­čôľ Rezension zu: „Und du bist nicht zur├╝ckgekommen“ von Marceline Loridan-Ivens

Und du bist nicht zur├╝ckgekommen

Ein sehr ber├╝hrendes Werk!

Mit 15 Jahren wird Marceline Loridan-Ivens mit ihrem Vater deportiert. Sie werden gewaltsam auseinandergerissen: Sie wird nach Birkenau und er nach Auschwitz deportiert. Zu diesem Zeitpunkt sagt ihr Vater ihr, dass sie wahrscheinlich aufgrund ihres Alters freikommen, er aber niemals zur├╝ckkommen wird.
Marceline Loridan-Ivens konnte sich nie von ihrem Vater verabschieden, weswegen sie nun, 70 Jahre sp├Ąter, einen Brief an ihn schreibt. Dieser ist die Antwort auf einen Brief ihres Vater, den sie im Konzentrationslager im Sommer 1944 durch ein gro├čes Gl├╝ck erhalten hat. Wegen ihrer schlechten k├Ârperlichen und seelischen Verfassung verga├č sie sofort, was in ihm stand, kennt nur noch die einleitenden Worte. Sie wei├č nicht mehr genau wann, aber kurz darauf hat sie den Brief verloren. Dieser Verlust besch├Ąftigt sie noch heute.
In dem Buch beschreibt sie, wie sie die Zeit ├╝berlebt hat und, wie sie sich ausdr├╝ckt, das Lager nie verlassen hat, da es f├╝r immer in ihrem Ged├Ąchtnis festsitzt. Denn als sie zur├╝ckkehrte war in ihrer Familie nichts mehr wie es war. Es war, als w├Ąre ihr Vater f├╝r sie gestorben, alle dachten das- und so begann der Verfall der Familie. Das Lager hat Marceline Loridan-Ivens dazu gebracht, anderen zu helfen. Sie reiste zusammen mit ihrem Mann Joris Ivens in Krisen- und Kriegsgebiete, um zu helfen und mit Dokumetarfilmen auf die Probleme aufmerksam zu machen.

Doch handelt dieses Buch nicht nur davon. Ger├╝che, Ger├Ąusche, Gef├╝hle, Erlebnisse und ├ängste werden so beschrieben, dass es beim Lesen ganz tief unter die Haut geht. Ganz ber├╝hrend ist auch die Liebe des M├Ądchens und sp├Ąter der Frau zu ihrem Vater, die einen das ganze Buch begleitet. Man f├╝hlt sich nach Birkenau gezogen, da alle Sinneseindr├╝cke so eindringlich beschrieben werden. Der Geruch nach verbrannten Leichen zum Beispiel. Besonders Marceline Loridan-Ivens‘ Gef├╝hle werden so genau wiedergegeben, nicht nur w├Ąhrend ihrer Zeit im Konzentationslager, wenn sie die Kleidung der Toten durchw├╝hlen muss, oder wenn die Menschen um sie herum ermordet werden, sondern auch nach ihrer „Befreiung“: Die f├╝r sie noch immer offen stehende Frage, ob sie, die ├ťberlebenden, gut daran taten, aus den Lagern zur├╝ckzukehren, zum Beispiel. Eine Frage, von der sie hofft, dass sie sie vor ihrem Ableben mit einem „Ja“ beantworten k├Ânnen wird. Und das w├╝nsche ich ihr sehr.

Mit leisen Worten ist es der Autorin gelungen, mir immer und immer wieder Schauer ├╝ber den R├╝cken laufen und Tr├Ąnen in die Augensteigen zu lassen. Wenn einem Bilder von Kindern in den Kopf steigen, die Gr├Ąber ausheben oder die Kleidung Toter durchw├╝hlen m├╝ssen, oder von einem kleinen M├Ądchen, das v├Âllig ersch├Âpft zusammenbricht und dann umgebracht wird, ist es etwas so bedr├╝ckendes und ergreifendes, dass es sich kaum in Worten angemessen beschreiben l├Ąsst. Und dennoch gelingt es der Verfasserin in diesem gerade einmal 110 Seiten umfassenden Werk genau solche Bilder auszul├Âsen und ein ganzes Leben, und die Auswirkungen des Verschwindens eines solchen, zu beschreiben.

„Und du bist nicht zur├╝ckgekommen“ ist ein sehr gef├╝hlvolles und pers├Ânliches Buch ├╝ber die in den Konzentrationslagern erlebte Unmenschlichkeit. Aber nicht nur das; es ist auch ein Buch ├╝ber die immer w├Ąhrende Liebe eines Kindes, einer Frau, zu ihrem verschollenen Vater. Es ist ein Brief, der sehr nahe geht, zum Nachdenken anregt und niemals von dem Adressaten gelesen werden wird.
Gerade in der heutigen Zeit ein Werk, welches ich weiterempfehlen kann.

5/5 Sterne

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