📖 Rezension zu: „Lost Gardens of Heligan – Die Wiederentdeckung eines Gartenparadieses in Cornwall“

Lost Gardens of Heligan

Wie die Lost Gardens of Heligan aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt wurden…

Als Tom Smit im Jahre 1997 damit begann, die Lost Gardens of Heligan aus ihrem Dornröschenschlaf zu erwecken, war dies ein Ă€ußerst ambitioniertes Vorhaben. Wo sich einst prachtvoll angelegte Paradiese erstreckten, hatte sich die Natur unter Anderem mit wuchernden Ranken und reichlich ungezĂ€hmten Pflanzen die Landschaft zurĂŒck erobert. Auf StreifzĂŒgen durch die Wildnis der Jahrzehnte lang vergessenen GĂ€rten, wurde inmitten all der traurigen AtmosphĂ€re immer wieder einzigartige Schönheit entdeckt, die es ans Licht zu ziehen galt.
Brombeerranken galt es zu entfernen, Ruinen wieder aufzubauen, alte Gartenanlagen erneut zu errichten, die einst gesetzten Pflanzen aufzutreiben, sie zu hegen und zu pflegen, Heligan bekannter zu machen sowie etwas ĂŒber die Vergangenheit dieses Ortes und der Menschen, die hier Zeit verbrachten, zu erfahren.
Reichlich Arbeit, die also zu bewĂ€ltigen war – es gleicht dem AbmĂŒhen von Sisyphos, den verwilderten Garten erneut zum BlĂŒhen zu bringen. Dennoch ist es Smit und seinen zahlreichen engagierten Helfer gelungen, diesen prachtvollen Ort mit seinem einzigartigen Charme herzurichten und der Allgemeinheit zu öffnen. So war das Jahr 2002 mit mehr als 450.000 Besuchern das geschĂ€ftigste Jahr in der Geschichte Heligans; jĂ€hrlich werden ĂŒber 300.000 von ihnen angelockt und fasziniert.

Zum 25jĂ€hrigen JubilĂ€um der Wiederentdeckung der GĂ€rten wird in „Lost Gardens of Heligan – Die Wiederentdeckung eines Gartenparadieses in Cornwall“ gezeigt, mit welcher MĂŒhe und welchen RĂŒckschlĂ€gen das grĂŒne Paradies so wurde, wie man es heute kennt.
Die unterschiedlichen Gartensektionen werden beschrieben – vom ersten abenteuerlichen Erkundschaften bis hin zum Fertigstellen der Restaurationsarbeiten und Verschönerung der Anlagen.
FĂŒr mich war bereits der Beginn des Buches sehr ansprechend, da hier von den ersten EindrĂŒcken beim Durchforsten der undurchdringlichen Wildnis erzĂ€hlt wird, was durchaus sehr persönliche AusfĂŒhrungen sind.
Aber auch im weiteren Verlaufe des Buches gab es immer wieder Anlass zum Staunen: Es ist bemerkenswert mit wie viel Leidenschaft, Arbeit, Engagement und Ausdauer die Lost Gardens of Heligan hergerichtet worden sind. In meinen Augen besonders spannend sind dabei die Vorher-Nachher-Vergleiche, da man auf entsprechenden Fotografien sowohl den verwilderten als auch den mit viel MĂŒhe hergestellten Zustand erkennen kann. Es ist beeindruckend, was die vielen Helfer geleistet haben, wenn man bedenkt, dass aus grĂŒnem Dickicht eine bezaubernde Gartenanlage geworden ist.
Sehr schön finde ich es zudem, dass auch Fotografien aus der BlĂŒtezeit der GĂ€rten eingebunden worden sind, die zeigen, dass man sich bemĂŒht hat, dem Vorbild des Zustandes vor dem Vergessen zu folgen. Dabei wurden wichtige Elemte ĂŒbernommen und Details auch, jedoch wurde nicht jeder Aspekt der GĂ€rten eins zu eins so wieder umgesetzt wie vor der VernachlĂ€ssigung. Schließlich sollte es niemals zum Stillstand kommen, weswegen nun, auch wenn vieles ĂŒbernommen wurde, auch Neues sowie Aufregendes mit einfließen sollte.
Beim Lesen spĂŒrt man die Begeisterung des Autors fĂŒr Heligan – wenn beispielsweise davon berichtet wird, wie wunderbar und zauberhaft es doch ist, wenn im Dschungel der Nebel ĂŒber dem Wasser hĂ€ngt und die Konturen der Pflanzen nur schemenhaft zu erkennen sind; oder wenn sich einzelne Lichtstrahlen ihren Weg durch das dichte BlĂ€tterdach bahnen. Sehr schön sind meines Erachtens auch die Ansichten zur Geschichte Heligans, denn Smit war bemĂŒht auch etwas ĂŒber diese herauszufinden, um zum Beispiel zu erfahren, was aus den GĂ€rtnern wurde, die dort gelebt und gearbeitet haben bevor der Krieg ausbrach und die Gartenarbeit unmöglich machte.
„Es war die Kombination von den Charakteren dieser MĂ€nner, den Pflanzen und den BegleitumstĂ€nden, die Heligan einmalig machen sollten.“ (S.108)
Spannend waren fĂŒr mich auch die vielen alten Fotografien, die im Verlauf einiger Jahre der Recherche aufgetrieben worden sind und von lĂ€ngst vergangenen Zeiten zu zeugen. So erfĂ€hrt man auf diese Art beispielsweise, dass wĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges Londoner Kinder zur Erholung in das lĂ€ndliche Heligan reisten. Aber auch, wenn es darum geht, welche Pflanzen- und Tierarten frĂŒher zu bestaunen waren, ist dies beeindruckend. „In Heligan gab es zur Jahrhundertwende Pfauen, zahme Emus und Affen, die die Besucher mit ihren MĂ€tzchen unterhielten.“ (S. 158) Heutzutage leben hier im Sinne der nachhaltigen Bewirtschaftung hingegen unter anderem Tamworth-Schweine.
Auch der Stolz ist dem Verfasser anzumerken, wenn er die Pflanzenvielfalt, die wieder aufgebauten Gartenbereiche und Besonderheiten bewundert und erklÀrt.
„Heligan besitzt vermutlich die grĂ¶ĂŸte Sammlung an Baumfarnen in Großbritannien – urtĂŒrmliche, schöne Relikte aus einer Zeit, in der Dinosaurier die Erde bevölkerten.“ (S.119)
Wirklich interessant ist es zudem zu lesen, auf welche Anlagen und Ideen man beim Erkunden des Gartens stĂ¶ĂŸt.
„Heute können wir stolz sein, den einzigen funktionierenden, mit Mist beheizten georgianischen Ananasgraben der Welt zu besitzen.“ (S.144)
Am Ende des Buches wird im Nachwort dem örtlichen Baumeister John Nelson, der bei der Restauration der GĂ€rten eine immense Hilfe war, gedacht, da dieser im Januar 2014 verstarb. Er hatte mit unfassbar viel Herzblut unzĂ€hlige Tage wie auch NĂ€chte durchgearbeitet und als der Alleskönner der er war, eine Eröffnung und das 25jĂ€hrige JubilĂ€um ĂŒberhaupt erst möglich gemacht. Kein Wunder also, dass man ihm beim Lesen andauernd begegnet. Sehr rĂŒhrend waren daher die AusfĂŒhrungen in diesem Nachwort – aber auch zum Schmunzeln. „“Rom wurde nicht an einem Tag erbaut, aber da war ich ja auch nicht der Vorarbeiter!“, sagte er [John Nelson] hĂ€ufig, mit seinem Piratengrinsen auf dem Gesicht.“ (S.262)

In diesem Werk wird man in die mĂ€rchenhaften vergessenen GĂ€rten entfĂŒhrt und erforscht sie StĂŒck fĂŒr StĂŒck. Dabei wird einem eine Vielzahl an Einblicken in die Geschichte Heligans gewĂ€hrt und man erfĂ€hrt, wie aus undurchdringbarer Wildnis die sehr gut besuchten und mehrfach ausgezeichneten Lost Gardens of Heligan wurden. Dabei spĂŒrt man am Schreibstil und somit an der ganzen AtmosphĂ€re des Buches, wie besonders dieser Ort auf alle Beteiligten wirkte und wirkt, wie unglaublich viel Arbeit die Restaurierung erforderte, wie viel Recherchearbeiten unternommen wurden und und und. Auch dank der zahlreichen Fotografien kann man sich als Leser ein Bild von den prachtvollen GĂ€rten machen und wird bestens durch die einzelnen GĂ€rten gefĂŒhrt. Dank einer Karte zu Beginn und einer kleinen Zeitreise durch die Geschichte Heligans zum Schluss, erhĂ€lt man schnell und einfach einen Überblick, wenn man gerade nicht noch einmal das Buch lesen möchte.
Ich selbst war bereits einmal dort und habe die Mudmaid noch immer als ein Highlight im GedÀchtnis, weswegen es mich sehr freute, dass ich mithilfe dieses Werkes noch einmal in die wunderschöne Welt Heligans abtauchen konnte.

Von mir gibt es 5 Sterne!

5-Sterne

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