📖 Rezension zu: „Das Licht im Land meines Vaters“ von Murat Isik

Coverbild Das Licht im Land meines Vaters von Murat Isik, ISBN-978-3-7160-2744-8

Nichts für zarte Gemüter!

Miran wächst in den 1960er Jahren in dem kleinen Dorf Sobyan, welches einst von Armeniern errichtet und dann verlassen wurde, auf. Seine Familie gehört dem kurdischen Volk der Zaza an, weswegen er mit seinen Eltern und Geschwistern auch Zazaki spricht. Eines Tages erscheint in seinem Dorf jedoch ein Mann, Zengin Bey aus Trabzon, der sämtlichen Kindern dort die türkische Sprache beibringen soll – er sorgt auch dafür, dass Milan mit zehn Jahren einen neuen Namen bekommt. Fortan wird er Mehmet heißen, was nur seine Mutter nicht anerkennt.
Mirans großer Bruder Yusuf durchläuft ebenfalls eine große Veränderung: Er macht sich auf, um eine kurze Zeit in der Hauptstadt zu verbringen und wird erst nach ein paar Jahren wiederkehren.
Milans Vater ist ein angesehener Mann in Sobyan, denn als Geschichtenerzähler vermag er seine Zuhörer an andere Orte und in andere Zeiten zu versetzen. Mit seiner sanften Stimme gibt er jedem ein behagliches Gefühl und auch sonst ist er sehr hilfbereit. Doch geschieht an einem trostlosen Dienstagnachmittag im Frühjahr 1966 etwas dass das Leben der Familie für immer verändern wird.
„Mit jedem Tag schienen die Spannungen im Haus zu wachsen.“ (S.165)
Kurz darauf sieht sich die Familie gezwungen, ihr Dorf zu verlassen um auf ein besseres Leben hoffen zu können.
So hat ein einziger schicksalshafter Moment alles niedergeschmettert, was sie sich mühsam aufgebaut haben – und plötzlich ist nichts mehr wie es war. Die Erinnerung an diesen Moment wird Miran nie mehr vergessen können.

Dieser Familienroman hat mich sehr beeindruckt, da sehr eindringlich die Zustände und Veränderungen in dem kleinen Dorf beschrieben werden und auch auf sehr beeindruckende Weise gezeigt wird, wie sich die Menschen angesichts der großen Unterschiede zwischen Stadt und Land, dem konflikt zwischen Sunniten und Aleviten, dem Völkermord an den Armeniern oder Schicksalsschlägen entwickeln.
Einige Szenen haben einen starken Eindruck hinterlassen, allen voran eine Operation, die nicht so schmerzfrei verläuft, wie man es sich erhoffen würde…
Manchmal hat das Buch von 437 wirklich seine Längen, dann wird es jedoch wieder äußerst spannend.
Zudem macht dieses Buch einen mal traurig, dann macht es wütend, löst Erleichterung aus – es ist ein ständiges Auf und Ab.
Gerade wegen einiger heftigeren Szenen, ist „Das Licht im Land meines Vaters“ nichts für schwache Nerven und zarte Gemüter…
Sehr hilfreich ist das Glossar am Ende des Buches, welches sowohl Türkische und Zazaki Begriffserklärungen oder allgemeine gibt.

Ich vergebe 3,5 Sterne

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