📖 Rezension zu: „Gert Westphal liest Johann Wolfgang von Goethe“ von Johann Wolfgang von Goethe

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Ansprechende Werke weniger ansprechend gelesen…

Als ich auf diese Kollektion aufmerksam wurde, war ich von der Zusammenstellung der Werke sehr angetan – auf 6 mp3-CDs mit einer Laufzeit von 63h 45 finden sich zahlreiche Werke Goethes. So umfasst die große Höredition Goethes „Autobiografie Dichtung und Wahrheit“, den Reisebericht „Italienische Reise“, „Die Leiden des jungen Werthers“, das Versepos „Reineke Fuchs“, die Gedichtsammlung „West-Östlicher Diwan“, eine umfangreiche Sammlung an Gedichten und Balladen sowie Goethes Gespräche mit Zelter und Eckermann. Kurz um: Meine Neugierde war mehr als geweckt.
Gelesen von Gert Westphal, reizte mich das Hörbuch noch mehr, da mir sein Name zwar durchaus ein Begriff ist, ich jedoch zuvor noch keine seiner Lesungen gehört habe. Beschrieben wird er als „großer Goethe-Interpret“ oder „König der Vorleser“, der es vermag, den Worten Goethes Lebendigkeit einzuhauchen und ihren Charakter zu unterstreichen. Ein Grund mehr also, sich auf das Hörerlebnis zu freuen, dachte ich.

Die Zusammenstellung der Werke halte ich für sehr gelungen – für Goethe-Liebhaber findet sich hier ein breit gefächertes Angebot verschiedener Genre, Epochen und Thematiken. Meiner Meinung nach ist es gelungen, bei dieser Kollektion ein stimmiges Gesamtbild zu schaffen. Allerdings, und das finde ich äußerst schade, kann ich mich den Huldigungen gegenüber dem Sprecher absolut nicht anschließen… Möglicherweise waren meine Erwartungen nach den vielversprechenden Ankündigungen auch etwas hoch – aber was ich dann zu hören bekam, war mir eher ein Graus als ein Genuss… Mir ist es noch immer ein großes Rätsel, wie man beim Lesen des Zauberlehrlings nicht im Metrum bleiben kann… Die mal 3-, mal 4-hebigen Trochäen verleihen dem bekannten Werk einen solch eingängigen Rhythmus, den sich doch eigentlich niemand zu entziehen vermag, dass man als (Vor-)leser nur so durch die Verse wallt. Selbst bei Versuchen, den Zauberlehrling als Rap zu adaptieren, blieb das Versmaß erhalten, das für das Werk doch auch so wichtig ist. Bei Westphals Lesart ging die schöne Dynamik des Werkes vollkommen verloren, man selbst war gedanklich im Werk schon weiter, auch die unbetonten Kadenzen wurden ungeachtet gelassen. Darüber hinaus sind hier in meinen Augen die Klangstruktur und semantische Ebene so eng verwoben, dass eine derart andere Betonung nicht nur das Klangbild verändert, sondern auch für gravierende Verschiebungen auf der Bedeutungsebene sorgt. So war das Lautbild ein ganz anderes – ja, Westphal hat dem Werk „Charakter“ verliehen, doch ich wage zu bezweifeln, dass eben dieser der gemeinhin auf Begeisterung stoßende ist. Bei dieser Ballade ist es mir besonders schmerzlich aufgefallen, doch auch bei anderen Werken Goethes wird immer wieder an für mein Empfinden unpassenden Stellen die Stimme erhoben, eine Betonung gesetzt, eine Pause eingelegt, die Stimmhöhe gewechselt und so weiter.
Da ich mich beim Hören gedanklich so sehr an der Sprechart des Vorlesers aufgehalten habe, konnte ich mich auf die Werke selber leider nicht konzentrieren.

So lässt mich diese Kollektion etwas ratlos zurück: Eine wirklich tolle Auswahl an Werken auf der einen, aber eine für mein Empfinden wenig gelungene Präsentation dieser auf der anderen Seite. Goethe- und Westphal-Fans werden sicherlich ihre Freude haben, wenn man allerdings an Gert Westphals Art nicht sonderlich viel Gefallen findet, löst sich ein guter Teil des Hörvergnügens einfach auf.

Daher vergebe ich – noch immer etwas zwigespalten – 2 von 5 Sternen

2-Sterne

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