📖 Rezension zu: „Kokosöl“ von Franziska von Au

Kokosöl

Recht einseitig…

Dieses Buch widmet sich sehr umfassend dem Kokosöl, welches gut fĂŒr Gesund- und Schönheit sein soll.
In der Einleitung wird die Geschichte der Kokosnuss nachvollzogen, von sich um sie rankenden Mythen wird berichtet und ihre Bedeutung als Handelsgut seit mehr als 2000 Jahren herausgestellt. Selbst der Sonnenorden der Kokosesser, welcher mir zuvor gĂ€nzlich unbekannt war – wird angefĂŒhrt.
Im Kapitel „Bausteine der ErnĂ€hrung“ wird beschrieben, welche Fette unser Organismus braucht und welche Bestandteile sie haben. Dieses Kapitel konnte mich nicht so ganz packen, da mir die Mengenangaben verschiedener SĂ€uren, Spurenelemente oder Vitamine gegeben ehrlich gesagt nicht wirklich weiter geholfen hat… Jedenfalls stellt sich bei diesen Betrachtungen heraus, dass, auch wenn andere wertvolle Inhaltsstoffe in anderen Fetten in höherer Dosis zu finden sind, der Anteil an LaurinsĂ€ure bei Kokosöl vergleichsweise hoch ist.
Diese Erkenntnis bildet gewissermaßen das GrundgerĂŒst fĂŒr das sich nun anschließende Kapitel „Gesundheit und Wohlbefinden“, in dem die schier unglaublichen Anwendungsbereiche von Kokosöl beleuchtet werden. Ob beim Abnehmen, Hauterkrankungen und -verletzungen, Infektionen, Schwangerschaft, Stillzeit, Mundhygiene oder Tierwohl vermag Kokosöl zu helfen, so die Autorin. Allerdings stehe ich diesen AusfĂŒhrung kritisch gegenĂŒber, besonders nachdem ich zu der Stelle gekommen bin, in der behauptet wird, dass Kokosöl bereits Demenz vollkommen geheilt hat und Krebspatienten beinahe vollstĂ€ndig genesen ließ. Wenn 2 EL Kokosöl am Tag eine derart gute Therapie wĂ€ren, wĂŒrde man wohl kaum noch auf teure Medikamente mit starken Nebenwirkungen zurĂŒckgreifen… Werden Produkte derart hochgelobt, erscheint mir das bedenklich… Zumalen Kokosöl – in geringster Dosis beispielsweise lediglich zum Braten verwendet – hier als wahrer Alleskönner dargestellt wird.
Im nĂ€chsten Kapitel geht es darum, wie man „Kosmetik fĂŒr Haut und Haar“ aus Kokosöl herstellen kann. Die Rezepte und Anleitungen reichen hier von Hautlotionen ĂŒber Sonnenschutz bis hin zu Deos und Zahnpasta.
Anschließend findet man im Kapitel „In der KĂŒche“ zahlreiche Rezepte, wobei meist ein bis zwei Esslöffel Kokosöl zum Braten genommen werden, sodass selbstverstĂ€ndlich die Bandbreite enorm ist – was man nicht alles in Kokosöl anbraten kann! Dennoch ist es sicherlich lobenswert, dass fĂŒr jede Mahlzeit mehrere leicht zuzubereitende Gerichte, verstĂ€ndlich erklĂ€rt, angefĂŒhrt werden. In verschiedene Unterthemen gegliedert finden sich so vegane, Paleo-, asiatische, GeflĂŒgel-, Backrezpte und vieles mehr. Sehr ĂŒbersichtlich, jedoch nicht bebildert, findet man Speisen ganz unterschiedlichen Geschmacks.

So bin ich mir nicht ganz sicher, was ich von diesem Buch halten soll. Sicherlich hat die Autorin viel Recherche betrieben, um an die ganzen Informationen zu kommen, allerdings wirkt das Ganze auf mich nicht so richtig authentisch. Beim Lesen hatte ich immer wieder den Eindruck, Franziska von Au mĂŒsse schlank, faltenfrei, absolut gesund und umwerfend sein – so wie sie die Wirkungen des Kokosöls hochlobt. Nach kurzer Suche und dem Betrachten eines Fotos beschleicht mich das GefĂŒhl, dass sie ihre 2 EL am Tag nicht so wirklich konsumiert… Andere ihrer Titel wie „Rote Bete: Die heilsamen KrĂ€fte der Wunderknolle“ lassen mich vermuten, dass man die großen Wirkungen einer einzelnen Pflanze nicht so ganz wörtlich nehmen und stattdessen das wertvolle in einem jeden Naturprodukt suchen sollte.
Des Weiteren finde ich einige der angefĂŒhrten stichhaltigen Beweise von höchst zuverlĂ€ssigen Erhebungen nicht ganz so ĂŒberzeugend: Zum Beispiel bezweifle ich, dass Insulaner in abgelegenen Gebieten deswegen seltener Herzinfarkte erleiden, weil sie vermehrt Kokosöl zu sich nehmen. Sind nicht vielmehr die anderen LebensumstĂ€nde (weniger Stress als in einer Leistungsgesellschaft) die Ursache? Diese Frage monokausal zu beantworten, finde ich nicht hinreichend…
Außerdem werden immer wieder die gleichen Passagen wiederholt – zum Beispiel ist der gleiche Text sowohl auf Seite 104 als auch auf Seite 92,f. zu finden oder ĂŒber Zecken auf den Seiten 97 und 106.

Sicherlich ist Kokosöl ein tolles Naturprodukt, welches der Gesundheit nicht unzutrĂ€glich ist und Haut und Haare zu pflegen vermag. Die in den Inhaltstoffen liegenden GrĂŒnde hierfĂŒr werden ausfĂŒhrlich in diesem Werk behandelt und der große Rezeptteil ist sehr vielfĂ€ltig, jedoch auch nicht gĂ€nzlich ĂŒberzeugend. Das Fazit, welches ich aus dem Buch ziehe, ist, dass es sicherlich nicht schaden kann, mehr Kokosöl zu verwenden.

Ich vergebe 2/5 Sterne

2-Sterne

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