📖 Rezension zu: „Staats‘ Geheimnisse – Mediterrane Rezepte“ von Stephan Staats

Oh hättest du geschwiegen, wärst du… – zumindest bei den selbsterlebten „Storys“

Stephan Staats arbeitet als Chefkoch auf luxeriösen Jachten der Extraklasse und bereitet an diesen abenteuerlichen Arbeitsplätzen die außergewöhnlichsten Gerichte zu. In seinem kürzlich erschienen Kochbuch zeigt er nicht nur, welche Rezepte die reichsten Menschen der Welt zufrieden stellen, sich allerdings auch leicht nachmachen lassen, sondern erzählt auch von unfassbaren Begegnungen und davon, wie es an Bord in der Realität zugeht.
Die Rezepte sind verschiedenen Gebieten zugeordnet, da schließlich die landestypischen Aromen zentral seien sollen. So führt einen die kulinarische Reise nacheinander nach „Frankreich, Monaco“ (S.10), „Spanien, Portugal, Balearen, Kanaren“ (S.36), „Italien, Korsika, Sardinien, Malta“ (S.78), „Albanien, Montenegro, Kroatien, Slowenien“ (S.134), „Griechenland, Türkei, Zypern“ (S.162), „Ägypten, Lybien, Marokko, Algerien, Tunesien“ (S.196) und „Israel, Gazastreifen, Syrien, Libanon“ (S.240). Demzufolge findet man von allem etwas in dem Buch, wobei sich unglaublich leichte Rezepte ebenso wie höchst aufwendige ausmachen lassen. Ob nun „gerösteter Knoblauch“ (S.39), „Hummus“ (S.205) und „eingelegte Zitronen“ (S.231) oder die zeitintensiven „Bochettes“ (S.232): Sicherlich sind die mediterranen Rezepte dieses Buches abwechslungsreich.
Allerdings bin ich der Auffassung, dass die meisten Zeitangaben geschönt sind, da man sicherlich länger als 25 Minuten für das Durchschnittsgericht dieses Werkes benötigt. Zugegebener Weise kann man sich bei den Gerichten auch sonst meist nicht spontan zum Nachkochen entscheiden, da man die Mehrzahl der Zutaten bestimmt nicht einfach vorrätig hat oder die Speisen auch gerne 14 Tage brauchen, um ihren Geschmack zu entfalten.
Doch wenn einen diese Kombination von sehr einfachen und komplexeren Rezepten anspricht, lassen sich in „Staats‘ Geheimnisse“ garantiert tolle Ideen finden.
Von der Gestaltung her ist das Buch durchaus gelungen: Fotografien und Zeichnungen wechseln sich ab.
Allerdings sind noch die Geschichten zu erwähnen, welche zwischen die Rezepte gestreut wurden. Diese vermochten mich keineswegs anzusprechen, da ich sowohl ihren Inhalt als auch die Schreibweise als äußerst unangenehm empfunden habe. So wird von der schier unglaublichen Dekadenz der Superreichen berichtet, die Angst um den so wertvollen und von potenziellen Dieben bedrohten weißen Kaviar beschrieben oder von den Alkoholkonsum, Streitereien und Ähnlichem geschrieben. Andauernd stolperte ich über Aussagen wie „Mir war schnell klar, dass sie nicht der Typ für einen One-Night-Stand war. Oder sollte ich es nicht doch wenigstens bei ihr versuchen? Einen Moment bedauerte ich die Tatsache, dass es bei vielleicht nicht so leicht werden würde. (…) Wenn ich es täte, würde nicht nur unsere Beziehung, sondern der ganze Markt seine Unschuldigkeit verlieren (…)“ (S.229). Immer wieder liest man von Nächten des Rausches – gerne auch mit Filmriss – und Ähnlichem.
Aber auch die Stimmung an Bord sollte ja wiedergegeben werden, sodass selbstverständlich auch hier kein Blatt vor den Mund genommen wird. Von Kollegen, die sich mal wieder „angeschissen kommen“ (offenbar ein Synonym für „sich in die Küche begeben“), um nach dem heutigen Gericht zu fragen, die mit geflätschten Zähnen und einem – immerhin nicht mit der scharfen Seite – auf sie gerichteten Messern empfangen werden und davon unverständlicherweise nicht ganz so amüsiert sind wie der einzigartige Chefkoch (S.110). Seine Ausdrucksweise hat mich häufig ins Staunen versetzt, denn sie passte weniger zu einem edlen Koch und edlen Jachten, würde doch ein Seemann vor Neid erblassen…
So macht der Autor allgemein einen alles andere als sympathischen Eindruck auf mich und alleine die Vorstellung, wie er als junger und wirklich unerfahrener Koch darauf wartete, dass man ihn auf einem roten Teppich in Empfang nimmt und in die Küche geleitet, ist dafür ein Paradebeispiel.
Was er auch so alles, als für reiche Menschen normal ansieht, halte ich für bedenklich und abstoßend.
Diese Erzählungen, in die auch immer wieder ein paar Ausdrücke eingestreut wurden, die vor internationality nur so strotzen und bei mir nicht für Bewunderung ob der vielen Sprachkenntnisse sorgen, sind auch mein größter Kritikpunkt. Die Rezepte sind durchaus nett und abwechslungsreich, wenn auch nicht umwerfend, das Drumherum empfand ich sogar als lästig… Da kann dann auch die schöne Gestaltung nicht mehr viel reißen…

Auf die eher weniger druckreifen Formulierungen hätte meines Erachtens besser verzichtet werden sollen, da sie das Niveau des Buches unnötig in die Tiefe ziehen…

Von mir gibt es daher noch 2/5 Sternen

2-Sterne

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