📖 Rezension zu: „Die Menschheit schafft sich ab“ von Harald Lesch

Sehr umfassend!

In den letzten 2.000 Jahren, dem Menschenzeitalter oder auch „AnthropozĂ€n“, haben Menschen die Erde gravierend verĂ€ndert. Immer mehr wird versucht, sie dem Menschen anzupassen; jedoch werden die Konsequenzen solchen Handels meist nicht hinterfragt. Von der Ausbeutung der BodenschĂ€tze, Kernspaltung oder großflĂ€chigen Verwendung von Pestiziden ĂŒber Wasser- und Luftverschmutzung, bis hin zum Klimawandel – die Menschheit trĂ€gt nicht gerade dazu bei, dass mit ihrem Lebensraum nachhaltig umgegangen wird. Deshalb wird ein Um- oder einfach Mitdenken immer notwendiger. Wenn wir einfach so weitermachen, das steht fest, sĂ€gen wir den Ast, auf dem wir sitzen, endgĂŒltig ab.
In „Die Menschheit schafft sich ab – Die Erde im Griff des AnthropozĂ€n“ befasst sich Harald Lesch auf 520 Seiten ausfĂŒhrlich mit der Frage, wie sich der Teufelskreis durchbrechen lĂ€sst. Um dieser Frage gerecht zu werden, wird Folgendes versucht:
„Also: Fangen wir ganz, ganz von vorn an … nein, besser nicht. Wir fangen anders an, nicht so, wie Sie es vielleicht erwarten (der Lesch fĂ€ngt doch immer mit dem Urknall an). Nein, so wird es diesmal nicht sein.“ (S.16). Jedoch wird diese Aussage im nĂ€chsten Kapitel wieder relativiert, da dann doch „von ganz vorne“ begonnen wird.
Wie dem auch sei, Lesch geht sehr detailliert auf die Entstehung der Erde und ersten Lebens ein. Ich muss gestehen, dass ich mit derart genauen AusfĂŒhrungen zu dieser Thematik nicht gerechnet hatte und sie sich, trotz ein paar Unterbrechungen, etwas in die LĂ€nge zogen.
Da das Buch aus derart vielen Kapiteln besteht, lĂ€sst sich auch schlecht beschreiben, auf welche Bereiche alles eingegangen wird. Generell lĂ€sst sich sagen, dass die Entstehung der Erde, die Entstehung von Leben, der Kontinentaldrift, Technik und Ökonomie als GrundgerĂŒst der weiteren AusfĂŒhrungen zu verstehen sind. Im weiteren Verlauf wird dann ungefĂ€hr ab Seite 227 unter anderem auf Globalisierung, Ressourcenverbrauch, ökologische Belastungsgrenzen, genmanipuliertes Saatgut und Pestizide, Wasserverbrauch, Wasserverschmutzung, Kunststoff, Energie, Rohstoffe, Klimawandel, kĂŒnstliche Intelligenz und die Ethik des AnthropozĂ€n eingegangen. Auf Grund dieser breiten FĂ€cherung ist dieses Werk sicherlich keine leichte Kost – man sollte sich fĂŒr die LektĂŒre definitiv Zeit nehmen.

Zugegebenermaßen fiel mir der Einstieg in dieses Buch schwer, da ich das GefĂŒhl hatte, dass Lesch nicht wirklich zum Thema kommt. SelbstverstĂ€ndlich ist es auch wichtig, etwas ĂŒber die Erdentstehung oder verschiedene große Massenausterben zu erfahren, auch in Hinblick auf die Frage, wie man heute Nachhaltigkeit leben kann, jedoch waren mir die AusfĂŒhrungen teilweise doch etwas zu ausfĂŒhrlich. Das kann aber auch daran liegen, dass ich mit falschen Erwartungen an dieses Buch gegangen bin, da ich eher mit einer Bestandsaufnahme aktueller ZustĂ€nde, der Ableitung einiger Notwendigkeiten und Möglichkeiten, die Situation zu verbessern, gerechnet hatte.
Aber auch auf die heutigen Probleme wird eingegangen – wenn auch verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig kĂŒrzer als von mir erwartet – und Lösungsmöglichkeiten werden aufgezeigt. Sehr gefallen hat mir, dass auch Politiker, Wissenschaftler und viele mehr zu Wort kommen; so berichtet Anton Hofreiter beispielsweise ĂŒber Gensoja, Glyphosat und Großgrundbesitz oder Organisationen wie Greanpeace werden vorgestellt. Daher denke ich auch, dass in diesem Werk fĂŒr alle Generationen etwas zu finden sein wird, das besonders spannend ist.
Die Gestaltung des Buches ist sehr ansprechend: Zahlreiche Fotografien, Tabellen, Graphen oder farbliche Untermalungen veranschaulichen das zuvor Beschriebene oder machen auf Interviews aufmerksam. Allerdings muss ich gestehen, dass mir persönlich einige Tabellen als Ersatz zu seitenlangen AusfĂŒhrungen sogar gereicht hĂ€tten, da dort das Wissen wirklich kurz und bĂŒndig auf den Punkt gebracht wird. Lesch versucht unter anderem durch Witze wie
„Treffen sich zwei Planeten.
Der Eine: „Oh, du siehst aber schlecht aus.“
Der Andere: „Ich habe Menschen!“
Der Eine: „Das geht vorbei.““
oder Zitate die Texte aufzulockern.

Alles in allem ist „Die Menschheit schafft sich ab“ ein ganz besonders ausfĂŒhrliches Buch, in dem sehr viel Wissen vermittelt wird. Dabei wird auf viele verschiedene Aspekte eingegangen, wobei es teilweise seine LĂ€ngen hat. VerstĂ€ndlich ist es geschrieben, sodass ich denke, dass fĂŒr verschiedene Lesergruppen spannende Themen zu finden sind. Die Gestaltung des Buches ist sehr ansprechend und abwechslungsreich. Nach der LektĂŒre bleibt mir das GefĂŒhl, dass bereits einiges schief gelaufen ist und es sehr schwierig wird, den Stand der Dinge zu verbessern.
Ich kann dieses Buch weiterempfehlen, da sich jeder Gedanken darĂŒber machen sollte, was wir Menschen alles anrichten, wieso es so nicht weitergeht und welche Alternativen existieren.

Ich vergebe 4/5 Sternen

4-Sterne

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