đź“– Rezension zu: „Im Sommer wieder Fahrrad“ von Lea Streisand

Cover fĂĽr Im Sommer wieder Fahrrad

Der Funke sprang nicht ĂĽber…

Die lebensfrohe Lea erhält mit dreißig Jahren eine erschütternde Diagnose: Krebs. So muss sie in Behandlung, während ihre Freunde ein unbekümmertes Leben führen, Familien gründen und das Leben einfach genießen. Immer wieder werden Leas eigentlicht recht glückliche Gedanken durch Angst, Melancholie und Todesfurcht getrübt, sodass sie nach einem haltbringenden Anker suchen muss. Diesen findet sie ein Stück weit in ihrem Lebensgefährten; ihre verstorbene Großmutter ist es allerdings, die ihr besonders viel Kraft, Hoffnung und Mut schenkt.
Denn bevor Lea erkrankte, hatte sie sich das Ziel gesetzt, „MĂĽtterchens“ Leben aufzuzeichnen und ihr somit eine Art letzter Ehre zu erweisen. GroĂźmutter Ellis war Schauspielerin aus Leidenschaft und mutig, lustig, tapfer, abenteuerlustig und nicht klein zu kriegen.
So umfasst dieses Buch zwei mehr oder weniger voneinander unabhängige Erzählstränge – einmal den, des Lebens von Ellis und den, von Leas Therapie.

Bei „Im Sommer wieder Fahrrad“ handelt es sich um ein Werk mit autobiografischen ZĂĽgen, was zu wissen interessant sein mag. Generell berĂĽhrt es mich sehr häufig, wenn (ehemalige) Krebspatienten ĂĽber ihre Erkrankung und Genesung schreiben, in diesem Falle konnte mich die Erzählung jedoch nicht mitreiĂźen oder bewegen…
Zunächst möchte ich auf den Erzählstrang zu Lea eingehen, da dieser meines Erachtens die Geschichte an sich eher bildet als der andere. Selbstverständlich ist eine derart harte Diagnose furchtbar, das möchte ich gar nicht in Abrede stellen, allerdings verliert sich die Autorin meines Erachtens zu sehr in den AusfĂĽhrungen zu ihrer Leidensgeschichte. Zwar klagt sie nicht permanent weh, jedoch springt der Funke auch nicht wirklich ĂĽber. Mal sehr betrĂĽbt, dann wieder zu gewollt lustig – so wirkte das Gesamtbild nicht stimmig. DarĂĽber hinaus blieben die Figuren fĂĽr mein Empfinden zu farb- und gestaltlos. Ăśber Lea erfährt der Leser kaum mehr als dass sie ein groĂźer Fan ihrer GroĂźmutter ist, sie als humorvoll beschrieben wird und dass sie sich vornimmt, den Krebs zu besiegen. Was tief in ihr vor geht, bleibt recht schwammig und auch Figuren wie ihr Partner Paul bleiben blass und schemenhaft.
Da diese Handlung stetig unterbrochen wird, kann sich kein zusammenhängendes Bild entwickeln, was sehr schade ist. Dass ich das Erzählte als bruchstückhaft und puzzleteilartig empfand, mag auch darauf zurück zu führen sein.
Der Erzählstrang um „MĂĽtterchen“ konnte mich leider nicht mehr begeistern, da die AusfĂĽhrungen meines Erachtens ins Unbedeutsame abschweifen. Die GroĂźmutter scheint keinen Liebhaber abgewiesen und allgemein viel gelebt zu haben… Die Bezeichnung „MĂĽtterchen“, welche ständig gebraucht wurde, war mir irgendwann auch zu viel… Sympathisch wurde sie mir leider ebenso wenig wie die anderen Charaktere, obwohl man hier sicherlich mehr hätte herausholen können. FĂĽr mich waren Szenen, in denen das „MĂĽtterchen“ der jugendlichen Lea Kondome aus den 80ern geradezu aufzwängen wollte, nicht sonderlich ansprechend…
Allgemein fehlte mir beim Lesen die Spannung, denn es gab keine wirklichen Konflikte die es zu lösen galt oder Ă„hnliches. Die Krebserkrankung wurde zwar etwas beschrieben, aber nicht erfahrbar, erlebbar oder greifbar gemacht, sodass ich gewissermaĂźen auf Distanz blieb. Selbstverständlich kann man nicht erwarten, dass man durch ein Buch spĂĽrt, wie sich Krebs anfĂĽhlt. Nicht wirklich zumindest. Aber es gibt einige BĂĽcher, die einen packen und mit einer GefĂĽhls- und Gedankenwelt konfrontieren, die man nicht ignorieren oder von sich weisen kann, sodass man automatisch mit den Protagonisten mitfĂĽhlt. Hier konnte ich mich nicht in die Erzählerin versetzen…
Der Schreibstil ist soweit ganz angenehm, weswegen sich das Buch, wäre es vom Inhalt her packender, sehr schnell lesen lieĂźe. Leider war das Ende auch sehr vorhersehbar, was der Spannung erneut einen Dämpfer setzte… Die Idee, Berliner Mundart mit einflieĂźen zu lassen, hat mich hingegen sehr angesprochen und sorgte fĂĽr Abwechslung.
Durch das Buch ziehen sich zudem Insider, beispielsweise aus Gesprächen mit der GroĂźmutter, sodass hin und wieder mal ein Element aus den vorangegangenen Erzählungen aufgegriffen wird. Die „Schnipsgummis“ werden einem so unter anderem immer wieder begegnen…

Alles in allem ein Buch, welches ein schweres Schicksal beschreibt, dieses fĂĽr den Leser allerdings nicht wirklich greifbar macht. FĂĽr ihr Durchhaltevermögen und den Kampfgeist gegen die Erkrankung gebĂĽhrt der Autorin mein Respekt. Allerdings konnte mich das Buch aufgrund der nicht gerade packenden Handlung nicht sonderlich ĂĽberzeugen. Der Schreibstil ist hingegen angenehm. Wer BĂĽcher zu dem Thema Krebs sucht, findet wohl eine Reihe einfĂĽhlsamerer und spannenderer Werke…

1,5/5 Sternen

 

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