📖 Rezension zu: „Das Liebesleben der Pflanzen“ von Fleur Daugey

Das Liebesleben der Pflanzen

Von bezirzenden BlĂŒten und lĂŒsternen Insekten… 😉

Lange Zeit war die JungfrĂ€ulichkeit der Pflanzen unangefochten, wobei der Symbolgehalt der Pflanzen, insbesondere der Blumen, immer zwischen den Extremen der SexualitĂ€t schwankte – zwischen jungfrĂ€ulicher Reinheit und der Wollust.
Heutzutage ist ihre sexuelle Fortpflanzung hingegen selbstverstÀndlich.
In ihrem Buch „Das Liebesleben der Pflanzen“ befasst sich Fleur Daugey damit, wie sich Pflanzen vermehren, weswegen dies so vehement abgestritten wurde und wie es letztendlich doch zum Durchbruch kam.

Um eine Basis zu schaffen, auf der sich geschichtliche wie auch symbolische Entwicklungen und Entdeckungen erkennen und begrĂŒnden lassen, befasst sich das erste Kapitel mit den Fortpflanzungsmechanismen der Pflanzenwelt. Ich war von den detailreichen und höchst informativen Texten schwer beeindruckt, da es der Autorin gelingt viel Wissen, gut verstĂ€ndlich auf wenige Seiten zu bringen. GestĂŒtzt wurden die AusfĂŒhrungen zudem durch zahlreiche Fotografien, Zeichnungen und Ă€hnlichem. So erhĂ€lt man bereits einen tieferen Einblick in das Liebesleben der Pflanzen – das ErklĂ€rte leuchtet ein und wird mithilfe etlicher Fachtermini, auf die man im weiteren Verlauf des Buches grĂ¶ĂŸtenteils regelmĂ€ĂŸig wieder trifft, untermauert und abgerundet. Dabei sind die ErklĂ€rungen auch fĂŒr absolute Laien geeignet, da vom Grundlegenden ausgegangen wird, sodass ein jeder sein Wissen zu erweitern vermag.
Sehr interessant ist es zudem, wie viele unterschiedliche Techniken sich als vorteilhaft erwiesen haben und welche Vor- und Nachteile sie bergen.
Auf diesen AusfĂŒhrungen aufbauend wird sich den verschiedenen Schritten hin zum aktuellen Stand der Wissenschaft gewidmet. Begonnen mit der Antike, in welcher die sexuelle Fortpflanzung in der Flora undenkbar war, ĂŒber die Symbolik der Pflanzen im Mittelalter, das Erwachen der Botanik in der Neuzeit bis hin zur Gegenwart, in welcher die Geheimnisse der BestĂ€ubung enthĂŒllt werden. Dieser chronologische Überblick ermöglicht ein gutes VerstĂ€ndnis und Bewusstmachen der immensen Entwicklung, welche im VerstĂ€ndnis der Menschen stattgefunden hat.
Sehr ansprechend ist, dass die Autorin nicht nur auf wissenschaftliche Schriften und Debatten eingeht, sondern unter anderem auch die WiderstĂ€nde der Kirche, den Symbolgehalt der Pflanzen, Mythen, Romane, Gedichte, das jeweilige Zeitgeschehen, beziehungsweise neue Errungenschaften oder gesellschaftliche Vorbehalte eingeht. Betrachtet man beispielsweise die weiße Lilie, welche in Zusammenhang mit Maria auftaucht und die Reinheit und JungfrĂ€ulichkeit symbolisiert, die sich nun doch sexuell fortpflanzt, hat dies fatale Folgen fĂŒr die Kirche… Wenn der Vergleich der JungfrĂ€ulichkeit in Bezug auf die Blume hinkt, ist dann nicht auch die von Maria anzuzweifeln…?
Da Fleur Gaugey auf zahlreiche unterschiedliche Quellen zurĂŒckgreift und so aus Gedichten, Romanen oder wissenschaftlichen Abhandlungen zitiert, bleibt das Buch stets abwechslungsreich. Auch, dass sich der Blickwinkel immer wieder verĂ€ndert, lĂ€sst die Neugierde beim Lesen nicht abflauen.
Besonders ansprechend sind die zahlreichen Farbfotografien, Bilder, Darstellungen, Skizzen oder GemĂ€lde. Dieses Werk ist außerordentlich schön illustriert.
Am Ende des Buches wagt die freie Journalistin mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt einen Blick ĂŒber den eigenen Tellerrand, denn auch die Sicht auf die Entwicklung der Botanik in der arabischen Welt und der islamischen Kultur sowie in Indien und dem alten China ist vielversprechend spannend und lohnenswert, da sie das umfassende Bild perfekt komplettiert.

5/5 Sternen

5-Sterne

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