📖 Rezension zu: „NEIN“ von Anna Förster und Peter Kreuz

NEIN

Ganz nett…

In den ersten Kapiteln dieses Buches wird beschrieben, dass wir in der heutigen Zeit so viele Freiheiten wie noch nie haben, uns jedoch noch immer unfrei fühlen. Dieses Empfinden schleicht sich schon in den alltäglichsten Situationen ein, wenn wir beispielsweise keine Lust haben, Freunde zu treffen oder die Verantwortung für ein neues Projekt zu übernehmen. Denn obwohl wir so gerne unsere Freiheiten nutzen würden um einfach mal nein zu sagen, folgt stets ein „ja gut“. Auch wenn man nach seinem Befinden gefragt wird, antwortet man doch meistens nur mit einem „gut“ oder „muss ja“.
Im ersten Teil, „Warum Freiheit ein Ladenhüter ist“, wird darauf eingegangen, in wie weit sich unser Leben und auch der Grad unserer Freiheit von früher unterscheidet. Als Beispiel hierfür wird Marie Curie angeführt, die nicht bei jedem Hindernis klein bei gegeben hat, sondern für und um ihre Freiheiten hat kämpfen müssen.
Als Erklärungsansatz wird eine Erziehung zum Ja-Sager beschrieben, die deutlich macht, wie wenig in unserer Gesellschaft das Widersprechen gefördert wird. „Wer Zäune um Menschen baut, bekommt Schafe.“, so wird es hier beschrieben.
Im zweiten Teil finden sich die Kapitel „Die Sache mit der Wahlfreiheit“, „Ein großes Ja, viele Neins“ und „Eine Frage der Haltung“, welche sich mit der Problematik befassen, dass man, um sich selbstbestimmt für oder gegen etwas entscheiden zu können, immer eine Wahl getroffen werden muss, mit der man sich gleichzeitig gegen zahlreiche andere Möglichkeiten entscheidet.
Teil drei, „Warum wir eine Antwort brauchen“ ruft dazu auf, Entscheidungen zu treffen.

Dieses Buch bietet sicherlich einige Ansätze, von denen die meisten aber nicht wirklich neu sind. Beispielsweise ist der Tipp, Zeit statt Geld zu verwenden um Freiheit genießen zu können, keine bahnbrechende Erkenntnis. Wenn man sich bereits ein wenig mit solchen Ratgebern beschäftigt hat, wird man vieles wiedererkennen.
Interessant war in meinen Augen die Gegenüberstellung der Vergangenheit zur Gegenwart, bei der die später getroffene Aussage, man stünde mit einem Fuß in der alten, mit dem anderen jedoch in der neuen Zeit, sodass man immer kurz davor stünde zu leben, seine Erklärung fand.
Diese Darstellung von drei Ereignissen in Marie Curies Leben stellt in meinen Augen den Höhepunkt des Buches dar…
„Tiere verhalten sich, der Mensch aber ist in der Lage zu handeln“ (S.107), „Ich will, also bin ich.“ (S.196) oder ähnliche Weisheiten sind meines Erachtens schon zu genüge in Glückskeksen oder an Teebeuteln zu finden…
Sehr erschreckt hat mich, dass man im Schnitt ganze 223 Minuten pro Tag fernsieht (S.108), wobei ich froh bin, diesen Schnitt zu senken…
Die verschiedenen Ansätze sind verständlich erklärt und auch Beispiele werden gegeben; beispielsweise dient das Milgram-Experiment der Erklärung.
Die Gestaltung des Buches ist ansprechend, was das Lesen angenehmer macht. Einzelne Sätze werden hervorgehoben oder am Seitenrand noch einmal abgedruckt. Auch die Farbwahl ist gut getroffen.
Dieses Buch gibt auch Tipps, wie man selbstbestimmter und selbstsicherer wird, damit man seine Entscheidungen auch souverän treffen kann ohne sie später zu bereuen. Einer von ihnen ist das Schreiben einer Not-to-do-Liste, damit man sich bewusst wird, wie viel man eigentlich gegen seinen Willen mitmacht.

Alles in allem ist „Nein“ ein ganzes nettes Buch, welches auch den ein oder anderen hilfreich Ratschlag beinhaltet, generell wird man aber, sofern man sich ein bisschen mit der Thematik befasst hat, eher wenig neue Erkenntnisse gewinnen. Ich war überrascht als ich entdeckte, wie viele Ratgeber Förster und Kreuz bereits auf den Markt gebracht haben und wie groß ihre Leserschaft doch ist.
Mich konnte dieses Buch leider nicht überzeugen, da es jedoch viele begeisterte Leser hat, sollte man vielleicht selbst herausfinden, ob es einem zusagt.

2/5 Sternen

2-Sterne

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