đź“– Rezension zu: „Die Verbrannten“ von Antonio Ortuño

Die Verbrannten

Ungeschönt und wortgewaltig zeigt dieses Buch den Umgang mit Flüchtlingen im Süden Mexikos auf!

In einer Notunterkunft für zentralamerikanische Flüchtlinge in Santa Rita, einer unbedeutsamen Stadt im Süden Mexikos, wird ein Feuer gelegt. Frauen, Männer und Kinder fallen den Flammen zum Opfer.
„Die Nationalkommission fĂĽr Migration (NkM) äuĂźert mit Nachdruck ihre Empörung anlässlich des Anschlags auf die aus verschiedenen zentralamerikanischen Ländern stammenden (…) Migranten“ (S.86)
Die Sozialarbeiterin Irma, auch La Negra genannt, soll Untersuchungen anstellen. Doch sind ihre Ermittlungen keineswegs erwünscht, denn in einem Land, in dem zentralamerikanische Flüchtlinge reihenweise illegal eingeschleust, ausgenommen, vergewaltigt, ermordet und anschließend in Massengräbern verscharrt und verleugnet werden, ist niemand bereit auszusagen. Die Schlepper stellen noch immer eine viel zu große Bedrohung dar. Doch sind sie nicht die einzige Gefahr. Denn wenn Schlepper und Behörden gemeinsam ein kriminelles Geschäft betreiben, ist niemand der Fragen stellt mehr sicher.
Besonders keine Sozialarbeiterinnen, die sich den Ăśberlebenden annehmen und versuchen diese zu schĂĽtzen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

La Negras einzige Hoffnung ist die 20jährige Yein. Sie wurde Zeugin des Anschlags, doch ist es schwierig in einer Umgebung, in der jedes zu viel gesprochene Wort eine Bedrohung darstellt, an Informationen zu gelangen.
Yein hat, wie jeder einzelne der Flüchtlinge, Schreckliches erlebt. Unvorstellbares, dass einem Schauer über den Rücken laufen lässt. Für die wenigen Überlebenden, die sich bei einem Anschlag retten konnten, ist dies jedoch erst der Beginn..
Als sich die Anschläge häufen reagiert die Nationalkommission für Migration mit sich immer ähnelnden Pressemitteilungen. Das Geschehene wird zutiefst bedauert, Versprechungen werden gemacht, die niemals eingehalten werden sollen.
„Die Nationalkommission fĂĽr Migration (NkM) äuĂźert mit Nachdruck ihre Empörung angesichts des Anschlags auf die aus diversen zentralamerikanischen Ländern stammenden Migranten“ (S.108)
Doch für La Negra beginnt die Suche nach den Tätern.
„NkM erklärt Pflicht, Migranten zu schĂĽtzen, und Absicht, Ermittlungen zu unterstĂĽtzen“ (S. 108)

„Die Verbrannten“ von Antonio Ortuño beschreibt eindringlich, wie in einem Land voller Korruption und krimineller Banden mit FlĂĽchtlingen umgegangen wird.
Schätzungsweise durchqueren 12.500 Minderjährige jährlich den Süden Mexikos; jeder sechste von ihnen reist ohne Begleitung auf den Güterzügen. Dabei werden tausende Migranten auf ihrem ohnehin schon harten Weg in die USA überfallen, ausgeraubt, vergewaltigt, ermordet oder fallen dem Menschenhandel zum Opfer.
Der auf den lediglich 208 Seiten vermittelte Inhalt ist überwältigend. Beim Lesen musste ich immer wieder Pausen einlegen, da es kaum vorstellbar ist, wie grausam Menschen sein können und wie abgekartet manche Spiele sind.
Hierbei handelt es sich auch um ein Buch, das wütend macht. Erschreckend realistisch werden die Anschläge und Reaktionen in Bevölkerung und in den Behörden beschrieben.
DarĂĽber hinaus ist „Die Verbrannten“ extrem spannend, öffnet es einem doch die Augen. Man wird mit so viel Leid, Korruption, Angst und Rassismus konfrontiert, dass man sich zu fragen beginnt, wie so etwas nur möglich sein kann.
Dadurch regt dieses Buch dazu an, sich zu informieren, die Augen offen zu halten, nach Möglichkeiten zu handeln zu suchen.
Allerdings ist dieses Buch auch brutal, sodass es wohl nicht für jeden ein Lesegenuss wäre; doch wer dies aushält, sollte sich dringend an dieses Buch wagen!
Auch die Sprache ist etwas Besonderes, da alles mit einem solchen Zorn beschrieben wird, dass einem das Gelesene noch näher geht.

Leider ist dieses Buch erschreckend aktuell! Ungeschönt und wortgewaltig zeigt es den Umgang mit Flüchtlingen im Süden Mexikos auf, weswegen ich es absolut weiter empfehlen kann!

5/5 Sterne

5-Sterne

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