📖 Rezension zu: „Harry Potter und das verwunschene Kind. Teil eins und zwei (Special Rehearsal Edition Script) “ von Joanne K. Rowling, John Tiffany

Logikfehler, Pointen, die aus dem Ärmel geschĂŒttelt werden,…

Es sind bereits 19 Jahre vergangen, seitdem Lord Voldemort besiegt und somit das Dunkle vertrieben worden ist. Harry Potter, bereits mehrfacher Vater, bekleidet einen arbeitsamen Posten im Zaubereiministerium. Deshalb und da er nie einen Vater zum Vorbild hatte, kann er keine sonderlich gute Beziehung zu einem seiner Kinder aufbauen: Albus Severus Potter hat es satt, immer mit „dem, der ĂŒberlebt hat“ in Verbindung gebracht zu werden. Es ödet ihn an, fortwĂ€hrend von dem harten Schicksal, den großen Heldentaten und den Talenten seines Vaters zu hören. Regelrecht wĂŒtend wird er gerade jetzt, da er zum ersten Mal nach Hogwarts reist. Schließlich ist der Erwartungsdruck enorm und erste Ängste betreffen bereits die Wahl des sprechenden Hutes – wird er, wie es einem Potter ziemt, nach Gryffindor geschickt werden?
Nein, wird er nicht. Obwohl Harry seinem Sohn versichert hat, dass er, wenn dieser es wĂŒnsche, in jenes Haus kĂ€me, ist dem nicht so. Albus Severus Potter – ein Slytherin. Welch eine Schmach…
Kein Wunder also, dass er von seinen MitschĂŒlern mit grĂ¶ĂŸter Skepsis betrachtet wird. Allerdings kann er dies auch nicht gerade durch große schulische Leistungen ausgleichen, denn er ist nicht einmal in der Lage, einen Besen dazu zu bewegen, hoch zu fliegen. Und das, obwohl der ach so große Harry Potter ein Ausnahmetalent beim Quidditch war. FĂŒr Albus wird Hogwarts Jahr fĂŒr Jahr zu einem unbeliebteren Ort.
Zum GlĂŒck hat er einen besten Freund – um ehrlich zu sein, ist dieser auch sein einziger Freund ĂŒberhaupt: Er lernte Scorpius auf der ersten Fahrt nach Hogwarts kennen. Wie der Name bereits erahnen lĂ€sst, handelt es sich um Draco Malfoys Sohn.
Er ist auch der Grund dafĂŒr, dass Rose, Hermine und Rons Tochter, nichts mehr mit Albus zu tun haben möchte. Auch wenn die beiden vor Schulbeginn abgemacht hatten, miteinander Freunde fĂŒrs Leben zu finden, Ă€ndert sich dies schlagartig, als sie beim Öffnen einer AbteiltĂŒr im Zug auf den blassen Jungen treffen.
Wie auch Albus ist Scorpius zunĂ€chst kein sonderlich glĂŒcklicher Junge: Wegen des GerĂŒchtes, Draco und seine Frau Astoria hĂ€tten kein Kind, keinen Nachfolger, zeugen können, weswegen der Vater Lord Voldemort persönlich sei, meiden ihn die MitschĂŒler konsequent. So eben auch Rose. Als wĂ€re das nicht genug, liegt seine Mutter im Sterben – und wird auch nicht mehr lange durchhalten. Als Halbwaise mit trauerndem Vater wird es fĂŒr ihn auch nicht gerade leichter.
Scorpius und Albus haben beide eine schwierige Vater-Sohn-Beziehung und sind gewissermaßen Außenseiter.
Eines Tages belauscht Albus in den Ferien, wie sein Vater die flehende Bitte Amos Diggorys ablehnt, seinen Sohn Cedric, der einst beim Trimagischen Turnier als „Der ÜberflĂŒssige“ starb und Bekanntheit erlangte, mithilfe eines vor Kurzem konfessierten Zeitumkehrers zu retten. Albus findet bald heraus, dass Harry log, als er behauptete, es sei kein Zeitumkehrer beschlagnahmt worden. Erneut kocht die Wut in ihm hoch und er beschließt zusammen mit seinem besten Freund und Delphi, einer Verwandten Diggorys, das Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.
So stehlen sie den Zeitumkehrer aus dem BĂŒro der Zaubereiministerin Hermine und beginnen mit ihren fatalen Zeitreisen.
Dabei wird klar, dass man nicht jedem trauen darf. Auch nicht, wenn man es sich so sehr wĂŒnscht. Kann man zwei besten Freunden den Umgang verbieten? Kehrt der Dunkle Lord zurĂŒck? Und was könnte man dagegen unternehmen?

SelbstverstĂ€ndlich war ich auf diesen achten Teil sehr gespannt, auch wenn ich mir nicht sicher war, ob meine Erwartungen nicht vollkommen enttĂ€uscht werden wĂŒrden. Ich hatte die BefĂŒrchtung, der neue Band könnte einfach nur ein Mittel sein, um nach ein paar Jahren aus der Potter-Idee noch mal Geld schöpfen zu können…
Da es sich bei diesem Werk um ein Theaterskript handelt, ist es komplett in Dialogform geschrieben. Gerade zu Beginn fiel es mir sehr schwer, in die Geschichte abzutauchen, da einfach fĂŒr ErklĂ€rungen und Ähnliches kein Platz ist. Hier und da eine Regieanweisung – das muss reichen. Allerdings musste ich mich bei der ein oder anderen Stelle fragen, wie man eben diese umzusetzen gedenkt…
Wie dem auch sei: In dieser Form liegt ein Schwachpunkt, denn was mich an den Harry Potter-BĂŒchern am meisten packen konnte, war der Schreibstil, das Geschick, wie J.K. Rowling AtmosphĂ€re erschaffen kann. FĂŒr AtmosphĂ€re ist in einem Theatermanuskript nun einmal herzlich wenig Raum. So fehlen auch die Gedanken oder GefĂŒhle der Charaktere, man kann höchstens mal ein Erbleichen oder Erröten erlesen.
Allerdings kann man sich mit der Zeit mit diesem Stil besser anfreunden… LĂ€sst man die Dialogform also außer Acht, könnte man sich beispielsweise mit den Figuren beschĂ€ftigen.
Da wĂ€re selbstverstĂ€ndlich der namensgebende Harry Potter. Dieser war mir offen gestanden recht unsympathisch, da er als Vater immer wieder, man muss es so sagen, versagt. Seinem Kind zu sagen, man wĂŒnsche sich manchmal, es sei nicht sein Kind, passt wohl kaum zu der Person, die nur dank der bedingungslosen Liebe seiner Eltern ĂŒberleben und durch seine Aufopferungsbereitschaft die Welt vor dem Bösen retten konnte… SelbstverstĂ€ndlich hat er auch bessere Sequenzen, aber mir sind solche pĂ€dagogisch nicht gerade wertvollen Äußerungen Harry Potters besonders in Erinnerung geblieben. Auch, dass wieder einmal seine Narbe zu schmerzen beginnt und er seinen Sohn aufgrund schwammiger Prophezeiungen vom besten Freund trennen möchte, steigert nicht gerade die Sympathie zu ihm…
Genau diese Haltung fĂŒhrt auch dazu, dass Albus sich nicht wohl als Mitglied der Familie Potter fĂŒhlt. In einem gewissen Maße ist mir seine Wut und Frustration daher auch verstĂ€ndlich, allerdings empfand ich dies an einigen Stellen als eine Nummer zu viel… Schließlich beschließt er nur, in die Vergangenheit einzugreifen, da sein Vater aufgrund seiner Taten so viel Blut an den HĂ€nden habe… Mich hat der zugegebener Maßen auch nicht so ganz loyale Albus immer wieder aufgeregt und ich habe mich gewundert, dass Scorpius ihn echt zum Freund haben möchte.
Denn dieser ist widerum ein ganz bezaubernder Charakter: So belesen, engagiert und wissensdurstig wie Hermine, so sarkastisch wie Draco Malfoy und ein so guter Freund wie Ron, (Harry und) Hermine. Ihm gelingt es immer wieder, an die Vernunft zu appellieren oder die Lage zu retten. Auch wenn Albus‘ PlĂ€ne teilweise nicht ganz haltbar sind – oder wie Scorpius sich auszudrĂŒcken pflegt:
„Okay, was auch immer dein Hirn zusammengehalten hat, jetzt ist es gerissen.“ (S.61)
Aber natĂŒrlich treten auch viele der altbekannten Personen auf. Diese sind, was wieder der Skriptform zuzuschreiben ist, allerdings vergleichsweise flach und leblos gezeichnet… In meinen Augen ist dies sehr schade, denn die Geschichte hĂ€tte mit besser ausgearbeiteten Figuren sicherlich mehr Potential gehabt.
Lichtblick unter den Erwachsen ist meines Erachtens Draco Malfoy, worauf ich aber nicht weiter eingehen werde. Am Rande sei vermerkt, dass ich die sich zwischen ihm und Harry entwickelnde Freundschaft fĂŒr etwas rasant aufkeimend halte… Gerade haben sie sich noch angeschrien und schon stehen sie Seite an Seite…
Aber da war noch etwas – die Handlung: Diese beschrĂ€nkt sich vornehmlich auf das mehrfache Verschwinden von Scorpius und Albus – durch die Zeitreisen – und die Suche nach ihnen – durch die Erwachsenenwelt. Klar, damit ist die Handlung schon aufs Geringste runtergebrochen, trifft es im Kern aber meiner Meinung ziemlich gut. Um nicht zu spoilern werde ich mich an dieser Stelle mit weiteren AusfĂŒhrungen zurĂŒckhalten. Nur so viel: Einige HandlungsstrĂ€nge waren fĂŒr mich plausibel und sehr spannend, andere hingegen wirkten derart konstruiert, dass ich oftmals das GefĂŒhl nicht los wurde, eine Fanfiction zu lesen.
Das mag teilweise daran liegen, dass bestimmten Charakteren unerwartete Atribute/… zugeschrieben wurden – ĂŒberrascht hat mich beispeilsweise die „Imbisswagen-Hexe“ aus dem Hogwarts Express, deren Kesselkuchen, Granaten gleich, explodieren…
Aber eine Fanfiction hatte ich nicht vor zu lesen… Da werden ZusammenhĂ€nge wie das weiße Kaninchen aus dem Hut gezaubert, damit es irgendwie passt. Das tut es aber nicht. Am besten ich breche hier ab, damit ich nicht zum Spoilern komme…
Die Geschichte war, trotz alledem, sehr packend und ich hatte sie bereits nach wenigen Stunden ausgelesen. Auch wenn das Buch sicherlich gute Passagen aufweist, hinterlĂ€sst es bei mir kein zufriedenes GefĂŒhl, da meines Erachtens die Geschichte zu sehr auf das WeiterfĂŒhren um des WeiterfĂŒhrens Willen beschrĂ€nkt ist.
Sicherlich hÀtte man aus der Thematik wesentlich mehr herausholen können, als einen Vater-Sohn-Konflikt. Wie bisher in jedem Harry-Potter-Band droht das Dunkle die Oberhand zu gewinnen und muss daher gestoppt werden- dieses Mal allerdings auf andere Art und Weise.

Alles in allem hat mich das Buch zwar besonders durch den ein oder anderen Schlagabtausch bei den Dialogen unterhalten und die Thematik konnte mich fesseln, allerdings fehlte der Hogwarts so eigene Charme – die gesamte AtmosphĂ€re. Ein paar Pointen und Überraschungen wurden aus dem Ärmel geschĂŒttelt, ob diese jedoch ĂŒberzeugend sind, lĂ€sst sich jedoch bezweifeln. Gerade ein Kernelement der Handlung stĂ¶ĂŸt bei mir auf UnglĂ€ubigkeit…
Unter den Charakteren vermag besonders Scorpius zu ĂŒberzeugen, die anderen Figuren blieben eher blass und konnten meine Sympathie nicht gewinnen.
So wirkt „Harry Potter und das verwunschene Kind“ auf mich viel mehr wie eine Fanfiction fĂŒr Kinder als wie der achter Band der Reihe. J.K. Rowlings Stil merkte ich diesem Werk kaum an…

Ich vergebe zwei, aufgrund von EnttÀuschung, etwas trostlos glimmende Sterne

2-Sterne

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