📖 Rezension zu: „Der Zirkus der Stille“ von Peter Goldammer

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Auf den Spuren des verlorenen Zirkus‘

Thaïs Leblanc wächst bei ihrer Großmutter, der unvergleichlichen Madame Victoria, auf. Allerdings kann sie dem von ihrer letzten lebenden Verwandten so geliebten Zirkus nicht viel abgewinnen. Als sie dann die Volljährigkeit erreicht, macht sie sich nach Paris auf, um dort ein sesshaftes, geregeltes und somit normales Leben zu führen.

Doch als ihre Großmutter dann stirbt, begibt sich Thaïs nach Arles, damit sie dort Victorias Haus über einen Markler vermitteln kann. Denn mit ihrer Vergangenheit meint sie zu dem Zeitpunkt abgeschlossen zu haben.
Allerdings lässt Victorias Testament, in letzter Eile mit Kugelschreiber auf den Arm niedergeschrieben, die junge Dame nicht los.
Als dann ein paar wundersame Zirkusleute auftauchen, mit Thaïs trauern, gewissermaßen ihre Freunde werden und dann, unzählige Fragen aufwerfend, wieder davon ziehen, beginnt ihr Leben aus den Fugen zu geraten.
Schließlich entscheidet sie sich, ihr Leben in Paris zurück zu lassen und die aufgespürten Geheimnisse zu lüften.
So macht sie sich auf die Suche nach einem einzigartigen Zirkus, begibt sich auf eine sie vollkommen verändernde Reise, muss sich einigen Proben stellen und wird zu der Frage gezogen, was sie vom Leben erwartet und für welche Lebensart sie sich entscheiden möchte.

Mich hat die Idee, eines Zirkus‘ der Stille sehr gereizt, da ich einen sehr bild- und märchenhaften Roman voller leiser und harmonischer Töne und mit einem Hauch Magie erwartet habe. Der Beginn des Buches hat mich dann auch sehr neugierig gemacht, da hin und wieder Erinnerungen an die Zirkuswelt eingestreut werden, die, aus der kindlichen Sicht heraus besonders schön beschrieben sind. Gerade die Beschreibungen zu Victoria, die gewissermaßen ein kleines Mysterium ist, haben mich fesseln können. Auf ganz angenehme Art und Weise wurde die Dame mit ihrer großen Liebe für die Zirkuswelt und Alkohol und Zigaretten beschrieben, sodass man sie sich sehr gut vorstellen konnte und sie – obwohl sie zu Beginn des Romans gerade gestorben ist – ins Herz schließen. Ihr Motto, „Regel Numero eins: Alles, was du als Anleitung fürs Leben brauchst, steht zuoberst auf jedem Feuerlöscher: Ruhe bewahren!“ (S.59), passt so schön zu der beschriebenen Victoria.
Als dann immer mehr Fragen aufgeworfen werden und man langsam erahnen kann, dass dieses Buch von der Selbstfindung einer jungen Frau handelt, war ich noch immer neugierig. Sehr haben mich auch die Zirkusleute fasziniert, die immer wieder veschwinden, wieder auftauchen und von der ersten Begegnung an so viel mehr zu wissen scheinen.
Ich empfand es als sehr schön, von dem verlorenen Wanderzirkus zu erfahren, der nicht mit großen Wildtierdressuren oder spektakulären Akrobatiknummern aufwartet, sondern ganz still und beschaulich das Staunen lehren möchte.
Allerdings wird das Buch dann immer abstrakter und weicht zunehmend von der Geschichte um den zauberhaften Zirkus und den Geheimnissen von Thaïs‘ Familie ab, was ich sehr schade finde. Denn der Autor hat Figuren, Orte und Themen gewählt, die so viel Potential gehabt hätten. Besonders, dass die Basken einen Teil des Buches einnehmen hätte viel mehr Möglichkeiten geschaffen – denn so ist dieses Buch eher ein Selbstfindungstrip.
Am Ende habe ich mich auch gefragt, was mit diesem nun gemeint ist, da das Buch plötzlich sein Ende findet. Mich störte im letzten Teil dieses Werkes auch, dass immer wieder pseudotiefgründige Lebensweisheiten eingestreut worden sind, die die Geschichte ab- statt aufwerten.

Alles in allem ein schöner Debütroman, der jedoch zum Ende hin immer mehr Schwächen aufweist. Definitiv hätte diese Geschichte das Potential zu einem ganz außerordentlich bezaubernden Buch gehabt, das noch lange einen starken Eindruck hinterlässt…

Ich vergebe 3,5 über dem verlorenen Zirkus fahles Licht in die Stille streuende Sterne!

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