckel „978-3-608-96137-9 Dieses ist definitiv ganz anders 😀 Hier geht’s zur Rezension -> klick

3. Snowman: It is always fun to make one with your family. Choose a book that your whole family could read.

Für meine gesamte Familie wird sich schwerlich ein passendes Buch finden…

https://i0.wp.com/trapped.geistesleben.de/files/images/book_product/9783772526565_10785.png Dieses am ehesten & hier geht’s zur Rezension -> klick

4. Christmas: Choose a book that is full of happiness, that made you warm inside after reading it.

Dieses Buch habe ich zwar bereits vor einer ganzen Weile gelesen, es ist hier aber goldrichtig.

Draußen wartet die Welt „Draußen wartet die Welt“ ❤ -> klick

5. Santa Claus: He brings wonderful presents. Choose a book that you’d like to get for Christmas.

Nur eines??? Mir fielen da ja schon ein paar ein… Vielleicht eine ganz besonders schöne Ausgabe von Alice in Wonderland? *träum*

6. Snow bowling: It can be painful to be hit by a snowball. Choose a book that hurt, that made you feel some strong emotion, like sadness, or anger.

Jetzt muss ich aber mehrere nennen!!! 🙂

Der Garten der verlorenen Seelen Hier weiß ich gar nicht mehr genau, was ich exakt gefühlt habe. Ich glaube ich war einfach überwältigt… Es werden derart heftige Szenen geschildert und sprachlich ist dieses Werk so beeindruckend. Ich war einfach am Ende mit den Nerven… -> klick

 

 

 

Das Verschwinden des Philip S. Dieses Buch hat mich geschockt und mit einem unglaublich starken Interesse für die Studentenaufstände zurück gelassen. Das hat sich noch immer nicht geändert. -> klick

 

 

 

Der Märchenerzähler Was soll ich da groß sagen? Mein erstes Buch von Antonia Michaelis. -> klick

 

 

 

 

Die Verbrannten Ich war wütend, fustriert und geschockt darüber, wie in einem Land voller Korruption und krimineller Banden mit Flüchtlingen umgegangen wird. -> klick

 

 

 

 

Niemand liebt November Noch so ein Michaelis-Buch das mich sehr berührt hat. Eigentlich müsste ich alle Werke, die ich bereits von ihr gelesen habe, auf diese Liste setzen… -> klick

7. Sledding: We all loved it when we were younger. Choose a book that you loved when you were a child.

Wie für Pialalama gehört hier „Hörbe mit dem großen Hut“ genannt. Außerdem noch „Krabat“ (welches meine Mutter zum Glück schon sehr früh mit mir gemeinsam gelesen hat) und „Böse Hex, liebe Hex“! ❤

8. Frostbite: Choose a book that you were really disappointed in.

Auch da könnte ich leider mehrere nennen, entscheide mich aber für

„Cooper“ – Menschen die ermordet werden oder tödliche Unfälle haben und kurz darauf mit Kühlschränken im Garten reden, sind mir schlicht weg suspekt…-> klick

9. Reindeer: Something that is dear to us. Choose a book that is of great sentimental value to you.

„Maia oder Als Miss Minton ihr Korsett in den Amazonas warf“ von Eva Ibbotson weckt einige Erinnerungen an die gemeinsamen Lesestunden mit meiner Mutter. „Damals“ war das mit dem Selberlesen noch ganz aufregend, neu und ein bisschen anstrengend, weswegen ich mich in der Regel auf die Briefe und kursiv gedruckte Passagen (japp, die mochte ich schon immer) gestürtzt habe. 🙂

Das war es auch schon! 😀 Kennt ihr die von mir gewählten Bücher? Habt ihr bei einer Frage das gleiche vor Augen gehabt? Oder wie hättet ihr geantwortet? Ich hoffe euch haben meine Antworten zusagen können. 😉

Ich tagge für den Winter Book Tag:

  1. Hunderte Gedanken
  2. Freigedichtung
  3. Ich lese
  4. Büchereckenliebe
  5. lovingliving

Ich hoffe ihr macht mit – ich bin gespannt auf eure Antworten! 🙂