📖 Rezension zu: „Die BĂŒcherdiebin“ von Markus Zusak

Die BĂŒcherdiebin

Viele Informationen ĂŒber die Zeit des Zweiten Weltkrieges.

Der Roman „Die BĂŒcherdiebin“ wurde von Markus Zusak geschrieben und im Jahre 2005 beim Blanvalet-Verlag veröffentlicht. Zentrales Thema ist die Liebe zu BĂŒchern, die die Protagonistin Liesel Meminger in der Zeit des Zweiten Weltkrieges in „Nazi-Deutschland“ entwickelt. Als ErzĂ€hler fungiert der Tod, der in dieser schweren Zeit immer prĂ€sent war. Hierbei kommt die Frage auf, ob der Tod nicht eine sehr dĂŒstere und hinterlistige Weltansicht und ErzĂ€hlweise hat, hierzu spĂ€ter mehr. Das Thema des Buches hat mich sehr angesprochen, da ich zu Beginn des Lesens schon wusste, dass Liesel eine besondere Bindung zu BĂŒchern aufbauen wĂŒrde, was mir sehr sympathisch erscheint. Zustande kam dieses „Vorwissen“ dadurch, dass der Tod, als allwissender ErzĂ€hler, immer auf die spĂ€tere Handlung eingeht und somit schon in den ersten SĂ€tzen  Ereignisse wie Liesels Tod voraussagt. Dies ist eine AuffĂ€lligkeit, die den Leser das ganze Buch lang begleiten wird. Dazu kann ich aber sagen, dass mir hierdurch nicht immer die Neugier genommen wurde, denn ich wollte wissen, wie es zu den einzelnen Ereignissen kommen sollte. Ein weiterer Aspekt, der beim Lesen auffĂ€llt ist, dass immer wieder Farben eine wichtige Rolle bei der Beschreibung von GefĂŒhlen, Taten und Beobachtungen des Todes spielen. So kĂŒndigt ein roter Himmel zum Beispiel einen Bombenangriff an. Der Schreibstil ist teilweise sehr angenehm Detail verliebt, da sich der Tod in dieser tristen Zeit selbst ĂŒber das kleinste GlĂŒck erfreut und somit eine ziemlich positive Einstellung zu Geschehnissen hat (solange es nicht Menschenseele wie den Krieg betrifft). Der Tod scheint sich mit Liesel identifizieren zu können und so merkt man, dass auch der Tod ein Herz hat.

Momentan lesen immer mehr Leute, zunehmend Jugendliche, BĂŒcher die ĂŒber die Zeit des Nationalsozialismus berichten. Somit ist die Geschichte von Liesel heute noch aktuell, obwohl sie von einer Zeit erzĂ€hlt, an den sich wohl kaum ein Jugendlicher erinnern kann. 😉 Besonders die Schicksale einer einzelnen Person, die anders ist, als die breite Masse, sorgt fĂŒr zunehmendes Interesse. So auch bei Liesel, die nach dem Tod von ihrem Bruder, in einer Pflegefamilie leben muss, denn bei ihrer Mutter ist sie nicht mehr sicher.  Bei Rosa und Hans Hubermann lebt sie in Molching, eine kleine (fiktive) Stadt in der NĂ€he von MĂŒnchen. Bald schon fĂ€ngt Liesel an, BĂŒcher zu stehlen, denn diese geben ihr den Halt, der in einer solch harten Zeit mehr als nötig ist. StĂ€ndiger Begleiter ist nicht nur der Nachbarsjunge Rudi, sondern auch der Tod selbst, der das kleine MĂ€dchen ins Herz geschlossen hat. AuffĂ€llig ist der Schreibstil, denn er ist manchmal zynisch, aber eben auch Detail verliebt. Mit dem ErzĂ€hler, dem Tod, kann man zunehmend mitfĂŒhlen, ist er es nicht, der die Menschen verfolgt, sondern die Menschen sind es, die ihn heimsuchen und jagen. Der Tod beschreibt sich selbst als „amĂŒsant. achtsam. AndĂ€chtig. Und das sind nur die Eigenschaften mit ‚a‘ “ (S. 9) Doch manchmal fallen Bemerkungen, die ich nicht sonderlich angemessen finde, etwa, dass er sich fragt, wie viele Menschen sich wohl beim ausfĂŒhren des Hitlergrußes verletzt haben, oder dass die Deutschen wohl Spaß am verbrennen von Dingen (BĂŒcher, Synagogen und Menschen) hĂ€tten. „Aber das alles hĂ€tte zu nichts gefĂŒhrt, wenn die Deutschen nicht eine ganz besondere Vorliebe gehabt hĂ€tten:

Etwas zu verbrennen.
Die Deutschen liebten es, Dinge zu verbrennen. GeschĂ€fte, Synagogen, ReichstagsgebĂ€ude, Hause, persönliche GegenstĂ€nde, die Leichen ermordeter Menschen und natĂŒrlich: BĂŒcher.“ (S.96)
Alles in allem ist dieses Buch informierend, was andere BĂŒcher zu dieser Thematik allerdings auf weniger Seiten schaffen, und man merkt, dass sich Markus Zusak ganze 3 Jahre lang ĂŒber diese Zeit informiert hat, bevor er das Buch fertig stellen konnte. Der Schreibstil ist teilweise sehr angenehm, zynisch, philosophisch angehaucht und auch schön ausgeschmĂŒckt, aber immer wieder sehr zĂ€h, sodass man manchmal mit dem Lesen schlecht voran kommt. Ich kann das Buch Jugendlichen, aber auch jungen Erwachsenen, empfehlen, die gerne mehr ĂŒber die Zeit des Zweiten Weltkrieges erfahren möchten, und sich auch von BĂŒchern mit vielen Seiten nicht abschrecken lassen. Außerdem sollte man eine Vorliebe fĂŒr sehr ausgeschmĂŒckte Texte haben, denn in diesem Buch sind viele Vergleiche, Metaphern, Personifikationen, usw. enthalten!
4/5 Sterne
4-Sterne
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2 Gedanken zu “📖 Rezension zu: „Die BĂŒcherdiebin“ von Markus Zusak

  1. Hey,

    die BĂŒcherdiebin ist ein richtig tolles Buch. Die ErzĂ€hlperspektive ist mal anders und es war gleichzeitig schön und traurig.

    😀 „Somit ist die Geschichte von Liesel heute noch aktuell, obwohl sie von einer Zeit erzĂ€hlt, an den sich wohl kaum ein Jugendlicher erinnern kann.“
    Den Jugendlichen möchte ich sehen, der sich noch an den 2. WK erinnern kann 😉

    Ich habe das Buch ĂŒberhaupt nicht zĂ€h gefunden, ganz im Gegenteil. Durch den tollen Stil habe ich das Buch wirklich schnell lesen können, weil es einfach nicht so 08/15 war.

    GrĂŒĂŸe,
    Julia

    GefÀllt mir

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