📖 Rezension zu: „Stiefkind“ von S. K. Tremayne

Cover für Stiefkind

Was geschah mit Nina Kerthen?

Obwohl sie sich noch nicht sehr lange kennen, sind die 30jährige Rachel und der erfolgreiche Geschäftsmann David Kerthen verheiratet. Nun, es sind noch 178 Tage bis Weihnachten, versucht sich das ehemalige Arbeiterklassen-Mädchen aus Plumstead in dem großen Landsitz des Kerthen-Clans einzuleben. Doch der Landsitz der Familie, Carnhallow House, birgt etwas düsteres, weswegen die junge Dame mit keltischem Aussehen nicht so recht dort anzukommen scheint.
Dies mag aber auch an den Minen liegen, die seit Generationen im Familienbesitz liegen und die Kerthens zu einem nicht zu unterschätzenden Vermögen gebracht haben. Doch sind dort unten zahlreiche Unglücke geschehen – Arbeiter sind verletzt worden oder gar umgekommen und haben aufgrund der jahrelangen Belastung tödliche Atemwegserkrankungen davon getragen. Auch Davids erste Frau, Nina, verunglückte in der Morvellan-Mine unter mysteriösen Umständen bei Nacht in der Weihnachtszeit.
Aus dieser Ehe stammt Davids neun Jahre alter Sohn Jamie, für den Rachel eine unerklärliche und überwältigende Zuneigung empfindet, weswegen sie bemüht ist, ihm die perfekte Stiefmutter zu sein. Angesicht der Tatsache, dass er von dem plötzlichen Ableben seiner Mutter sehr stark traumatisiert zu sein scheint, ist dies allerdings schwieriger als gedacht. Besonders da Jamie, je mehr sich die Tage Weihnachten nähern, immer merkwürdiger wird: Er führt Gespräche mit seiner Mutter, meint sie zu umarmen, behauptet, sie würde wiederkehren und Ähnliches. Außerdem trifft er Vorhersagen für die Zukunft, die aus dem Nichts zu kommen scheinen und dann so auch geschehen. Rachel ist davon mehr als verblüfft und so schwankt sie zwischen Mitgefühl und Angst. Letztere beginnt zu überwiegen, als es beinahe so scheint, als würde Nina der Familie Botschaften zukommen lassen – mit einer klaren Ankündigung: Bald kommt sie zurück.
Sehr bald sogar, wie Jamie prophezeit. Und genau das bereitet Rachel panische Angst: Zu Weihnachten, so ihr Stiefsohn, wird sie tot sein. An ihrer Stelle wird stattdessen Jamies richtige Mutter wiederkehren und ihn nie mehr im Stich lassen.
Rachels Angst, wahnsinnig zu werden oder ihre Zeit mit einem wahnsinnigen Jungen zu verbringen, wächst stetig. Doch hat ihr Stiefsohn bereits die Zukunft vorhergesagt… Und beobachtet fühlt sie sich auch… Manchmal hört sie Stimmen… Sie birgt ein dunkles Geheimnis… Und die Leiche von Davids erster Frau ist niemals gefunden worden. Außerdem hat es vor dem Unfall, wie es heißt, in der Ehe von David und Nina zunehmend Schwierigkeiten gegeben…
Wem kann Rachel trauen? Und was wird an Weihnachten geschen? Wird sie sterben?

In der ersten Szene, in der Rachel mit David erscheint, waren mir beide extrem unsympathisch. Beide schienen äußerst lustbezogen und wenig erwachsen, weswegen ich mir nicht vorstellen konnte, mit ihnen noch warm werden zu können. Zum Glück änderte sich dies nach einer Weile, auch wenn meine Abneigung gegen David nur schwerlich abflauen konnte. Rachel wirkt im mittleren Teil des Buches dann doch relativ reif und ich konnte mich sogar gut in ihre Lage versetzen. Dennoch wurden nicht alle Gefühle  so nachvollziehbar geschildert, weswegen andere Charaktere und Rachel zu verschiedenen Zeitpunkten sehr viele Rätsel aufgaben.
Bei manchen Handlungssträngen dachte ich mir, dass jetzt ein bisschen zu viel in die Trickkiste gegriffen wurde, um den Spannungsbogen aufrecht erhalten zu können; vieles ließ mich das Buch jedoch nicht aus der Hand legen.
Dann geht es immer weiter auf Weihnachten zu und man hat als Leser bereits eine Vermutung, in welche Richtung es gehen könnte. Tatsächlich stimmte die grobe Richtung, ein paar andere Gegebenheiten und vermeidliche Sackgassen wurden im Anschluss allerdings wenig galant gelöst, sodass ich mit einem Gefühl der Unzufriedenheit zurückblieb und mich fragte, ob das nun alles gewesen sein sollte.
Der Schreibstil ist recht angenehm, wobei der Lesefluss stark von der Passage des Buches abhängt. So fiel mir der Einstieg schwer, der Mittelteil flog nur so dahin und das Ende war wieder mit Anstrengungen verbunden. Alles, was aus der Sicht Davids geschildert wurde, war für mich auf irgendeine Art und Weise unbefriedigend – mal fehlte mir ein Anlass für seine Gedanken, mal erschien er mir einfach vermessen und unverschämt und an anderer Stelle fragte ich mich, ob man diesen Abschnitt nicht hätte weglassen können.
Nach Beenden des Buches bleibe ich etwas enttäuscht zurück, da sich einige vielversprechende Handlungsstränge als nichtig, Aufgebauschtes als Banalitäten und die Charaktere als doch merkwürdig anders erwiesen haben. Zudem wirkt die Handlung nicht rund, sondern eher wie ein kleiner Flickenteppisch, an dem hier und da etwas ausgebessert worden ist oder dies vergessen worden ist.
Dennoch war ich im Mittelteil voller Eifer dabei, sodass ich auf 3/5 Sternen komme.

3-Sterne

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