đź“– Rezension zu: „Denunziation“ von Bandi

Denunziation

Ein sehr wichtiges Thema, wenn auch erzählerisch nicht perfekt umgesetzt…

Mit „Denunziation“ von Bandi, zu Deutsch „GlĂĽhwĂĽrmchen“, liegt zum ersten Mal ein Werk aus dem totalitären System Nordkoreas vor. In den Erzählungen „Die Stadt der Gespenster“, „Irya Madya, Schatzpferd!“, „Die Flucht“, „So nah und doch so fern“, „Pandämonium“, „Die BĂĽhne“ sowie „Der rote Pilz“ begibt man sich auf eine wachrĂĽttelnde Reise in eine so fremde und doch so erschreckend reale Welt. Und auch wenn die 2013 aus dem Land geschmuggelten Texte in der Zeit zwischen 1989 und 1995 entstanden sind, verdeutlichen sie ganz nahegehend, wie das Leben noch heute unter den Kims aussieht.
Besonders zu schockieren vermochten mich einzelne Aussagen, die genau auf den Punkt bringen, was in diesem verachtenden und zu verachtenden System alles alamierend falsch läuft.
„Das bedeutet, dass die Familie laut Beschluss des Zentralkomitees unter Berufung auf den Paragrafen 149 deportiert worden ist. Alle Familienmitglieder werden damit von der Partei als AufrĂĽhrer und Verräter eingestuft, weswegen es auch alle nachfolgenden Generationen verdienen, verfolgt zu werden.“ (S.85)
Das Regime ist erbarmungslos, wenn es in leichtester Form angetastet wird. Die Folgen sind verheerend…
„Aber er konnte sich nicht gehen lassen, vor allem, da offen gezeigte Tränen als Auflehnung gewertet wurden und darauf die Todesstrafe stand. So war die Welt, in der er lebte. Ein Vol wurde per Gesetz dazu verpflichtet, ungeachtet allen Leidens zu lachen und jegliche Verbitterung hinunterzuschlucken.“ (S.99)
Die Geschichten handeln nicht wirklich von Helden, denn statt sich Auflehnenden werden eher ganz normale BĂĽrge in einem alles andere als normalen System gezeigt.
„“Von klein auf dressiert. Warum sonst bist du so zahm und folgsam wie ein Schaf?“ (…) „Du könntest doch auch nicht in diesem System leben, wenn du nicht darauf gedrillt wärst?““ (S.103)
Leider sind die Geschichten sprachlich weniger brillant ausformuliert, weswegen man sich weniger auf gut erzählte als auf schockierende Erzählungen einstellen sollte. Es sind die Themen, die berühren, nicht die Worte oder Charaktere. Mir persönlich fiel es schwer, den Figuren ein Stück weit nahe zu kommen, da sie mir hierfür zu fremd waren.
„Zu diesem Staatsereignis Nummer 1, anlässlich dessen von der Bevölkerung absoluter Gehorsam verlangt wurde, wĂĽrde Kim Il-Sung die Eisenbahn benutzen, was sie sakrosankt machte. Niemand durfte auch nur in die Nähe der Schienen, geschweige denn sich ĂĽber diese Regelung oder ĂĽber etwas anderes beschweren, selbst wenn es um die Freilassung eines Mörders ginge.“ (S.124)

Alles in allem ein empfehlenswertes Buch, aber nicht aufgrund grandioser erzählerischer Leistungen, sondern vielmehr um dem uns auf derart vielen Ebenen so fernen Nordkorea einen ungefährlichen Besuch abzustatten und zu erfahren, was in dem Regime an der Tagesordnung steht.

Ich vergebe 4 von 5 Sternen

4-Sterne

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