­čôľ Rezension zu: ÔÇ×Das Kleine ├ťbungsheft – Eifersucht verstehen und ├╝berwinden“ von Yves-Alexandre Thalman

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Entt├Ąuschend…

Ein bisschen Eifersucht ist gar nicht so verkehrt, zeigt sie doch, wie viel uns an einem Menschen liegt. Im Gegensatz zum Neid, der den Wunsch nach etwas au├čerhalb unseres „Besitzes“ ausdr├╝ckt, f├╝rchten wir uns davor, etwas Liebgewonnenes zu verlieren. Das ist ganz nat├╝rlich und kommt bei jedem mal vor. Zumindest fast, denn es soll in sogenannten polyamoren Gemeinschaften das komplette Gegenteil, Compersion genannt, geben. Hier wird behauptet, die Mitglieder w├╝rden Freude dabei empfinden, wenn geliebte Menschen Zeit mit Anderen verbringen und sich dabei am├╝sieren.
Selbstverst├Ąndlich kann man dies hinterfragen und nicht als den eigenen Weg ausw├Ąhlen, wenn die eigene Eifersucht einem jedoch das Leben erschwert oder die Beziehung belastet, so sollten die Alarmglocken l├Ąuten. Denn wenn das Vertrauen fehlt, ger├Ąt das gesamte Miteinander ins Wanken und der Cocktail unangenehmer Gef├╝hle wird immer st├Ąrker und ├╝berw├Ąltigender.
Das kleine ├ťbungsheft „Eifersucht verstehen und ├╝berwinden“ soll mit zahlreichen ├ťbungen wie der Visualisierung, Tests, Informationen und Gedankenspielen dabei helfen, Strategien zu entwickeln, welche die Partnerschaft erleichtern und verbessern k├Ânnen.
„Wenn Sie eifers├╝chtig sind, denken Sie daran: Je mehr sie wissen, umso mehr leiden Sie.“ (S.47)

Dies ist wirklich nicht mein erstes Buch aus der Bibliothek der guten Gef├╝hle, weswegen ich bereits vor der ersten Seite sehr neugierig und mir sicher war, das B├╝chlein w├╝rde mir sehr gefallen.
Tats├Ąchlich ist auch dieses Buch aus der Reihe sehr ansprechend gestaltet und der Mix aus Informationen und ├ťbungen, sprich das Aufgerufensein aktiv zu werden, konnte mich wieder ├╝berzeugen. Der Ansatz, dass ein Mittelweg zwischen Eifersucht und Compersion gefunden werden sollte, leuchtet mir genauso ein, wie dass eine permanente ├ťberwachung des Partners alles andere als fair oder beziehungsf├Ârdernd ist.
Immer wieder h├Ątte ich den Aussagen des Buches gerne laut widersprochen oder kam nicht umher, zu denken, dass einige Zusammenh├Ąnge und Sachverhalten etwas simpel heruntergebrochen worden sind. Gerade die angef├╝hrten Unterschiede zwischen Mann und Frau haben mich skeptisch gemacht. Bin ich ein aus der Reihe tanzendes Exemplar in der Damenwelt, weil mich bei der Aussage „Ich muss dir unbedingt jemanden vorstellen. Ich habe mich richtig lange mit ihr unterhalten, und es war richtig interessant! Ich hatte wirklich einen sehr anregenden Abend, und auch du wirst sie bestimmt sehr sympathisch finden.“ (S.24) nicht sofort Fragen nach ihrem Alter, ihrer Oberweite oder ihrer Attraktivit├Ąt plagen?
Ich hoffe doch nicht…
Allgemein kommt das weibliche Geschlecht in diesem Buch meines Erachtens nicht sonderlich gut weg… Unterschieden werden n├Ąmlich zwei Arten der Eifersucht: Die des Mannes und die der Frau, was an zwei Szenarien verdeutlicht werden soll. Die eine Situation beschreibt, dass der Partner/ die Partnerin einen One-Night-Stand hatte, bei dem Gef├╝hle allerdings keine Rolle spielen. Bei der zweiten Situation hat der Lebensgef├Ąhrte/ die Lebensgef├Ąhrtin den ehemaligen Partner wiedergetroffen und diesen zwar nicht einmal ber├╝hrt, jedoch erneut Gef├╝hle zu ihm/ ihr aufleben lassen. Nach These des Autors ist Szenario eins f├╝r M├Ąnner schlimmer, da diesen die Reproduktion in einer Beziehung schon allein evolutionsbiologisch begr├╝ndet wichtig sei, w├Ąhrend die schutzbed├╝rftige Frau bei Szenario zwei f├╝rchten muss, dass ihr Versorger sie verl├Ąsst und ihr ├ťberleben so zu einer echten Herausforderung wird.
Mehr oder weniger direkt wird im Verlaufe des Buches immer wieder darauf hingewiesen, dass die schwachen Frauen vom Mann gewisserma├čen abh├Ąngig sind – k├Ânnen sie doch nicht auf eigenen Beinen stehen. Mir l├Ąsst ein solches Frauenbild nicht nur Schauer ├╝ber den R├╝cken laufen, die Fu├čn├Ągel aufrollen, sondern auch noch die Haare zu Berge stehen.
Ich denke heutzutage sind wir Frauen doch so modern und emanzipiert, dass wir von keinem starken Mann als Versorger mehr abh├Ąngig sind, der uns vor L├Âwen und Mammuten besch├╝tzt. Dar├╝ber hinaus bezweifle ich, dass M├Ąnner mit der Behauptung, die Reproduktion sei f├╝r sie der Dreh- und Angelpunkt einer Beziehung, einverstanden w├Ąren…
Bricht man das menschliche Gef├╝hlsleben auf diese Art nicht auf ein k├╝mmerliches Nicht-mal-Mindestma├č hinunter?
Leugnen kann ich selbstverst├Ąndlich nicht, dass das Zusammenleben besonders unserer Vorfahren dadurch bedingt wurde, dass man den Nachwuchs gemeinsam gro├čzuziehen hatte. Mich stimmt die Vorstellung, dies sei der einzige Grund heutiger Beziehungen, ├Ąu├čerst traurig und ich kann ihr auch nicht zustimmen.
Beim Lesen beschlich mich immer wieder das Gef├╝hl, das Werk eines Mannes zu lesen, der noch nicht so ganz mitbekommen hat, wie Frauen sich heutzutage verhalten und, dass sie Lebewesen mit Verstand sind, die nicht blo├č urinstinktgesteuert sind und sich am liebsten sofort an die muskul├Âse Brust eines starken Mannes werfen w├╝rden… Tats├Ąchlich habe ich erst nach der Lekt├╝re nachgesehen und festgestellt, dass dieses B├╝chlein wirklich von keiner Frau geschrieben worden ist. Mich w├╝rde es sehr interessieren im Gegenzug und rein zum Vergleich ein weiteres Buch zum Thema zu lesen, welches von einer modernen und selbstst├Ąndigen Frau verfasst worden ist.
Es ist schon bemerkenswert, wie man manchmal das Geschlecht des Verfassers herauszulesen vermag…

Alles in allem l├Ąsst mich das B├╝chlein ├╝berhaupt nicht ├╝berzeugt zur├╝ck. Sicherlich gab es vereinzelt auch mal wertvolle Denkanst├Â├če; ich muss aber gestehen, dass diese vom ganzen Rest des Buches v├Âllig ├╝berschattet wurden… In meinen Augen ist dies das mit Abstand schw├Ąchste der von mir aus der Reihe gelesenen B├╝cher. Es mag aber auch durchaus sein, dass ich schlicht und ergreifend nicht zur Zielgruppe geh├Âre… Jedenfalls finde ich es etwas schade, wie schwarzwei├č viele Textabschnitte doch geraten sind.
Ich vergebe einen Stern und bin ganz verwundert, dass dieses ├ťbungsheft so aus der Reihe springt, da mich die anderen B├╝cher der Reihe bisher allesamt zu ├╝berzeugen vermochten. ├äu├čerst schade und mir nicht so ganz verst├Ąndlich…

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und hier gelangt ihr zur Verlagsseite -> klick

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