đź“– Rezension zu: „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer

Tiere essen

Ein wachrĂĽttelndes und schockierendes Buch, welches jeder gelesen haben sollte!

„Diese Geschichte begann nicht als ein Buch. Ich wollte nur wissen – fĂĽr mich und fĂĽr meine Familie – was Fleisch eigentlich ist. Wo kommt es her? Wie wird es produziert? Welche Folgen hat unser Fleischkonsum fĂĽr die Wirtschaft, die Gesellschaft und unsere Umwelt? Gibt es Tiere, die man bedenkenlos essen kann? Gibt es Situationen, in denen der Verzicht auf Fleisch falsch ist? Warum essen wir kein Hundefleisch? Was als persönliche Untersuchung begann, wurde rasch sehr viel mehr als das …“  Jonathan Safran Foer

Jonathan Safran Foer schwankte schon eine ganze Weile zwischen Fleischgenuss und Vegetarismus, doch als sein Sohn zur Welt kam stellte er sich die Frage, warum wir ĂĽberhaupt Fleisch essen, welche Auswirkungen das auf unsere Gesundheit und Umwelt hat und ob wir genauso weitermachen wĂĽrden, wenn wir wĂĽssten, wie die Tiere, die auf unserem Teller landen, vor ihrem Tod behandelt werden.

Um einer Antwort auf diese Fragen näher zu kommen, begab er sich auf die Suche nach Experten, die ihm weiterhelfen konnten, er brach mit TierschĂĽtzern nachts in Tierfarmen ein, befragte in Schlachthöfen arbeitende Menschen und setzte sich mit unzähligen Statistiken auseinander. Ganze drei Jahre verbrachte er mit den Recherchen und dem Schreiben von „Tiere essen“ und genau diese MĂĽhe und Arbeit, die in dieses Buch gesteckt worden ist, ist beim Lesen spĂĽrbar.

Der Autor geht nicht nur auf die Tierhaltung und die Schlachtung ein, sondern auch auf die verschiedenen Methoden der Fischerei, auf die Umweltverschmutzung und deren Folgen, sowie auf das Verfüttern von Antibiotika an Tiere und die Probleme, die diese beim Menschen verursachen. Hierbei erläutert er jeden Standpunkt und lässt verschiedene Menschen mit ganz gegensätzlichen Ansichten zu Wort kommen, sodass sich jeder Leser selbst aussuchen kann, welche Meinung er vertritt.

Die Recherchen erfolgten in den USA, aber wie man dem Vorwort entnehmen kann, herrschen erschreckender Weise sehr ähnliche Verhältnisse auch hier in Deutschland. Im Anhang werden Statistiken und Daten angeführt, damit einem dies noch einmal bewusst wird.

Keineswegs belehrend oder mit erhobenem Zeigefinger weist Jonathan Safran Foer auf die Missstände hin, gibt einen Einblick in das, wovor die meisten am liebsten die Augen verschließen, gibt aber auch Lösungsansätze.

Die Fakten die er dem Leser nennt sind zutiefst schockierend, beängstigend und auch beschämend. Beim Lesen habe ich mich immer wieder fragen müssen, wieso noch immer solche Umgehensweisen mit Lebewesen und der Umwelt möglich sein können.

Für die Mastbetriebsbesitzer geht es um Geld. Um sehr viel Geld, dass sie selbstverständlich nicht missen möchten. Der Preis von Fleisch wird gesenkt, das Geld muss woanders eingespart werden. Möglichkeiten bieten sich da einige: Mehr Tiere auf weniger Raum, weniger Geld für Betäubungen, usw..

Es ist auch sehr erschreckend, wie viel Platz fĂĽr die Viehzucht genutzt wird..

„Fast ein Drittel der Landoberfläche unseres Planeten wird fĂĽr Viehzucht genutzt“ S. 173

Jonathan Safran Foer befragt auch Menschen in seinem Umfeld dazu, was ihnen Essen ĂĽberhaupt bedeutet und wie viel Wert, bzw. Bedeutung, sie Fleisch in diesem Zusammenhang zuschreiben.

„FĂĽr die Ernährung des durchschnittlichen Amerikaners sterben insgesamt 21000 Tiere.“ S. 143

FĂĽr mich ist es einfach unbegreiflich, wie viele Tiere fĂĽr unseren Fleischkonsum sterben mĂĽssen. 21000 Tiere auf einen einzigen Menschen? Das hat in meinen Augen nichts mehr mit einem Gleichgewicht, mit einem nachvollziehbaren Verhalten oder mit Genuss zu tun.

Hierbei stellt sich ebenfalls die Frage, woher wir das Recht nehmen, so viele Lebewesen zu töten..

Es wird auch die Bedeutung unseres Fleischkonsums auf die Umwelt herausgestellt. Ich wusste zwar, dass Fleischkonsum auch zum Klimawandel beiträgt, mir war jedoch das Ausmaß nicht bewusst.

„Die landwirtschaftliche Nutztierhaltung trägt 40 Prozent mehr zur globalen Erwärmung bei als der gesamte Transportverkehr weltweit und ist somit die Ursache Nummer eins fĂĽr den Klimawandel“ S. 55

FĂĽr mich besonders erschreckend waren die Berichte von den Mast- und Schalchtbetrieben. Ob nun der extreme Platzmangel, dem die Tiere ausgesetzt sind, oder die Qualen unter denen sie sterben- es ist nur schwer vorstellbar, dass Menschen Lebewesen etwas derart grausames zufĂĽgen können. Es war jedes Mal schockierend, wenn eine Mitarbeiterin von PETA ihre Erfahrungen mitgeteilt hat. Oder wenn ein Stecher von seiner Arbeit am Schlachthof berichtet. Von dem Ort an dem die Mitarbeiter ihre ganze Wut, Unzufriedenheit und was-weiĂź-ich-nicht-alles an den Tieren auslassen, zum Beispiel den Tieren einen Elektro-Treibstab in die Augen stecken, dem Tier die Luftröhre kaputt schlagen, ihm die Nase spalten,… Denn der Blutgeruch mache ganz aggressiv, so die von dem Autor befragten Stecher (S. 290).

Dieses Buch ist definitiv nichts fĂĽr schwache Nerven und ich musste es immer wieder beiseite legen, da es sonst zu viel Grausames auf einen Schlag gewesen wäre. Wenn man bedenkt, dass den Stechern meist gerade einmal zwei Sekunden Zeit bleiben, um ein Schwein tiergerecht abzustechen, ist dies doch schon kaum mehr auszuhalten…

„Mittlerweile haben die größten unter den Schlachthöfen zwar Kontrollsysteme eingefĂĽhrt, um diese Tiere vor dem VerbrĂĽhen in dem anschlieĂźenden BrĂĽhsystem zu retten. Doch Prof. Klaus Tröger schätzt, dass rein rechnerisch jährlich trotzdem bis zu 250.000 Schlachtschweine erst beim ĂśberbrĂĽhen sterben.“ 3sat-Doku: „Tierschutz: Horror im Schlachthof“

Für mich ist es wirklich bewundernswert, wie sachlich Jonathan Safran Foer das ganze Buch über bleibt. Nie hebt er mahnend den Zeigefinger, versucht zu missionieren oder stellt den Vegetarismus oder Veganismus als den Weg der Wege heraus. Seine einizge Bemerkung zu Letzterem ist, dass er Vegetarier geworden sei, es sich hierbei aber um eine ganz persönliche Entscheidung handle die jeder für sich treffen müsse.

Auch beeindruckend ist, wie viel Wissen er zu den in dem Buch behandelten Themen gesammelt hat und wie er diese, sachlich aber keineswegs trocken und eintönig, vermittlet. Alleine am Anhang, in dem er genauer auf die Daten und Statistiken eingeht, kann man erkennen, wie viel Arbeit in diesem Werk steckt.

Auch genaue Statistiken und Zahlen für Deutschland werden im Anhang angeführt, sodass einem bewusst wird, dass die im Buch beschriebenen Umstände keineswegs nur in den USA vorzufinden sind.

„Sobald wir unsere Gabeln heben, beziehen wir Position“ S. 300

Ich kann dieses Buch wirklich jedem weiterempfehlen, da es dem Leser ohne missionieren zu wollen die Augen öffnet und ein Bewusstsein fĂĽr die Auswirkungen des Fleisch(- und Fisch)konsums eines jeden einzelnen schafft. Es ist wichtig, sich mit seiner Ernährung auseinanderzusetzten, zu wissen was man isst und sich im Klaren darĂĽber zu sein, welche Folgen dies auch fĂĽr den eigenen Körper hat. Ein Buch, das Ekel, Wut, Fassungslosigkeit, Scham,…. hervorruft.

Ein Buch, fĂĽr das man starke Nerven braucht, das es sich zu lesen aber definitiv lohnt!

5/5 Sterne

5-Sterne

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