📖 Rezension zu: „Ich denke zu viel“ von Christel Petitcollin

Nicht stimmig

In diesem Buch stellt die Autorin einen Zusammenhang zwischen HochsensibilitĂ€t und Hochbegabung her, wobei sie in ihren Beschreibungen den Begriff der „mental hocheffizienten“ Menschen vorzieht. Ihre Grundannahme ist, dass bei Hochsensiblen die rechte GehirnhĂ€lfte gegenĂŒber der linken dominant ist und sich daraus im Vergleich zu dem Großteil unserer Gesellschaft Unterschiede im Denken und Empfinden ergeben. Spannend an dieser Sichtweise fand ich beispielsweise, dass festgestellt wurde, dass in asiatischen LĂ€ndern die rechte GehirnhĂ€lfte generell aktiver ist, als in westlichen LĂ€ndern und dass sich dies auch in der Kultur widerspiegelt.

Die Autorin beginnt damit, ein Bild ihrer Zielgruppe zu zeichnen: Sehr einfĂŒhlsame Menschen, die gerne ĂŒber grundlegende Themen philosphieren, schnell Lösungen zu Problemen finden, sehr idealisierte Wertvorstellungen haben, von denen sie keineswegs abrĂŒcken können, hĂ€ufig unter depressiven Verstimmungen oder gar Depressionen leiden, aufgrund ihrer unaufhörlich ratternden Gedanken oftmals Schlafstörungen entwickeln und so weiter. Viele dieser Aspekte sind nichts neues mehr und leiten ganz selbstverstĂ€ndlich BĂŒcher zu HochsensibilitĂ€t ein. HĂ€ufig muss ich jedoch gestehen, dass die Attribute, welche die Autorin nach ihrer – wie sie schreibt – intensiven Arbeit mit hocheffizienten Klienten gewonnen hat, zum Teil widersprĂŒchlich und nicht ganz schlĂŒssig sind. Die Autorin wirft hierbei gerne mit Super- oder Hyperlativen um sich, wo andere sich womöglich vorsichtig und einfĂŒhlsamer geĂ€ußert hĂ€tten. Hierbei hat man mal den Eindruck, es handle sich um eine lebensbedrohliche Krankheit und mal, Hochsensible seien geradzu Übermenschen. Beides trifft meines Erachtens nicht zu; schließlich handelt es sich einfach um eine andere Art der Reizverarbeitung. Einer solchen Ungleichheit sollte doch bitte keine Ungleichwertigkeit folgen. Außerdem missfĂ€llt mir der Ausdruck „unter HochsensibilitĂ€t leiden“ sehr… Zudem fiel mir negativ auf, dass die Autorin ausdrĂŒcklich den Ruf, Hochbegabte oder Hochsensible seien uneinsichtig, abgehoben, arrogant, sozial zurĂŒckgeblieben und könnten sich nicht auf andere einstellen, zurĂŒck weist, dennoch aber genau solche Thesen ĂŒber sie formuliert. Und ist es stimmig, dass ein Individuum, welches besonders einfĂŒhlsam, hilfsbereit und so weiter, sozial unterentwickelt ist?
Der Vergleich von HSM und Autisten war fĂŒr mich auch nicht unbedingt neu, einige Aspekte gaben dennoch neue DenkanstĂ¶ĂŸe, da sich die Autorin diesem Thema immer wieder widmet. Ebenso verhĂ€lt es sich mit der VerknĂŒpfung von HS und HB, wobei sich diese Bereiche meines Erachtens sowieso nur recht schwierig voneinander vollstĂ€ndig isoliert betrachten lassen. Allerdings denke ich, dass der Titel mehr in Richtung Hochbegabung deutet und daher womöglich irrefĂŒhrt – denn die HochsensibilitĂ€t ist in diesem Werk das eigentliche Thema.
Was dieses von anderen BĂŒchern unterscheiden soll, ist der Praxisteil. Er soll Informationen dazu beinhalten, wie Hocheffiziente bestmöglich mit sich und der Gesellschaft im Einklang leben können. Ehrlich gestanden haben mich diese Hilfestellungen etwas enttĂ€uscht, denn dass man sich beispielsweise so wie man ist annehmen sollte, um glĂŒcklicher zu sein und eine positivere Ausstrahlung zu haben, ist wohl kein sonderlich revolutionĂ€rer Gedankengang. Die Gedanken wie auf einem Dachboden zu sortieren, um kein Chaos mehr im Kopf zu haben, halte ich mehr fĂŒr eine nette Idee als einen guten Vorschlag. Als durchaus hilfreich habe ich das Unterkapitel zum Neinsagen empfunden. Sicherlich findet man hier aber, besonders wenn man sonst noch keine Werke zu diesem oder einem verwandten Thema gelesen hat, Anregungen um das Verhalten und die Haltung von anderen und sich selbst besser reflektieren zu können. Mich konnte das Werk jedoch nicht ĂŒberzeugen.

Von mir gibt es zwei Sterne

2-Sterne

Hier geht es zur Buchseite -> klick

Und hier gelangt ihr zur Verlagsseite -> klick

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s