📖 Rezension zu: „Todschick“ von Gisela Burckhardt

Todschick

ErschĂŒtternd…

Von den schlechten Arbeitsbedingungen in LĂ€ndern wie Bangladesh dĂŒrfte mittlerweile jeder bereits gehört haben. SpĂ€testens nach Rana Plaza waren die fatalen Bedingungen der Sweatshops schließlich in aller Munde – doch hat, wie von zahlreichen Unternehmen angekĂŒndigt, eine Verbesserung stattgefunden?
Noch immer neigen wir dazu, teureren Marken eher unser Vertrauen zu schenken und die schlechten Arbeitsbedingungen und mangelhaften Sicherheitsstandarts auf Billigproduzenten zu schieben. Doch ist dies leider auch heute noch ein unglaublicher Trugschluss.
Gisela Burckhardt hat viele Recherchen betrieben und zeigt nun in ihrem Buch auf erschreckende Weise, wie wenig sich trotz der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit nach Rana Plaza getan hat. Dabei geht sie ungeschönt auf die zahlreichen Probleme ein, zeigt die Geschichte von Betroffenen und lĂ€sst sie zu Wort kommen, nennt Firmen beim Namen und erklĂ€rt, worauf man als Konsument achten kann.

„Pro Kopf kauft eine Deutsche jĂ€hrlich rund 14 Kilogramm Kleidung (das sind z.B. 23 Jeans oder 140 T-Shirts) und entsorgt in den AltkleidermĂŒll wiederum neun Kilogramm (das sind z.B. 15 Jeans oder 90 T-Shirts). So landen jedes Jahr 750.000 Tonnen Altkleider in den Sammelcontainern, was Einnahmen von 375 Mio. Euro bedeutet.“ (S.166) FĂŒr mich war beim Lesen nicht nur erschreckend, wie die Bedingungen in den produzierenden LĂ€ndern sind, sondern auch wie sorglos in Deutschland mit Kleidung umgegangen wird. Es ist schier unglaublich, wie viel Kleidung unter Verletzung der grundlegendsten Rechte und GefĂ€hrdung der Gesundheit produziert wird, nur um kurz darauf in die MĂŒlltonne zu wandern.
Äußerst interessant waren fĂŒr mich auch die abwechslungsreichen Darstellungen, welche beispielsweise die Preiszusammensetzung eines T-Shirts von H&M fĂŒr 4,95€, bei dem der Lohnanteil lediglich 2,6% betrĂ€gt, verdeutlichen. (S.201) Ebenso tragen Fotografien oder Steckbriefe dazu bei, dass die LektĂŒre niemals langweilig wird. DarĂŒber hinaus ist der Schreibstil sehr packend und keineswegs trocken oder ermĂŒdend, obwohl zahlreiche Informationen genannt werden.
Meines Erachtens sind außerdem die Recherche-Ergebnisse zu verschiedenen Fabriken, den dort herrschenden Bedingungen und Standarts sowie den jeweiligen EinkĂ€ufern, in verschiedene Preissegmente gegliedert, höchst interessant. So erhĂ€lt man einen guten Einblick und weiß mit Beteuerungen großer wie auch kleinerer Firmen, von solchen menschenverachtenden Praktiken bei der Textilproduktion nichts zu wissen, besser umzugehen. Erstaunlich ist, wie viele bekannte Firmen tatsĂ€chlich bei den diesem Buch zugrunde liegenden Recherchen auftauchen…
Ansprechenderweise nennt die Autorin am Ende „zentrale Stellschrauben, die fĂŒr eine menschenwĂŒrdige Zukunft der Arbeiterinnen in den asiatischen Textilfabriken entscheidend sind“, sodass man als Leser abschließend einen Ausblick erhĂ€lt, was sich wie Ă€ndern muss. (S. 208)
DarĂŒber hinaus werden Alternativen und WeiterfĂŒhrendes wie Kleidertausch, Minimalisten, hilfreiche Internetadressen z.B. zu Öko-fairer Mode genannt. Zudem werden drei empfehlenswerte Label vorgestellt: Global Organic Textile Standarts (GOTS), Fairtrade International (FLO) sowie Fair Wear Foundation.
FĂŒr ein durchgehendes VerstĂ€ndnis beim Lesen sorgt außerdem Glossar, in dem AbkĂŒrzungen erklĂ€rt werden.

In meinen Augen handelt es sich bei „Todschick“ um ein sehr wichtiges Buch, dessen Thematik in der Öffentlichkeit viel prĂ€senter sein sollte. Daher kann ich es auch jedem nahe legen, da sich nur etwas Ă€ndern kann, wenn man sich informiert hat und wachgerĂŒttelt worden ist – und dass sich etwas Ă€ndern muss, dĂŒrfte offensichtlich sein. Ein Buch, bei dem man die Augen nicht mehr verschließen kann.

5 Sterne!

5-Sterne

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