📖 Rezension zu: „Engel der Themse“ von Anne Breckenridge

Cover Engel der Themse

Konnte mich leider nicht überzeugen…

Im viktorianischen England des Jahres 1864 verschwinden in London immer wieder Kinder. Da es stets die Ärmsten, für die sowieso niemand einzutreten bereit ist, trifft, wird die Polizei nicht aktiv. So holt der Schatten, wie die Leute zu flüstern pflegen, die Kinder. Auch Gladys Bruder ist nach einem kurzen Moment der Unachtsamkeit unauffindbar, was zwar das Leben der Familie, nichts jedoch an der aussichtslosen Situation ändert. Selbstverständlich schert sich die Polizei auch dieses mal nicht um den vermissten Neugeborenen.
Erst als der Sohn eines Lords unauffindbar bleibt, werden endlich die Ermittlungen aufgenommen. Da das vorlaute Küchenmädchen Emma schnell der Entführung verdächtigt wird, bleibt ihr nur noch die Flucht als Ausweg.
So trifft sie in den Straßen Londons auf Gladys. Einander trauen sie zwar nicht über den Weg, müssen aber zusammenhalten als auch der zweite Sohn des Lords verschwindet und die Polizei Emma unbedingt als die Schuldige präsentieren möchte.
Gemeinsam versuchen sie die Kinder aus den Händen des Schattens zu befreien – bevor es zu spät ist.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht Gladys und Emmas erzählt, weswegen auch der Schreibstil verschiedene Züge aufweist. Bei den Szenen mit Gladys konnte ich mich beispielsweise gar nicht mit der Erzählweise anfreunden, da die in ärmlichen Verhältnissen lebenden Menschen von Grammatik und einer ansprechenden Wortwahl so gar nichts zu halten scheinen. Selbstverständlich ist es prinzipiell sehr ansprechend, wenn authentisch geschrieben und die Sprache den Charakteren angepasst wird, mir wurde es beim Lesen aber leider zu viel… „Titten“ (S.6,f.), „Fischschwänze“ (S.10) oder „Die wo Pasteten verkauft“ (S.11) sind solche Beispiele von Lesefluss- und Leselust-Hemmern… Ebenso unschön empfand ich das mehrfach auftauchende „Das Herz rutschte (…) zwischen die Schenkel“… Auf die vielen „Herrgott sei bei uns!“-Ausrufe bei Emmas Erzählstrang hätte ich auch verzichten können…
Im Verlaufe des Buches bessert sich das zwar noch etwas, bleibt für mich jedoch noch immer störend…
Da viele Charaktere bemüht werden, fiel es mir etwas schwer, die einzelnen Figuren einzuordnen und war dementsprechend manchmal verwirrt. Da so viele Personen auftauchen, wird in ihrer Beschreibung auch nicht sonderlich in die Tiefe gegangen, was aber nicht so schlimm ist, da man dennoch einen guten Einblick in die Verhältnisse des viktorianischen Englandes gewinnt. So sind beispielsweise die Unterschiede zwischen Arm und Reich stets erdrückend präsent und ziehen sich durch das ganze Buch. Auch wenn ich mich mit Gladys nicht wirklich anfreunden konnte, hatte ich eine bessere Meinung von Emma. Schon zu Beginn musste ich schmunzeln, als sie unbedingt den König einmal sehen möchte und sich deswegen unter viel Müh und Risiko als Junge verkleidet. Als sie dann auffliegt, der endgültige Beweis dafür, dass sie endich zu arbeiten hat, ist Constable Kelly verständnisvoll, was ihn zu einer der sympathischen Figuren des Buches macht.
Die Handlung des Krimis wird immer spannender – ein Höhepunkt ist auch das rasante Ende.
Ganz wunderschön ist auch die Gestaltung des Buches: Ein blauer Buchschnitt und eine Zeichnung Londons zu Beginn eines jeden Kapitels verleihen dem Buch ein schönes Aussehen.

2,5/5 Sternen

Hier geht es zur Buchseite -> klick

und hier gelangt ihr zur Verlagsseite -> klick

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s