📖 Rezension zu: „Gebete für die Vermissten“ von Jennifer Clement

Gebete für die Vermissten

Bewegendes und packendes Buch, dessen Thema häufiger in der Öffentlichkeit besprochen werden sollte!

Ladydi lebt in einem mexikanischen Bergdorf, in dem Mädchen immer wieder in Erdlöchern verschwinden müssen und es, wie sich Ladydis Mutter ausdrückt, das Beste ist, wenn man ein hässliches Mädchen ist. Ein Ort, an dem man seine Töchter als Jungen verkleidet. Denn schöne Mädchen werden zu erst geholt. Von den Männern in den schwarzen Geländewagen. Von Drogen- und Menschenhändlern.
Ladydi malt sich ihre Zähne schwarz an, hat immer kurz geschnittene Haare, sieht kein bisschen weiblich aus und darf niemals einfach vor die Tür gehen, um zum Beispiel zu spielen. Das wäre nämlich viel zu gefährlich, denn jederzeit könnten die Männer auftauchen und sie holen.
Dort zählt das Leben einer Frau oder eines Mädchens kaum etwas.
In dem Dorf gibt es keine Männer mehr. Sie sind ausgewandert, auf der Suche nach Arbeit und schließlich ganz weggeblieben- oder sie sind einfach tot.
Doch träumt Ladydi von einer besseren Zukunft: Sie möchte nicht ewig bei ihrer alkoholabhängigen Mutter bleiben, möchte sich nicht verstecken müssen, sondern Liebe, Freundschaft, Freiheit und Wohlstand kennen lernen.
Und dann bietet sich ihr eine einmalige Chance, die ihr ganzes Leben verändern soll: Sie darf in Acapulco als Hausmädchen bei einer sehr reichen Familie arbeiten. Doch Mike, der auch aus ihrem Dorf stammt, verwickelt sie in einen Drogendeal. Ohne dass Ladydi etwas davon geahnt hätte. Doch kann sie sich nicht wehren, sie nimmt das Päckchen Heroin an sich.
Und schon bald wird Ladydi noch größere Probleme bekommen und um ihre Freiheit und ihr Überleben kämpfen müssen.

Die Autorin des Buches, Jennifer Clement, wuchs in Mexiko-Stadt auf. Für das Buch recherchierte sie über zehn Jahre lang und führte hunderte Interviews mit vom Drogenkrieg betroffenen Mädchen und Frauen vor Ort.

Dem Buch lag auch noch ein Heft bei, in dem wichtige und vor allem schockierende und alarmierende Fakten und Schicksale errläutert und beschrieben werden.
So erfährt man beim Lesen des Heftes zum Beispiel, dass laut Regierungsstatistiken die Zahl der Entführungen in Mexiko im letzten Jahr um 31% stieg. Diese Erhebungen erfassen aber lediglich die Fälle von Entführungen mit anschließender Lösegelderpressung.
Ausschnitte aus Interviews verdeutlichen eindrucksvoll, dass dort eine Frau zu keinem Mann „Nein“ sagen darf.
Und der Polizei traue man nicht, da diese vielfach in die lokalen Mafiastrukturen verstrickt sei.
Die Fälle von Zwangsarbeit, Schuldknechtschaft und Sexhandel nähmen im alarmierendem Maße zu.
Außerdem habe der Kampf gegen die Drogenkartelle in den letzten sechs Jahren an die 70.000 Menschen das Leben gekostet.
Darüber hinaus schätzen Regierungsorganisationen die Zahl der Entführungen im Jahr 2012 auf 105.682, es gäbe eine Dunkelziffer von 99%. Nur 1.446 Entführungen wurden im Jahre 2013 zur Anzeige gebracht.

Beim Lesen des Buches merkt man, wie intensiv sich die Autorin mit diesem Thema auseinandergesetzt hat. Man erhält sehr tiefe Einblicke in das Leben der Frauen Mexikos und liest über mehrere Schicksale. Das Buch ist sehr packend geschrieben, ich hatte es nach wenigen Stunden durchgelesen. Während des Lesens ist man immer erleichterter darüber, dass man an einem sicheren Ort lebt, sich nicht verstecken muss und seinen eigenen Willen haben darf, und vor allem, dass man als Mensch angesehen wird und nicht als ein Gegenstand, wie etwas dass man sich einfach nehmen darf, behandelt wird.
Die verschiedenen Schicksale der Personen, auf die Ladydi trifft, und auch ihr eigenes, sind sehr berührend und fein ausgearbeitet, sodass die Charaktere sehr real wirken und man sie sich sehr gut vorstellen kann.
Auch die Thematik des Buches finde ich ausgesprochen wichtig und meiner Meinung nach sollte sie viel häufiger in der Öffentlichkeit behandelt werden.

Ich kann dieses Buch jedem weiter empfehlen, da es zum einen sehr gut geschrieben ist, den Leser also keineswegs mit Trockenheit langweilt, und zum anderen wegen des wichtigen Themas über das man sich informiert haben sollte.

5/5 Sterne

5-Sterne

Vielen lieben Dank an den Suhrkamp-Verlag, der mir dieses Rezensions-Exemplar zur Verfügung gestellt hat. Ich habe mich sehr gefreut, dieses berührende Buch lesen zu dürfen!

Hier geht es zur Internetseite des Suhrkamp-Verlages -> klick   schaut doch mal vorbei!

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Ein Gedanke zu “📖 Rezension zu: „Gebete für die Vermissten“ von Jennifer Clement

  1. Hey,

    eine tolle Rezension. Das Buch klingt wirklich spannend, aber natürlich auch sehr verstörend. Ich lese zwar selten Tatsachenberichte, aber zwischendrin finde ich das mal sehr interessant.
    Das Buch wird wohl erstmal auf meiner Wunschliste landen 🙂

    Liebe Grüße,
    Julia

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